Universalöl und Kettenöl für Fahrräder im Test: Alles, was Sie wissen müssen

Die Probleme kennt jeder: Die Haustür knarzt, der Benzinrasenmäher will nicht anspringen, die verrostete Heckenschere soll wieder auf Vordermann gebracht werden und die Fahrradkette braucht dringend Schmierung. So unterschiedlich die Aufgaben auch sein mögen, Multifunktionsöle versprechen in allen Fällen die Lösung.

Universalöl im Test: GTÜ prüft sieben aktuelle Produkte

Die GTÜ Gesellschaft für Technische Überwachung hat sieben aktuelle Universalöle aus der Spraydose geprüft. Testsieger wurde SX 90 plus von Sonax mit dem Prädikat „sehr empfehlenswert“ (siehe Tabelle). Die Tester der GTÜ haben in drei Kategorien sehr unterschiedliche Fragen beantwortet. Wichtigstes Kapitel, die Wirkung der Universalöle: Wie gut sind Schmierung und Verschleißminderung, wie effizient ist der Rostschutz? Wie sind Lösungs- und Kriechvermögen zu bewerten sowie die Eignung als Kontaktspray? Daneben ging es aber auch um Fragen der Anwendung, zum Beispiel in welchen Bereichen die Öle einzusetzen und wie ergiebig sie sind.

Ziemlich bunt die Palette der Verwendungsarten, die neben den klassischen Bereichen der Schmierung und Rostbekämpfung in einigen Fällen sogar die Waffenpflege beinhaltet (Ballistol, beko B10, Caramba 70, Sonax SX 90). Ballistol, das sich mit geringem Wasserunterwanderungsvermögen als einziges Produkt zwar nicht sonderlich als Kontaktspray für die Elektrik eignet, punktet dafür mit Vorzügen von der ökologischen Unbedenklichkeit bis hin zur desinfizierenden Tierpflege. Ausdrücklich empfiehlt der Hersteller Ballistol auch für Leder. Sprödes und trockenes Leder werde wieder „weich und elastisch“.

Überhaupt stellten die GTÜ-Tester fest, dass Universalöle ihre Aufgaben im Normalfall durchaus zufrieden stellend lösen, aber Spezialmittel auch für weitere, schwierige Anwendungsfälle oft nicht zu ersetzen sind. So sorgen zumindest die besseren Universalöle zwar für einen ganz ordentlichen Rostschutz unter nicht allzu harten Bedingungen eines Schnellrosttests mit 3-prozentiger Salzlösung. Ähnliches gilt für die Schmierfähigkeit und Verschleißminderung der Universalöle. Beispiel Antriebsketten, die extremen Belastungen ausgesetzt sind: Bei einschlägigen Verschleißmessungstests (nach Reichert) schneiden Spezialprodukte zur Kettenschmierung erheblich besser ab als die Alleskönner. Das hindert Sonax nicht daran, sein SX 90 plus ausdrücklich auch dafür zu empfehlen. O-Ton Sonax: „Schmiert dauerhaft Fahrrad- und Motorradketten“.

Fahrradkette: Ein technisches Meisterwerk braucht Pflege

Keine Frage eine Fahrradkette ist ein technisches Meisterwerk und hoch beansprucht. Eine ungepflegte Kette strapaziert nicht nur die Nerven von Radkollegen. Sie macht den Antrieb bezüglich Kraftübertragung und Funktion auch ineffizient. Wikipedia schreibt dazu: „Die Tribologie befasst sich mit der wissenschaftlichen Beschreibung von Reibung, der Berechnung und Messung von Reibungskoeffizienten, dem Verschleiß und der erforderlichen Schmierung zwischen aufeinander einwirkenden, in Relativbewegung befindlichen Oberflächen. Als Basisstoff kommen synthetische, biologische Öle oder Wachse zum Zug. Diese werden mit Zusätzen wie PTFE (Teflon), Wachs, Keramik, Graphit, MOS2 (Molybdändisulfid) angereichert, um ­spezielle Eigenschaften zu erzielen.

Testverfahren zur Bestimmung des Verschleißschutzes von Kettenölen

Um den Verschleißschutz zu testen, setzen wir auf einen Brugger-Test. Den Testaufbau dazu erarbeitete unser Testlabor der Dr. O.K. Hierbei kann man das Kettenöl auf einen genormten Reibkörper in Form eines Stahlrings aufbringen, damit es ausreichend Zeit zum Ablüften bekommt. Einen ebenfalls genormten Prüfblock setzen wir mit 400N Anpressdruck auf. Ein Computer steuert den Testablauf und nimmt verschiedene Daten wie die Temperatur auf.

Weitere Testverfahren

  • Korrosionstest: Beim Korrosionstest reinigen und benetzen wir genormte, blanke Metallplättchen. Dann bekommen diese eine Stunde zum Ablüften. Die Kochsalzlösung wirkt wie ein Zeitraffer. Das Verhalten ist ähnlich wie bei einer winterlichen Ausfahrt auf mit Salz bestreuter Straße.
  • Schmutzanhaftung: Um die Schmutzanhaftung eines Öls festzustellen, reinigen wir die blanken Metallplättchen, benetzen sie mit Öl und hängen sie nach einer definierten Ablüftzeit in Normsand. Die Sandentnahme messen wir auf 1/100 Gramm.
  • Kriechfähigkeit: Bei der Untersuchung zur Kriechfähigkeit kann das Öl nach Aubringung auf der Schnittstelle von zwei Glasplatten 15 Minuten einziehen. In der Praxis spielt die Kriechfähigkeit eine eher untergeordnete Rolle. Denn Kettenöl sollte generell viel Zeit zum Einwirken bekommen. Öle aus Tropfflaschen benötigen meist etwas mehr Zeit zum Einziehen.
  • Ergiebigkeit: Da viele Öle mit flüchtigen Stoffen versetzt sind, haben wir die reelle Ergiebigkeit getestet. Dazu sind alle Gebinde komplett entleert worden. Anschließend haben wir die Ölmenge gleich nach der Entleerung sowie 20, 50 und 70 Stunden später gemessen.

Bezüglich der Anwendung haben wir Tropf- und Aerosolflaschen getrennt bewertet. Tropfflaschen bringen 100 Prozent des Öls auf die Kette, sind direkt und punktgenau aufzutragen. Dagegen besitzen Aerosolflaschen eine meist höhere Kriechfähigkeit, kürzere Einwirkzeiten und das Öl ist einfacher aufzubringen.

Fahrrad-Wartung: Bremse, Kette und Co.

Um alle Kettenöle bestmöglich miteinander vergleichen und die jeweiligen Kriterien in Relation zur Praxis werten zu können, nehmen wir eine Gewichtung vor. Bei der Humanverträglichkeit geht es um die Toxikologie von Schmierstoffen. Diese können Organismen angreifen, die Haut reizen, wassergefährdend, entzündlich oder entflammbar sein.

Die Komplexität eines Kettenöls im Test abzubilden, war gar nicht so einfach. Doch die Ergebnisse lassen sich gut miteinander vergleichen und Rückschlüsse auf die jeweiligen Testkriterien zu. Im Detail gibt es oft große Unterschiede, die wir teils selbst nicht erwartet hätten. Die Öle von Holmenkol und MucOff gehören bei Verschleißschutz und Schmierverhalten zur absoluten Spitze und heimsen dadurch eine Empfehlung ein. Den Preis-Leistungstipp erarbeitet sich bei den Tropfflaschen Atlantic, bei den Aerosolflaschen TipTop. Testsieger in beiden Kategorien mit nur minimalen Abzügen im Detail werden die Öle von F100.

Die Qual der Wahl: Welches Kettenöl ist das Richtige?

Die schiere Flut an Produkten für die Fahrradkette lässt Köpfe wie Kurbeln kreiseln. Obendrein bieten manche Hersteller inzwischen auch noch Öle und Schmiermittel auf Nano-Partikel-Basis sowie Spezial-Produkte mit Zauber-Zutaten wie Graphen. Kostenpunkt: schlappe 129,95 Euro für 140 Milliliter. Doch brauchen Ketten wirklich all diese Spezial-Mittelchen, um geschmeidig über die Kassette zu gleiten und den Verschleiß am Antrieb so gering wie möglich zu halten?

Unser aufwändiger Labortest gibt Aufschluss über die tatsächlichen Qualitäten der Schmiermittel und zeigt: gute Schmierung muss nicht teuer sein. Schon ab 4,40 Euro pro 100 Milliliter finden sich am Markt hochwertige Produkte, die der Kette ein langes Leben ermöglichen.

Hier eine Übersicht einiger getesteter Kettenöle:

Kettenöl Preis pro 100 ml Schmierfähigkeit Kriechfähigkeit Korrosionsschutz Schmutzanhaftung Handling Gesamtnote
Antidot Kettenöl 17,44 Euro 1,0 4,0 5,0 4,0 1,0 2,5
Atlantic Dry11 7,53 Euro 5,0 1,0 1,0 2,0 4,0 3,2
Ballistol Keramik-Kettenöl 7,83 Euro 2,0 3,0 1,0 2,0 2,0 2,0
Dr. Wack F100 Trocken-Schmierstoff 17,52 Euro 2,0 2,0 2,0 2,0 3,0 2,2
Finish Line Kettenöl Synthetisch 10 Euro 1,0 4,0 5,0 4,0 4,0 3,0
Hanseline Kettenwachs 7,50 Euro 3,0 4,0 4,5 3,0 3,0 3,4

Fahrradkette reinigen: Die richtige Vorbereitung

Das Wichtigste bei der Reinigung der Fahrradkette ist die richtige Vorbereitung. Wir können dich beruhigen: Kettenpflege ist keine Wissenschaft. Auch Geschirrspülmittel hat eine fettlösende Wirkung und kann zum Reinigen der Fahrradkette verwendet werden. Hierfür gibst du einfach ein paar Tropfen ins Wasser oder direkt auf das Tuch. Wenn du stattdessen Kettenreiniger verwendest, solltest du darauf achten, dass er biologisch abbaubar ist.

Wenn du alle Utensilien für die Reinigung und Pflege zur Hand hast, kann es losgehen! Tipp: Trage beim Reinigen der Fahrradkette Handschuhe, um schmutzige Hände zu vermeiden.

Wie reinige ich meine Kette?

Bei der Reinigung der Kette solltest du möglichst sanft und vorsichtig arbeiten! Benutze keinen Hochdruckreiniger, da dieser die beweglichen Teile der Kette, Kassette und Co. schnell beschädigen kann. Gehe stattdessen wie folgt vor:

  1. Schalte vor dem Reinigen in einen mittleren Gang.
  2. Spanne dein Fahrrad in einen Montageständer.
  3. Lege gegebenenfalls den Boden mit Zeitungspapier oder einer Plane aus, um Ölflecken auf den Boden zu vermeiden. Am besten reinigst du dein Fahrrad an einem offiziellen Waschplatz da dort spezielle Auffangbehälter vorhanden sind und das ölhaltige Wasser nicht ins Grundwasser gelangt.
  4. Entferne den groben Schmutz von der Kette trocken mit einer Kettenbürste. Bürste dazu locker über die Kette. Sitzt der Schmutz tiefer, kannst du diesen vorsichtig mit einem Zahnstocher entfernen. Vergiss dabei nicht die Schaltwerkröllchen.
  5. Löse nun mit einem trockenen Lappen die verbliebenen Verschmutzungen. Sprühe anschließend Kettenreiniger auf den Lappen und fahre nochmal über die Kette. Dadurch wird das Öl-Schmutzgemisch aufgeweicht und lässt sich leichter entfernen. Alternativ kannst du auch eine Zahnbürste und Wasser mit Spülmittel verwenden.
  6. Nachdem du den Schmutz entfernt hast, spülst du die Kette noch einmal mit klarem Wasser ab und trocknest sie anschließend gut ab.

Wenn du die Kette einfach an der Luft trocknen lässt, kann sich durch die lange Trocknungszeit Rost bilden. Wenn du alle Verschmutzungen abgespült hast, musst du die Kette nur noch gut trocknen, denn erst dann kannst du sie schmieren, was sehr wichtig ist. Wenn du mit einer zu trockenen Kette fährst, erhöht sich die Reibung an den Zähnen der Antriebskomponenten und sie verschleißen schneller. Deshalb solltest du die Kette immer mit Schmiermittel benetzen, bevor du zur nächsten Tour aufbrichst.

Auch die Kassette deines Fahrrads solltest du regelmäßig reinigen. Hierfür drehst du die Bürste einfach mit dem Freilauf mit und bürstest den Schmutz weg. Wenn du dir die Kettenpflege erleichtern willst, kannst du dir auch ein professionelles Kettenreinigungsgerät zulegen, das mit seinen kleinen Borsten auch die verborgensten Stellen deiner Kette gründlich reinigt.

Fahrradkette schmieren: Was ist das richtige Öl?

Du hast die Reinigung deiner Fahrradkette hinter dir und willst sie nun ölen? Bevor es ans Eingemachte geht, stellt sich allerdings noch die Frage, welches Mittel sich am besten zum Ölen eignet? Normales Öl, mit PTFE, Wachs, vielleicht ein Spray oder doch das gute alte WD40?

WD40: Das Öl für die Kettenreinigung

Um es gleich vorweg zu nehmen: WD40 sollte man nie verwenden. Als Kriechöl ist es viel dünnflüssiger als herkömmliches Kettenöl und verdrängt so mit der Zeit die „dickere“ Kettenschmierung. Der dünne Film von WD40 reicht nicht aus, um die Kette ausreichend zu schmieren und kann im schlimmsten Fall zu erhöhtem Verschleiß führen. Wer kein Spezialprodukt zu Hause hat, kann WD40 aber zum Reinigen verwenden, denn es entfettet und schützt die Kette vor Rost.

Fahrradkette schmieren mit Kettenöl

Die erste Wahl zur Kettenpflege ist daher handelsübliches Kettenöl aus dem Fahrradgeschäft. Dieses gibt es in verschiedenen Varianten, z.B. für feuchtes Wetter mit PTFE, das die wasserabweisenden Eigenschaften verbessert.

Kettenwachs: Die Alternative für die Kettenpflege

Kettenwachs nimmt eine Sonderstellung ein: Es trocknet auf der Kette und bildet so einen dauerhaften Schutz für das ursprüngliche Fett. Daher eignet es sich auch zum Einfetten einer neuen Kette. Zu beachten ist allerdings, dass sich das Wachs ohne chemische Entfetter kaum wieder entfernen lässt.

Wichtig: Pflanzenöl eignet sich dagegen nicht als Schmiermittel für die Fahrradkette, ebenso wenig wie Sprays für Autos. Diese sind in der Regel auf die Bedürfnisse von Autos abgestimmt.

Damit solltest du die Kette nicht säubern

  • Hochdruckreiniger: Mit einem Hochdruckreiniger können die Teile beschädigt und Schmierfette aus den Lagern gespritzt werden. Bei Anwendung an der Kette kann zudem alter Schmutz in die Lager gelangen.
  • Spülmittel: So dringt das Mittel nicht so tief in die Kettenglieder ein und ist deshalb für intensiv genutzte Bikes weniger geeignet. Nutzt du das Mittel dennoch, dann sollte die Kette nach der Reinigung sofort geölt werden.
  • Bremsenreiniger: Seine sehr stark entfettende Wirkung führt dazu, dass die Kette nach einer Behandlung mit Bremsenreiniger sowohl außen, als auch innen komplett ungeschmiert ist und somit auch keinen Rostschutz mehr bietet. Deshalb musst du die Kette nach dem Säubern mit Bremsenreiniger unmittelbar schmieren - oder auf eine alternative Reinigungsmethode ausweichen.
  • Diesel oder Benzin: Allerdings raten wir auch von dieser Methode ab, da beide Substanzen hoch entzündlich sind. Solltest du doch Benzin oder Diesel zum Reinigen deiner Fahrradkette nutzen, achte darauf, die Kette danach sofort wieder zu schmieren, da beide Stoffe stark entfettend wirken.

Wie oft muss ich eine Kette ölen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Letztendlich kommt es darauf an, wie oft das Fahrrad benutzt wird und wie stark die Fahrradkette dem Schmutz ausgesetzt ist. So kann es sein, dass du deine Kette nach 100 km ölen musst, manchmal dauert es auch länger. Wer jeden Tag bei Wind und Wetter zur Arbeit fährt, sollte die Kette in kürzeren Abständen pflegen - am besten wöchentlich, mindestens aber einmal im Monat. Eines ist sicher: Sobald die Fahrradkette nicht mehr leise läuft und rasselt, solltest du sie dringend ölen.

Wie viel kostet ein gutes Kettenöl?

Die gute Nachricht zum Schluss: Das Ganze ist gar nicht so teuer! Ein gutes Basisöl kostet meist keine 10€ und du kannst einige Zeit damit arbeiten, bevor es leer geht. Selbst die Spezial-Öle sind oft nicht viel teurer und auch Kettenreiniger sind für kleines Geld zu haben.

Unterschied Kettenöl für nasse und trockene Bedingungen

  • Nass-Kettenöle sind für den Einsatz bei schlechtem Wetter optimal. Ein dickeres Grundöl ist mit Haftvermittlern versehen. Die Kette wird mit einem Schutzmantel umgeben. Nachteil: Auch Schmutz haftet besser an der Kette.
  • Öl für trockenes Wetter (nicht zu verwechseln mit Trockenschmiermittel) ist dünner, dringt besser in die Laschen und Glieder ein. Es ist weniger sichtbar, wäscht sich aber auch schnell wieder ab.

Bio-Kettenöle im Test: Umweltfreundliche Alternativen

Ein Tropfen Erdöl kann 600 bis 1000 Liter Wasser verunreinigen. Wir Biker sollten daher umdenken und umweltfreundliche Schmierstoffe für die Fahrradkette verwenden. Das Angebot an Öko-Fahrradkettenölen wächst zwar, doch nur langsam. Wir haben 14 als “Bio” ausgelobte Schmierstoffe getestet.

Diese 14 Bio-Kettenöle haben wir getestet:

  • Antidot Kettenöl
  • Atlantic Bio-Kettenöl
  • Danico Biotech Ketten Kaiser
  • Dr. Wack F100 Bio Kettenöl
  • Dynamic Bio Allround Lube
  • Hanseline Bio MTB Oil
  • Motorex Chainlube Allround
  • Muc Off Wet Weather Lube
  • Pedro’s Go!
  • Rohloff Oil of Rohloff
  • Toniq Chain Oil All Weather
  • Tunap Eco Kettenöl
  • Wash ‘n’ Roll Bio-Antriebsöl
  • Weldtite Pure Wet Lube

Der Begriff Bio ist dabei dehnbar wie Kaugummi und nicht in jedem Öl steckt ausreichend davon. Als biologisch leicht abbaubar - und das ist die Grundvoraussetzung, die ein modernes Bio-Schmiermittel erfüllen muss - gelten Produkte, die spätestens nach 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent abgebaut sind. Die Prüfnorm OECD 301 ist dabei auch wesentliche Grundlage für die Vergabe anerkannter Umweltzeichen wie das EU-Ecolabel oder der Blaue Engel. Nicht alle Produkte im Test entsprechen diesen Anforderungen.

Was ist BIO?

Der Begriff Bio ist nicht geschützt. Nur, weil ein Produkt als umweltfreundlich angepriesen wird, ist es noch lange nicht unbedenklich.

Das sagt die Norm - OECD 301 (A-F)

Ein Schmierstoff ist für die Umwelt weniger gefährlich, wenn er sich bei Kontamination des Erdreichs in kurzer Zeit biologisch abbaut. Dafür muss der Schmierstoff durch Oxidation mit Sauerstoff unter Mithilfe von Wasser und Bakterien zu CO2, Wasser und Biomasse umgewandelt werden. Gemäß OECD 301 (A-F) muss der Schmierstoff innerhalb von 28 Tagen zu mindestens 60 Prozent abgebaut sein, um als leicht biologisch abbaubar zu gelten.

Die unterschiedlichen Basisöle

Bei den Grundölen unterscheidet man Mineralöle, synthetische Öle und Pflanzenöle. Wobei synthetische Öle sowohl auf Mineralölbasis als auch auf Pflanzenbasis erzeugt werden können. Synthetische Öle fossilen Ursprungs sind nach heutigem Stand der Technik NICHT leicht biologisch abbaubar. Mineralöle per se nicht. Trotzdem werden z. B. Weißöle unter dem Begriff Bio vermarktet. Für weitere Informationen zur Zusammensetzung eines Kettenöls können auch Endkunden das jeweilige Sicherheitsdatenblatt des Herstellers einsehen.

Umweltfreundlich

Um das Siegel “Bio” zu verdienen, sollte ein Fahrrd-Kettenöl natürlich nach OECD 301 biologisch leicht abbaubar sein. Zudem sollte es keine Farb- und Duftstoffe enthalten und ungefährlich für die Natur sein. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit sollten Verpackung und Label aus einem Rezyklat bestehen, also aus recyceltem Kunststoff. Nachfüllgebinde oder Nachfüllstationen bei Fahrradhändlern tragen ebenso zum Schutz der Umwelt und zur Vermeidung von Plastikmüll bei.

So testet BIKE

  1. Schmierfähigkeit: Im Labor haben wir alle Schmierstoffe auf einer Optimol-SRV5-Prüfmaschine testen lassen. Dabei werden Reibwert, Schmierungskoeffizient und Verschleiß in Anlehnung an DIN ermittelt.
  2. Kriechfähigkeit: Eine definierte Menge Schmierstoff wird auf die Kante zweier entfetteter, leicht versetzt aufeinanderliegender Glasplatten aufgetragen. Durch Kapillarkraft wandert der Schmierstoff 15 Minuten lang zwischen die Platten.
  3. Korrosionsschutz: Im Labor wurden zylindrische Prüfkörper aus Stahl 24 Stunden lang in einem Gemisch aus dem zu prüfenden Öls und NaCl-Lösung getaucht. Der entstandene Rost wurde abgewischt und die korrodierten Flächen per Augenschein klassifiziert.
  4. Handhabung der Schmierstoffe: Mehrere Testpersonen haben die praktische Handhabung beim Auftragen der Schmierstoffe bewertet. Die Mittel und Verpackungen unterscheiden sich dabei stark voneinander.

Interview mit Stefan Mitterer, Geschäftsleiter bei OELCHECK GmbH

BIKE: Sind Bio-Kettenöle völlig unbedenklich für die Umwelt?

Stefan Mitterer: Nein. Die offiziellen Tests zur Abbaubarkeit (z. B. OECD, CEC) sollen keinen Freischein darstellen. In Fällen wie Schlauchplatzern an Maschinen oder Verlustschmierung (Kette, Motorsäge) sind diese in der Umwelt besser abbaubar, sollten dennoch nicht in größerer Menge ins Erdreich oder Wasser gelangen. Sollte dies passieren, werden durchaus Gegenmaßnahmen, wie Ausheben des Erdreichs, durchgeführt. Aktuell werden Überlegungen in der Industrie angestellt, die Tests zur Abbaubarkeit von Schmierstoffen weiter zu verbessern.

Sind Attribute wie “kennzeichnugsfrei” oder “frei von Gefahrstoffen” Merkmale eines Bio-Produkts?

Nein, frei von Gefahrstoffen bedeutet nicht automatisch unbedenklich für die Umwelt. Auch biologisch abbaubar bedeutet nicht gleich unbedenklich für die Umwelt oder Lebewesen. Kennzeichnungsfrei heißt lediglich, dass toxikologische Untersuchungen einen gewissen Schwellenwert nicht überschritten haben und deshalb kein Gefahrensymbol auf dem Produkt erforderlich ist.

Manche Kettenöle bestehen nachweislich zu einem großen Teil aus Weißöl und werden trotzdem als Bio deklariert.

Da der Begriff Bio in diesem Zusammenhang nicht geschützt ist, sollte geprüft werden, ob die Auslobung “Bio” mit einem entsprechenden Test oder Erfüllung eines offiziellen Standards einhergeht (Prüfung des Etiketts, Datenblattes). Ansonsten kann man lediglich marketing-technische Gründe nicht ausschließen.

Wie ist die biologische Abbaubarkeit der Polyalphaolefine (PAO) einzuschätzen?

Es gibt Schmierstoffe, welche PAO-basiert sind und Abbaubarkeitstests erfüllen. Doch auch hier gilt, dass dies nicht mit „unbedenklich für die Umwelt“ gleichzusetzen ist.

Im Test schneiden viele der Bio-Produkte sehr gut ab. Gibt es auch Nachteile gegenüber mineralischen Ölen?

Je nach Aufbau des Schmierstoffs können sogenannte Bio-Schmiermittel eher zum Verharzen führen und sind in der Industrie oftmals teurer als klassische Mineralöle. Aufgrund des Aufbaus Richtung Umweltverträglichkeit sind die Öle tendenziell anfälliger für Abbaureaktionen. Diese können auch an der Kette ablaufen und dann zum Verharzen führen. Aber, wie in der Frage erwähnt, bieten die Bio-Schmierstoffe oft auch technische Vorteile.

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