Ein Fahrradhelm hat primär nur eine Funktion zu erfüllen: Er soll den Kopf seines Trägers schützen. Aktuelle Rennrad- beziehungsweise Gravel-Helme sollen aber noch mehr können: Sie müssen leicht, gut belüftet und komfortabel sein.
Worauf du beim Fahrradhelm achten solltest
Helm ist nicht gleich Helm! Damit ein Fahrradhelm deinen Kopf im Ernstfall optimal schützt, muss er perfekt sitzen und zum Einsatzbereich passen. In unserem Ratgeber haben wir die wichtigsten Punkte zu Größenbestimmung und Passform zusammengefasst, erklären aktuelle Technologien und stellen unsere Top 3 Fahrradhelme für E-Bike, Mountainbike, City und Rennrad vor!
Welcher Fahrradhelm für welchen Einsatz?
- Fahrradhelm E-Bike
- Fahrradhelm Mountainbike
- Fahrradhelm Trekking-, City- und Urban
- Fahrradhelm Rennrad/Gravel
E-Bike, Mountainbike, City, Rennrad und Gravelbike - Radfahren ist vielseitig, es findet auf der Straße ebenso statt wie im alpinen Gelände und auf Schotterpisten. Verschiedene Einsatzbereiche stellen unterschiedliche Anforderungen an Mensch und Material und deswegen unterscheidet sich ein Fahrradhelm fürs Mountainbike in seiner Passform deutlich von einem Straßenhelm bzw. E-Bike Helm.
Unterschiede zwischen Rennrad- und Gravelhelmen
Grundsätzlich eignet sich ein Rennrad-Helm zum Graveln und ein Gravel-Helm zum Rennradfahren. Unterschiede finden sich zum Beispiel in den Ausstattungsdetails. So verfügen die Modelle von Rudy Project und Oakley über ein abnehmbares Visier - es bietet dem Fahrer einen zusätzlichen Schutz vor der Sonne, dem Regen und herabhängenden Zweigen und Ästen. Die Helmschalen einiger Gravel-Modelle sind im Nacken weiter heruntergezogen, um den Fahrer auch in diesem Bereich besser zu schützen.
Auf dem Rennrad zählt Geschwindigkeit. Darum sind Rennrad-Helme besonders leicht und für maximale Aerodynamik windschnittig im Design. Dabei haben sie zahlreiche Ventilationsöffnungen, was dir hilft auf dem Rad einen kühlen Kopf zu bewahren. Ihre Form sorgt bei der Kopfhaltung auf dem Rennrad für ein möglichst großes Sichtfeld. Gravelhelme hingegen verzichten auf ultimativen Leichtbau und kommen einem Trekkinghelm- bzw. leichten MTB-Helm optisch sehr nahe. Preis: 70-280 Euro.
Sicherheitsmerkmale und Technologien
Jeder Helm verfügt über eine Oberschicht aus Kunststoff. Diese ist bei Qualitätshelmen mit der EPS-Schale per In-Molding-Verfahren fest miteinander verbunden. Im Falle eines Sturzes reduziert diese Schicht die Reibung am Boden und die damit einhergehenden Kräfte. Hochwertige Helme sind zudem nicht zuletzt aus Gründen der Optik auch am unteren Rand verbacken, auch wenn das einige Gramm Mehrgewicht kostet. Interne, skelettartige Strukturen aus hochfesten Kunst- oder Carbonfaserverbundstoffen können den Helm zusätzlich verstärken und stabilisieren.
MIPS-Technologie
Acht der 15 Helme in diesem Testfeld verfügen über eine Version des Multi-Directional Impact Protection Systems - kurz MIPS. Das System wurde in Schweden durch den gleichnamigen Hersteller entwickelt. Das Prinzip: Beim Aufprall entstehen stets auch Rotationskräfte, die auf den Schädel und das darin gelagerte Gehirn einwirken. Die Modelle von Bell, Endura, Met, Oakley und Specialized verfügen über die Versionen MIPS Essential beziehungsweise Evolve Core - dies sind Kunststoffstreben, die an der Innenseite dem Muster der EPS-Schale folgen. Ekoi setzt beim Modell Gara auf MIPS Air Node - hier ist das System im Helmpolster integriert. Giro verwendet beim Syntax MIPS Integra - eine Zwischenschicht, die direkt in die Helmschale eingebracht ist. Lazer hat mit „KinetiCore“ ein eigenes System entwickelt. Ausgefräste Blöcke an der Innenseite der EPS-Schale nehmen die Rotationskräfte auf - und dienen als zusätzliche elastische Knautschzone bei einem Aufprall.
Die Abkürzung MIPS steht für Multi-Directional-Impact-Protection-System. Diese Technologie wurde von schwedischen Medizinern und Ingenieuren erfunden und soll den Kopf und das Gehirn insbesondere im Fall eines Schrägaufpralls vor starken Rotationskräften schützen. Anwendung findet die MIPS-Technologie neben dem Radsport auch im Ski-und Reitsport - denn in den seltensten Fällen stürzt man dabei senkrecht auf den Boden, sondern führt nachweislich eine Rotationsbewegung zur Seite aus. Bei einem derartigen Schrägaufprall absorbiert MIPS die Rotationskräfte. Dadurch wird die Verletzungsgefahr am Gehirn minimiert.
Sekundäre Sicherheitsfeatures
Sekundäre Sicherheitsfeatures sind Bauteile, die nach einem Sturz dafür sorgen, dass im schlimmsten Fall ein Angehöriger oder Rettungskräfte alarmiert werden. Speziell in den Helm integrierte Sensoren und Live-Tracker sind über eine App mit dem Smartphone verbunden. Im Falle eines Sturzes kann - je nach dem System - ein Notfallkontakt oder der Rettungsdienst alarmiert werden.
Belüftung
Bei der Belüftung gibt es in vielen Fällen nur geringe Unterschiede. Kein Modell „versagte“ bei diesem wichtigen Test-Parameter komplett. Wissen muss man dazu: Die reine Anzahl und die Größe der Belüftungsöffnungen sagt oft wenig über die effektive Kühlung am Kopf aus. HJC beweist mit dem Valeco 2, dass auch ein Aero-Modell mit in der Relation wenigen Öffnungen über eine gute Ventilation verfügen kann.
Verstellsystem und Passform
Beim Verstellsystem am Hinterkopf gibt es deutlichere Unterschiede: Einige Modelle in diesem Testfeld sind nur in einem kleinen Bereich beziehungsweise nur in einer Stufe höhenverstellbar. Allein das kann schon darüber entscheiden, ob ein Helm passt oder nicht. Es gilt: Ein Verschlusssystem muss den Kopf vollständig umschließen und dafür tief genug am Hinterkopf und nicht zu hoch an der Stirn ansetzen. Zwei unserer Testmodelle verfügen zudem über einen praktischen Magnetverschluss des Kinn-Riemens.
Ein anderer wichtiger Parameter lautet: Helmschalen. Tipp: Liegt man beim Kopfumfang an der Grenze zwischen zwei Größen, dann kann es sich lohnen, nach einem anderen Modell zu suchen. An langen Anstiegen, in der Dämmerung oder bei Regenwetter nimmt man die Brille gerne von den Augen. Da trifft es sich gut, wenn man sie am Helm verstauen kann.
Fahrradhelm: So findest du die richtige Größe
Am Anfang ermittelst du deinen Kopfumfang. Messe dazu deinen Kopfumfang mit einem Maßband knapp oberhalb der Ohren. Ideal ist es, wenn dein Kopfumfang in etwa der Mitte des Größenbereichs des Helmes liegt. So hast du noch Verstellreserven, falls du z.B. mal ein Buff oder ähnliches unter dem Helm tragen möchtest.
Achte zudem auf die Passform. Hier gilt: Wenn’s direkt beim Anprobieren drückt, dann wird das nicht dein Helm! Die Passform eines Fahrradhelms unterscheidet sich je nach Hersteller und Modell und ist entweder schmal und oval bzw. breit und rund ausgelegt. Zudem gibt es verschiedene Verstellsysteme im Inneren des Helmes. Meistens besteht das Verstellsystem aus einem Kunststoffring, der sich über ein Drehrad am Hinterkopf oder eine Ratsche enger und weiter stellen lässt.
Die meisten Hersteller geben ihre Helmgrößen in Zentimetern und Größenbereichen an. Ebenso sind internationale Einheiten von XS bis XL verbreitet. Merke: Was bei einer Marke die Größe M ist, kann bei einer anderen Marke die Größe L sein. Die folgenden Angaben sind also nur als Richtwert zu verstehen.
So stellst du den Fahrradhelm richtig ein
- Kopfring am Fahrradhelm maximal weit einstellen
- Fahrradhelm waagrecht aufsetzen
- Höhe des Verstellsystems einstellen
- Kopfring anpassen und schließen
- Gurte und Helmverschluss einstellen
Normen und Prüfzeichen
Fest steht, in Punkto Schutz müssen alle Helme ein CE Prüfzeichen vorweisen, wenn sie auf dem deutschen Markt verkauft werden. Ebenso muss die DIN EN 1078, die Sicherheitsnorm für Radhelme, erfüllt sein. D.h. Schutz bieten alle in Deutschland erhältlichen Fahrradhelme. Jedoch gibt es zahlreiche Punkte, die einen preiswerten von einem hochpreisigen Helm unterscheiden. Material, Gewicht, Verschlusstechnologien und das Innenleben des Helms.
Ob Discounter-Helm oder High-End-Produkt - alle Fahrradhelme, die in der EU und in der Schweiz verkauft werden, müssen sich einem Testverfahren inklusive Crashtest unterziehen. Wird dieser makellos bestanden, erhält der Fahrradhelm die Norm DIN EN1080 (CE). Zusätzlich sind viele Modelle mit dem Zeichen für "geprüfte" Sicherheit (GS) versehen. In EU-weiten Testverfahren nach der DIN EN 1078 (CE) muss der Helm einen Test bestehen, bei dem er unter anderem mit einem Prüfkopf einmal auf einen flachen und einen schrägen Sockel fällt, der eine Bordsteinkante imitiert. Dabei darf der Prüfkopf beim Aufprall nicht das 250-fache der Erdbeschleunigung überschreiten.
Ein ewiges Leben hat jedoch bei allen noch sicheren Prüfverfahren kein Fahrradhelm. Du solltest ihn nach circa fünf bis sechs Jahren austauschen. Beobachtest du Verschleißerscheinungen, Risse oder hattest du sogar einen Sturz mit deinem Helm, ist er sofort gegen einen neuen zu ersetzen. Einige Hersteller bieten sogar einen Rabatt nach einem Unfall sowie ein Crash Replacement an. So kann ein neuer Helm der gleichen Marke teilweise bis zu 50 Prozent günstiger erworben werden.
Testberichte und Ergebnisse
Beim aktuellen Test wollten wir - unter anderem - herausfinden, ob die teureren Top-Modelle einen besseren Schutz bieten als die günstigeren Helme. So viel sei vorab verraten: Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit. Und: Der höhere Preis ist auch nicht zwangsläufig gekoppelt mit besserer Ausstattung wie beispielsweise einstellbaren Y-Gurten (die den Sitz unterhalb der Ohren verbessern) oder einem höhenverstellbaren Kopfring, der die Passform verbessert und meistens auch das Durchfädeln eines Zopfes zwischen Helmschale und Weitenverstellung möglich macht.
Sicher ist Sicher In puncto Schutzfunktion liefert der Crashtest ein eindeutiges Ergebnis: Ein in den Helm integrierter Rotationsschutz wie Mips mindert das Risiko von Hirnverletzungen. Das belegen unsere Messwerte. Mips-Helme bieten also ein Sicherheitsplus gegenüber Helmen ohne dieses Ausstattungsmerkmal. Und die gute Nachricht: Die halb so teuren Modelle schützen genauso gut wie die Top-Helme.
Das Risiko, mit einem Helm ohne Mips eine Gehirnerschütterung zu erleiden, liegt laut unserem Test bei durchschnittlich 27,5 Prozent.
Alle Helme im Test bleiben bei den Beschleunigungswerten, also den Kräften, die bei einem Aufprall noch auf den Kopf wirken, weit unterhalb der Norm (250 g). Die Spanne reicht jedoch von 90,4 g (Uvex Surge Aero Mips) bis zu 130,6 g (Uvex Rise) und zeigt, dass die Helme durchaus unterschiedlich gut schützen.
Unser Testfazit von 15 Rennrad- und Gravel-Helmen nach vielen hundert Kilometern lautet: Auch ein Modell im Preisbereich von 100 bis 180 Euro kann leicht, sehr gut belüftet und sicher sein. Entscheidend sollte die Passform sein. Auch ein günstiger Helm kann zur individuellen Kopfform passen und einen dauerhaft hohen Tragekomfort bieten.
Zusätzliche Informationen
Die Zeiten, in denen die Top-Helme immer auch die Leichtesten im Sortiment waren, sind passé. Das Mehrgewicht der aktuellen Helmgeneration resultiert einerseits aus dem zusätzlich integrierten Mips-System und/oder einer aus aerodynamischen Gründen geschlossenen Helmschale mit weniger Luftschlitzen, um dem Fahrtwind weniger Widerstand zu bieten. Der mit 223 Gramm leichteste Helm im Test ist im Umkehrschluss folglich ein klassisch anmutendes Modell ohne Rotationsschutz und mit vielen Luftschlitzen. Im Hinblick auf die Belüftung muss die moderne Bauart mit weniger Luftschlitzen aber übrigens kein Nachteil sein. Selbst bei den als „Aerohelm“ deklarierten Modellen entstand bei unserem Praxistest unter der Schale kein Hitzestau.
Beim Verschluss dominiert das Steckschloss, einstellbare Ratschenverschlüsse sind selten, ein Helm im Test verfügt über ein magnetisches Gurtschloss. Die Möglichkeit, die Radbrille mit sicherem Halt in den Helm zu stecken, Reflexstreifen oder ein Transportbeutel sind willkommene Zugaben bei der Ausstattung, jedoch im Vergleich zum vergangenen Test seltener geworden. Ersatzpolster oder solche in unterschiedlichen Stärken, um den Helm individuell anzupassen, sucht man heute vergebens im Karton. Eine kundenfreundliche Unfall-Ersatzregelung bietet nur ein einziger Hersteller.
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