Die Sitzposition auf dem Rennrad kannst du relativ simpel mithilfe des Vorbaus beeinflussen. Der Rennrad Vorbau mag auf den ersten Blick nur ein unscheinbares Bauteil sein. Dabei steckt so viel mehr dahinter. Seine Aufgabe ist es nämlich nicht nur, den Lenker zu halten.
Dieser Verbindung sollte durch die auftretenden Kräfte erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden, denn fehlerhaft montierte Vorbauten können folgenschwere Stürze nach sich ziehen. Es gibt verschiedene Leistungspakete ab 160,00 €, je nachdem wie detailliert das persönliche Bike-Fitting sein soll. Mitzubringen sind 1-3 Stunden Zeit und natürlich das eigene Fahrrad, passende Kleidung und die Schuhe, die man auf seinem Rad fährt.
Was ist ein Rennrad-Vorbau und warum ist die Länge wichtig?
Rein technisch betrachtet, stellt der Vorbau die Verbindung zwischen Gabelschaft und Lenker her: Du bewegst den Lenker in die gewünschte Richtung und die Gabel folgt mit dem Vorderrad dieser Bewegung - soweit so gut. Darüber hinaus kann er je nach Ausführung und Montage auch einen maßgeblichen Einfluss auf die Sitzposition des Fahrenden haben und beispielsweise eine sportliche in eine komfortable, aufrechte Haltung verwandeln.
Wenn man sich dieses kleine Bauteil jedoch in Verbindung mit den Rahmenmaßen anschaut, fällt das eigentliche Potential ins Auge. Der Winkel und die Montage auf der anderen Seite gehen in eine Richtung mit der Steuerrohrlänge des Rahmens und dem Drop des Lenkers. Er geht in dieselbe Richtung wie die Oberrohrlänge des Rahmens und der Reach des Lenkers.
Die Bedeutung der Körpervermessung
Nach einem interessanten Gespräch über Kims Werdegang und die Firma Ergon starten wir mit der Erfassung meiner Körperdaten. Über ein spezielles Messgerät wird mein Sitzknochenabstand gemessen und geprüft, ob meine beiden Körperhälften, anatomisch betrachtet, relativ symmetrisch sind. Neben Körpergröße und Gewicht werden Innenbeinlänge, Torsolänge, Armlänge und Schulterbreite gemessen. Bei größeren Abweichungen kann man an verschiedenen Stellen, wie z.B. der Position der Pedalplatten oder durch Einlagen in den Schuhen, Probleme korrigieren.
Im Anschluss wird das Rad vermessen. Dabei notiert Kim u.a. Rahmenhöhe, Rahmenlänge, Steuerkopfrohr, Sattelüberhöhung, Spacer, Vorbaulänge, Lenkerbreite, Sattelhöhe, Sattelneigung und die unterschiedlichen Sitzlängen, je nachdem welchen Griff ich wähle (Oberlenker, Bremse, Unterlenker). Für die Abmessung nutzt Kim die Schablonen und Hilfsmittel aus der Ergon Fitting Box.
Die Kenngrößen des Rennrad-Vorbau
Vier signifikante Kenngrößen gibt es zu beachten, um den passenden Vorbaut für dich und dein Rennrad zu finden. Diese Kenngrößen und eine Drehmomentangabe sind meist auf dem Vorbau vermerkt:
- Länge: Vorbaulänge in mm, von Steuerrohrmitte zu Lenkermitte gemessen. Üblicherweise ein Maß zwischen 90 mm und 120 mm. Je länger der Vorbau, desto mehr musst du dich strecken um den Lenker zu greifen.
- Winkel: Winkelmaß in °Grad, abweichend vom rechten Winkel zwischen Gabel Schaft und Vorbau. Ein typischer Vorbauwinkel ist 6° bis 8° Grad. Je größer der Winkel, desto tiefer oder höher ist der Lenker positioniert.
- Durchmesser des Gabelschaftes: Angabe in Zoll, üblicherweise 1 1/8“ (28,6mm)
- Durchmesser der Lenkerklemmung: Angabe in mm oder Zoll, üblicherweise 31,8 mm
- Nm: Vorgeschriebenes Anzugs-Drehmoment der Klemmschrauben, meist 5 Nm oder 6 Nm. Darf auf keinen Fall überschritten werden - Drehmomentschlüssel empfehlenswert!
Aktueller Vorbau Standard
Aktueller Standard ist bei den Rennrädern der sog. Ahead Vorbau. Das Prinzip ist einfach: Eine Klemmung verbindet den Vorbau mit dem Gabelschaft, die andere Klemmverbindung verbindet den Vorbau mit dem Lenker. Das übliche Maß der Gabelschaftklemmung ist 1 1/8 Zoll, also 28,6 mm und in der Regel mit zwei Klemmschrauben versehen.
Das gängige Maß der Lenkerklemmung ist 31,8 mm und in der Regel mit vier Klemmschrauben versehen. Größere Durchmesser wie z.B. 1 ¼ Zoll sind nur selten, wie bsp.weise bei den Straßenrädern von Giant, vertreten.
Vor- und Nachteile des Ahead Vorbaus
Die Einstellung des Vorbaus können Sie die Sitzposition auf dem Rad individuell anpassen - ob aerodynamisch oder komfortabel. Der Ahead Vorbau hat einige Vorteile, bringt aber auch Nachteile mit sich.
Vorteile:
- Die geteilte Lenkerklemmung ermöglicht ein schnelles und unkomompliziertes Austauschen des Vorbaus ohne weitere Demontagearbeiten am Lenker.
- Die meisten Vorbauten können zudem positiv wie negativ verbaut werden, d.h. der Vorbau zeigt entweder eher Richtung Vorderrad oder Richtung Fahrer.
- Die Höhe am Gabelschaft wird mit Spacern eingestellt, das sind Distanzringe, die vor der Montage unter bzw. über dem Vorbau montiert werden.
Doch hier sind Grenzen gesetzt: Mehr als 3 cm Spacer sollten nicht unter dem Vorbau montiert sein, da es im schlimmsten Fall zu Schäden am empfindlichen Gabelschaft führen kann. Darüber hinaus sieht dies auch nicht wirklich schön aus.
Wir empfehlen jedoch, immer einen Spacer über dem Vorbau zu lassen, sodass man im Fall der Fälle den Vorbau doch nochmal erhöhen kann. Generell machen Spacer über dem Vorbau relativ wenig Sinn und die meisten Rennradfahrer kürzen den Gabelschaft bis zur Oberkante des Vorbaus.
Nachteile:
- Da der Steuersatz über die Vorbaukappe eingestellt wird, muss nach dem Lösen der Klemmverbindung am Gabelschaft auch der Steuersatz neu eingestellt werden.
- Das ist zwar relativ simpel, birgt jedoch eine weitere Fehlerquelle bei der Montage.
Der richtige Vorbau für dich
Der richtige Vorbau für dich ermöglicht dir deine gewünschte Sitzposition. Ob sportlich-aerodynamisch oder entspannt komfortabel - welche Möglichkeiten bereits das Umdrehen des Vorbaus mit sich bringt, macht das untere Bild deutlich. Eine Höhenänderung des Lenkers von mehr als 30 mm ist mit ein und demselben Vorbau durchaus möglich. Extreme Winkel von bis zu 30° Grad oder die Wahl einer anderen Vorbaulänge können ebenfalls den Komfort und die Aerodynamik beeinflussen.
Zu vermeiden sind besonders kurze Vorbauten von < 90 mm, sie machen das Lenkverhalten träge und schwerfällig. Zudem liegt in diesem Fall -solltest du einen so kurzen Vorbau benötigen- wahrscheinlich ein zu großer Rahmen vor. Sehr lange Vorbauten von 130 mm und mehr belasten durch die großen Hebelkräfte den Gabelschaft sehr stark und sollten ebenfalls vermieden werden. Solltest du einen so langen Vorbau benötigen, liegt wahrscheinlich ein zu kleiner Rahmen vor.
Typische Rennrad-Vorbauten liegen zwischen 90 mm und 120 mm Länge und sind in 10 mm Schritten abgestuft.
Material und Preise
Wie bei allen Bauteilen stellt sich beim Vorbau auch die Budget- und Materialfrage. Die Preisspanne ist relativ groß, einfache Modelle aus Aluminium gibt es ab ca. 10 €, Carbon Vorbauten kosten gerne bis zu 300 €. Was das Material betrifft, ist der Aluminium Vorbau etwas unproblematischer und schrauberfreundlicher als die Modelle aus Carbon. Neben dem günstigeren Preis ist er nicht so empfindlich gegen falsche Drehmomente und es gibt nur bei ausgewiesenen Leichtbauteilen eine Gewichtsbeschränkung.
Zu beachten ist ebenfalls, dass der Vorbau nach einem Sturz oft beschädigt sein kann und gerade Vorbauten aus Carbon für den Laien schwer zu überprüfen sind. Zudem sind sie im Ersatzfall dementsprechend teuer.
Wir empfehlen dir daher nur einen Carbon Vorbau, wenn du dir über die richtigen Vorbaumaße zu 100% im Klaren bist, über ausreichend Erfahrung bei der Montage und das passende Werkzeug verfügst und bereit bist, für einen kleinen Gewichtsvorteil einen höheren Preis zu bezahlen.
Vorbau/Lenker Kombinationen
Im hochwertigen Race und Aero Segment finden sich oft Carbon Lenker, bei denen gleich ein Vorbau integriert wurde. Diese Lenker/Vorbau Einheit hat den großen Vorteil, dass eine mögliche Fehlerquelle mit der Klemmverbindung zwischen Vorbau und Lenker entfällt, obendrein wird noch etwas Gewicht gespart. Allerdings sind die Einstiegspreise für eine solche Kombination mit 300 € relativ hoch, außerdem solltest du dir über die Maße absolut im Klaren sein, da hier Vorbaulänge und -winkel nicht mehr verändert werden können.
Nach einem Sturz musst du im schlimmsten Fall die gesamte Kombination austauschen.
Vorbauten für verschiedene Kategorien
Je nach Art des Rennrads eignen sich unterschiedliche Vorbauten:
Vorbauten für die Kategorie Race
Ein typischer Vorbau der Kategorie Race ist aus Aluminium mit einem Winkel von 6° bis 8° Grad und negativ montiert, also Richtung Vorderrad. Für eine sportliche Sitzposition fällt er tendenziell länger aus, also eher 110 mm bis 130 mm. Leichtbaufans greifen hier auch gerne zu aufwendig erleichterten Aluminium Varianten oder gleich zum Carbon Vorbau.
Vorbauten für die Kategorie Aero
Ein typischer Vorbau der Kategorie Aero ist aus Aluminium mit einem Winkel von 17° Grad und negativ montiert, also Richtung Vorderrad. Durch den üblichen Lenkwinkel von 73° Grad ergibt sich ein waagerechter Vorbau mit entsprechend tief gebückter Sitzposition. Leichtbaufans greifen auch hier gerne zum Carbon Vorbau oder zu einer Lenker/Vorbau Einheit. Oft ist der Vorbau aerodynamisch optimiert und in den Rahmen integriert.
Vorbauten für die Kategorie Tour/ Endurance
Ein typischer Vorbau der Kategorie Tour/Endurance ist aus Aluminium mit einem Winkel von 6° bis 8° Grad und positiv oder negativ montiert. Für eine entspannte Sitzposition fällt er tendenziell kürzer aus, also eher 100 mm bis 110 mm. Carbon- oder Leichtbauteile sind in dieser Kategorie eher unüblich.
Vorbauten für die Kategorie Gravel/Cyclocross
Ein typischer Vorbau der Kategorie Gravel/Cross ist aus Aluminium mit einem Winkel von 6° bis 8° Grad. Bei Bedarf kann dieser auch positiv montiert werden. Er fällt tendenziell kürzer aus, also eher 90 mm bis 100 mm. Carbon- oder Leichtbauteile sind in dieser Kategorie eher unüblich.
Montage und Einstellung des Vorbaus
Hier stellen wir einen herkömmlichen Schaftvorbau am Damenrad, einen verstellbaren Schaftvorbau am Touren- und Trekkingrad und einen Aheadvorbau am Mountainbike ein. Auch die richtige Lenkerposition lassen wir nicht außer acht. Wie lässt sich der Lenker und Vorbau am Fahrrad richtig einstellen?
Ein häufig auftretender Montagefehler ist ein zu hohes Anzugsdrehmoment. Oft denken Rennradfahrer, dass diese wichtige Verbindung besonders fest angezogen werden muss, doch das ist nicht der Fall. Das vorgeschriebene Drehmoment ist meist auf dem Vorbau vermerkt und sollte penibel eingehalten werden. Gerade an empfindlichen Gabelschäften aus Carbon können sich sonst schnell Schäden bilden. Hier auch auf das Drehmoment des Gabelschaftes achten. Sollten sich diese unterschieden immer das geringere Drehmoment wählen.
Der Vorbau muss von seiner Form her ebenfalls zum Gabelschaft passen. Gabelschäfte aus Carbon sollten nur mit Vorbauten kombiniert werden, die in ihrem Klemmbereich keine Aussparungen, Ausfräsungen, Bohrungen oder sonstige materialreduzierten Maßnahmen haben. In diesem Fall wird die Klemmkraft nicht über den gesamten Umfang übertragen, sondern punktuell oder ringförmig, was schnell zu Schäden führen kann.
Merke: Bei Gabelschäften sollte nach der Montage des Vorbaus nichts mehr vom Gabelschaft zu sehen sein.
Anleitung für eine korrekte Montage des Ahead Vorbaus:
Empfohlenes Werkzeug dafür sind passende Inbusschlüssel, bzw. Inbussteckeinsätze und ein Drehmomentschlüssel.
- Vorbau, Gabelschaft und Lenker müssen sauber und fettfrei sein
- Bei der Material Paarung Aluminium Vorbau und Aluminium Gabelschaft einen dünnen Film Montagefett gegen Kontaktkorrosion auftragen
- Bei der Material Kombination Aluminium/Carbon und Carbon/Carbon darf kein Fett verwendet werden, dafür solltest du eine spezielle Carbon-Montagepaste verwenden (sie erhöht die Reibung der Klemmverbindung auch bei kleinen Drehmomenten).
- Den Vorbau mit entsprechend vielen Spacern unterhalb und oberhalb der Klemmung auf die gewünschte Höhe bringen und unbedingt darauf achten, dass der Vorbau den Gabelschaft vollständig umschließt. Die Klemmung bleibt jetzt noch offen.
- Die Vorbaukappe auflegen und über das Anziehen der Inbusschraube den Steuersatz spielfrei einstellen. Es handelt sich um eine Einstellschraube, keine Befestigungsschraube, meist reicht hier schon ein Drehmoment von 1,5 Nm oder 2 Nm.
- Den Vorbau gerade ausrichten und die Klemmschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen.
- Den Lenker in der gewünschten Position montieren und je nach Material Paarung Montagefett oder Carbonpaste verwenden, die Klemmschrauben mit dem vorgeschriebenen Drehmoment anziehen. Bei Leichtbauteilen mit geringen Drehmomenten kann zur Erhöhung der Sicherheit eine mittelfeste Schraubensicherung (z.B. Loctite) verwendet werden.
- Abschließend den festen und gerade Sitz von Lenker, Vorbau und Steuersatz prüfen, ggf. nachjustieren.
Worin liegen die Unterschiede zwischen einem kurzen bzw. langen Vorbau?
Je länger der Vorbau, desto mehr wandert der Körper in Richtung Lenker, wodurch mehr Druck auf das Vorderrad entsteht aber auch ein indirekteres Lenkgefühl. Ein langer Vorbau ist interessant für Fahrer, die lange Touren bevorzugen oder Fahrer, die bei steilen Anstiegen Probleme mit einem steigenden Vorderrad haben (kann durch eine nach vorne gerichtete sportliche Sitzposition behoben werden). Auch interessant für große Personen, die zu aufrecht auf ihrem Fahrrad sitzen. Vorbauten mit einer Länge über 50 mm werden meist im All Mountain / Touren bzw. XC und Marathon Race Bereich verwendet.
Je kürzer der Vorbau, desto aufrechter sitzt man auf seinem Bike. Der Druck auf die Räder wandert tendenziell eher in die Richtung des hinteren Laufrades. In Verbindung mit einem flachen Vorbau erreicht man eine aufrechte Fahrposition, die aber durch den flachen Vorbau trotzdem genug Grip am Vorderrad entwickelt. Interessant für Fahrer, die abfahrtsorientiert unterwegs sind und ein direktes Lenkgefühl bevorzugen. Im Gravity und Enduro-Bereich werden meist Vorbaulängen zwischen 35-50 mm gefahren.
Worin unterscheidet sich ein Vorbau mit hohem bzw. niedrigem Vorbauwinkel?
Je höher der Vorbauwinkel, desto kürzer wirkt das Bike, wodurch ihr aufrechter auf dem Bike sitzt. Dadurch wird Druck vom Vorderrad genommen und ihr erhaltet ein direkteres Lenkgefühl, dafür neigt das Bike eher zum Untersteuern (Euer Bike kann dem eingeschlagenen Lenkwinkel nicht folgen und wird aus der Kurve getragen).
Je niedriger der Vorbauwinkel, desto länger wirkt das Bike, wodurch man sportlicher und gestreckter auf dem Bike sitzt. Das Bike wirkt länger und ihr erhaltet mehr Druck auf dem Vorderrad. Dafür wird das Lenkgefühl indirekter.
Der Vorbaurechner
Problematisch wird es meist, wenn man nur einen Wert verändern möchte. Denn Vorbaulänge und Vorbauwinkel hängen zusammen. Dazu haben wir für euch einen Rechner entwickelt, mit dem ihr euch den Reach und den Stack eures Vorbaus ausgeben lassen könnt. Dadurch könnt ihr herausfinden, welcher Vorbau für euch passen würde, wenn ihr nur einen Parameter verändern wollt.
Angenommen ihr habt einen Vorbau mit einer Länge von 60 mm und einem Winkel von 30°. Bedeutet der Reach deines Vorbaus beträgt 33,55 mm und der Stack 49,74 mm. Du möchtest nun deinen Stack um 15 mm senken. Würdest du dir nun einen 60 mm Vorbau mit 10° kaufen, würdest du mit deinem Stack auf den gewünschten Wert kommen (von 49,74 auf 35,27 mm), aber dein Reach würde sich dadurch verlängern (33,55 auf 48.54 mm). Durch diese Längenänderung würdest du eine deutlich gestrecktere Sitzposition erreichen.
Möchtest du deinen Reach aber beibehalten und nur den Stack senken, müsstest du dir einen Vorbau mit der Länge 50 mm und einem Winkel von 20° kaufen (Reach: 34,73 mm, Stack 35,97 mm). Es wird selten möglich sein, genau auf dieselben Werte zu kommen, da es die meisten Vorbauten nur in standardisierten Größen gibt. Somit sind leichte Toleranzen (wie hier beim Reach 33,55 mm zu 34,74) nicht zu vermeiden.
Die Werte und genannten Auswirkungen sind rein theoretisch und bilden keinen perfekten Vorbau ab. Persönliche Vorlieben und das Gefühl auf dem Bike spielen hier eine wichtige Rolle.
Die Bedeutung von Lenker und Vorbau für eine gute Sitzposition
Die Lenkerbreite wird an der Vorbiegung i.d.R. von Mitte zu Mitte gemessen. Im Klemmbereich ist der Lenker dicker, das Maß beträgt in der Regel 31,8 Millimeter. Als Reach bezeichnet man die Vorbiegung des Lenkers. Der sogenannte Drop beziffert, wie tief der Lenkerbogen nach unten reicht.
Um die passende Sitzposition zu finden, sollten Sie ein wenig herum experimentieren."Es gibt nicht die eine einzige, richtige Sitzposition", sagt Tanja Willersinn, Leiterin des Radlabors Freiburg und Expertin in Sachen Bikefitting. "Wirklich anatomisch vorgeschrieben ist nur die Sitzhöhe, die von der individuellen Innenbeinlänge abhängt." Von diesem Wert ausgehend, kann man sich, je nach Gusto, renn- oder komfortorientiert aufs Rad setzen - oder irgendwo dazwischen. Und, mit fortschreitendem Alter, auch mal ganz anders als in der Vergangenheit.
Das einfachste Handlungsfeld, um mit der Sitzposition zu experimentieren: die Lenker- und Vorbauabmessungen. "Hat man dann einmal eine geeignete Sitzposition gefunden, sollte diese auf allen genutzten Rädern identisch eingestellt sein", rät Bikefitterin Willersinn. "Auf jedem Rad anders zu sitzen, kann zu Beschwerden und Leistungsabfall führen."
Ihr Tipp: Bei einem Neurad den Gabelschaft nicht radikal kürzen, sondern immer etwas Spielraum lassen, auch oberhalb des Vorbaus, um die Position zu einem späteren Zeitpunkt variieren zu können. Denn sonst gilt: Ab ist ab.
Wie beeinflusst der Vorbau das Fahrgefühl?
Die Länge des Vorbaus beeinflusst nicht nur, wie entspannt oder gestreckt die Sitzposition ausfällt, sondern wirkt sich auch auf die Lenkung - und damit die Fahrcharakteristik - eines Rennrads aus. Dabei gilt: Durch einen kurzen Vorbau wird das Rennrad tendenziell wendiger, ein langer Vorbau sorgt für mehr Laufruhe. Der Winkel des Vorbaus beeinflusst, wie hoch der Lenker "hängt" - und wirkt sich damit ebenfalls auf Sitzposition und Handling aus.
Sehr stark verbreitet sind Vorbauten mit sechs Grad Neigung, erhältlich sind auch extremere Modelle mit bis zu 40 Grad.Übrigens: Montiert man moderne Ahead-Vorbauten umgekehrt, bringen sie den Lenker einige Zentimeter weiter nach oben. Puristen werden die Optik "positiv" montierter Vorbauten monieren, aber wen stört’s, wenn man dadurch besser auf dem Rad sitzt?
Wie bestimme ich die richtige Vorbaulänge?
Tanja Willersinn, Expertin in Sachen Bikefitting, empfiehlt: "Fragen Sie sich, wie Sie auf dem Rennrad sitzen wollen: sportlich-gestreckt oder komfortabel? Sportliche Fahrer greifen eher zu längeren Vorbauten mit größerer Neigung nach unten. Wer bequemer sitzen will, montiert einen kürzeren Vorbau, gegebenenfalls mit Winkel nach oben. Eine allgemeingültige Faustformel zur Bestimmung der richtigen Vorbaulänge gibt es leider nicht.
Wie beeinflusst der Lenker das Fahrgefühl?
Mit einem schmalen Lenker wirkt der Renner im Wiegetritt etwas lebendiger, Arme und Schultern werden zudem etwas stärker zusammengezogen - das bringt aerodynamische Vorteile, Rennfahrer passen im Peloton durch engere Lücken. Allerdings kann dadurch das Atmen schwerer fallen, weil der Brustkorb stärker zusammengezogen wird. Ein breiter Lenker hingegen greift sich komfortabel, vereinfacht tiefes Atmen und sorgt für größere Ruhe beim Lenken und im Wiegetritt. Wen die etwas trägere Lenkung nicht stört, freut sich zudem beim Sprinten über einen größeren Hebel.
Wie misst man die Lenkerbreite bei einem Rennrad?
"Messen Sie Ihre Schulterbreite", rät Bikefitterin Tanja Willersinn, "von einem Schultergelenksknochen zum anderen. Der ermittelte Wert in Zentimetern ist Ihre optimale Lenkerbreite." Wenn Sie besonders aerodynamisch oder komfortabel sitzen wollen, können Sie eine Größe schmaler oder breiter wählen. Tanja Willersinn rät aber: "Hobby-, Alltags- und Genussfahrer sollten den Lenker nicht schmaler als die Schulterbreite wählen. Das Handling wird zu unruhig, die Position eingeengt. Das ist eher etwas für fahrsichere, sehr leistungsorientierte Fahrer."
Abschließende Tipps
Wer effizient und schmerzfrei unterwegs sein möchte, achtet auf die sorgfältige Auswahl der Komponenten und deren korrekte Einstellung, sonst drohen Überlastung und Schmerzen. Mit dieser Serie gibt ROADBIKE Hilfe zur Selbsthilfe.
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