Die wechselvolle Industriegeschichte Zweibrückens ist geprägt von bemerkenswerten Abläufen und Folgen eingreifender Prozesse der Industrialisierung, nicht nur sichtbar in Industrieanlagen, Erfindungen und Produkten.
Ein Vortrag von Jens Reinke beim Historischen Verein Zweibrücken gibt Einblicke in die Geschichte der Fabrikantenfamilie Schwinn. Unter dem Titel „Die Schwinns. Eine Zweibrücker Familiengeschichte von der Gründerzeit bis zum Ende der Weimarer Republik“ referiert Reinke über den Inhalt eines Koffers der Fabrikantenfamilie Schwinn, in den er habe Einblick nehmen können.
Dabei geht es um Familiengeschichte, um die Geschichte des Unternehmens sowie die Geschichte der Villa Schwinn - mit verschachteltem Grundriss erbaut von Kommerzienrat Adolf Schwinn 1894 im Neurenaissance-Stil.
Die Architektur der Villa Schwinn
Die Villa Schwinn in Zweibrücken vertritt diesen neuen Typus. Der aus Ixheim gebürtige Fabrikant Georg Adolph Schwinn, Mitinhaber einer Draht-, Ketten- und Stiftenfabrik - sogenannte Nagelwerke -, ließ für seine Familie 1894 einen anspruchsvollen späthistoristischen Bau errichten, der mit der Materialität (Backstein und Gliederung aus rotem Sandstein) an die regionale Baukultur anknüpft und mit der Formenwahl (Neurenaissance) auf die Blütezeit des handeltreibenden Bürgertums der italienischen Renaissance oder auch auf die reiche Patriziertradition des frühneuzeitlichen Deutschlands verwies.
Äußerlich ist das Gebäude auch heute noch deutlich erkennbar.
Seit 1984 steht das Gebäude in der Gutenbergstraße 41 unter Denkmalschutz.
Wesentliche Veränderungen nach Kriegsschäden und / oder Renovierungseingriffen sind jedoch eine schlichtere Fassadengestaltung, Rundbogenfenster auch im ersten Obergeschoss und eine völlig neue Rahmen- und Sprossengliederung.
Herausforderungen und Denkmalpflege
Es liegt auf der Hand, dass solche Anwesen für die heutigen Eigentümer in puncto Erhaltung und Nutzung eine Herausforderung darstellen können.
Im Dezember 2019 wurde bekannt, dass ein Investor die Villa samt Remise und Gelände kaufen möchte, um dort ein Bauvorhaben von vier Häusern (zunächst 77 Wohneinheiten, jetzt 110) zu verwirklichen.
Dafür muss nach Angaben des Investors die heute als Unterrichtsraum an eine Fahrschule vermietete und somit wirtschaftlich genutzte Remise abgerissen werden.
Die Besitzer, eine Erbengemeinschaft, waren hocherfreut, einen potentiellen Käufer gefunden zu haben.
Auch die Stadt Zweibrücken zeigte sich erfreut.
Derzeit kommt die Denkmalfachbehörde (Direktion Landesdenkmalpflege, Mainz) im Rahmen ihrer Beteiligung als Träger öffentlicher Belange im Planungsverfahren ihrer gesetzlichen Aufgabe nach, die denkmalfachlichen Inhalte und Schutzziele in das Verfahren einzubringen.
Erfreulicherweise hat sich seit der Unterschutzstellung der Villa 1981 die Forschung zu solchen Anwesen wesentlich weiterentwickelt.
1981 - das Denkmalschutzgesetz RLP war gerade drei Jahre alt - war es durchaus noch avantgardistisch, sich diesen Bauten des 19. Jahrhunderts überhaupt positiv zu widmen.
Heute besteht längst kein fachlicher Zweifel mehr daran, dass es sich um ein bedeutendes Kulturdenkmal handelt.
Die neue Aufgabe für den Investor lautet somit, die Remise in geeigneter Weise in das Bauvorhaben einzubeziehen, sie als eine Besonderheit dieses Vorhabens anzunehmen und kreativ einer sinnvollen Nutzung zuzuführen.
Es ist daher völlig unverständlich, dass sich ein Teil der Lokalpresse in sprachlich schon unangemessener Weise zum Erfüllungsgehilfen des Investors macht und den Denkmalschutz als Verhinderer ansieht, die Remise im Grunde schlechtredet.
Wieso wird vom Investor nicht verlangt, seine Pläne anzupassen und die Remise einer Nutzung im Rahmen seines Wohnvorhabens zuzuführen, in ihr z. B. ein besonderes Wohnerlebnis zu ermöglichen?
Vorbildliche Beispiele für solche Umnutzungen von Nebengebäuden gibt es reichlich.
Kritik an den Bauplänen
Heftige Kritik üben die vier Denkmalfreunde Georg Dhom, Roswitha Chéret, Hanne Stauch und Gerhard Herz an den Plänen für die Villa Schwinn.
Unterschrieben wurde der Offene Brief von Georg Dhom, Roswitha Chéret, Hanne Stauch und Gerhard Herz.
Und kritisch ist ihr Offener Brief an Wosnitza allemal.
Und diese Gesamtheit gelte es, zu schützen, mahnen die vier Kritiker; sie gehen davon aus, dass im vorliegenden Fall „eine Abwägung gegensätzlicher öffentlicher Interessen“ stattfinden werde.
Tatsächlich hat Oberbürgermeister Wosnitza diese Woche im Merkur erklärt, dass das Rathaus der Rosenstadt gemeinsam mit den Denkmalschützern nach einer salomonischen Lösung suche.
Für die vier Zweibrücker, die den Offenen Brief verfasst haben, ist es nachvollziehbar, dass Stadt und GDKE gemeinsam nach einer Lösung suchen.
Allerdings dränge sich „die Frage auf, wieso es hier überhaupt ein öffentliches Interesse am Bau dieser Wohnanlage geben soll.
In Zweibrücken herrscht kein Wohnraummangel wie in Frankfurt, Karlsruhe oder Mannheim.
Die vier Bürger geben zu bedenken: „Die neuen Eigentumswohnungen könnten auch an vielen anderen Stellen im Stadtgebiet entstehen.
Doch werden Dhom, Chéret, Stauch und Herz noch deutlicher: Bei dem Bauvorhaben des Saarbrücker Investors handele es sich „um ein privates, auf die Erzielung von maximalem persönlichem Profit abzielendes Bauvorhaben.
Das heißt, dass der Investor sein Bauvorhaben denkmalverträglich zu planen und an das Denkmal anzupassen hat, nicht umgekehrt.
Dass der Investor (und die hinter der Villa Schwinn stehende Eigentümer-Gemeinschaft) behaupte, dass das Bauprojekt nur wirtschaftlich vertretbar sei, wenn die Remise weichen dürfe, sorgt bei den Brief-Verfassern für massiven Unmut: „Es ist völlig unglaubwürdig, dass das Bauprojekt ohne den Abbruch der Remise nicht durchführbar wäre.
Die Remise nimmt nur einen geringen Anteil der Grundstücksfläche ein und könnte problemlos weiterhin vermietet werden.
Hier wird ganz offensichtlich aus reiner Profitgier Druck ausgeübt.
Nicht zu vergessen sei, mahnen die vier Denkmalfreunde, dass der knapp 3000 Quadratmeter große Park der Villa Schwinn 17 Bäume aufweise, die teilweise „stattlich“ seien.
Verwandte Beiträge:
- Bike Villa OHG Limburg: Alles, was Sie über Ihr Fahrrad wissen müssen!
- Bike Villa Limburg: Top Fahrradgeschäft mit exklusiven Gutscheinen & Angeboten!
- Bike Villa Limburg – Entdecken Sie die besten Fahrräder und E-Bikes für Ihr Abenteuer!
- Die Ultimative Reifendruck-Tabelle für Mountainbikes: Perfekte Performance Garantiert!
- Jack Wolfskin Fahrradbekleidung im Test: Die besten Features & Top-Modelle im Vergleich
Kommentar schreiben