Motorradurlaub planen: Tipps für die perfekte Tour

Eine grosse Motorradtour zu planen verlangt vielfältige Überlegungen. Die Planung einer großen, möglicherweise mehrere Wochen dauernden Motorradtour muß rechtzeitig beginnen, denn sie verlangt komplexe Überlegungen. Planung ist mehr als nur Motorradtechnik, Navi-Programmierung oder die Erstellung von Packlisten.

Sie muß operativ sein und weitere grundsätzliche Parameter einbeziehen. Das erfordert Zeit für Recherche. Wie bereite ich mich selbst auf die Tour vor? Was möchte ich mir unterwegs ansehen? Welche interessanten Routen führen anmein(e) Ziele(e)? Lange, kilometerarme Wintermonate bieten die besten Voraussetzungen für die detaillierte Ausarbeitung einer großen Motorradtour in der schönen Jahreszeit.

Soll unsere Tour so ablaufen, wie wir uns das vorgestellt haben, müssen wir zwei Dinge im Griff zu haben: Raum und Zeit. So wichtig die praktischen Aufgaben der Tourvorbereitung auch sind - wir erledigen sie getrennt von der operativen Planung, über die wir hier sprechen. Die operative Tourenplanung richtet sich in erster Linie nach den individuellen Wünschen und Bedürfnissen.

Individuelle Bedürfnisse und Prioritäten

Was steht für mich im Vordergrund? Wo liegen meine Prioritäten? Will ich in erster Linie Strecke machen, um mein Ziel zu erreichen (z. B. das Nordkap)? Meist wird es eine Mischung aus beidem sein, je nach Etappe, Streckenabschnitt oder Lust und Laune. Wer nur auf seine eigenen Wünsche Rücksicht zu nehmen braucht, ist unabhängig. Praktische Hinweise dafür findet er hier. Aber auch ein Gemeinschaftserlebnis kann toll sein. Dann muß man halt Wünsche, Vorlieben und Fahrpraxis der Rudelgenossen aufeinander abstimmen.

Körperliche und Fahrtechnische Vorbereitung

Wer lange Touren unternehmen will, muß physisch und fahrtechnisch fit sein. Motorradfahren ist Schwerarbeit, zumal im Gelände, im Gebirge oder mit Sozia. Ein Tag im Sattel erfordert Kraft, Ausdauer und Gelenkigkeit. Wer dies nicht ohnehin schon tut, sollte die Winterzeit nutzen, um sich die für das nötige Fitness anzutrainieren. Ein Fitnesstudio kostet nicht die Welt. Fahren, fahren, fahren. Schlechtes Wetter ist kein Grund, zu Hause zu bleiben. Je mehr Regen und Schmuddelwetter beim Fahrtraining herrschen, desto stärker wächst das eigene Vertrauen in die Fahrzeugbeherrschung. Ausnahmslos. Mit gnadenloser Selbstkritik im stillen Kämmerlein.

Realistische Einschätzung von Raum und Zeit

Wer eine große Motorradtour planen will, braucht eine realistische Vorstellung von Raum und Zeit. Die Länge und Einteilung der Tagesstrecke sind deshalb besonders bedeutsam. Sobald die Gesamtstrecke grob festliegt, teile ich sie in etwa gleich lange Tagesetappen ein. Den größeren Teil der Tagesetappe absolviere ich vor meiner Mittagspause. Dann wird die Reststrecke einerseits überschaubarer. Andererseits ich kann mir schön Zeit lassen, um die Umgebung zu genießen und eine zusätzliche Pause einzulegen. Nicht zu unterschätzen ist die Topographie meiner Reiseroute.

Denn für meine Durchhaltefähigkeit macht es einen Unterschied: Spule ich 400 km mit Tempomat auf der Autobahn ab? Oder schlängele ich mich auf Landstraßen und durch Ortschaften? Oder winde ich mich auf Gebirgsstraßen in die Höhe. Im ersten Fall werde ich mich am Etappenziel gemütlich zu einem Kaffee niederlassen können. Einen Gewaltmarsch kann man durchaus einmal einlegen. Manchmal geht es auch nicht anders. Aber es müssen nicht mehrere dieser Art hintereinander sein. Man sollte sich nicht zu viel zumuten, denn: Anstrengung kostet Konzentration. Die Reflexe lassen nach.

Ruhetage und Flexibilität

Was für die Tagesetappe gilt, gilt auch für die Gesamtstrecke. Gerade bei längeren Touren ist es wichtig, sich den einen oder anderen Tag freizuhalten. Für einen Strandaufenthalt z. B, eine Wanderung, eine Besichtigung oder einfach zum Gammeln. Wochenlang eng aneinander gekuschelt durch die Welt zu touren hat etwas für sich. Es kann aber auch Spannungen erzeugen. Und zwar gar nicht so selten. Auch ist ihr Fahrerlebnis ein ganz anderes: Während der Fahrer vorne mit den Händen am Lenker Motorradfahren pur erlebt, muß die Sozia hinten auf die Fahrdynamik reagieren. Dabei leistet auch sie Körpereinsatz und hat ein entsprechendes Bedürfnis nach Ruhepausen. Auch hat sie einen anderen Streckenrhythmus als der Fahrer. Das muß er berücksichtigen und seiner Sozia jegliche Bequemlichkeit verschaffen. Denn sie soll ja gerne weiter mitfahren wollen. Nicht zu vergessen: Irgendwann bekommt auch die liebe Sozia ihren großen Hänger und mag nicht mehr. Dann helfen eigentlich nur ein, zwei oder drei Ruhetage mit einem schönen Erlebnisprogramm. Außerdem habe ich bei unseren ersten gemeinsamen Langstrecken-Touren bei der Streckenplanung immer darauf geachtet: Sind große Bahnhöfe oder Flugplätze in der Nähe? Das hätte meiner lieben Sozia jederzeit die Möglichkeit gegeben, nach Hause zurückzukehren.

Unerwünschte Zeiten und Orte vermeiden

Auf bestimmte Zeiten, Ereignisse, Orte und Strecken lasse ich mich erst gar nicht ein und plane deshalb meine Tour drum herum. Dazu gehören z. B. Ferienbeginn/-ende, Yosemite Park im Sommer, Hollister July 4th Motorcycle Rally, Ostern in Rom, San Gennaro in Neapel, hohe Marienfeiertage in Spanien, 14 juillet in Frankreich und ähnliches. Da ist alles verstopft, voll oder geschlossen. Hierzu lohnt es sich, die Informationen der jeweiligen Automobilclubs abzufragen. Oder besser noch: vorher zu vergleichbaren Zeiten die Streckenführung auf Google Maps aufzurufen. Da sieht man dann das Verkehrschaos live. Um etliches besser ist da Yandex in Russland (Stauanzeige auf Basis von Mobiltelefondaten). Wer schon einmal versucht hat, in einer sonnigen Juniwoche die Route des Grandes Alpes zu fahren, wird wahrscheinlich herb enttäuscht worden sein: Die schönsten Pässe waren noch gesperrt.

Flexibilität bei der Routenplanung

Eine Motorradtour planen und sie dann fahren sind zwei Paar Stiefel. Irgend etwas bringt unsere Tourenplanung immer durcheinander. Da hilft nur eines: Karte raus und die Strecke radikal umplanen. Manchmal bescheren gerade solche Änderungen tolle, unerwartete Tourenerlebnisse.

Wetterbedingungen berücksichtigen

Wie gut ich auf meiner Tour vorankomme, hängt nicht zuletzt von den Wetterverhältnissen ab. Hält sich das Wetter ± moderat, ist ja alles in Ordnung. Aber Extremwetterlagen wie Hitzewellen, Schlechtwetterfronten oder Sturmtiefs können die akkurateste Tourenplanung durcheinander bringen. Schlimmstenfalls muß man das Sturmgebraus einen Tag über sich hinweg ziehen lassen und verbringt eine schöne Zeit im Museum oder in einem Wellness-Tempel. Die schönste App nützt aber nur wenig, wenn sie mit Algorithmen arbeitet, die sich an der Wetterentwicklung in den USA orientieren und nur in deutscher Übersetzung auf unserem Display aufscheinen. Nicht zu toppen ist der Wetterdienst der Italienischen Luftwaffe. Sauber, präzise, verläßlich. Wie in Deutschland liefert auch hier die Landwirtschaft verläßliche Prognosen. Die meisten richten sich hier nach der App, die auf dem Smartphone vorinstalliert ist. Da man in den USA lange Strecken fährt, gibt es zwei super Apps für Fernreisende und Lastwagenfahrer, die die Wetterentwicklung auf einer bestimmten Strecke vorhersagen. Außerdem ist noch der US Weather Service empfehlenswert, der u. a.

Prioritäten setzen und Reiseziele auswählen

Beim Planen einer Motorradtour, beim stetigen Sammeln von Informationen wächst der Wunsch, möglichst alle interessanten Ziele besuchen zu wollen. Zur Beruhigung: Das Maximalprogramm wird wohl kaum so laufen wie man das gerne hätte. Deshalb ist es nie schlecht, eine Prioritätenliste von Zielen aufzustellen, die man unbedingt besuchen möchte.

Unterkünfte und Reiseart

Zunächst sollte man entscheiden, wie man reisen will: Mit Übernachtung im Gasthof/Hotel - B & B - Camping - oder eine Mischung davon. Das ist alles eine Sache der persönlichen Präferenz. Ich selbst habe genügend Biwaks hinter mir und bevorzuge deshalb eine feste Unterkunft. Das hat gewisse Vorteile: Wir kommen mit deutlich weniger Gepäck aus. Wir leisten uns den Luxus eines bequemen Bettes und eines Bades und können die Elektronik über Nacht im Zimmer aufladen. Im Zweifel kostet das etwas mehr. Ich bin davon abgekommen, länger im voraus zu buchen. Ausnahme war eine Spanien-Tour, bei der wir in einem Dutzend Paradores übernachtet haben. Es hat sich bewährt, die Unterkunft zu Beginn des letzten Etappendrittels online oder telefonisch zu reservieren. Zu diesem Zeitpunkt hat man schon einen konkreteren Überblick, wie weit man an diesem Tag kommen wird. Damit ist man flexibel und erspart sich vor allem die frustrierende Sucherei nach einer Unterkunft, wenn man an diesem Tag eh schon genug gefahren ist.

Kostenplanung und Budget

Wer nicht zu den Glücklichen gehört, die bedenkenlos mit gezückter Kreditkarte durch die Welt reisen können, sollte sich besser vorher eine konkrete Vorstellung davon verschaffen, was ihn die ganze Tour denn kosten wird. Die klassische Art der Kostenberechnung besteht darin, die wahrscheinlichen Einzelkosten (Übernachtungen, Verpflegung, Sprit, Nebenkosten) im voraus zu ermitteln und zu addieren. Das kann man so machen. Aber diese Berechnung ist nie genau, nie verläßlich und auch nicht flexibel genug. Deshalb arbeite ich mit einer Pauschalberechnung, die sich (unter Berücksichtigung meines Lebensstils) über die Jahre bewährt hat. Dabei richte ich mich nach dem Berechnungsmodus des Bundesreisekostengesetzes (BRKG). Für das Ausland verwende ich die Auslandsreisekostenverordnung (ARV) mit ihrer angefügten Länderliste. Die darin enthaltenen Sätze für Tage- und Übernachtungsgelder sind zwar nicht besonders üppig. Aber auf einer Motorradtour kommt man schon ganz gut damit hin. Vor allem, wenn man als finanziellen Puffer das (fiktive) Kilometergeld einbezieht. Die klassische Methode, seine Reisekosten im Zaum zu halten, besteht in der Führung einer Ausgabenliste. Mittlerweile gibt es auch dafür jede Menge Apps. Ich verwende TravelSpend, eine recht simple, in der Basisversion kostenfreie und für unsere Zwecke vollkommen ausreichende App. Einfach die Ausgaben unter der betreffenden Rubrik eintippen (z. B.

Die richtige Ausrüstung für die Motorradtour

Bevor du dich auf deine erste Motorradtour begibst, ist die richtige Ausrüstung entscheidend:

  • Helm: Ein guter Helm ist nicht verhandelbar. Achte darauf, dass er richtig sitzt und alle Sicherheitsstandards erfüllt.
  • Motorradjacke und -hose: Sie sollten gut gepolstert und wetterfest sein.

Checkliste für die Motorradtour

Mit unserer Packliste für Motorradtouren kannst Du überprüfen, ob Du alles Notwendige eingepackt hast. Dabei ist unsere Checkliste nur eine Hilfestellung: Was für Deinen Roadtrip notwendig ist, hängt von der geplanten Tour, länderspezifischen Besonderheiten oder individuellen Gewohnheiten ab. Lade die Packliste als PDF-Datei herunter oder speichere die Infografik mit einem Rechtsklick, um sie anschließend auszudrucken.

Insidertipps für die perfekte Motorradtour

  • Nicht unter Druck setzen: Die Tour nicht von Anfang bis Ende durchplanen, sondern einfach starten und schauen, wo man am Abend landet.
  • Pausen sind wichtig: Damit die Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit immer gegeben ist, sollten genügend, ausreichend lange Pausen eingelegt werden.
  • Wetterfeste Kleidung: Regenjacke und -hose, Funktionsunterwäsche und Stiefel, um auf Klimaumschwünge vorbereitet zu sein.
  • Lokale Gegebenheiten: Sich rechtzeitig über die Besonderheiten vor Ort informieren.

Packliste

  • Multitool
  • Akku-Kompressor
  • Kabelbinder und Panzertape
  • Spanngurte und Gepäcknetz
  • USB-Ladegerät
  • Reiseadapter
  • Campingausrüstung
  • Klappspaten
  • Bequeme Hose

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