Die Schaltung ist das Herzstück deines Rennrads und Mountainbikes. Sie bestimmt, wie effizient du deine Kraft aufs Pedal bringst, wie leicht du Anstiege bewältigst und wie präzise du schalten kannst.
Die Marktführer: Shimano & SRAM
Seit der Vorstellung der bekannten Dura-Ace-Gruppe 1973 hat sich Shimano im Rennradsport - langsam aber sicher - gegenüber Campagnolo durchgesetzt. Auch wenn alle drei Hersteller eine große Auswahl an Rennrad-Gruppen anbieten, so hat Shimano mittlerweile in jeder Rennrad-Preisklasse deutlich die Oberhand gewonnen.
Die High-End-Komponenten für Rennräder hören bei Shimano auch weiterhin auf den Namen „Dura-Ace“, während die Rennrad-Gruppen darunter die Bezeichnung „Ultegra“, „105“ (11-fach), „Tiagra“ (10-fach), „Sora“ (9-fach) und „Claris“ (8-fach) tragen. 2019 kam die Gravelgruppe „GRX“ dazu, die sich durch ihre offroadtaugliche Bauweise auszeichnet und als 10- und 11-fach-System erhältlich ist.
Im Gegensatz zu Shimano bietet SRAM Rennradgruppen als 10-, 11- und 12-fach an. Die preiswerteste SRAM-Apex-Gruppe (2×10) ist daher eher schon mit der Shimano Tiagra zu vergleichen. Sowohl die „Apex“ als auch die nächsthöheren Gruppen „Rival“ und „Force“ sind auch als 1×11-Gruppe - für Gravel- und Cyclocrossbikes - erhältlich. Die Top-Gruppen „Force“ und „Red“ gibt es als kabellose „eTap“-Varianten und in der „AXS“-Ausführung nun mit 12 oder 24 Gängen.
Was gehört zu einer Rennrad-Gruppe?
- Schalt-/Bremshebel
- Kurbelgarnitur (Kurbel, Innenlager, Kettenblätter)
- Umwerfer
- Kassette
- Schaltwerk
- Kette
- Naben/Laufräder
- Bremskörper (Scheiben- oder Felgenbremse, hydraulisch oder mechanisch)
Einteilung der Rennrad-Schaltgruppen
Wir haben die Rennrad-Gruppen von Shimano & SRAM den entsprechenden Ausstattungsklassen unseres Bike-Guides zugeordnet. Mit dem Bike-Guide kannst du nicht nur das Level der Ausstattung auf einen Blick erkennen, sondern auch ob das Rad vom Einsatzbereich und Terrain zu deinen Vorstellungen passt.
Rennrad-Schaltgruppen von Shimano & SRAM im Detail:
Durch die Einordnung der Gruppen in den Ausstattungs- und Preisklassen wird deutlich, dass sich SRAM eher in den oberen Preisklassen bewegt, während Shimano auch Rennradgruppen in der Einstiegsklasse bereithält. Zudem lassen sich die Gruppen von Shimano und SRAM aufgrund leicht unterschiedlicher Preise und Ausrichtungen nicht direkt miteinander vergleichen.
Level 1: Einstiegsklasse (Rennräder ab 700 Euro)
Shimano bietet für Rennräder der Einstiegsklasse die Gruppen Claris (R2000) und Sora (R3000) an. Beide Gruppen sind nur mit mechanischen Felgenbremsen erhältlich. Die Gruppen richten sich zwar an Rennradeinsteigerinnen und -einsteiger, kommen aber beide im Bereich der Kurbel bereits mit dem hochwertigen „Hollowtech II“-Design daher, dass auch bei den Top-Gruppen verwendet wird.
Hierbei besitzt die zweiteilige Kurbel eine Hohlachse, die für geringes Gewicht und in Kombination mit dem außenliegenden Lager für hohe Steifigkeit und bessere Haltbarkeit sorgt. Die aktuellen Claris- und Sora-Gruppen sind mit moderner Zweifach-Kompaktkurbel und 50-34 Kettenblättern wie auch als Dreifachkurbel verfügbar.
Die Bedienung erfolgt vom Lenker ebenfalls wie bei allen anderen Shimano-Rennrad-Gruppen über eine Kombination aus Brems- und Schalthebel, auch „Shimano Total Integration“ - kurz „STI“ - bekannt. Die Unterschiede zwischen Claris (8-fach) und Sora (9-fach) liegen also hauptsächlich in der Anzahl der Gänge des Schaltwerks beziehungsweise der Kassette.
Level 2: Mittelklasse (Rennräder ab 1.300 Euro)
Wer ein leichteres Rennrad mit besserer Performance sucht ist in der Mittelklasse gut aufgehoben. Die Auswahl an Rennrädern für ambitionierte Hobby- und Amateurfahrerinnen und -fahrer ist zudem deutlich größer.
Dies spiegelt sich auch im Bereich der Schaltgruppen wider. Zusätzlich zu der Tiagra (R4700) und 105 (R7000) von Shimano gibt es auch von SRAM mit Apex und Rival zwei Optionen. Alle genannten Gruppen gibt es aktuell noch gleichermaßen mit der herkömmlichen Felgenbremse als auch mit einer modernen, hydraulischen Scheibenbremse.
Sowohl bei der Tiagra von Shimano als auch der Apex von SRAM handelt es sich um 10-Fach-Schaltungen. Beide Gruppen sind durch bessere Verarbeitung zum einen nochmals leichter und zum anderen präziser als die der Einstiegsklasse.
Die nächsthöhere Shimano 105 und die SRAM Rival 22 bieten dann den nächsten Performance-Schritt. Wie der Name der „Rival 22“ bereits ankündigt handelt es sich um 2×11-Schaltungen. Beide Gruppen profitieren von einigen Technologien der Top-Gruppen des jeweiligen Herstellers.
Beispielsweise ist die Kurbel der 105er optisch und technisch schon sehr nah an den TopmodellenUltegra und Dura-Ace. Die hohlen Kurbelarme sind nochmal etwas leichter und auch die Kettenblätter sind aufwändig bearbeitet worden. Einige Meinungen gehen sogar so weit, dass die aktuelle 105 die „Dura-Ace von gestern“ sei. Aussagen wie diese machen deutlich, dass auch die Schaltungen in der Mittelklasse in den letzten Jahren einen großen Leistungssprung vollzogen haben.
Wie unterscheiden sich die mechanischen Rennradschaltungen von Shimano & SRAM ?
Der große Unterschied zwischen SRAM und Shimano liegt bei den mechanischen Gruppen in der Bedienung. Bei Shimano dient der große Bremshebel bei seitlicher Bewegung auch zum Runterschalten und es gibt einen weiteren Hebel zum Hochschalten. SRAM setzt hingegen auf „einen Bremshebel, der bremst und einen Schalthebel, der schaltet.“ Der Schalthebel funktioniert daher in beide Richtungen. SRAM nennt diese Technologie „DoubleTap“.
Zum Hochschalten muss der Schalthebel nur angetippt werden und zum Runterschalten über einen gewissen Punkt hinausbewegt werden. Welche der beiden Varianten du bevorzugst ist natürlich reine Geschmackssache, da beide Systeme ihre Vor- und Nachteile haben.
Level 3: Spitzenklasse (Rennräder ab 2.000 Euro)
Im High-End-Bereich hören die Gruppen bei Shimano auf die Namen „Ultegra“ und „Dura-Ace“. SRAM schickt die Gruppen „Force“ und „Red“ ins Rennen. Dabei ist die Shimano Ultegra die wahrscheinlich beliebteste Rennrad-Schaltgruppe überhaupt.
Und das hat seine Gründe: Die aktuelle Ultegra R8000 wiegt als Ausführung mit Scheibenbremse gerade einmal knapp 2300 Gramm und ist somit 150 Gramm leichter als die 105er-Gruppe. Diese Diät hat die Ultegra dem Einsatz von hochwertigerem Material und der verbesserten Fertigung zu verdanken.
Beispielsweise bestehen die Bremshebel aus Carbon und die Ritzel der Kassette sind auf einem Spider aus Aluminium montiert. Auch absolute Profis schätzen die Shimano-Ultegra-Reihe daher sehr.
Die SRAM Force 22 spielt in einer ähnlichen Liga und wiegt nochmal 80 Gramm weniger. SRAM hat zudem 2019 mit der Red und Force als „eTap AXS“ fast zeitgleich mit Campagnolo die ersten elektronischen 12-fach-Gruppen für Rennräder vorgestellt. Die Besonderheit ist dabei neben der kabellosen Funktionsweise, die Möglichkeit die Schaltungen sowohl bei Straßenrennrädern als auch bei Gravelbikes einzusetzen.
Shimano geht mit der Dura-Ace einen anderen Weg und richtet die Gruppe mit Komponenten aus Carbon und Titan rein auf die Renntauglichkeit aus. Auch wenn SRAM am oberen Ende der Fahnenstange Shimano gegenüber voraus zu sein scheint, so kursieren doch einige Gerüchte, dass Shimano mit einer kabellosen 12-fach-Dura-Ace bald nachziehen wird.
MTB-Schaltgruppen von Shimano und SRAM
Neben den Rennrad-Schaltgruppen bieten Shimano und SRAM auch eine breite Palette an Schaltgruppen für Mountainbikes an. Diese unterscheiden sich in Preis, Leistung und Einsatzbereich.
Einteilung der MTB-Schaltgruppen
Die MTB-Schaltgruppen von Shimano und SRAM grenzen sich durch die unterschiedlichen Preisstufen voneinander ab. Mit den Eagle 12-fach-Kettenschaltungen, fokussiert sich SRAM eher auf die Mittel- und Oberklasse, während Shimano mit den preisgünstigen Tourney-, Acera- und Alivio-Komponenten in allen Bereichen vertreten ist.
Technologien bei MTB-Schaltungen
Moderne Kettenschaltungen beim Mountainbike zeichnen sich durch verschiedene Technologien aus, die das Schalten effizienter und zuverlässiger machen.
Narrow-Wide-Kettenblatt
Das Sram-X-Sync Zahnprofil beim Kettenblatt bestand aus abwechselnd schmalen und breiten Zähnen, wodurch sich die Kette dort wesentlich besser „festhalten“ konnte. So entstand dann auch der Name für diese neuartigen Narrow-Wide-Kettenblätter. Mittlerweile kommt dieses Profil in ähnlichen Ausführungen bei vielen verschiedenen Herstellern, unter anderem auch bei Shimano, zum Einsatz.
Shadow Plus und Type 2/3 Schaltwerke
Hier kommt bei Shimano ab 10-Fach- und bei SRAM ab 11-Fach-Schaltungen eine zusätzliche Dämpfung zum Einsatz, die das Kettenschlagen auch auf Trailfahrten stark reduzieren kann. Bei Shimano lässt sich die zusätzliche Dämpfung über den ON / OFF-Hebel ein- und ausschalten. SRAM hat dagegen den sogenannten Cage-Lock, mit dem der Schaltwerkskäfig blockiert werden kann, um beispielsweise das Rad auszubauen.
Elektronische Schaltgruppen: SRAM AXS und Shimano Di2
Neben den mechanischen Kettenschaltungen bieten sowohl SRAM als auch Shimano eine Auswahl an elektronisch gesteuerten Schaltgruppen für (E-)Mountainbikes an. Von SRAM gibt es die 12-fach-Gruppen GX, X01 und XX1 mit der funkgesteuerten AXS-Technologie, die auch bei der Variostütze Rock Shox Reverb zum Einsatz kommt. Shimano setzt mit der Di2-Technolgie hingegen noch auf ein kabelgebundenes System mit einem zentralen Akku, das bei den beiden Top-Gruppen XT und XTR verfügbar ist.
Übersicht: Sram vs. Shimano 12fach-MTB-Schaltgruppen (2020)
| Sram-Schaltgruppen | Freilaufstandard | Gewicht Schaltgruppe¹ | Kurbelgewicht | Bandbreite | Preis Upgrade-Kit² | Preis Schaltgruppe³ |
|---|---|---|---|---|---|---|
| XX1 Eagle AXS | XD | 1434 g | 469 g | 500 % | 744 € / 1089 € | 1199 € / 1525 € |
| X01 Eagle AXS | XD | - | - | - | - | - |
| GX Eagle AXS | XD | - | - | - | - | - |
| NX Eagle | HG-Standard | 2074 g | 707 g | 455 % | 187 € | 268 € |
¹Die komplette Schaltgruppe besteht aus Schaltwerk, Kassette, Kette, Kettenblatt, Kurbel und Schalthebel. Das Tretlager wurde aufgrund verschiedenster Standards nicht berücksichtigt.
²Ein Upgrade-Kit besteht aus Schaltwerk, Kassette, Kette und Schalthebel.
³Durchschnittspreis von drei großen Online-Shops Januar 2020.
Shimano GRX vs. SRAM Apex
Shimano aus Japan und der US-amerikanische Konkurrent SRAM prägen das Erscheinungsbild des Gravelbikes maßgeblich, indem sie betont sportliche, aber auch für Freizeit- und unerfahrene Radler und Radlerinnen maßgeschneiderte Komponenten anbieten.
Fast gleichzeitig präsentieren Shimano und SRAM nun Produkte, die gezielt für preiswerte Räder konzipiert sind, auf dem Papier aber dennoch mit High-End-Technik punkten. SRAM belebt dafür die frühere Rennrad-Gruppe Apex wieder und macht sie zum spezialisierten Antrieb fürs Gelände. Shimano setzt seine Erfahrungen mit der populären GRX, der ersten erklärten Gravel-Gruppe überhaupt, in einer zweiten Generation um. Von beiden haben wir uns die ersten testbaren Exemplare ins Haus geholt und auf ihre Stärken und Schwächen überprüft.
Top-Technik, bezahlbar
Interessant ist, dass die Konkurrenten auf den ersten Blick die Bedürfnisse der Zielgruppe auf ganz unterschiedliche Weise erfüllen wollen: SRAM sieht die Zukunft im Einfach-Kettenblatt und dem elektronisch gesteuerten Gangwechsel. Shimano setzt seine Erfahrungen mit der populären GRX, der ersten erklärten Gravel-Gruppe überhaupt, in einer zweiten Generation um.
Fast perfekte Ergonomie
Optisch sieht bei Shimano alles aus wie gewohnt, fein poliertes, dunkel eloxiertes Alu bestimmt den Eindruck. Doch schon beim Erstkontakt mit den neuen GRX-Hebeln fällt auf, dass an deren Form gefeilt wurde.
Die SRAM-Griffe sind schlanker und runder, sie passen auch kleinen Händen. Auch die Bremshebel sind breit, vorne abgeflacht und prima erreichbar, die riesigen Schaltknöpfe sowieso. Einen haptischen Unterschied zu den teuren Gruppen spürt man nicht.
Shimano GRX vs. SRAM Apex - Ansichtssache Umwerfer
Etwas mehr Konzentration, besonders bei Fahrten im anspruchsvollen Gelände, erfordert die mechanische GRX, denn ihre Kette reagiert sensibel auf die Befehle am leichtgängigen Schalthebel. Die menschliche Hand funktioniert weniger präzise als elektronische Stellmotoren, was sich beim geringeren Ritzelabstand des Zwölfer-Pakets offenbar bemerkbar macht.
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