Das erste MotoGP Rennen auf dem Sachsenring: Eine historische Betrachtung

Der Sachsenring, eine traditionsreiche Rennstrecke in Deutschland, hat seine Wurzeln tief in der Geschichte des Motorsports verankert. Seine wechselvolle Geschichte macht den Sachsenring bis heute attraktiv. Er überlebte alle politischen Epochen und ging aus jeder sogar gestärkt hervor. Der Sachsenring hat zum diesjährigen Jubiläum viel zu erzählen.

Seit seiner Eröffnung im Jahr 1927 hat er sich zu einer der bedeutendsten Stätten für Motorradrennen entwickelt und ist heute bekannt als Heimat des deutschen Grand Prix. Die Strecke, gelegen in der Nähe von Hohenstein-Ernstthal, bietet anspruchsvolle Kurven und Höhenwechsel, die sowohl Fahrer als auch Fans herausfordern und begeistern. Alljährlich zieht das Event Massen von Motorsportbegeisterten aus der ganzen Welt an, die die einzigartige Atmosphäre und die spektakulären Rennen genießen möchten.

Der Sachsenring bietet nicht nur eine Plattform für atemberaubende Rennen, sondern verkörpert auch ein Stück lebendige Motorsportgeschichte, das sowohl Einheimische als auch internationale Besucher in seinen Bann zieht.

Die frühen Jahre: Von Badberg-Vierecksrennen zum internationalen Rennkalender

Und so fing alles an: 26. Mai 1927 - ein historischer Termin. An diesem Tag wurde hier das erste Motorradrennen gestartet, damals hieß es noch Badberg-Vierecksrennen. Mehr als 140.000 Zuschauer säumten die Strecke. Bei der zweiten Auflage im Folgejahr gab es einige Verletzte und mehrere tödliche Unfälle. Daraufhin wurden die Rennen verboten. Erst 1934 wagten die Organisatoren einen Neubeginn.

Zuerst gab es noch einige Zweifler, als die Zweiräder wieder mit Höchstgeschwindigkeiten rund um Hohenstein-Ernstthal fuhren, aber schon bald war der „Sachsenring“, der seinen Namen 1937 erhielt, nicht mehr wegzudenken. Im Gegenteil. Der Kurs wurde immer bekannter und schnell Bestandteil internationaler Rennkalender. 1936 und 1938 wurde der „Große Preis von Europa“ auf der Strecke ausgetragen, der mit der Bedeutung der heutigen Weltmeisterschaft vergleichbar ist. Die Renndistanz betrug bei den 500ern 40 Runden. Das entsprach circa 350 Kilometern. Dafür drehten die Fahrer zweieinhalb Stunden am Gas. Die Helden aus der Vorkriegszeit hießen Ewald Kluge, Georg Meier, James Guthrie und Bernd Rosemeyer. Sie schrieben auf der 8,7 Kilometer langen Naturrennstrecke Geschichte.

Nachkriegszeit und DDR-Ära

Dann kam der Krieg. Die Region lag am Boden. Doch gleich danach kamen die Motorräder schnell wieder ins Rollen. Schon 1949 strömten die Zuschauer in Scharen an den Ring zurück. Die ständige Anwesenheit auch internationaler Spitzenfahrer blieb nicht ohne Folgen. Von 1961 bis 1972 rollten die ganz Großen der Szene mit dem WM-Tross an und gaben sich die Klinke in die Hand: Giacomo Agostini, Mike Hailwood, Angel Nieto, Dieter Braun. Der Sachsenring hatte es geschafft: Es wurden WM-Rennen in den Soloklassen ausgetragen. „Ago“ schrieb sich in dieser WM-Ära 1968 mit der schnellsten Rennrunde in die Geschichtsbücher ein. Er brauchte 2:55,4 Minuten. Das entspricht einem Schnitt von 176,798 km/h.

Für Dieter Braun waren die Rennen auch immer etwas ganz besonderes. Der zweifache Weltmeister und 14fache Grand Prix-Sieger weiß noch genau, wie es damals war: „1971 bin ich auf dem Ring mein schönstes Rennen gefahren.“ Der Schwabe gewann vor einer überwältigenden Kulisse von 300.000 Zuschauern in der 250er-Klasse und ließ Champions wie Rod Gould und Phil Read weit hinter sich. „Es war gigantisch.

1973 war damit Schluss. Die DDR-Regierung gestattete nur noch Rennen mit der Beteiligung aus den östlichen Staaten. Westliche Fahrer wurden nicht mehr zugelassen.

Neuanfang und die moderne Ära

Erst 1990 gab es wieder Rennen für alle. Doch es wurde das vorerst letzte Jahr vor einer Pause. Die Stadtdurchfahrt ließ Wettkämpfe in dieser Form nicht mehr zu. Der Ring führte direkt durch die Ortschaft Hohenstein- Ernstthal. Aber ein Sachsenring ohne Sachsenring-Rennen? Der kühne Plan vom Bau eines Motodroms scheiterte zunächst. Die Errichtung eines Verkehrssicherheitszentrums am Sachsenring eröffnete 1995 aber dann ganz neue Möglichkeiten.

Daraus wird nach einem Umbau von 1996 nämlich bis heute nach Bedarf eine Rennstrecke für Autos und Motorräder gemacht. Der „neue“ Sachsenring besteht zu Teilen aber auch aus dem alten Kurs, wurde aber nach höchsten Sicherheitsstandards ausgebaut und tangiert den öffentlichen Verkehr nicht mehr. Die heutige Anlage hat eine permanente und zeitgemäße Boxenanlage, einen neuen Start- und Zielturm und eine der modernsten Race Control-Anlagen. Unter diesen Voraussetzungen kehrte 1998 auch der Grand-Prix-Zirkus an die historische Stätte zurück. Für die begleitenden Pressevertreter aus aller Welt wurde ein neues Pressezentrum errichtet. Erst im letzten Jahr wurde auf dem Sachsenring die komplette Asphalt erneuert.

Die MotoGP-Ära und heutige Bedeutung

Die MotoGP-Rennen auf dem Sachsenring haben mittlerweile legendären Ruf erlangt. Am kommenden Wochenende findet zum 81. Mal ein Motorrad-Grand-Prix in Deutschland statt, und zum 22. Mal in Folge auf dem neuen Sachsenring. Im Jahr 1952 wurde das erste Rennen in Westdeutschland ausgetragen. Damals wurde auf der Soiltude gefahren und es sollen bis zu 400.000 Fans dabei gewesen sein. Reg Armstrong gewann damals mit Norton die 500er- und 350er-Klasse.

Der erste Grand Prix in Ostdeutschland folgte 1961 auf dem Sachsenring. Die Strecke bestand aus öffentlichen Straßen und war fast neun Kilometer lang. Bis 1972 gastierte die Weltmeisterschaft auf diesem Kurs. Anschließend wurde die Strecke als zu gefährlich empfunden. In Westdeutschland wurde ununterbrochen von 1952 bis 1990 gefahren. Seit der Wiedervereinigung besucht der Grand-Prix-Zirkus jedes Jahr Deutschland. Von 1991 bis 1994 wurde in Hockenheim gefahren. Anschließend folgten drei Gastspiele auf dem Nürburgring. Seit 1998 ist der Sachsenring der Austragungsort.

Außerdem gab es noch eine zusätzliche Veranstaltung, nämlich den Grand Prix von Baden-Württemberg in Hockenheim. Der neue Sachsenring ist einer von fünf Strecken im WM-Kalender, die gegen den Uhrzeigersinn befahren werden. Die anderen sind Austin, Aragon, Phillip Island und Valencia. Nach Umbaumaßnamen 2001 und 2003 entstand die heutige Streckenlänge von 3,6 Kilometern.

Erfolge deutscher Fahrer

Das beste Ergebnis eines Deutschen in der Königsklasse war der zweite Platz von Jonas Folger 2017. Ralf Waldmann eroberte 1999 in der 250er-Klasse den dritten Platz. Dieses Ergebnis erzielte Steve Jenkner 2002 im 125er-Rennen. Stefan Bradl war 2008 in der 125er-Klasse Zweiter und 2011 schaffte er in der Moto2 auch den zweiten Rang. Sandro Cortese stand 2010 im 125er-Rennen als Dritter auf dem Podium. 2012 sorgte Cortese für Partystimmung auf den Tribünen, als er das Moto3-Rennen gewinnen konnte.

Dominanz von Honda und Marc Marquez

Der erfolgreichste Fahrer auf dieser Strecke ist Marc Marquez mit neun Siegen in den vergangenen neun Jahren - sechs in der MotoGP, zwei in der Moto2 und einer in der 125er-Klasse. Mit sechs Siegen ist Dani Pedrosa der zweiterfolgreichste Fahrer (4xMotoGP, 2x250ccm). Und mit 15 Siegen in der Königsklasse ist Honda seit 1998 auch die erfolgreichste Marke auf dem Sachsenring. Yamaha hat mit Valentino Rossi und Max Biaggi nur viermal gewonnen. Ducati war 2008 mit Casey Stoner erfolgreich. Kenny Roberts jun.

In den vergangenen acht Jahren stand auch immer ein Honda-Fahrer in der Königsklasse auf der Pole-Position. Marquez startete bei all seinen Siegen vom besten Startplatz. Er gilt natürlich als Topfavorit. Gewinnt er auch am Sonntag, dann wäre es in der Königsklasse sein siebter Sieg hintereinander auf einer Strecke. Damit würde er in der ewigen Bestenliste mit Rossi gleichziehen, der von 2002 bis 2008 sieben Siege in Mugello gefeiert hat. Nur Giacomo Agostini ist in dieser Statistik noch davor.

Der Ankerberg - Campingplatz und Festivalbühne

Der Ankerberg ist ein zentrales Element bei jedem MotoGP-Wochenende am Sachsenring und bietet den Besuchern eine lebhafte Festivalatmosphäre direkt neben der Rennstrecke. Das farbenfrohe Potpourri aus Zelten, Wohnwagen und Pavillons schafft nicht nur eine visuelle Kulisse, sondern auch ein Gefühl von Zusammengehörigkeit, das durch gemeinsame Leidenschaft für die adrenalingeladenen Rennen entsteht. Der Ankerberg verwandelt sich dabei in eine pulsierende Mischung aus Festival und Campingplatz, die mit Live-Musik, Essensständen und einer Vielzahl von Unterhaltungsangeboten aufwartet, die die Fans bis in die Nacht hinein begeistern.

Ein unverzichtbares Ziel für Motorsportfans

Für alle, die die Welt des Motorsports lieben, bleibt der Sachsenring ein unverzichtbares Ziel, eine Pilgerstätte, die die Leidenschaft und die Hingabe zum Motorsport widerspiegelt. Es ist ein Ort, wo die Vergangenheit und die Gegenwart sich treffen, wo die Geschichten von gestern und heute sich vermischen, um die Legende des MotoGP lebendig zu halten.

Erfolgreichste Fahrer auf dem Sachsenring (seit 1998)

Fahrer Siege
Marc Marquez 9
Dani Pedrosa 6
Valentino Rossi 4

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