Die ADAC Experten haben zusammengestellt, was Motorrad- und Rollerfans am besten unter und (manchmal) auch über ihre Schutzkleidung anziehen sollten. Wer einen Fahreranzug ohne solche Schutzpolster besitzt, der kann meist nachrüsten.
Protektoren: Lebenswichtiger Schutz bei Stürzen
Ein Motorradanzug sollte Protektoren haben - am allerbesten an Schultern, Ellenbogen, Rücken, Hüften, Knien, Schienbeinen und Knöcheln. Weil Sie nicht an der Sicherheit sparen sollten, sind Protektoren nach der europäischen CE-Norm 1621 empfehlenswert. Das garantiert, dass die Aufprallenergie auf eine größere Fläche verteilt wird und spitze Gegenstände nicht eindringen.
Aber auch der beste Protektor nützt wenig, wenn er im Fall eines Sturzes verrutscht. Deshalb sollten Sie Nachrüstprotektoren wählen, die sicher an Ort und Stelle bleiben. Die beste Lösung: Protektoren, die in Unterziehkleidung eingearbeitet sind. Rückenprotektoren, die vornehmlich beim Rutschen über den Asphalt schützen, sollten unbedingt auch die untere Wirbelsäule abdecken.
Nachrüst-Protektoren im Test: Sicherheit und Komfort im Vergleich
Es gibt gepolsterte Büstenhalter, die auf "wonderbrare" Weise ein strammes Dekolletee herzaubern, und es gibt Protektoren, die ebenso wundersam der Motorradschutzbekleidung echte Superkräfte verleihen sollen.
Ein Protektor kann bei einem glücklich verlaufenden Sturz möglicherweise Verletzungen lindern, nicht verhindern. Er ist keine Versicherung, dass nichts passieren kann, und bei einem Frontalcrash mit einem Auto bräuchte man schon einen Engel, der einen darüber hebt, um heil davon zu kommen", erklärt Michele Vulcano, Produktmanager beim Protektorenhersteller Viscotec in Stuttgart.
Ottes Ansicht nach waren vorgeformte Schalen aus progressiv dämpfenden Polyurethan-Schäumen des schwedischen Konfektionärs Halvarssons vor rund 25 Jahren die ersten wirksamen Protektoren. Und erst seit rund 15 Jahren werkeln verschiedene Arbeitsgruppen an definierten Prüfnormen:
Seit der 1997 in Kraft getretenen Norm EN 1621-1 müssen Hersteller, die ausdrücklich auf die Schutzwirkung der Motorradbekleidung hinweisen, ihre Produkte entsprechend zertifizieren lassen. Die CE-Kennzeichnung (Abkürzung für "Communauté Européenne", französisch für "Europäische Gemeinschaft") gilt seither als Siegel für geprüfte Sicherheit - damit werben jedenfalls die Anbieter von Protektoren.
Fußend auf neueren, noch zielgerichteteren Forschungen tagen zurzeit internationale Arbeitsgruppen über einer Novellierung der Norm. "Deutschland hätte dort gern das Kraft-Zeit-Verhalten verankert, denn unserer Ansicht nach sind Beschleunigungsspitzen, die durch den Protektor weitergeleitet werden, besonders kritisch", erklärt Christoph Gatzweiler, Ressortleiter Technik beim Industrie-Verband Motorrad (IVM) in Essen.
Klar ist: Gelenk- und Rückenprotektoren sind sinnvoll, auch wenn sich nach wie vor die Geister daran scheiden, ob Hartschalen oder Weichschäume besser sind. Spezialist Otte sieht in der Kombination beider den Königsweg, bemerkt aber allgemein: "Knochenbrüche kann man kaum verhindern, aber die Art der Fraktur durchaus beeinflussen."
Protektoren könnten gefährliche offene Brüche (Infektionsrisiko) und komplizierte Trümmerbrüche, die häufig Folge von starken punktuellen Belastungen sind, zu vergleichsweise einfachen Brüchen "umwandeln" (mit besseren Heilungschancen). Außerdem schützen selbst einfache Hartschalen- und Schaumteile Haut und Gewebe gut vor Abschürfungen und reibungsbedingten Brandverletzungen, weil sie als zusätzlicher Schleifschutz dienen, wenn sich das Obermaterial von Jacke und Hose auf dem Asphalt in Wohlgefallen auflöst (bei einem Sturz meist schon nach drei Sekunden Rutschzeit).
Voraussetzung für einen Sicherheitsgewinn neben dem Tragen von guten Motorradstiefeln und -handschuhen ist aber, dass die Protektoren gut sitzen. Schlechte Idee: blind aus dem Internet zu bestellen, zumal viele Protektoren überhaupt nicht in die dafür vorgesehenen Taschen passen. Klüger: rein in die Motorradklamotten und hin zum Laden. Bei einer ausführlichen Anprobe kann besser ermittelt werden, ob eine Nachrüstung sinnvoll ist.
Protektoren sollten fest mit dem Außengewebe verbunden sein und nicht allzu locker in den dafür vorgesehenen Taschen baumeln. Beim Sturz würden sie sich wegdrehen - Schutz dann: gleich null. Zur Prüfung Fahrhaltung einnehmen und einen Helfer prüfen lassen, wie fest die Schützer an Rücken und Gelenken anliegen. Schutzwirkung schön und gut, die Bewegungsfreiheit sollte aber nicht eingeschränkt sein.
Die Mehrzahl der geprüften Protektoren sorgt für eine gute Schlagdämpfung.
Hier eine Zusammenfassung der Testergebnisse einiger Nachrüst-Protektoren:
| Marke | Gesamtpunkte (max 100) | Note |
|---|---|---|
| Held | 87 | Sehr gut |
| BMW | 77 | Gut |
| Louis | 70 | Gut |
| Büse | 65 | Befriedigend |
| Rukka | 62 | Befriedigend |
| Spidi | 58 | Befriedigend |
| IXS | 41 | Ausreichend |
| Heingericke | 40 | Ausreichend |
| Alpinestars | 32 | Mangelhaft |
Auszug aus einem Interview mit Christiane Reckter, Expertin für persönliche Schutzbekleidung beim TÜV Rheinland:
Eigentlich sind diese Protektoren in erster Linie entwickelt worden, um bei einem Sturz Haut und Gewebe vor Abrieb zu schützen, und weniger dafür, Knochenbrüche zu vermeiden. Die Praxis hat aber gezeigt, dass eben diese vergleichsweise simplen Teile schlimmere Verletzungen verhindern können, sogar Brüche. Ich persönlich jedenfalls trage nicht nur auf dem Motorrad, sondern bei allen Risikosportarten Protektoren. Spätestens seit einem schweren Sturz mit dem Snowboard fahre ich damit besser und kann das nur weiterempfehlen.
Die richtige Unterwäsche: Komfort und Schutz von innen
Bei der Unterwäsche für Motorradfahrer hat die Materialentwicklung eine fast unüberschaubare Vielfalt gebracht. Absolut winddicht und atmungsaktiv, zudem dauerhaft wasserabweisend, das wird von Herstellern für viele Faserkombinationen versprochen. Bekleidungstests der Motorradfachpresse helfen bei der Kaufentscheidung. Leichte und robuste Funktionswäsche ist wärmeregulierend und kann das ganze Jahr getragen werden.
Gegen große Kälte gibt es spezielle Hohlfasern, die nicht nur die Körperfeuchtigkeit nach außen durchlassen und die Haut trocknen, sondern mit isolierender Luft zusätzlich wärmen. Unabhängig davon, ob eine Spezialausstattung geruchloses Tragen auch bei mehreren Einsätzen verspricht: Funktionswäsche sollte bis mindestens 40 °C waschbar und bügelfrei sein.
Die richtige Unterbekleidung sorgt beim Motorradfahren nicht nur für einen Temperaturausgleich bei wechselnden Witterungsbedingungen. Neben den atmungsaktiven Eigenschaften dient sie bei einem Unfall auch dazu, die Haut zu schützen. Besonders bei hohen Temperaturen kann es vorkommen, dass das Innenfutter der Oberbekleidung wegen der Feuchtigkeit auf der Haut regelrecht festklebt. Diese Kontaktfläche kann bei einem starken Aufschlag und gleichzeitigem Schlittern auf der Straße zu schweren Verletzungen der Haut führen.
Die Funktionsunterwäsche, die Arme und Beine vollständig bedecken sollte, fungiert bei einem Unfall als Textilschicht, an der das Obermaterial über die Haut gleiten kann, ohne sie zu verletzen. Daher trägt die Unterbekleidung wesentlich dazu bei, die gesundheitlichen Folgen eines Unfalls zu minimieren.
17 Funktionsunterwäsche-Sets für Motorradfahrende im Test
Es gibt kaum noch Motorradfahrende, die noch auf spezielle Motorrad-Funktionsunterwäsche verzichten, weshalb sämtliche Hersteller diese Baselayer mittlerweile im Programm haben. Für unseren Test haben wir speziell die Sommermodelle oder Allwetter-Sets untersucht. Und was wollen alle im Sommer? Gekühlt werden und nicht im eigenen Schweiß baden.
Testsieger: Held 3D-Skin Cool
- Preis: 63,31 Euro (Shirt), 48,69 Euro (Hose)
- Materialien: 75 % Polyamid, 20 %Polyester, 5 % Elastan
- Fazit: Das supersofte Material gepaart mit hoher Funktionalität und sinnigen Details ergibt den ersten Platz im Test.
- MOTORRAD-Urteil: sehr gut
Kauftipp: Büse Fuse Megalight 140
- Preis: 39,95 Euro (Shirt), 34,95 Euro (Hose)
- Materialien: 78 % Polyamid, 22 % Polyester
- Fazit: Das Modell Fuse Megalight 140 aus dem Programm von Büse liefert alles, was eine sehr gute Basisschicht braucht.
- MOTORRAD-Urteil: sehr gut
Weitere getestete Modelle:
- Dainese D-Core Dry
- IXS Underwear 365
- Rukka Max/Mona
- Touratech Primero Allroad 2
- Alpinestars Tech Summer
- Dane Sommer
- Klim Aggressor Cool -1.0
- Louis Vanucci RVX Light
- Macna Base Layer
- Modeka Tech Cool
- Rev'it Airborne
- Richa Summer
- Six2 SuperLight
- Forcefield Tech 2 Base Layer
Weitere wichtige Ausrüstungsgegenstände
Sturmhaube
Wer unter dem Helm eine Sturmhaube trägt, schützt sich nicht nur vor dem kühlen Wind: Eine Sturmhaube ist auch leichter vom Schweiß zu reinigen als das Helmpolster. Die klassische Sturmhaube ist aus reiner Seide und kostet um vier Euro, Nobelversionen mit Membranen kosten das Zehnfache. So oder so: Mund und Nase sollten immer frei bleiben. Wer ein Halstuch oder eine -krause aus Mikrofasergewebe dem gebräuchlichen Halstuch vorzieht, wird im Handel ebenso fündig.
Nierengurt
Hauptaufgabe eines Nierengurts ist es, den Nierenbereich vor Unterkühlung durch Fahrtwind zu schützen. Preisgünstige Nierengurte aus elastischem Neopren oder Polyester mit Textilfutterinnenseite und Stretchteil, die unterm Anzug getragen werden, haben die alten Leder-/Fellversionen längst abgelöst. Es gibt mittlerweile auch Nierengurte aus Hightech-Material aus der Raumfahrt, das mit Millionen von Mikrokapseln das thermische Gleichgewicht besser halten soll. Die allerdings sind recht teuer.
Nässeschutz
Weil nicht alle Touren in Südkalifornien stattfinden, wo es angeblich nie regnet, ist Nässeschutz für Motorradler notwendig. Die Auswahl reicht von der Regenpelle aus dünnem, platzsparendem PVC für den einmaligen Einsatz bis zu aufwendigen Regenkombis aus wasserdichtem Nylon-PVC-Mix mit Netzinnenfutter, Reflexmaterial, diagonalem Labyrinthverschluss, variablem Beinabschluss mit Reißverschluss und Klettriegel nebst Antirutschmaterial am Gesäß sowie wasserdichter Dokumententasche.
Wer Tipps von Fachzeitschriften befolgt, sollte darauf achten, dass die Produkte wegen ihrer Dichtigkeit empfohlen wurden und dass das Anziehen der Kleidung inklusive dem Einsteigen in die Stiefel leicht möglich ist: Nicht immer ist ein Sozius dabei, der hilft, die Regenhaut über den schon nassen Fahreranzug zu bekommen!
Auch Regenhandschuhe oder -überzieher für Motorradhandschuhe und -stiefel, falls beide nicht mit Wasser abweisendem Material kombiniert sind, sind wichtig: Beide Hände und beide Füße müssen bei jedem Wetter Hebel und Bremsen betätigen können. Praxistipp: Seidenhandschuhe lassen Hände in Motorradhandschuhen noch weniger auskühlen.
Strümpfe
Spezielle Strümpfe für Motorradfahrer sind dort gepolstert, wo Belastungen bei Fahrmanövern entstehen. Das Angebot reicht bis hin zu richtigen "Klimaanlagen für den Fuß", bei denen überschüssige Wärme und Feuchtigkeit reguliert werden.
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