Rennrad vs. Triathlonrad: Unterschiede, Vor- und Nachteile für Triathleten

Im Triathlon stellt sich oft die Frage, ob ein spezielles Triathlonrad notwendig ist oder ob ein Rennrad ausreicht. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede zwischen Rennrad und Triathlonrad, um Triathleten bei der Entscheidung zu helfen.

Die wesentlichen Unterschiede

Im Wesentlichen gibt es zwei Hauptunterschiede zwischen Renn- und Triathlonrädern:

  1. Die Geometrie: Das Triathlonrad hat einen steileren Sitzwinkel. Das Oberrohr ist kürzer und das Sitzrohr steiler. Bei Rennrädern beträgt dieser Winkel meist 73 oder 76 Grad, während er bei Tri-Bikes 78 Grad und mehr beträgt.
  2. Der Aerolenker: Statt des gebogenen Rennradlenkers hat ein Tri-Bike einen Liegeaufsatz (Aerobar) und einen Hornlenker.

Vorteile des Triathlonrads

Zuallererst ist da natürlich die Aerodynamik. Die liegende Haltung auf dem Triathlon-Rad senkt den Luftwiderstand. Bei einem Test wurden immerhin 172 Watt Leistungsunterschied bei gleicher Geschwindigkeit gemessen zwischen Oberlenkerhaltung Rennrad und optimaler Zeitfahrrad-Einstellung.

Durch den steileren Sitzwinkel des Triathlonrahmens vergrößert sich der offene Winkel im Bauchbereich. Das ist nicht nur angenehmer - schließlich muss man im Wettkampf verdauen und atmen. Es hat auch noch Vorteile beim anschließenden Laufen.

Eine Studie aus dem Jahr 2006 untersuchte die Auswirkung eines steileren Sitzrohrs (82 Grad gegen 72 Grad) auf die Muskeln. Das Ergebnis war, dass der Biceps Femoris (Schenkelbeuger) wesentlich langsamer ermüdet, sodass die Triathleten nach dem Wechsel weiter ausgreifende Schritte machen können und nicht so gedrungen laufen. Im Schnitt waren die Probanden auf der olympischen Distanz 4:44 Minuten schneller. Kurz gesagt: Ein Triathlon-Rad ergibt durchaus einen Sinn für Triathleten.

Nachteile des Triathlonrads

Die Vorteile des Zeitfahrrades für den Triathlon erkauft man sich jedoch mit einigen Nachteilen. Denn die Geometrie des Triathlonrahmens verschiebt den Schwerpunkt des Fahrers auf dem Rahmen. Bei einem Rennrad verteilt sich das Gewicht ungefähr 50 hinten, 50 vorne auf dem Rahmen. Der steilere Sitzrohrwinkel hebt den Triathleten nun nach vorne über das Tretlager. Die Maschine wird kopflastiger - Verhältnis nun etwa 30 hinten, 70 vorne.

Ein Zeitrad lässt sich deutlich unruhiger lenken, mehr Athletik und mehr Übung gehören dazu, es zu beherrschen. Und genau das bringt in bestimmten Situationen eine Menge Nachteile:

  • Auf kurvigen Strecken verliert man so unter Umständen viel Zeit in den Kurven, und auch beim Herausbeschleunigen.
  • Dasselbe gilt für Berge: Hier ist die Geometrie eher hinderlich - zum Beispiel, wenn man aus dem Sattel muss. Und einen aerodymischen Vorteil hat man am Berg dann eh nicht.
  • Auch für das Fahren in der Gruppe eignet sich das Tri-Bike kaum - denn hier muss man oft schnell reagieren können und ruhig und sicher fahren.
  • Wenn die Gruppe mal einen kleinen Sprint austrägt - das Zeitfahrrad kann da eher schlecht mithalten.

Rennradtypen im Vergleich

Um dir einen guten Überblick zu geben haben wir die wichtigsten Vor- und Nachteile der populärsten Rennradtypen zusammengefasst.

Endurance Rennrad

Endurance- oder Langstreckenrennräder werden dank ihrer entspannten Geometrie, dem stabilem Fahrverhalten und hohem Komfort immer beliebter. Dafür sorgen der längere Radstand und das höhere Steuerrohr, die aufrechtere Sitzposition und in letzter Zeit auch die Ausstattung mit Scheibenbremsen.

Vorteile:

  • stabiles Fahrverhalten, hohe Laufruhe
  • komfortable Sitzposition

Nachteile:

  • höheres Gewicht

Aero Rennrad

Aero-Bikes stehen für ein Ziel - Höchstgeschwindigkeit! Hier geht es weniger um Gewicht und Komfort, sondern einzig und allein darum, mit einer möglichst aerodynamischen Form den Wind hinter sich zu lassen und dabei Energie zu sparen.

Vorteile:

  • aerodynamische Form
  • für Höchstgeschwindigkeit

Nachteile:

  • Gewicht und Komfort zweitrangig
  • tiefe Sitzposition

"Klassisches" Rennrad

Die „klassischen“ Rennräder sind die Lieblingsräder der Profis, wenn es um den Erfolg in der Gesamtwertung geht oder Bergetappen anstehen. Sie zeichnen sich durch einen ultraleichten Rahmen aus, der sich extrem agil und schnell durch kurvige Strecken manövrieren lässt.

Vorteile:

  • ultraleichter Rahmen
  • agil und schnell
  • perfekt für ausgebaute Straßen

Nachteile:

  • kompakte Sitzposition

Aero Bike vs. Endurance Bike vs. klassisches Rennrad

Manchmal ist es gar nicht so einfach die Unterschiede der drei Rennrad Typen direkt zu erkennen.

Das Hauptaugenmerk des Aero-Rennrads liegt auf der Reduzierung des Luftwiderstands während der Fahrt. Im Vergleich zur bequemeren Sitzposition eines Langstrecken-Rennrads mit 160 mm beträgt die Steuerrohrlänge eines Aero-Rads etwa 140 mm.

Der Nachteil der gestreckten Sitzposition auf dem Aero-Rennrad wird nach mehreren Stunden im Sattel deutlich. Vielen Fahrern fehlt die Flexibilität, diese Haltung über längere Zeit beizubehalten.

Klassische Rennräder und Ausdauerräder weisen an dieser Stelle meist eine leichte Krümmung auf, um dem Rahmen zusätzliche Nachgiebigkeit zu verleihen. Das Aero-Bike hat also einen geringen Abstand zwischen der Schnittstelle Oberrohr/Sitzrohr und dem Ende des Sitzrohrs, was zu mehr Steifigkeit führt.

Triathlon-Distanzen und Zeitersparnis mit einem Triathlonrad

Wenn wir in einer vereinfachten Bespielrechnung davon ausgehen, dass du die jeweiligen Triathlon Raddistanzen auf einem Rennrad mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 30 km/h fahren kannst, würdest du unter gleichen Bedingungen und gleicher Leistung mit einem Triathlon Rad etwa einen Schnitt von 33 km/h fahren können.

Triathlon-Distanzen Rennrad 30 km/h Triathlon Rad 33 km/h Triathlon Rad 36 km/h Triathlon Rad 40 km/h Ersparnis bis zu
Sprintdistanz (20 km) 00:40:00 00:36:22 00:33:20 00:30:00 00:10:00
Olymp. Distanz (40 km) 01:20:00 01:12:44 01:06:40 01:00:00 00:20:00
Mitteldistanz (90 km) 03:00:00 02:43:38 02:30:00 02:15:00 00:45:00
Langdistanz (180 km) 06:00:00 05:27:16 05:00:00 04:30:00 01:30:00

So finden Triathlon-Neulinge das richtige Bike

Mit einem Rennrad macht die Teilnahme an einem Triathlon am meisten Spaß. Wir stellen preiswerte Modelle aus Alu und Carbon vor.

Spätestens, wenn Sie systematisch trainieren und es Ihnen beim Triathlon auch um Bestzeiten geht, lohnt sich die Investition in ein gutes und schnelles Rennrad. Lassen Sie sich vor allem bezüglich der Sitzposition gut ausmessen und beraten.

Was kostet ein Triathlonrad?

Triathlonräder fangen in der Regel erst ab Preisen um 3.000 bis 4.000 Euro an. Nach oben sind wie so oft die Grenzen offen. Die absoluten Top-Modelle der namhaften Hersteller sind für einen fünfstelligen Betrag zu haben.

Welches Rennrad passt zu mir?

Das passende Modell zu finden, ist gar nicht so einfach. Die Ausstattung und Charakteristiken eines Rennrades sollten den Anforderungen einer Triathletin bzw. eines Triathleten bestmöglich entsprechen.

Für Einsteigerinnen und Anfänger, denen es hauptsächlich um den Spaß an der Bewegung geht, genügt ein relativ günstiges Rad mit Aluminium-Rahmen (statt Carbon) und preisgünstiger Schaltgruppe.

Aluminium oder Carbon?

Im Einstiegsbereich sind bereits Modelle um 2.000 Euro mit Carbon-Rahmen erhältlich mit vergleichsweise günstigen Schaltgruppen. Carbon zeichnet sich vor allem durch ein noch geringeres Gewicht und sehr gute Steifigkeitswerte aus.

Wie finde ich die richtige Rahmengröße?

Sobald Sie sich für ein Modell entschieden haben, gilt es, die richtige Größe auszuwählen. Am besten ist es, wenn Sie direkt im oder um den Radladen eine Testfahrt machen können.

Wer sein Rennrad online bestellt, kann anhand der Beininnenlänge oder der Körpergröße auf die Empfehlung des Herstellers setzen und so die richtige Größe auswählen. Als Faustregel gilt: Multipliziert man die Innenbeinlänge mit dem Faktor 0,665, so erhält man die passende Rahmengröße.

Wo lohnt es sich am Rennrad aufzurüsten?

Am sinnvollsten bei einem Rennrad, das Sie bei einem Triathlon verwenden möchten, ist ein Lenkeraufsatz. Für vergleichsweise wenig Geld lässt sich so die Aerodynamik erheblich verbessern, indem der Oberkörper deutlich flacher positioniert wird und die Unterarme möglichst nahe zusammen gebracht werden, was die Stirnfläche signifikant verringert.

Auch die Reifenwahl kann überdacht werden. Viele Hersteller bieten eigens für den Triathlon konzipierte Reifen mit geringerem Rollwiderstand.

Rennräder aus Aluminium ab 1.299 Euro

Trotzdem hält der Markt für deutlich unter 2.000 Euro langlebige und zuverlässige Einsteiger-Rennräder bereit.

Radon R1 Disc Tiagra

Preis: 1.299 €

Ausgestattet ist das Aluminium-Rennrad (Gewicht rund 10 Kilogramm) mit Shimanos einsteigerfreundlichen Kettenschaltung Tiaga (2x10 Gängen).

Canyon Endurace 6

Preis: 1.399 €

Gerade Anfängern und Anfängerinnen in den Rennrad- oder Triathlonsport dürfte die moderate Sitzposition des Alu-Renners entgegenkommen.

Rose Blend Gravel

Preis: 1.399 €

Das Rose Blend Gravel ist eine interessante Option für diejenigen, die ein Rennrad mit einem breiten Einsatzzweck suchen. Die Gravelschaltung GRX von Shimano bietet 2x10 Gänge.

Rennräder aus Carbon von 1.899-2.800 Euro

Carbon als Werkstoff ist im professionellen Rennradbereich die Nummer eins - es ist leicht, steif und ästhetisch ansprechend.

Cube Attain GTC Race

Preis: 1.899 €

Ein Carbonrennrad mit Scheibenbremsen und Shimanos Sportschaltgruppe 105 mit insgesamt 22 Gängen?

Van Rysel NCR CF Carbon 105

Preis: 2.199 €

Das Gesamtpaket soll auf dem Papier mit knapp unter 9 Kilogramm minimal leichter sein als das Cube Attain, und mit Blick auf die Schaltung (Shimano 105 mit 2x12 Gängen) ist das Van Rysel moderner unterwegs.

Specialized Roubaix SL8

Preis: 2.800 €

Specialized lässt sich seine Innovationen gut bezahlen, im Falle des Roubaix die erprobte und beliebte Lenkerfederung zwischen Vorbau und Steuerrohr (Future Shock).

Fazit

Für den Einstieg in den Triathlon muss es nicht gleich ein teures Triathlonrad sein. Ein solides Einsteiger-Rennrad, idealerweise ausgestattet mit einem Lenkeraufsatz, kann dem All-inclusive-Paket eines Triathlonrads schon sehr nahe kommen.

Mit einem Rennrad haben Sie im Training deutlich mehr Spaß, da dessen Einsatzgebiet nicht so spezialisiert ist und Sie gerade bei längeren, bergigen Touren das einfachere und komfortablere Handling eines klassischen Rennrads zu schätzen wissen werden.

Sollten Sie nach Ihren ersten Triathlons so richtig angefixt sein und sich auch auf längere Distanzen wagen wollen, können Sie noch immer über den Kauf eines Triathlonrades nachdenken.

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