Smart, extravagant und superleicht - das Urtopia Carbon 1s sticht hervor. Doch kann das E-Bike auch in der Praxis überzeugen? Als Start-up 2021 gestartet, ist Urtopia spätestens seit dem letzten Jahr in Deutschland angekommen. Mit einer UVP von 3.299 Euro ist das Rad sicherlich nicht günstig, wird aber immer wieder mit bis zu 600 Euro Rabatt für dann 2.799 Euro inklusive gratis Zubehörpaket (Ständer und Schutzbleche) angeboten.
Design und Verarbeitung
Das Urtopia Carbon 1s ist mit seinem auffälligen Rahmendesign ohne Zweifel ein Hingucker und sorgte während des Tests stets für Aufsehen - ganz egal, ob an der Ampel oder in der Bahn. Der Rahmen ist, wie der Name bereits verrät, aus Kohlefaser gefertigt - einem besonders leichten und dennoch robusten Material. Dadurch wiegt das Fahrrad laut Hersteller gerade einmal 15,8 Kilogramm. Urtopia bietet das Rad in zwei Größen an: M für bis zu 1,85 m Körpergröße, oder L für bis zu 1,95 m.
Für unseren Test haben wir das Modell Lyra erhalten, welches mit weißen Streifen für einen eher schlichten Look sorgt. Alternativ könnt ihr euch noch für Sirius oder Midnight in Paris entscheiden. Die Verarbeitung des Rades ist übrigens sehr gelungen. Der Rahmen ist sauber verarbeitet und wirkt robust, hier und da knarzt das Rad aber ab und an mal bei stärkeren Bodenwellen. Die maximale Nutzlast liegt bei 110 Kilogramm.
Ausstattung und smarte Funktionen
Wenn wir uns das Rad dann etwas genauer ansehen, finden wir hier vorne ein STVZO-konformes Frontlicht mit 20 Lux Helligkeit. Ausgeliefert wird das Carbon 1s mit Kenda Kwest 700x35C Reifen, die über einen gutem Profilmix für die Stadt und befestigte Feldwege verfügen. Zum Stehen kommt ihr durch Tektro Hydraulik-Scheibenbremsen mit je zwei Kolben.
Zur Einrichtung wird dann nur noch der Akku eingelegt und die Urtopia-App (verfügbar für Android und iOS) heruntergeladen. In der App könnt ihr jetzt die wichtigsten Einstellungen anpassen, den prozentualen Akkustand einsehen und das Rad sogar piepen lassen, falls ihr es in einem Fahrradparkhaus nicht mehr wiederfindet. Durch die Kombination aus eSIM und GPS lässt sich das Carbon 1s zudem auf einer Karte tracken.
Der SIM-Service ist ein Jahr nach Kauf inbegriffen, danach werden 35 Euro pro Jahr fällig. Wird das Rad trotz aktiviertem Alarm gestohlen, habt ihr zumindest die Chance es über die Standorterkennung zu verfolgen, solange es noch genug Saft im Akku und eine aktive Mobilfunkverbindung hat. Die App ist insgesamt sehr gut gestaltet, sieht schick aus und lässt sich problemlos bedienen. Hier und da gibt es aber einige englische Begriffe und auch kleinere Übersetzungsfehler.
Darüber hinaus sind auch noch ein paar nette Spielereien vorhanden: So lässt sich der integrierte Lautsprecher unter anderem mit eurem Smartphone verbinden, damit ihr unterwegs etwas Musik genießen könnt. Am Lenker befindet sich sozusagen die Schaltzentrale für das Fahrrad. Das Matrix-LED-Display informiert euch über Geschwindigkeit, Akkustand und die ausgewählte Leistungsstufe. Wer möchte, kann sich sogar über das Display navigieren lassen.
Etwas kurios ist der kleine Lüfter unter dem Display, der die inneren Komponenten der Smartbar kühlt. Links am Lenker ist ein D-Pad mit vier Pfeilen untergebracht, was wiederum für verschiedene Funktionen verantwortlich ist. Auf der rechten Seite sitzt zudem ein Fingerabdrucksensor, der zum komfortablen Entsperren des Fahrrads dient. Durch ein kurzes Drücken wird hier übrigens die digitale Klingel ausgelöst, welche sich mit insgesamt fünf Tönen nutzen lässt.
Antrieb und Fahrgefühl
Das Herzstück des Urtopia E-Bike sitzt im Hinterrad, genauer gesagt an der Hinterradnabe. Hier befindet sich der 250 Watt starke Motor mit 45 Nm Drehmoment, was gegenüber dem normalen Carbon 1 rund 10 Nm mehr sind. Durch einen adaptiven Drehmomentsensor im Innenlager erkennt das Rad, wie stark ihr in die Pedale tretet und schaltet die elektrische Unterstützung dementsprechend hinzu - und das funktioniert wirklich gut. Wie gesetzlich festgelegt, ist aber auch hier bei 25 km/h Schluss.
Am Lenker könnt ihr über das D-Pad die Leistungsstufen Eco, Komfort und Sport durchschalten. Wer so richtig wie ein Formel 1 Auto von der Pole Position durchstarten möchte, kann den Turbomodus aktivieren - und das macht mal wirklich Spaß. Eine sehr angenehme Neuerung gegenüber dem „normalen“ Carbon 1 mit Gates Carbonriemen und Single-Speed-Konfiguration ist übrigens die 7-Gang Shimano Alivio Schaltung.
Da das Rad aber auch ohne elektrische Unterstützung sehr rund läuft, könnt ihr auf flachen, geraden Wegen oder in der Stadt auch mit eigener Kraft ganz easy bei 26 bis 28 km/h „cruisen“ - der Motor bremst euch hier nicht aus. Mit den weichen, komfortablen Gummigriffen am Lenker habt ihr das Rad dabei stets fest im Griff. Und solltet ihr mal schnell zum Stehen kommen wollen, reagieren die Scheibenbremsen sehr knackig.
Komfort und Reichweite
Dass keine Federung mit an Bord ist, macht sich auf Deutschlands Straßen und Radwegen aber doch etwas schneller bemerkbar. Zwar bringt der Kohlefaserrahmen eine gewisse Flexibilität mit sich, doch wirklich komfortabel rollt das E-Bike nicht über geflickten Teer. Der Sattel ist jetzt auch nicht superweich, aber trotzdem für längere Touren komfortabel genug. Wirklich angenehm ist aber das Gewicht von gerade einmal 15 Kilogramm, wodurch ihr euch beim Treppen hochlaufen keinen Hexenschuss einfangt.
Der 360 Wattstunden Akku aus dem Hause Samsung sitzt vergleichsweise unscheinbar im Unterrohr und soll das Carbon 1s dann etwa 40 bis 100 Kilometer weit bringen. Auf meiner Hausstrecke mit einer Länge von knapp 22,5 Kilometer verbrauchte ich bei einer gezielten Durchschnittsgeschwindigkeit von 25 km/h knapp 20-23 % des Akkus. Nicht ganz unerheblich ist jedoch der Standby-Verbrauch. Und ist der Akku doch mal leer, sorgt das 168 Watt starke Netzteil für frische Energie.
Urtopia Chord X: Eine Alternative?
Urtopia hat sich in der jüngeren Vergangenheit mit dem Carbon 1 einen Namen gemacht. Der Hersteller ist auf besonders smarte E-Bikes spezialisiert und hat zuletzt mit dem Chord ein weiteres Modell auf den Markt gebracht, das es auch als Chord X mit Trapezrahmen gibt. Das E-Bike ist mit einem Nabenmotor im Hinterrad ausgestattet, der aus 250 W Leistung 45 Nm Drehmoment herausholt. Das ist für einen Heckantrieb durchschnittlich und für ein Cityrad wie dieses in der Regel ausreichend.
Der Akku sitzt im Unterrohr und ist abnehmbar, kann aber auch am E-Bike geladen werden. Er weist eine Kapazität von 352,8 Wh auf, die laut Hersteller für eine Reichweite von bis zu 120 km ausreichen soll. Geliefert wird das Urtopia Chord X in einem für ein E-Bike erstaunlich kompakten Paket. Das liegt daran, dass es nicht komplett vormontiert ist. Im Einzelnen müssen das Vorderrad, der Lenker samt dem riesigen Display, das vordere und teilweise das hintere Schutzblech, die Pedale, der Ständer sowie das Rücklicht angeschraubt werden.
Das Fahrgefühl ist angenehm und dank Drehmomentsensor harmonisch. Der Hinterradnabenmotor weist drei reguläre Unterstützungsstufen sowie einen Schiebe- und einen Turbomodus auf. Positiv ist zudem, dass der Motor angenehm leise arbeitet, sodass die Fahrten nicht von einem nervigen Surren untermalt werden. Die vom Hersteller angegebenen 120 km sind aber (wie so oft) maximal unter Idealbedingungen erreichbar und im Alltag nicht wirklich realistisch.
Rein von der Technik her ist das Urtopia Chord X ein solides E-Bike. Der Fokus beim Urtopia Chord X liegt, wie man es schon von den Carbon-Modellen des Herstellers kennt, eindeutig auf den smarten Features, mit denen man einen Teil des Kaufpreises rechtfertigt. Die Schaltzentrale ist die App, die es kostenlos für iOS und Android gibt. Der initiale Verbindungsaufbau hat problemlos funktioniert. Es muss nur ein auf dem Display eingeblendeter QR-Core gescannt werden.
Urtopia Fusion: Ein Tiefeinsteiger mit Stil
Mit dem Tiefeinsteiger-Pedelec Fusion bietet Urtopia sein mittlerweile drittes E-Bike-Modell in Deutschland an. Es handelt sich um ein smartes und komfortables Alltagsbike mit Tiefeinsteigerrahmen und einigen erfreulich hochwertigen Komponenten. Mit rund 4.000 Euro ist es deshalb auch das mit Abstand teuerste Bike der Chinesen, das, wie die anderen Urtopia-Modelle, optisch ein wenig aus dem Rahmen fällt.
Da Urtopia seine Räder vor allem online vertreibt, wurde auch unser Test-Fusion teilmontiert im großen Karton angeliefert. Schon beim Aufbau waren wir über die Qualität positiv überrascht. Alles passte perfekt ineinander, die Verarbeitungsqualität hinterließ einen rundum guten Eindruck. Zu den Highlights gehören die in Härte verstellbare Suntour-Luftfedergabel mit 10 Zentimeter Federweg, voluminöse Big-Apple-Reifen von Schwalbe und die hydraulischen Tektro-Bremsen HD-M280.
Im Zentrum steht hier der Rahmen aus Carbon. Optisch recht unscheinbar integriert ist ein schlanker Bafang-Mittelmotor, der vom Namen her nach Billigalternative zum beliebten Boschsystem klingen mag, sich aber nicht wie billiger Abklatsch anfühlt. Der Mittelmotor schmiegt sich, ebenso wie der 530-Wh-Akku, schlank in den Rahmen.
Zu den unzweifelhaften Stärken des Fusion gehört das angenehme Fahrgefühl. Ein breiter Lenker und der lange Radstand vermitteln das Gefühl, ein modernes Mountainbike zu fahren. Zugleich thront man hier statt in Kampfhaltung nach vorne gebeugt ein wenig laid-back fast wie auf einem Hollandrad. Die feinfühlig ansprechende Federgabel bügelt einige der harten Kanten weg. Selbst fürs ambitionierte Kurvenräubern bietet das mit 23 Kilogramm für ein Intube-Mittelmotor-Pedelec fast schon leichte Bike ein fast spielerisches Handling.
Zu den Besonderheiten von Urtopia-E-Bikes gehört ein Kontrollcenter in der Lenkermitte, das neben dem Frontscheinwerfer ein grob auflösendes Matrixdisplay und einen Lautsprecher integriert. Das Fusion versteht auch Sprache, etwa, wenn man das Licht mit dem Befehl „Light on“ aktivieren will. Dumm nur, dass dabei allein der Scheinwerfer angeht, während das Rücklicht - ein schlichtes per Gummiriemen an der Sattelstange befestigtes Batterielicht - manuell zugeschaltet werden will.
Urtopia Carbon 1 Pro: Die Weiterentwicklung
Das Urtopia Carbon 1 Pro ist die konsequente Weiterentwicklung des bereits sehr guten Carbon 1. Es fährt sich noch besser und bietet viele smarte Funktionen wie GPS-Diebstahlschutz mit eSIM und eine App-Anbindung. Im Test quatscht uns das Carbon 1 Pro jedoch zunächst voll.
Optisch bleibt sich das Carbon 1 Pro treu - der leichte und formschöne Carbonrahmen ist geblieben, ebenso die elegante Linienführung. Neu ist dagegen die Farbgebung: War das Carbon 1 noch in mehreren Farben erhältlich, gibt es das Pro-Modell nur noch in mattem Schwarz. So verfügt das Carbon 1 Pro jetzt über einen Standardlenker, der sich dank Abstandshaltern in der Höhe verstellen lässt. Auch die Schaltung wurde auf ein 10-Gang-System von Shimano aufgerüstet. Geblieben ist das große LED-Matrix-Display in der Lenkermitte, das neben Fahrdaten auch Navigation bietet.
Dank integrierter eSIM und GPS-Modul ist das Carbon 1 Pro ständig online und lässt sich per App nicht nur orten, sondern auch gegen Diebstahl sichern. Wird das Bike unbefugt bewegt, schlägt es Alarm. Die Konnektivität erlaubt außerdem Over-the-Air-Updates für die Bordelektronik.
Dank des leichten Carbonrahmens bringt das Urtopia nur etwas über 17 Kilogramm auf die Waage - ein hervorragender Wert für ein vollausgestattetes Urban-E-Bike. Das macht sich auch beim Fahren positiv bemerkbar, so ist das Carbon 1 Pro sehr agil und wendig. Es lässt sich spielerisch durch den Stadtverkehr manövrieren und auch enge Kurven und schnelle Richtungswechsel meistert es mit Bravour.
Der Heckmotor leistet nominell 250 Watt und stellt ein Drehmoment von 45 Nm bereit. Dank eines feinfühligen Drehmomentsensors spricht er spontan an und schiebt nach kurzer Verzögerung kräftig an. Ein zweiter Sensor in der Kurbel sorgt zudem für eine sehr natürliche Leistungsentfaltung. Im Zusammenspiel mit der präzisen Kraftübertragung der Kette fühlt es sich fast an, als würde man mit reiner Muskelkraft beschleunigen.
Der Lithium-Ionen-Akku von Samsung hat eine Kapazität von knapp 360 Wh. Laut Urtopia soll er im Eco-Modus für eine maximale Reichweite von bis zu 130 Kilometer reichen. In der Praxis kommen wir mit einer Akkuladung etwas über 35 Kilometer weit - bei einem Fahrergewicht von 80 kg, vorwiegend urbaner Strecke mit vielen Ampelstopps und Temperaturen um 25 °C.
Weitere Aspekte
Eine neue Fahrradmarke, die ihre Bikes nur online vertreibt? Bei nicht wenigen Interessenten dürfte dieser Umstand Skepsis hervorrufen. Doch im Fall des in Hongkong ansässigen Start-ups Urtopia und ihrem Carbon-E-Bike handelt es sich um eine echte Firma und ein konkretes Pedelec, das wir ausgiebig testen konnten. Dabei beeindruckte der leichte Stadtflitzer mit guten Fahreigenschaften, schicken Ausstattungsdetails und smarten Techniklösungen. Letztere erlebten wir in der Praxis als allerdings nicht immer überzeugend.
Ähnlich professionell wie der Internetauftritt wirkten Lieferung und Verpackung. Die dickwandige Kartonage und reichlich schützendes Verpackungsmaterial hinterlassen, wie das zu 90 Prozent vormontierte Bike, einen soliden Eindruck. Was beim Auspacken positiv auffällt: Das ohne Akku 13 Kilogramm leichte Rad lässt sich problemlos aus den Tiefen des Kartons heben. Die anschließende Montage von Vorderrad und Sattel gestaltet sich ein wenig fummelig, doch dank einer Bedienungsanleitung auf Deutsch und dem mitgelieferten Werkzeug werden selbst des Schraubens unkundige Nutzer ihr Carbon-Rad schnell fahrbereit bekommen.
Der Rahmen ist sauber verarbeitet, Schweißnähte und unsaubere Übergänge gibt es nicht, Kabel und Leitungen sind weitgehend innen verlegt. Rost wird hier nie ein Problem sein. Außerdem ist der Rahmen trotz eines im Unterrohr integrierten 360-Wh-Akkus schlank.
Neben den ergonomischen Griffen befinden sich am aufgeräumten Lenker Vibrationsringe, die Hydraulik-Bremshebel sowie auf beiden Seiten kleine Bedieninseln, über die sich verblüffend viele Funktionen steuern lassen. Lenker und Vorbau formen dabei eine harmonische Einheit, in deren Zentrum ein Piktogramm-Display mit 24 x 24 Pixeln unter anderem über Geschwindigkeit, Akkustand und aktuelle Geschwindigkeit informiert. Sogar animierte Symbole werden dargestellt.
Doch das Bordsystem kann nicht nur Töne erzeugen, sondern auch darauf reagieren. Hat man per Druck auf die rechten Taster die Spracherkennung aktiviert, lassen sich mit dem Befehl ,,Licht an" die integrierten LED-Leuchten vorne und hinten einschalten. Eine andere nicht ganz überzeugende Funktion sind die über das Steuerkreuz aktivierbaren Blinker, die allerdings derart funzelig aus zwei Zusatzstrahlern im Rücklicht leuchten, dass man sich diese Funktion eigentlich schenken kann. In Deutschland sind sie an einspurigen Rädern ohnehin nicht gestattet.
Dank Smartphone-Konnektivität zeigt eine in die Urtopia-App integrierte Navigationssoftware Richtungshinweise im Lenkerdisplay an. Und wer wissen will, wie viel Reichweite im Akku steckt, kann den Füllstand in der App vor Fahrantritt auch aus der Ferne ablesen, da das Bike dank integrierter Mobilfunkkarte vernetzt ist. Immerhin ließ sich das Pedelec auch dank integriertem GPS-Modul per App lokalisieren.
Mit breitem Lenker, schmalen Rädern und einem kraftvoll anschiebenden Motor ist es ein Stadtflitzer, der sich agil und handlich um Ecken scheuchen lässt und dabei flink aus Kurven rausbeschleunigt. Die Reifen haben Grip, die hydraulischen Tektro-Stopper packen souverän zu, wenngleich sie feiner dosierbar sein könnten. Ein wenig surrt der kleine Heckmotor unter Last, zudem knarzt es immer mal wieder aus der Sattelgegend -doch dank Riemenantrieb fährt sich das E-Bike ansonsten angenehm geräuscharm.
Vor allem im urbanen Einsatz wird das viel Aufmerksamkeit erzeugende Urtopia seinem Namen gerecht. Im Turbomodus reichte die Akkukapazität der leicht herausnehmbaren Batterie für nicht ganz 40 Kilometer. Angesichts des 250-Watt-Antreibers im Heck ist das nicht wirklich tragisch. Das Carbon E-Bike gibt es nur als leichtes und verschleißarmes Singlespeed.
Urtopia Carbon 1: Superleicht und Supertechnisch
Superleicht, supertechnisch, mit eSim und Spracheingabe: Selten hatten wir ein E-Bike wie das Urtopia Carbon 1 im Test. Wir staunen über die vielen Gimmicks und nehmen euch mit auf Probefahrt. Wenn ihr auf blinkende Lichter steht und euer E-Bike nicht technisch genug sein kann, ist das Urtopia einen Blick wert. Das Konzept zeigt viele gute Ansätze, nicht alle davon sind sinnvoll.
Urtopia, ein Start-up aus China, geht den entgegengesetzten Weg. Das junge Unternehmen konnte ehemalige Mitarbeiter von Apple abwerben. Für das auffällige Rahmendesign jedoch zeichnet Mathis Heller verantwortlich. Verstecken gilt also nicht; mit dem Urtopia Carbon 1 fallt ihr auf, das haben wir auf unseren Fahrten durch Hamburg durch viele auf uns gerichtete Augenpaare hautnah zu spüren bekommen. Es ist nicht allein die Optik, sondern auch die ungewöhnlichen Funktionen, die dieses E-Bike einzigartig machen.
Absoluter Blickfang ist der "einknickende" Rahmen, der uns stark an das von uns getestete Urwahn Platzhirsch erinnert. Sieht anders aus, als bekannte E-Bikes: Urtopia macht einiges anders, als andere Hersteller. Im Preissegment bis 3.500 Euro finden sich leichte Rahmen aus Kohlefasern höchst selten. Nicht nur der Rahmen, sondern auch Gabel und Sattelstütze sind aus dem Material gefertigt. Die Verarbeitungsqualität ist gut.
An manchen Stellen hätten wir uns mehr Sorgfalt gewünscht. Punktabzüge gibt es etwa für die bei unserem Rezensionsexemplar fehlende Schraube der sogenannten ARES-Einheit. Fans möglichst reduzierter Bikes sind beim Urtopia an der falschen Adresse. Das Teil hat doch tatsächlich einen eingebauten Bluetooth-Speaker! Vergesst diesen aber besser ganz schnell wieder.
Über ein Punkt-Matrix-Display wird euch Geschwindigkeit, Akkulaufzeit und mehr angezeigt. Wolltet ihr schon immer mit eurem E-Bike sprechen? Geht, mit dem Urtopia. Drückt lange auf den Fingerabdruck-Scanner (der bei unserem Modell übrigens auch einer fremden Person Zugang gewährte) und die eingebauten Mikrofone sind scharf geschaltet. Ihr könnt Richtungsänderungen bequem vom linken Lenkerende über ein Steuerkreuz mit gutem Druckpunkt aus anstoßen. Beim Betätigen vibriert das jeweilige Lenkerende.
Das Urtopia E-Bike verfügt über eine eingebaute eSIM und lässt sich mithilfe der begleitenden App (Android und iOS, kostenlos) jederzeit orten. Eine Mitteilung erhaltet ihr auch, wenn jemand versuchen sollte, das E-Bike zu stehlen. Die Funktion ist praktisch, wenn ihr das Bike grundsätzlich im Blick habt, es aber nicht mit einem Fahrradschloss abschließen wollt.
Wie etwa das Canyon Roadlite:ON 7 oder das Cowboy C4 ist auch das Urtopia ein reines, ungefedertes City-Bike. Sofort fällt auf, dass es sich beim Urtopia um ein E-Bike der leisen Gattung handelt, was wir sehr begrüßen. Der im Heck verbaute Aikema-Motor hinterlässt einen wirklich guten Eindruck. Dank Drehmomentsensor verläuft die Fahrt deutlich "smoother", als beim zuletzt von uns getesteten Lekker Bike Joordan+.
Richtig Spaß an der Ampel bereitet uns der Turbo-Modus. Ihr aktiviert die höchste Unterstützungsstufe dauerhaft über die Multifunktions-Lenkereinheit. Aber die volle Power des Motors schiebt euch nach einer kurzen Gedenksekunde beim Ampelstart dermaßen mächtig nach vorne, dass selbst andere E-Bikes neidisch zurückbleiben. Immer wieder lobende Worte finden wir für den Riemenantrieb von Gates.
Für krasse Steigungen ist das E-Bike nicht gemacht, hier fehlt es an zusätzlichen Gängen. Als wir in einer ruhigen Seitenstraße zum Stehen kommen, schauen wir verdutzt aus der Wäsche- was macht hier so Geräusche? Sind wir das? Wir sind es. Genauer gesagt macht unser Testobjekt Geräusche. Nichts auszusetzen gibt es an den kräftig zupackenden, hydraulischen Scheibenbremsen (Tektro).
Der einzige Weg, um dies zu vermeiden, ist das Entfernen des Akkus. Das Urtopia E-Bike soll per Radar vor herannahenden Fahrzeugen warnen. Das hat bei uns im Test nicht funktioniert. Die Pedale sind sehr rutschig und stammen eher aus dem unteren Regal. Die Bluetooth-Verbindung zwischen Smartphone und Bike war nicht immer stabil. Es gibt einige Übersetzungsfehler in der App. Geofencing etwa wird unter dem Punkt "Fechten" geführt.
Urtopia Carbon 1: Diebstahlschutz und Style
Diebstahlschutz dank GPS & eSIM, nur 15 Kilogramm Gesamtgewicht und ganz viel Style: Das Urtopia Carbon 1 kann mehr als die meisten anderen E-Bikes. Ob sich der Kauf lohnt, zeigt der Test.Optisch ist das Carbon 1 ein echtes Highlight. Zum Hingucker macht es vor allem der ungewöhnlich geschwungene Rahmen aus Karbon, wahlweise in den Größen M und L. Es kommt in den Farben Weiß und Schwarz. Außerdem stehen die zwei Varianten Sirius und Midnight in Paris zur Verfügung, die dezent Farbe ins Spiel bringen.
Der Lenker wirkt aufgeräumt. Neben den Bremsgriffen hinter den ergonomischen und bequemen Griffen gibt es links einen Fingerabdrucksensor zum Entsperren des E-Bikes. Dieser funktioniert schnell und zuverlässig, hat aber Probleme mit feuchten Fingern. Auf der rechten Seite sitzt ein Steuerkreuz, welches stets optimal auf unsere Eingaben reagiert. Mittig prangt ein großes Display mit einer LED-Punktematrix. Es spiegelt bei direkter Sonneneinstrahlung, lässt sich dank der großen Darstellung aber dennoch meist erkennen. Polarisierende Sonnenbrillen haben mit ihm keine Probleme.
Wie mächtig dieser ist, zeigt Urtopia in einer Demo, in der sie den KI-Chatbot ChatGPT darauf laufen lassen.Bevor sich alle normalen Funktionen nutzen lassen, verlangt die App des Urtopia Carbon 1 ein Update des E-Bikes. Dies funktioniert zunächst nur über WLAN. Das zweite benötigte Update erfolgt dann wahlweise über 4G. Ja, das Carbon 1 verfügt über ein Mobilfunkmodul und eine eSIM-Karte, welche im ersten Jahr direkt nach dem Verbinden mit der App ohne Zusatzkosten aktiviert ist.
Ein E-Bike, welches ständig online ist, hat gleich mehrere Vorteile. Zum einen synchronisieren sich Fahrdaten stets automatisch mit dem Smartphone. Zum anderen erschwert es einen Diebstahl. Denn neben dem Mobilfunkmodul kommt das Carbon 1 außerdem mit GPS und kann entsprechend ortsunabhängig per App geortet werden. Obendrein ist es per App möglich, einen Alarmmodus zu aktivieren. Sobald das E-Bike nun bewegt wird, ertönt ein schrilles Alarmsignal und der Nutzer wird per App informiert.
Ungewöhnlich ist der unter dem Display sitzende aktive Lüfter, der in ruhigen Umgebungen deutlich zu hören ist.Unter Display sitzt ein Lautsprecher. Dieser tönt los, sobald der Fahrer das Fahrrad einschaltet, den Unterstützungsmodus wechselt, den Blinker aktiviert (dazu später mehr) oder das Fahrrad wieder ausschaltet. Die Töne lassen sich per App anpassen, was aber nichts an ihrem penetrant hohen Nervfaktor ändert. Zum Glück gibt es eine Möglichkeit, den Lautsprecher komplett abzuschalten. Alternativ gibt es einen starken Vibrationsmotor im Carbon 1, der Aktionen ähnlich wie an einem Smartphone per Vibration quittiert.
Abgesehen davon, dass man sich damit bei seinem Mitmenschen unter Umständen unbeliebt macht, hat der Speaker eine nur mäßige Qualität. Trotzdem ist er recht laut, Stimmen und Melodien sind auch bei höheren Geschwindigkeiten erkennbar.
Vergleich der Urtopia Modelle
Hier ist eine Tabelle, die die wichtigsten Merkmale der verschiedenen Urtopia Modelle vergleicht:
| Modell | Gewicht | Motor | Akku | Besondere Merkmale |
|---|---|---|---|---|
| Carbon 1s | 15,8 kg | 250W, 45 Nm | 360 Wh | Auffälliges Design, eSIM, GPS |
| Chord X | Unbekannt | 250W, 45 Nm | 352,8 Wh | Smarte Funktionen, App-Steuerung |
| Fusion | 23 kg | Bafang Mittelmotor (M410 oder M510) | 530 Wh | Tiefeinsteiger, Komfortabel, Luftfedergabel |
| Carbon 1 Pro | 17 kg | 250W, 45 Nm | 360 Wh | Verbesserte Ergonomie, stärkerer Motor, hochwertige Komponenten |
Mit dieser Übersicht können Sie die verschiedenen Modelle besser vergleichen und das für Sie passende Urtopia Fahrrad auswählen.