Anleitung zum Wechseln von Rennradreifen: Schritt-für-Schritt

Am Rennrad den Reifen oder Schlauch wechseln ist überhaupt kein Hexenwerk und mit ein bisschen Übung in 10 Minuten erledigt. Damit Du das problemlos selbst hinbekommst, gibt es hier eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit hilfreichen Tipps, damit der nächste Plattfuß nicht gleich wieder passiert.

Wann sollte man den Reifen wechseln?

Wenn Dein Schlauch die Luft verliert, dann ist es natürlich ganz offensichtlich Zeit, den Schlauch zu wechseln. Aber wann sollte ein Reifen - also der Mantel - gewechselt werden? Das kommt ganz darauf an, wie viele Kilometer Du schon damit gefahren bist und welche Verschleißerscheinungen erkennbar sind. Einige Rennradreifen haben sogar eine praktische Verschleißanzeige, an der Du schnell sehen kannst, wann es Zeit für einen Wechsel ist.

Prinzipiell gilt: Spätestens, wenn Du eine größere Beschädigung am Reifen hast, das Gewebe des Reifens sichtbar ist oder der Reifen bereits „eckig“ aussieht (also die Lauffläche schon sehr abgefahren ist), dann solltest Du den Reifen aus Sicherheitsgründen wechseln.

Benötigte Materialien und Werkzeuge

  • Neuen Schlauch oder neuen Reifen (oder beides)
  • Zwei gute Reifenheber (Nutze auf keinen Fall irgendetwas Metallisches - so machst Du Dir die Felge kaputt! Reifenheber kosten nicht die Welt, die Anschaffung lohnt sich!)
  • Pumpe (am besten Standpumpe oder unterwegs eine Minipumpe - aus Umweltgründen empfehle ich keine Kartuschen)
  • ggf. Flickzeug

Schritt-für-Schritt-Anleitung

1. Vorbereitung

Bevor du beginnst, solltest du sicherstellen, dass du alle notwendigen Fahrradwerkzeuge und Materialien zur Hand hast. Als Erstes solltet ihr den Schlauch vorbereiten. Packt ihn aus und pumpt ihn leicht auf.

Für Räder mit Felgenbremsen: Mach zunächst die Bremse auf - das geht mit einem kleinen Hebel direkt an der Bremse. Für Räder mit Scheibenbremsen: Bei Scheibenbremsen darauf achten, die Bremse nicht zu betätigen, solange das Laufrad nicht eingebaut ist.

2. Laufrad ausbauen

Falls Du Schlauch oder Reifen beim Hinterrad wechseln möchtest, am besten die Kette vorne auf das größte Blatt und hinten auf das kleinste Ritzel schalten. Danach den Schnellspanner oder die Steckachse lösen und das Laufrad ausbauen. Schalte die Kette auf das kleinste Ritzel. Löse und entferne die Steckachse mit dem Innensechskant-Schlüssel oder - falls vorhanden - dem integrierten Steckachshebel. Halte das Laufrad dabei mit einer Hand fest. Drehe das Schaltwerk im Uhrzeigersinn nach hinten weg.

Wichtig: Achtung, das Rad nie auf die Schaltung legen!

Fädle nun das Laufrad so ein, dass die Bremsscheibe im Bremssattel und die Nabe zwischen den Ausfallenden platziert ist. Achte darauf, die Bremsscheibe hierbei nicht mit der Hand zu berühren. Führe die Steckachse ausgehend von der Seite der Bremsscheibe wieder durch Radnabe und Ausfallenden. Ziehe sie dann locker an. Mit einem Drehmomentschlüssel ziehst du sie nun auf das erforderliche Drehmoment fest.

3. Reifen demontieren

Jetzt ist das Laufrad ausgebaut und das Fahrrad unfallfrei abgelegt. Jetzt brauchen wir die Reifenheber. Mit einem Reifenheber hebelst Du vorsichtig zwischen Reifen und Felge und ziehen den Mantel an dieser Stelle über die Felge. Wenn Dein Reifenheber einen entsprechenden Clip hat, kannst Du den Reifenheber an den Speichen einklemmen, damit Du beide Hände für den zweiten Reifenheber frei hast. Mit dem zweiten Reifenheber gehst Du ebenfalls vorsichtig unter den Mantel und ziehst ihn einmal rund um das Laufrad, damit der Mantel auf einer Seite komplett aus der Felge kommt.

Schraube die Ventilkappe ab, öffne das Ventil und lass die Luft aus dem Reifen ab. Drücke die Reifenflanken beidseitig zusammen, bis der Reifen ringsum locker im Felgenbett sitzt. Setze den Reifenheber an einer Seite des Reifens an und heble ihn über die Felge. Mit einer Zugbewegung lässt sich der Reifen nun entlang der Felge lösen.

4. Schlauch entfernen

Jetzt siehst Du den Schlauch im Inneren des Mantels. Zunächst prüfen, ob der Ventilring noch dran ist und gegebenenfalls entfernen - sonst kannst Du das Ventil nicht aus der Felge ziehen. Am Ventil beginnend können wir jetzt den Schlauch aus dem Mantel ziehen.

5. Überprüfung und Vorbereitung

Nach einer Reifenpanne untersuche den Reifen vorsichtig per Hand auf Beschädigungen oder Fremdkörper wie Dornen oder Glassplitter. Untersuche nun auch die Innenseite der Felge. Bevor Du den neuen Schlauch einziehst, gehe erst gewissenhaft innen am Reifen und am Felgenbett entlang, um auszuschließen, dass sich dort noch ein Steinchen oder eine Scherbe verbirgt, die dann den nächsten Schlauch direkt beschädigt. Zuletzt untersuchst du den Schlauch. Einen punktierten Schlauch kannst du mit Flickzeug reparieren oder durch einen neuen ersetzen.

6. Neuen Schlauch einsetzen

Pro-Tipp: Wenn Du schon dabei bist, schau, dass sich das Logo des Reifens direkt an der Ventilöffnung befindet - so findest Du das Ventil beim nächsten Aufpumpen oder bei der nächsten Panne schneller. Jetzt brauchen wir den neuen Schlauch. Das Ventil aufdrehen und mit wenigen Hüben aufpumpen, damit der Schlauch einigermaßen stabil seine Form behält. Dann wird zunächst das Ventil eingeführt in das Ventilloch der Felge und dann rundum der Schlauch in den Reifen mit den Händen gewalkt.

Pumpe den Schlauch locker auf, um ihn in Form zu bringen. Führe das Ventil durch das Felgenloch und platziere den Schlauch ringsum zwischen Reifen und Felgenbett.

7. Reifen aufziehen

Wenn der Schlauch komplett im Mantel liegt, kann der Reifen wieder auf die Felge gehebelt werden. Das geht normalerweise recht einfach, nur bei den letzten Zentimetern musst Du wahrscheinlich mit den Reifenhebern nachhelfen - aber Vorsicht: klemm‘ dabei den Schlauch nicht ein! Wuchte die äußere Reifenseite nun - beginnend auf Ventilhöhe - über die Felge. Arbeite dich beidseitig nach oben vor und achte darauf, den Schlauch nicht einzuklemmen. Für das letzte Stück kann ein Reifenheber hilfreich sein.

Setze den Reifen mit einer Seite in das Felgenbett. Beachte dabei Angaben zur Laufrichtung.

8. Abschließende Kontrolle und Aufpumpen

Am besten noch einmal mit den Händen rund um den Reifen gehen und etwas kneten, um sicherzustellen, dass der Schlauch ordentlich drinliegt und nicht verdreht oder eingeklemmt ist. Schraube die Ventilmutter wieder auf und pumpe den Reifen vollständig auf. Beachte hierbei die Luftdruckvorgaben auf der Reifenflanke. Kontrolliere abschließend den gleichmäßigen Reifensitz anhand der durchgezogenen Prägung.

Wir empfehlen einen Luftdruck von 6-7 bar am Vorderrad und ca. 7 bar am Hinterrad - je breiter der Reifen, desto geringere Drücke können gefahren werden, ohne Durchschläge zu riskieren.

Wichtig: Jeder Reifen hat eine sogenannte Kennlinie. Sie sollte umlaufend mit gleichem Abstand zur Felge sichtbar sein. Falls das nicht der Fall ist, muss der Reifendruck erhöht werden, bis der Reifen richtig auf der Felge sitzt.

9. Laufrad einbauen

Ziehe das Schaltwerk wieder zurück, führe das Laufrad langsam von unten in den Hinterbau, und lege dabei die Kette auf das kleinste Ritzel. Dein Fahrrad ist nun wieder einsatzbereit. Abschließend solltest du noch prüfen, ob sich weiterhin alle Gänge durchschalten lassen und die Bremse nicht schleift.

10. Probefahrt

Nachdem du den Reifen und Schlauch gewechselt hast, solltest du eine kurze Probefahrt machen, um sicherzustellen, dass alles ordnungsgemäß funktioniert.

Zusätzliche Tipps

  • Wenn Du den Schlauchwechsel unterwegs machen musst, dann einfach mit Deiner Minipumpe zumindest so lange pumpen, wie Luft hineingeht und der Reifen ohne große Verformung gefahren werden kann.
  • Nicht vergessen: Wenn Du unterwegs den Schlauch wechseln musst, nimm alles wieder mit - auch den alten Schlauch und kleine Plastikteile wie Ventilkappe oder Gummi.
  • Es ist auch ratsam, immer einen Ersatzschlauch, Reifenheber und eine Pumpe dabei zu haben, besonders wenn du längere Touren planst.

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