Der Online-Händler Upway verkauft wiederaufbereitete E-Bikes bis zu 69 Prozent günstiger als bei Neukauf. Doch wie laufen Bestellung und Versand eines gebrauchten E-Bikes bei Upway ab? Welchen Zustand können User erwarten und wie gut steht Upways Kundendienst ihnen bei Fragen zur Seite? Antworten liefert der Praxis-Test!
Upway im Praxis-Test: Breites Angebot
Über 1.600 gebrauchte E-Bikes führt Upway in seinem Online-Shop unter www.upway.de. Von vergleichsweise günstigen Modellen für mehrere Hundert Euro bis hin zu beinahe 7.000 Euro teuren Edel-Zweirädern ist alles dabei. Für den Praxis-Test fiel die Wahl auf ein besonders verlockendes Angebot - ein Keola 716F für 849 Euro, bei dessen Kauf man laut Angebot stolze 1.000 Euro gegenüber dem Neupreis spare.
Auf der Produktseite informiert Upway übersichtlich über die Verfassung und Ausstattung des E-Bikes. Es handle sich um ein zwei Jahre altes City-Fahrrad mit einer Laufleistung von knapp 7.000 Kilometern, so die Beschreibung. Der Zustand sei "gut, aber gebraucht", an einigen Stellen weise es demnach Abreibungen und Dellen auf. Über einen im Zuge der Wiederaufbereitung ausgetauschten Akku informiert das Start-up ebenso wie über die Rahmengröße, Motorisierung sowie die Art der Bremsen und Schaltung - so muss das!
Sieben Produktfotos tragen außerdem dazu bei, sich ein Bild vom Bike zu machen. Für den Speditionsversand berechnet Upway eine Pauschale von 39 Euro, die Bezahlung erfolgt auf Wunsch unter anderem per Kreditkarte, Klarna, PayPal oder Überweisung.
So kommt es an!
Prima: Schon drei Werktage nach der Bestellung kommt das Bike in einem großen Fahrradkarton an. Die Lieferung erfolgt dabei per Spedition frei Bordsteinkante - eine helfende Hand, um den Karton ins Haus oder den Keller zu tragen, schadet da nicht. Dank frühzeitiger Sendungsverfolgung und Terminankündigung kann man sich auf die Anlieferung allerdings gut vorbereiten.
Nach dem Auspacken ist das E-Bike so gut wie einsatzbereit - selbst der Akku ist bereits vollständig aufgeladen. Lediglich die Lenkerstange gilt es noch auszurichten und beide Pedale anzuschrauben. Das benötigte Werkzeug (Pedal- und Inbusschlüssel) sendet Upway samt Montageanleitung in einem Stoffbeutel mit. Darin befinden sich außerdem das Akku-Ladegerät, sämtliche zum Bike gehörenden Schlüssel und die Original-Checkliste, die Upways Fahrradmechaniker während der Wiederaufbereitung ausgefüllt haben.
Upway mit Express-Kundendienst
Ein Original-Handbuch zu ihrem gebrauchten E-Bike suchen Kundinnen und Kunden in dem Stoffbeutel hingegen mitunter vergebens. Enthalten ist es nämlich nur, wenn der ursprüngliche Besitzer des E-Bikes dieses beim Verkauf an Upway übergeben hat - logisch. Im Falle des Keola 716F ist das offenbar nicht geschehen. In einem beiliegenden Infoschreiben weist das Start-up jedoch darauf hin, man könne sich bei Bedarf an den Kundendienst wenden.
Im Praxis-Test stellten sich diese Bedenken allerdings als unbegründet heraus: Nur 20 Minuten nach Versand der Anfrage landete der Link zu einer PDF-Datei des Handbuchs im Postfach - klasse! Schade nur, dass Kundinnen und Kunden diesen erst erfragen müssen und er nicht bei Bestellung eines E-Bikes ohne Original-Handbuch gleich mitgesandt wird.
Zustand wie beschrieben
Ausgepackt und fertig montiert zeigt sich das Keola 716F erstmals in voller Pracht. Zeit, das gebrauchte E-Bike genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei wird klar: In einem perfekten Zustand ist das Fahrrad nicht mehr. Glücklicherweise beschränken sich deutliche Macken allerdings größtenteils auf austauschbare Teile wie den Gepäckträger (Lackschäden) und die Lenkerstange (rund 5 Zentimeter lange Abschürfung).
Den Rahmen zieren hingegen nur wenige, etwa reiskorngroße Schönheitsflecken. Einzige Ausnahmen: Sattelstrebe und Sattelrohr, an denen ein schweres Kettenschloss einige Gebrauchsspuren hinterlassen hat. Das ist nicht unbedingt schön, insgesamt deckt sich der reale Zustand des Fahrrads aber mit der Beschreibung der Produktseite. Ankreiden lässt an dieser Stelle nur, dass einige der Macken auf den Produktfotos im Vorfeld nicht erkennbar waren. Eine Einzelansicht größerer Makel könnte hier hilfreich sein.
Läuft wie eine Eins
Von diesen Schönheitsfehlern abgesehen ist der Zustand des E-Bikes tadellos. Vor allem typische Verschleißteile wie die Räder und die Felgenbremsen wirken wie frisch aus dem Ei gepellt. Gut möglich, dass Upway sie im Zuge der Wiederaufbereitung ersetzt hat. Das zumindest gehört eigenen Angaben nach zum Standard-Prozedere, sollten die Verschleißteile keinen neuwertigen Zustand mehr aufweisen.
So überzeugt das Keola 716F schließlich auch bei der Testfahrt: Die Räder laufen frei, die Bremsen agieren griffig und auch die Tretunterstützung des Bafang-Vorderrad-Motors sowie die Lichtanlagen erledigen ihren Job - ohne zu murren.
Das System ist einfach: Das Unternehmen kauft gebrauchte E-Bikes an, testet sie akribisch, bereitet bis auf den Lack alles so weit auf, dass man von einem neuwertigen Zustand sprechen kann, und stellt die Räder dann deutlich günstiger als das entsprechende Neurad im hauseigenen Onlineshop zum Verkauf, mit Garantie und Beratungsservice bei Problemen.
Woher stammen die gebrauchten Räder?
Neben dem Direktankauf von Privatpersonen per Webportal, so Operationsmanager (OM) Florian Groß, kaufe man Ausstellungsstücke und Rückläufer der Händler, nicht mehr gebrauchte Leasingbikes und sogenannte “New old stock”-Räder. Das sind die Einzelstücke, die am Ende der Saison übrig bleiben und von denen sich Händler und Hersteller günstig trennen. Sehr beliebt sei auch die Inzahlungnahme des alten Pedelecs beim Kauf eines neuen. Ist der Bikehändler Upway-Partner, werden die Kaufpreise gleich miteinander verrechnet. Das hält den Markt in Bewegung, weil man natürlich eher ein neues Rad kauft, wenn man das Vorherige gut und einfach loswird.
Upway in Zahlen
Für das dritte Geschäftsjahr sind die Zahlen von Upway schon beeindruckend. Und einem weiteren Wachstum steht wenig im Weg: Aktuell ist man in fünf Ländern aktiv.
- Gründung: 2021
- Firmensitz: Paris und Berlin
- Mitarbeiter: 120 gesamt, davon 23 in Berlin
- Fläche: 7500 Quadratmeter gesamt, davon 3000 Quadratmeter in Berlin
So funktioniert der Upway-Prozess
Hat jemand sein Rad an Upway verkauft, muss er oder sie es nur versandfertig machen: kein Karton, nur “schmal” herrichten und gut einwickeln. Abholung, Erstkontrolle und Überweisung gehen rasend schnell, eine Woche sei schon lang. Dann geht’s für die derzeit acht Mechaniker pro Schicht ans Werk. Auf der 20 Punkte umfassenden To-do-Liste stehen so banale Dinge wie das Zuweisen eines Registercodes und das Erfassen der technischen Daten inklusive des Auslesens der Historie des Antriebs bis zum essenziellen Akku-Check.
Jedes der 30 bis 40 Räder, die am Tag in Berlin ankommen, unterliegt einer Triage, mit einem Farbcode von quasi neuwertig bis stark reparaturbedürftig eingestuft. An diesen Härtefällen schraubt ein Mechaniker schon mal eineinhalb Tage statt wenige Stunden wie bei einem Topzustand. Getauscht wird so wenig und umweltfreundlich wie möglich, gleichzeitig soll der Kunde aber auch ein Produkt erhalten, auf das er sich verlassen kann, so der Grundsatz des Unternehmens.
Besonderheit Akku
Die Akkus durchlaufen einen ganz besonderen Prozess: Ihnen sieht man den Alterungsprozess nicht an; auch nicht, ob sie, und wenn ja, wie oft, tiefenentladen oder von 90 Prozent wieder auf 100 geladen wurden, das kille den Akku auf Dauer, so der Chefschrauber.
Von einer Software überwacht werden alle Akkus ein Mal maximal gefüllt und dann in einer Art Verbrauchssimulation entladen. Hat das gute Stück nur 80 Prozent der ursprünglichen Ausdauer, wird er von einer Partnerfirma refurbisht oder durch einen neuen ersetzt. Antrieb und Akku seien aber ganz selten mal derart angeschlagen, so Dario. Lediglich ein Akku von hundert sei nicht mehr zu retten.
Die letzten Schritte der Upway-E-Bikes
Wenn die Räder aus dem Bereich der Mechaniker weitergeschoben werden, sieht man ihnen ihr Vorleben kaum noch an. Hier und da sind kleine Schrammen am Lack, um Tretlager und Naben herum sitzt noch ein leichter Film aus Öl und Staub. Noch! Denn jetzt geht’s für die aufgefrischten Bikes ins Beautyzelt. Zelt deshalb, weil sie jetzt mit minus 78 Grad Celsius kaltem Trockeneis bestrahlt werden. Das sei die absolut sanfteste, gründlichste und zugleich umweltfreundlichste Methode, jegliche Patina zu entfernen, ohne dass Wasser in die Lager eindringe oder Lack und Eloxierung gefährdet seien, sowie ohne dass man einen Ölabscheider brauche oder Wasser.
Nach dieser “Trockenwäsche” erinnert wirklich nichts mehr an ein früheres Dasein. Selbst die nicht getauschten Teile blinken wie frisch aus dem Showroom. Und da geht’s danach sofort hin. Bei rund 1800 bis 2000 Modellen im Onlineshop lohnt es sich für Upway, ein eigenes Fotostudio zu haben. Und auch hier ist die Logistik sensationell: In wenigen Minuten sind Profifotos aus allen Perspektiven geschossen, beim Betexten bedient man sich gesammelter Spezifikationslisten der Hersteller und Textbausteinen aus vorherigen Verkäufen - und demnächst wohl auch künstlicher Intelligenz -, dazu ein paar Worte zum jeweiligen Zustand, und schon steht das Rad zum Verkauf. Den Preis legt der Algorithmus fest. Vier bis sechs Wochen steht ein Rad im Schnitt bis zum erneuten Verkauf.
Upway soll wachsen
Für uns als Zuschauer ist es unfassbar, dass diese Geschwindigkeit im Umlauf von so vielen Marken, Modellen und Varianten nicht im totalen Chaos endet. Und das Gewimmel soll sogar noch wachsen! Die zweite Werkstattniederlassung in Berlin ist schon auf Wachstum geplant worden, noch nicht alle Mechanikerplätze waren bei unserem Besuch besetzt. Da man die Grundfläche der Halle schon ziemlich ausgenutzt hat, soll sie nach oben wachsen: Ein zweites Stockwerk ist in Planung, auch eine dritte Niederlassung in den starken Benelux-Ländern und eine vierte in Süddeutschland seien eher früher als später denkbar.
Hilfreich und gesund für den Markt
Sein “Onlineshop mit zusätzlichen Services”, wie Toussaint Wattinne Upway nach einigem Überlegen einordnet, sei “helpful and healthful for the market”, also hilfreich und gesund für den Markt. Die Hilfe für den Bike-Markt und dessen Bedeutung für die Klimaziele scheint Wattinne tatsächlich ernst zu nehmen. Nicht nur, dass das Verlängern eines E-Bike-Lebens die Umwelt schont, auch bei fast allen Arbeitsschritten ist man auf Nachhaltigkeit, Materialkreisläufe und Verzicht auf Chemie getrimmt.
Upway Bewertungen
Kunden loben besonders die schnelle und zuverlässige Lieferung sowie die wettbewerbsfähigen Preise. Viele heben hervor, dass die bestellten E-Bikes in einem sehr guten Zustand ankamen, oft wie neu wirkten und den Beschreibungen entsprachen. Darüber hinaus schätzen Verbraucher den ausgezeichneten Kundenservice. Probleme, wie beispielsweise Defekte oder unpassende Größen, wurden umgehend und zur vollen Zufriedenheit der Kunden gelöst. Die Kommunikation wird als positiv und hilfsbereit beschrieben, sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf von E-Bikes. Viele würden Upway aufgrund ihrer positiven Erfahrungen weiterempfehlen und jederzeit wieder dort einkaufen.
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