Kälteempfinden ist extrem individuell. Das zeigt allein schon die Auswahl der Fahrradhandschuhe, die uns die Hersteller zum Test geschickt haben. Unsere Anforderung lautete: Die Handschuhe sollen einen Temperaturbereich von plus sieben bis minus zwei Grad Celsius abdecken - klassisches Winterwetter also. Außerdem sollten sie winddicht und wasserabweisend sein, weil Fahrtwind und Feuchtigkeit einen großen Teil zum Auskühlen der Finger beitragen.
Dick und Dünn: Die Modellvielfalt ist groß
Nach einer ersten Sichtung startet die Bandbreite der Testmodelle beim leichten Übergangshandschuh mit dünner Clarino-Handfläche, minimalem Futter auf dem Handrücken und einem geschätzten Einsatzbereich von kaum weniger als zehn Grad. Das Ende der Fahnenstange markiert Sealskinz mit einem Modell, das wir beim ersten Blick eher einer Arktisexpedition als dem Einsatz im milden mitteleuropäischen Winter zugeordnet hätten. Unter robustem Schafsleder verbergen sich gleich mehrere Schichten aus Primaloft-Futter, wasserdichter Membran und Merino-Fleece - da bekommt man allein schon beim Lesen warme Finger.
Das Dilemma: Wärme vs. Gefühl
Damit wären wir aber auch beim Dilemma, vor dem die Hersteller von Winterhandschuhen in der Regel stehen: Je dicker ein Modell isoliert ist, desto weniger Gefühl vermittelt es beim Griff um den Fahrradlenker. Schalten, bremsen, lenken - sämtliche Bewegungen werden durch das dicke Futter, speziell an der Handfläche, erschwert. Verstärkt wird dieser Effekt in einigen Fällen noch von einer unflexiblen wasserdichten Membran.
Schafft es der Hersteller nämlich nicht, die einzelnen Schichten fest miteinander zu verbinden, gleiten sie wie Teflon aufeinander, und man behält nur schwer die Kontrolle in technischem Gelände - besonders auf feuchten Wurzeln und moosigen Felsen eine unangenehme Angelegenheit. Im schlechtesten Fall rutscht das Innenfutter mit der feuchten Hand bei der Trinkpause aus dem Handschuh und lässt sich anschließend kaum wieder hineinstülpen. Dass sich dieses Problem lösen lässt, beweist Sealskinz mit einer speziellen Verklebung. Die Briten fügen die einzelnen Schichten zu einem Laminat zusammen und erhalten so, trotz des dicken Futters, ein überraschend gutes Griffgefühl. Noch mehr Gefühl vermitteln nur die Modelle mit ungefütterter Innenhand. Doch die sind an kalten Wintertagen leider den weniger kälteempfindlichen Bikern vorbehalten.
Bei Winterhandschuhen steht man vor einem Dilemma: Richtig warme Modelle geben selten ein direktes und angenehmes Griffgefühl. Mit dünnen Exemplaren hat man zwar das Bike besser im Griff, aber auch schnell kalte Finger.
So testet BIKE - Winterhandschuhe
Das Gesamturteil basiert auf den Bewertungen der Kriterien Wetterschutz, Passform sowie Handling/Griffgefühl, die unterschiedlich stark einfließen. Das Isolationsvermögen der Handschuhe haben wir mit Hilfe eines reproduzierbaren Verfahrens ermittelt. Dabei kühlt erwärmtes Wasser im Inneren des Handschuhs über den Testzeitraum ab, während der Handschuh bei etwa null Grad Außentemperatur dem simulierten Fahrtwind eines Ventilators ausgesetzt wird. Das Wasser wird von einem dünnen Innenhandschuh aus reißfester PE-Folie gehalten. Am besten wärmt der Handschuh, bei dem das Wasser am langsamsten abkühlt. Der Punkt Temperaturbereich in den Testbriefen gibt einen groben Anhaltspunkt zum von uns empfohlenen Einsatzbereich.
Die Testkriterien im Detail
- Wetterschutz (40 %): Wir haben die Handschuhe auf Winddichtigkeit und mit einem Spraytest auf wasserabweisende Ausrüstung überprüft. Die Wasserdichtigkeit hat nur einen geringen Einfluss auf die Bewertung, da diese Eigenschaft kein Kriterium für eine Testteilnahme war.
- Griffgefühl / Tragekomfort (30 %): Mehrere Tester beurteilen die Passform in der zur jeweiligen Hand passenden Größe. In der Praxis werden der Grip am Lenker sowie die Bedienung der Armaturen bewertet. Lose vernähte Schichten, wulstige Nähte oder überschüssiges Material an den Fingerkuppen schmälern den Tragekomfort spürbar.
- Handling (30 %): An- und Ausziehen der Handschuhe gestaltet sich bei dicker Fütterung bisweilen schwierig. Hier helfen sauber verschweißte Materialschichten oder ein Klettverschluss am Bund. Auch die Bedienung des Smartphones oder eines Fahrradcomputers und die Benutzung des Wischdaumens fließen in die Bewertung mit ein.
Zusätzlich Imprägnieren hilft
Auch wenn die meisten Hersteller ihren Handschuhen wasserabweisende Eigenschaften attestieren - im Spraytest konnte kaum eines der Modelle wirklich überzeugen. So wird Feuchtigkeit, egal ob Nebel, Niesel oder Graupel, meist direkt vom Obermaterial aufgenommen, was die Auskühlung der Finger beschleunigt. Wer seine Handschuhe regelmäßig mit einer umweltfreundlichen Imprägnierung (z. B. Nikwax Handschuh-Imprägnierung, 9 Euro) behandelt, kann ihre Leistungsfähigkeit bei schlechtem Wetter noch einmal deutlich verbessern.
Handschuhpflege
Gut gepflegte Handschuhe funktionieren nicht nur besser, sie halten auch länger. Modelle ohne Leder können regelmäßig in der Maschine bei 30 Grad gewaschen werden. Zuvor sollten Sie die Klettverschlüsse schließen oder die Handschuhe in ein Wäschesäckchen stecken, damit keine andere Kleidung beschädigt wird. Nach der Wäsche oder dem Tragen die Handschuhe aufhängen oder auslegen und an der Luft trocknen lassen. Handschuhe gehören auf keinen Fall in den Wäschetrockner. Auch Weichspüler sind tabu.
Lederhandschuhe dürfen weder in der Maschine gewaschen noch auf der Heizung getrocknet werden. Ein Imprägnierspray verbessert den Wetterschutz und hält Graupel oder leichten Nieselregen ab.
Nase läuft? Tipp: Wischdaumen am Handschuh
Atmen wir kalte Luft ein, erhöht das Gehirn den Blutfluss in der Nasenmuschel. Die Gefäße weiten sich und erwärmen die kalte Luft, bevor sie in die Lunge gelangt. Um die Schleimhäute dabei feucht zu halten, steigt auch die Sekretproduktion. Was wiederum bedeutet: Die Nase läuft und läuft. Damit das Nasensekret im Gesicht nicht zu Eiszapfen gefriert, braucht es entweder eine ausgefeilte Schneuztechnik (Experten schaffen es komplett ohne Finger) oder einen weich frottierten Wischdaumen am Handschuh. Der sollte zur absoluten Grundausstattung bei Winterhandschuhen gehören - was leider bei Weitem nicht jeder Hersteller in diesem Test beherzigt.
Wasserdichte Membran: Ja oder nein?
Wer nicht vorhat auch bei winterlichem Regenwetter aufs Bike zu steigen, sollte auf eine wasserdichte Membran im Handschuh lieber verzichten. Jede zusätzlich Schicht verschlechtert in der Regel auch die Passform des Handschuhs, das Handling sowie das Griffgefühl. Gerade an der Handoberfläche sind die Materialien dann häufig starr und unflexibel und erschweren den Griff um den Lenker oder die Bedienung von Schalt- und Bremshebel. Wenn die einzelnen Schichten nicht sauber miteinander verschweißt sind, leidet der sichere Griff am Lenker noch mehr - besonders unangenehm in technischem Gelände.
Die Einzelbewertungen der 12 getesteten Winterhandschuhe
100% Hydromatic Brisker
Außen wasserdicht, innen leicht gefüttert - der Brisker ist der richtige Begleiter für nasse, milde Tage. Passform und Griffgefühl sind dank der geringen Isolationsschicht sehr gut, der Brisker gibt ein direktes Gefühl beim Schalten und Bremsen und erzeugt auch ohne Silikon-Prints mit sehr gutem Grip am Lenker. Allerdings spannt die Oberhand wegen der wenig flexiblen Membran, was auf Dauer etwas anstrengend ist. Dem 100% fehlt ein Flies am Daumen zum Naseputzen, und auch die Verarbeitung ist nur mäßig. Viel Reflex sorgt für gute Sichtbarkeit bei nebligen Verhältnissen.
| Herstellerangaben | Details |
|---|---|
| Preis | 44,50 Euro |
| Gewicht¹ / Größen | 111 g / S bis XXL |
| Ausstattung | Wasser- und winddicht, Reflex, langer Bund, Touchscreen-Finger |
| BIKE-Urteil² | 44 Punkte - gut |
45NRTH Nokken Glove
Mit dem Nokken liefern die Kaltwetterexperten aus Minnesota einen komfortablen Handschuh für Temperaturen bis zum Gefrierpunkt. Trotz des weichen Merino-Futters an der Innenhand gibt der Nokken ein direktes Griffgefühl. Schalt- und Bremsfinger sowie die Handfläche sind schön griffig, auf dem Trail stören letztlich nur die etwas wulstigen Nähte an den Fingern. Touchscreen-Finger, Nasenputzfläche und das lange Neoprenbündchen sind weitere sinnvolle Details. Das Softshell-Material ist leicht wasserabweisend, die Verarbeitung gibt keinen Grund zur Kritik.
| Herstellerangaben | Details |
|---|---|
| Preis | 80 Euro |
| Gewicht¹ / Größen | 101 g / XS bis XXL |
| Ausstattung | Wind- und wasserabweisend, Touchscreen-Finger, Merino-Futter, Silikon-Prints, Neoprenbund |
| BIKE-Urteil² | 47 Punkte - sehr gut |
BBB ProShield BWG-39
Mit seiner weichen Polsterung und der guten Wärmeleistung ist der BBB ein Handschmeichler für kalte Tage. Dank der wasserdichten Membran hält der ProShield auch im Regen warm. Unter der Membran leidet jedoch die Flexibilität am Lenker, so spannt das Gewebe an der Oberhand, und die Bedienung von Brems- und Schalthebel wird erschwert. Das dicke Polster verrutscht beim Griff um den Lenker, und auch die Finger bieten nur wenig Grip. Beim An- und Ausziehen muss man sich durchs Futter arbeiten. Top Ausstattung, aber wenig trail-tauglich.
| Herstellerangaben | Details |
|---|---|
| Preis | 65 Euro |
| Gewicht¹ / Größen | 125 g / XS bis 3XL |
| Ausstattung | Wind- und wasserdicht, Touch-Finger, Reflex, Neoprenbund, XRD-Polster |
| BIKE-Urteil² | 43 Punkte - gut |
Chiba 2nd Skin
Sehr hochwertiger und wasserdichter Handschuh für nicht allzu kalte Regentage im Winter. Trotz Membran ist die Passform top, der Griff am Lenker sicher und komfortabel. Die einzelnen Schichten sind sauber verschweißt, somit rutscht auch das Futter nicht. Leider bieten die Fingerspitzen etwas wenig Grip und auch keine Touch-Funktion. Auch der Wischdaumen könnte etwas weicher sein. Durch das lange, flexible Bündchen schlüpft man problemlos in den Handschuh, ein Klett zur Weitenregulierung wäre noch schön. Toller Handschuh zum vernünftigen Preis.
| Herstellerangaben | Details |
|---|---|
| Preis | 45 Euro |
| Gewicht¹ / Größen | 109 g / XS bis 3XL |
| Ausstattung | Wind- und wasserdicht, gepolsterte Innenhand, Reflex, Primaloft-Futter, langes Bündchen |
| BIKE-Urteil² | 47 Punkte - sehr gut |
Craft Siberian 2.0 Glove
Der Siberian ist schon ein Klassiker im Craft-Sortiment und ein zuverlässiger Begleiter an richtig kalten Tagen. Nasses Wetter mag er allerdings nicht, das Material nimmt viel Feuchtigkeit auf. Unter dem dicken Futter leiden Passform und Griffgefühl, man fühlt sich wie in Watte gepackt. Die einzelnen Schichten gleiten aufeinander - unangenehm in technischem Gelände. Auch die Finger bieten nur wenig Grip an Schalt- und Bremshebel. Die Ausstattung mit Wischdaumen, Touchscreen-Finger und langem Bündchen mit Klettverschluss ist dagegen vorbildlich.
| Herstellerangaben | Details |
|---|---|
| Preis | 60 Euro |
| Gewicht¹ / Größen | 125 g / XS bis 3XL |
| Ausstattung | Wind- und wasserdicht, Touch-Finger, Reflex, Neoprenbund, XRD-Polster |
| BIKE-Urteil² | 43 Punkte - gut |
Fox Defend Thermo Off Road
Absolut minimalistischer Handschuh für den Trail- und Enduro-Einsatz und definitiv nur etwas für milde und trockene Wintertage. Die geschlossenporige Schaumstoffoberseite schützt leicht vor Kälte, doch schon an den Seiten der Finger wird es zugig. Passform und Griffgefühl sind dagegen hervorragend, die dünne Clarino-Innenhand erzeugt exzellenten Grip am Lenker. Auch die Armaturen lassen sich bestens bedienen. Leider gibt es weder Touchscreen-taugliche Aufsätze noch einen Wischdaumen, und auch das Bündchen könnte etwas länger ausfallen.
| Herstellerangaben | Details |
|---|---|
| Preis | 35 Euro |
| Gewicht¹ / Größen | 65 g / S bis XXL |
| Ausstattung | Windabweisend, Touchscreen-Finger, Klettverschluss |
| BIKE-Urteil² | 44 Punkte - gut |
Giro Pivot 2.0
Mit dem wind- und wasserdichten Pivot hat Giro einen soliden Allrounder im Programm. Das Primaloft-Futter wärmt bis an den Gefrierpunkt, die Outdry-Membran hält das Material flexibel, sodass der Griff am Lenker kaum leidet. Am Ende der schmal geschnittenen Finger entsteht jedoch überschüssiges Material, das beim Handling stört, und auch die wulstige Naht des Touchscreen-Besatzes am Zeigefinger irritiert. Mit schwitzigen Händen kommt man nur schwer in den Handschuh, die Wischfläche ist schmal und wenig saugfähig, das Material ungewöhnlich raschelig.
| Herstellerangaben | Details |
|---|---|
| Preis | 90 Euro |
| Gewicht¹ / Größen | 118 g / XS bis XXL |
| Ausstattung | Wind- und wasserdicht, Innenhandpolster, Touchscreen-Finger, Klett, Primaloft-Futter |
| BIKE-Urteil² | 47 Punkte - sehr gut |
Pearl Izumi Summit Alpha Glove
Ähnlich wie der Fox trägt sich auch der Pearl Izumi fast wie ein normaler Sommerhandschuh. Mit seinem dünnen Polartec-Alpha-Futter auf der Rückhand passt er eher in die Übergangszeit als in den tiefen Winter. Der Summit fällt groß aus. Vorsicht, sonst schoppt sich das Material an der Handfläche beim Griff um den Lenker. Auch der Sitz ist nicht ganz so geschmeidig wie bei Fox, und der Grip an den Armaturen etwas geringer. Dafür verfügt der Summit über gut funktionierende Touchscreen-Aufsätze sowie einen Frotteeaufsatz am Daumen und wehrt Fahrtwind besser ab.
| Herstellerangaben | Details |
|---|---|
| Preis | 55 Euro |
| Gewicht¹ / Größen | 66 g / XS bis XXL |
| Ausstattung | Windabweisend, Polartec-Alpha-Futter, Touchscreen-Finger, Klett |
| BIKE-Urteil² | 40 Punkte - gut |
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