Victory Motorrad Insolvenz: Ursachen und Hintergründe

Die Krise ist offensichtlich und verschärft sich noch: Batteriehersteller wie Northvolt, Varta, Custom Cells und zuletzt die Porsche-Tochter Cellforce haben innerhalb eines Jahres Insolvenz angemeldet oder sind in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

Auch große Maschinenbau-Unternehmen wie Manz und Coatema Coating Machinery sind betroffen. Die Fertigung von Batteriezellen in Deutschland kommt nicht in Gang.

Guido Reinking, Chefredakteur bei der Autoren-Union Mobilität, sprach mit Professor Heiner Heimes, Leitungsmitglied des Lehrstuhls „Production Engineering of E-Mobility Components“ (PEM) der RWTH Aachen.

Die Rolle der Batteriezellenproduktion

„Wir müssen zwischen der Zellproduktion und der Modul- und Pack-Produktion unterscheiden. Im Bereich von Batteriemodulen und -packs sind wir in Deutschland gut aufgestellt. Die eigentliche Wertschöpfung findet aber in der Zellproduktion statt.“

Die Zelle bestimmt die Kosten der gesamten Batterie und die zentralen Leistungseigenschaften: Gewicht, Größe, Reichweite, Kapazität - alles das wird durch die Zelle festgelegt. Bisher sind fast alle Anläufe für eine größere, eigenständige Zellfertigung - bis auf die VW-Tochter Power Co in Salzgitter - gescheitert.

Ursachen für die Schwierigkeiten

„In den vergangenen fünf Jahren haben viele Akteure in die Zellfertigung investiert. Mittlerweile hat sich die Situation dramatisch geändert. Ist die Ursache tatsächlich nur die schwache Nachfrage nach Elektroautos und damit auch nach Batteriezellen?“

„Zweiteres, ganz klar. Und es gibt noch einen dritten Effekt: Aus Asien werden im Moment sehr viele Zellen sehr günstig in Europa angeboten. Das kann eine gewisse strategische Relevanz haben.“

„So kann man es sagen.“ „Ja, auch da ist die Produktion in Europa durch die günstigen Importe aus Asien vom Markt katapultiert worden. Und dabei ist es nicht geblieben. Auch der Maschinen- und Anlagenbau für diese Industrie ist abgewandert. Da hatten wir in Deutschland starke Player. Ich mache mir große Sorgen, dass wir einen ähnlichen Effekt bei den Batteriezellen sehen. Auch dort steht der Maschinen- und Anlagenbau vor Herausforderungen. Die Entwicklungen um einige führende Maschinen- und Anlagenbauer sind ein Warnsignal. Übrigens ist auch die Recycling-Branche betroffen.

„An wen sollen die Recycler die zurückgewonnenen Rohstoffe verkaufen, wenn es in Europa keine Zellfertigung gibt?

Politische Abhängigkeit und strategische Relevanz

„Im Moment funktioniert diese Strategie offenbar. Aber was passiert, wenn die Hauptlieferanten zu der Erkenntnis kommen ,Wir erhöhen die Preise um 40 oder 50 Prozent - auch aus politischen Gründen‘? Was das für die Autohersteller bedeutet, kann man sich vorstellen. Ist der Preis für die Batteriezelle der Ölpreis des 21.“

„Der Vergleich bringt es auf den Punkt - auch wegen der politischen Abhängigkeit, in die wir geraten. Und die betrifft nicht nur die Automobilindustrie. Immer mehr Produkte werden elektrifiziert: Stationäre Energiespeicher und Powertools, Anwendungen in der Luftfahrt und der militärische Bereich basieren auf Batterien. Asiatische Unternehmen wie CATL und BYD investieren in Europa.“

„Da mache ich mir eher Sorgen. Denn die Unternehmen kommen mit eigenen Produktionstechniken und oft auch einer eigenen Belegschaft. Damit entsteht zwar ein europäischer Produktionsstandort, aber es findet kein Know-how-Transfer in die europäische Industrie statt.

Die Notwendigkeit strategischer Investitionen

„Wir müssen das Thema Batteriezellen-Produktion konsequent angehen und den strategischen Wert dieser Komponente erkennen. Dann muss man mit höchster Intensität investieren - auch wenn es fünf Jahre dauert und die Unternehmen maximale Unterstützung benötigen. Oder man entscheidet sich eben dagegen und begibt sich in eine neue Abhängigkeit. Das lässt sich dann aber nicht mehr rückgängig machen.

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