Leichte Fullface-Helme oder Helme mit abnehmbarem Kinnschutz sind bei ambitionierten Trailfahrern sehr beliebt. Unsere Bikes sind schneller als je zuvor, unsere persönlichen Bestzeiten purzeln wie Dominosteine bei jeder Tour und die Trails, die wir fahren, werden immer anspruchsvoller.
Gleichzeitig sind wir uns aber auch bewusster über die Auswirkungen, die wiederholte Gehirnerschütterungen haben können, und Sicherheit ist oberstes Gebot. Das Leben besteht aus Kompromissen und deshalb wünschen sich viele Trailfahrer leichtere Helme mit Kinnschutz. Die Industrie hat zugehört und man kann mittlerweile Fullface-Helme kaufen, die nur etwas über 700 g wiegen.
Manche haben sogar einen abnehmbaren Kinnschutz, der für die Anstiege entfernt und bergab für maximalen Schutz wieder angebracht werden kann. Wir besorgten uns sechs der beliebtesten New-School-Fullface-Helme, um herauszufinden, welcher den besten Kompromiss zwischen Belüftung und Schutz bietet. Obwohl alle Helme größere Belüftungsöffnungen, einen größeren Gesichtsausschnitt und ein allgemein geringeres Gewicht haben als DH-Fullface-Helme, sind ihre Konzepte sehr unterschiedlich.
Verschiedene Helmtypen im Vergleich
Der Fox Proframe und der MET Parachute verfügen beide über einen schlanken, permanenten Kinnschutz. Der Bell Super 3R MIPS, der Giro Switchblade MIPS und der Uvex Jakkyl Hde haben dagegen alle einen Kinnschutz, der ohne Werkzeug abgenommen werden kann. Der Lazer Revolution FF MIPS liegt in der Mitte - um seinen Kinnschutz zu entfernen, braucht man Werkzeug.
Wir haben dieses Testfeld auf dem Trail auf Herz und Nieren geprüft, an kalten und heißen Tagen, auf kurzen und langen Ausfahrten. Dabei haben wir die Helme nach Komfort, Gewicht, Sicht, Benutzerfreundlichkeit und Belüftung bewertet und außerdem Brillen und Goggles benutzt, um eventuelle Kompatibilitätsprobleme zu entdecken.
Sicherheitsstandards und Tests
Kaum sagt man etwas über abnehmbare Kinnbügel, schon wird einem das verwirrende Thema „Standards“ um die Ohren gehauen. Von den hier getesteten Helmen erfüllen nur der Fox Proframe, der Giro Switchblade, der Lazer Revolution FF MIPS und der MET Parachute die strengere ASTM-F1952-DH-Norm, also die Norm, nach der auch die Helme der DH-Weltcup-Szene zertifiziert sind.
Es stimmt, dass die EN 1078 (die Norm, die alle Helme erfüllen müssen) den Kinnschutz der zertifizierten Helme nicht direkt testet, doch man kann nicht deutlich genug sagen, dass Helmnormen ohnehin völlig veraltet sind und überholt werden müssen - sie schützen euch nicht ausreichend! Die Helme in unserem Test übertrafen die Standardwerte sogar mit so großem Abstand, dass diese nicht länger als Prüfstein für die Sicherheit von Helmen gelten sollten.
Eigene Tests zur Stabilität der Kinnbügel
Wir wussten, dass die Helmschale aller Helme in unserem Testfeld die Standards erfüllen würde, aber wirwollten noch einen Schritt ins Unbekannte machen und die Frage beantworten: Können die abnehmbaren Kinnbügel Schläge von derselben Kraft überleben wie ein „richtiger“ Fullface-Helm?
Also haben wir es einfach selbst gemacht. Unser Test war in keinster Weise so streng kontrolliert wie in einem Testlabor, wir hatten keinen Zugang zu teuren Beschleunigungsmessern oder zu „Dummyköpfen“, die mit wissenschaftlichen Instrumenten gefüllt waren. Und wir haben jeweils nur einen Helm pro Hersteller getestet. Unsere Resultate können also nur als Beobachtungen gewertet werden, nicht als Fakten.
Um das herauszufinden, konstruierten wir einen Prüfstand mit Fallgewicht, der ein Gewicht von 15 kg aus 70 cm Höhe mit einer Geschwindigkeit von 3,7 m/s fallen lassen würde (das übertrifft die ASTM-Werte von 5 kg bei 2,8 m/s weit). Dabei sollten 102 Joule Energie direkt auf die Mittes des Kinnschutzes treffen - kurz gesagt: ein sehr starker Aufprall. Highspeed-Kameras wurden verwendet, um die Verformung und den Bruchzeitpunkt aufzuzeichnen.
Die Energie erwies sich als ausreichend, um bei DH-zertifizierten Helmen signifikanten Schaden anzurichten, den Kinnschutz aber binnen 2 bis 3 Einschlägen nicht vollständig zu zerstören. Die Einschläge wurden wiederholt, bis die Kinnbügel nachgaben und ihre Funktion verloren - bis zum Tode!
Ein Kinnschutz ist (wie auch der Rest des Helms) nicht dafür gemacht, einwirkende Kräfte abzuleiten, sondern dafür, so viel wie möglich von der Energie zu absorbieren, ohne dass seine Struktur komplett zerstört wird oder er das Gesicht des Fahrers verletzt - denkt an die Knautschzone beim Auto.
Wir konnten feststellen, dass ALLE Helme einen sehr starken Aufprall ohne Funktionsverlust aushielten. Sowohl der Lazer Revolution FF MIPS als auch der Uvex Jakkyl Hde absorbierten den ersten Schlag, doch ihre Kinnbügel waren zu mitgenommen, als dass man sie weiter hätte testen können. Die biegsame Kinnpartie des Bell Super 3R MIPS bot guten Schutz über drei Einschläge, konnte aber in Sachen Schlagfestigkeit dem schwereren Giro Switchblade MIPS nicht das Wasser reichen. Herausragende Performance zeigten der Fox Proframe und der MET Parachute, die beide vier massive Schläge mit ein paar Rissen, aber ohne größere Schäden in ihrer Struktur überstanden.
Zusammengefasst: In unserem Basistest haben ALLE Kinnbügel den Fahrer erfolgreich vor einer Krafteinwirkung geschützt, die einem sehr heftigen Sturz auf dem Trail entspricht. Die robustesten waren aber der Giro Switchblade MIPS, der Fox Proframe und der MET Parachute.
Uvex Jakkyl Hde im Detail
Der Uvex Jakkyl HDE (Größe M-XL) wiegt 648 g (ohne Kinnbügel 420 g) ist somit ein echtes Leichtgewicht. Entwickelt wurde er in Zusammenarbeit mit Enduro-Profi Michal Prokop. Er besitzt einen abnehmbaren Kinnbügel, welcher mithilfe von Metallverschlüssen und Verriegelungen befestigt wird.
Er ist in zwei Helmgrößen erhältlich XS-M (52 bis 57 cm Kopfumfang) und M-XL (56 bis 61 cm Kopfumfang). Ausgestattet mit 14 Belüftungsöffnungen soll der Helm ein optimales Kopfklima bewahren. Kernstück ist die Multi-Inmould-Konstruktion mit 8 Einzelschalen.
Wenn man den Bogen mal heraus hat, geht’s dann besser, auch weil die Verriegelung sich nach mehrfacher Verwendung nicht mehr ganz so störrisch benimmt. Allerdings ist der Umbau mit nassen oder kalten Fingern doch ziemlich anstrengend. Die Montagen bzw. Demontage geht mit etwas Gefühl für den Helm auch wenn man ihn aufgesetzt hat.
Das Aufsetzen des Helms als Fullface-Variante bereitete kleine Schwierigkeiten. Die dünnen Drähte des BOA-Systems verdrehten sich auch gerne mal. Wenn er aber dann mal Platz genommen hat, fühlt er sich angenehm an. Der Kinnriemen lässt sich per Knopfdruck gut und einfach einstellen.
Allerdings ist es etwas schwieriger ihn ordentlich zu platzieren, wenn man den Kinnbügel nutzt, das ist aber auch logisch, da dieser nicht wie bei einem richtigen Fullface unten am Kinn angebracht ist sondern am oberen Teil des Helmes. Die Belüftung ist bei schweißtreibender Fahrweise in Ordnung. Es konnte zwar kühler sein aber ich finde die Belüftung soweit recht ordentlich.
Optisch finde ich den Helm in beiden Varianten sehr stylisch und hab hier nichts zu meckern. Der Helm sieht sportlich und aufgeräumt aus. Alles in allem sieht er qualitativ hochwertig aus. Auch das verstellbares Visier bietet eine große Bandbreite an Einstellungen, welche es auch erlauben eine Google unter ihm „aufzuräumen“.
Mittlerweile habe ich den Helm über zwei Saisons in Verwendung, sowohl bei meinen Wochenend-Touren zu jeglichen Jahreszeiten, als auch beim Alpencross und im Downhill-Bereich im Einsatz und bin sehr zufrieden mit ihm. Während langen Uphills blieb der Kinnbügel am Rucksack, am Traileinstieg habe ich dann mit nur wenigen Handgriffen einen Fullface Helm.
Über die Marke Uvex
Mitte der 1920ger Jahre entstand in Fürth ein Unternehmen, welches Schutzbrillen jeglicher Art entwickelte und vertrieben hat. Von ihm stammt der heute weit bekannte Markennamen uvex (UltraViolet EXcluded: Sonnenbrillen-Merkmal UV-Schutz). Heute produziert und vertreibt uvex Schutz- und Sicherheitsprodukte im Berufs-, Sport- und Freizeitbereich. Sie betreibt 48 Tochterfirmen in 22 Ländern und produziert vorwiegend in Deutschland.
Fazit zum Uvex Jakkyl Hde
Ich finde den Uvex Jakkyl Hde sehr praktisch. Der Normalpreis geht für mich in Ordnung. Er sieht sowohl als Dr. Jekyll wie auch als Mr. Hyde klasse aus. Kleine Mankos sind die kratzeranfällige Oberfläche, das fehlende MIPS-System und die fummeligen Kinnriemen im Downhill-Modus. Positiv fällt vor allem das geringe Gewicht, das durchdachte Design auf und das man zwei vollwertige Helme in Einem bekommt.
Weitere getestete Kinderfahrradhelme
Neben dem Uvex Jakkyl Hde wurden auch andere Kinderfahrradhelme getestet, darunter der Alpina Pico Flash, der Micro Rocket und der Casco Mini 2.
Alpina Pico Flash
Der Pico Flash von Alpina hat einiges zu bieten: eine ausgezeichnete Beleuchtung, viele Lüftungsschlitze, eine hochwertige Verarbeitung sowie ein einwandfreies Verstellsystem im Helm, mit dem man die Passform optimal an die Kopfgröße anpassen kann.
Micro Rocket
Wenn es nicht nur ein Helm zum Fahrradfahren sein soll, sondern auch Inlineskaten, Rollerfahren oder Skateboarden auf dem Programm steht, ist der Micro Rocket die beste Wahl. Er hat die klassische Form eines Skateboard-Helms, der am Hinterkopf recht weit runtergeht, das gibt noch mehr Schutz bei Stürzen.
Casco Mini 2
Der Casco Mini 2 ist nicht nur im Sommer als Fahrradhelm einsetzbar, sondern auch im Winter beim Skifahren oder Snowboarden. So sind nur wenige Helme konzipiert.
Der Uvex Finale Junior sieht nicht nur aus wie ein Mountainbike-Helm, er erfüllt auch die gleichen hohen Standards, was Sicherheit, Tragekomfort und Verarbeitung betrifft.
Helmpflicht und Studien zur Sicherheit
In Deutschland gibt es keine Helmpflicht für Fahrradfahrer, weder für Erwachsene noch für Kinder. Die Grundlagenstudie der Länder Baden-Württemberg und Thüringen von 2017 ergab hingegen, dass ein Helm das Verletzungsrisiko zwischen 50 und 70 Prozent senkt und nachweisbar die Folgen eines Schädel-Hirn-Traumas mindern kann - der häufigsten schweren Radel-Verletzung überhaupt.
Eine weitere Studie der Unfallforschung der Versicherer, des Instituts für Rechtsmedizin München sowie des Universitätsklinikums Münster untersuchte 2012 und 2013 außerdem 543 Unfälle mit Radlern. Sie kam zu dem Ergebnis, dass Fahrradhelme nachweislich die meisten lebensbedrohlichen Kopfverletzungen verhindern oder abmildern können.
Tipps zum Kauf eines Kinderfahrradhelms
Laut Stiftung Warentest ist darauf zu achten, dass die Helmschale weder zu weit noch zu eng ist. Rütteln Sie ruhig etwas am Kopf Ihres Kindes. Dabei darf der Helm auch mit geöffnetem Verschluss nicht verrutschen. Passiert das, kann man den Sitz des Helms mit einer Stellschraube fester stellen. Anschließend schließt man das Kinnband.
Stirn und Schläfen müssen vom Kinderfahrradhelm geschützt werden, da sie das größte Verletzungsrisiko aufweisen. Dafür muss der Fahrradhelm waagrecht sitzen. Weiche Polster sind idealerweise überall dort angebracht, wo der Kinderkopf die Schale berührt.
Wichtig ist vor allem bei älteren Kids außerdem, dass sie ihren Helm problemlos selbst an- oder ausziehen können - und vor allem auch, dass sie ihn hübsch finden.
Wichtige Hinweise nach einem Sturz
Dann muss sich Ihr Kind nach einem Sturz sofort von seinem Helm verabschieden - auch dann, wenn die Kopfbedeckung äußerlich noch top aussieht. Im Inneren kann sie nämlich durchaus beschädigt sein. Deshalb sollte man besser auch keine gebrauchten Produkte kaufen.
Fullface Helme im Vergleichstest
Leichte und konvertierbare Helme werden deshalb immer beliebter und wir haben neun spannende Modelle für euch im Vergleichstest! Sie wurden in den letzten Jahren nicht nur sicherer, sondern gleichzeitig leichter und besser belüftet.
Die restlichen sechs Helme haben einen fest verbauten Kinnbügel, fünf davon setzen allerdings einen Fokus auf leichtes Gewicht und hohe Belüftung. Zudem sollte der Helm natürlich gut auf euren Kopf passen. Dadurch verrutscht er zum einen bei einem Sturz weniger, zum anderen zieht man einen gemütlichen Fullface Helm auch öfter auf.
Sicherheitsnormen im Detail
Um die Sicherheit eines Fullface Helms bewerten zu können, kann man sich sowohl die offiziellen Normen als auch Tests von unabhängigen Prüfinstituten anschauen. Dabei gibt es verschiedene Abläufe und die Tests unterscheiden sich stark in Fallhöhen und maximal erlaubten resultierenden Kräften.
Systeme wie MIPS sollen beim Sturz diese Rotationskräfte ableiten und dem Fullface Helm so eine bessere Schutzwirkung geben. Die Norm NTA 8776 gilt in den Niederlanden für E-Bikes bis 45 km/h, sogenannte S-Pedelecs. Da sie höhere Anforderungen als die Standard-EU-Norm hat, prüfen manche Hersteller ihren Fullface Helm ebenfalls nach dieser Norm für S-Pedelecs.
Die amerikanische Norm ASTM 1952-15/2032-15 hat ebenfalls höhere Anforderungen als die EU-Norm, doch was viel wichtiger ist, sie ist auch für Fullface Helme aussagekräftig, da sie den Kinnbügel miteinschließt.
Konvertierbarer Helm vs. Fullface Helm
Ein konvertierbarer Helm ist eine gute Wahl, wenn ihr in den allermeisten Fällen mit Halbschale fahrt, aber doch hin und wieder in den Bikepark geht oder einen harten Enduro-Trail bestreiten möchtet. Für diese gelegentlichen Einsätze reicht er komplett aus und ihr habt einen Helm für alles.
Allerdings macht ihr dann klar Abstriche bei der Passform des Fullface Helms. Hier sitzt ein vollwertiger Fullface Helm einfach besser, verrutscht weniger und vermittelt ein höheres Sicherheitsgefühl, da die Passform hier ausschließlich für ein Tragen mit Kinnbügel ausgelegt ist.
Durchschnittsgewicht und Preis der getesteten Helme
Durchschnittlich wiegt der Fullface Helm im Test 834 g. Auf der anderen Seite der Waage ist der uvex revolt MIPS mit gerade einmal 687 g der leichteste Helm im Test.
Weitere erwähnte Helme
- Specialized Gambit
- Troy Lee Designs Stage
- Fox Proframe RS
- POC Otocon
- Bell Super R Air Spherical
Testergebnisse und Komfort
Auf den Trails haben sich dann Langzeit-Komfort, Sicherheitsgefühl, Belüftung und Lautstärke gezeigt. Und hier drückt, quietscht und knarzt es teilweise ordentlich. Daher raten wir euch, nach einem Helm zu greifen, der gut passt, die genannten Normen erfüllt und zusätzlich einen Schutz gegen Rotationskräfte, wie MIPS, besitzt.
Kein Helm im Test saß so fest und hat so viel Sicherheit vermittelt wie der Giro Insurgent. Wenn ihr viel im Bikepark ballert und niemals mit dem Helm irgendwo hochpedaliert, ist also ein waschechter DH-Helm nach wie vor die beste Wahl.
Der Bluegrass Vanguard Core Edition macht bereits auf dem Papier eine sehr gute Figur: Mit einem Preis von 330 € gehört er zu den günstigsten Helmen im Test, ist aber gleichzeitig mit 771 g einer der leichtesten. Doch auch auf dem Trail kann kein Modell dem Vanguard das Wasser reichen: Er bietet eine top Passform für eine Vielzahl von Kopfformen, gute Belüftung und ein Sicherheitsgefühl, das kein anderer Fullface Helm im Test überbieten kann.
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