Warum BMW nicht in der MotoGP fährt

Die Frage, warum BMW nicht in der MotoGP fährt, beschäftigt viele Motorsportfans. Jahrelang erteilte BMW der MotoGP eine klare Absage und betonte immer wieder, dass die Königsklasse nicht die richtige Bühne ist, um die Marke und deren Produkte zu bewerben. Die Münchner konzentrierten sich unter der Leitung von Markus Schramm auf die Superbike-WM.

Strategieänderung bei BMW Motorrad

Im vergangenen Jahr gab es im November einen Wechsel an der Spitze von BMW Motorrad. Markus Flasch, der neue CEO, kann sich ein BMW-Engagement in der MotoGP durchaus vorstellen. Angesprochen auf die MotoGP erteilte Markus Schramm immer wieder Absagen. Er lieferte stets ein klares "Nein" zum Einstieg in die Königsklasse. Nachfolger Markus Flasch hingegen will das "Motorsport-Engagement weiter stärken".

Flasch erklärt: "Ich bin ein absoluter Verfechter von Motorsport. Als Leiter von BMW M habe ich damals die Zusammenführung der BMW M GmbH mit BMW Motorsport entschieden. Es ist für mich unumstritten, dass gut gemachter Motorsport einen echten Beitrag zur Markenstärke und Begeisterung innerhalb der Marken-Community leistet."

Kritik an der Superbike-WM

BMW übt Kritik am Kalender der Superbike-WM. "Natürlich schauen wir uns genau an, wie sich die Superbike-WM weiterentwickelt als Format und ob das für uns das Richtige ist - von der Streckenauswahl, dem Kalender, dem Feld und der Technologie", bemerkt Markus Flasch.

Die Meisterschaft findet nach dem Saisonauftakt in Australien ausschließlich in Europa statt. Es gibt keine Rennen in Nordamerika, Südamerika oder Asien. Diese Regionen sind für BMW wichtige Märkte. "Ich spreche nicht nur für BMW sondern für alle Hersteller. Wir haben den Kalender bemängelt", erklärt BMW-Motorradsport-Direktor Marc Bongers auf Nachfrage von Motorsport-Total.com. "Diese Nachricht ist bei der Dorna angekommen und ich hoffe, dass in Zukunft darauf reagiert wird."

Die Zukunftspläne von BMW im Motorsport

CEO Markus Flasch wird deutlicher: "Wir haben auch ein Augenmerk darauf, zu entscheiden, ob das das einzige Engagement bleibt, mit der Langstrecken-WM und der IDM zusammen. Oder ob wir zusätzlich andere Formate wählen."

Zum Thema MotoGP wird Markus Flasch deutlicher: "BMW M ist seit Jahren Fahrzeugpartner der MotoGP. Dass es für uns aber Sinn machen muss, ist klar, und deshalb schauen wir uns das genau an. Ausschließen würde ich es nicht", erklärt der neue CEO von BMW Motorrad.

Auf Grund der Regeländerungen für die MotoGP-Saison 2027 bietet sich für BMW eine gute Chance für einen Einstieg, denn nach dem Ende der Saison 2026 beginnt eine neue Regelära, bei der die Karten für alle Hersteller neu gemischt werden.

BMW ringt um MotoGP-Einstieg

BMW sondiert weiter einen MotoGP-Einstieg, doch Zeit, Startplätze und Struktur fehlen. Ein Deal könnte die Rettung bringen.

BMW und MotoGP: Der Traum vom Einstieg lebt - doch die Uhr tickt. Ducati, KTM und Aprilia vertreten Europa bereits in der MotoGP, trotzdem klafft seit Jahren ein Loch: BMW fehlt. Dabei dominieren die Münchner aktuell die Superbike-WM (WorldSBK) mit Toprak Razgatlioglu und haben seit 2002 immer wieder mit einem Prototypen-Projekt geliebäugelt.

Gescheiterte Anläufe - von 2002 bis 2024

  • 2002: Ein 990-ccm-Mock-up entstand, kam aber nie auf die Strecke.
  • 2022: Nach Suzukis Rückzug versuchten Paddock-Größen, BMW den Kauf der Hamamatsu-Struktur schmackhaft zu machen. Dorna blockte ab.
  • Anfang 2024: Hinter verschlossenen Türen bemühte sich BMW, die Rennabteilung von KTM zu übernehmen. Als Bajaj das österreichische Werk weiterführen ließ, platzte auch dieser Plan.

Regeländerungen ab 2027 als Chance

Ab 2027 gelten 850-ccm-Motoren, weniger Aerodynamik, kein Ride-Height-System und ein neuer Einheitsreifen - perfekte Voraussetzungen für einen Neueinstieg ohne Altlasten. Doch ohne laufendes Entwicklungsprogramm wäre selbst dieser „Neustart-Knopf“ für BMW kaum rechtzeitig zu drücken.

Seit Suzukis Abschied ist das Feld auf 22 Motorräder begrenzt. Elf Teams - darunter fünf Werksteams - sind fix. Wer neu dazu will, muss laut Dorna-Chef Carmelo Ezpeleta ein vorhandenes Privatteam übernehmen. Aprilia machte genau dies 2015 mit Gresini vor, erst 2022 bekam die Marke eigene Startplätze.

Tech3 als womöglich letzte Chance?

Gerüchte um einen Verkauf des Tech3-Rennstalls an eine Investorengruppe um Ex-Haas-F1-Teamchef Günther Steiner machen die Runde. Gelänge dieser Deal, könnte BMW via Tech3 schon 2026 unter dem neuen Reglement an den Start gehen.

BMW in der MotoGP: Mehr als nur Safety-Car

BMW ist seit mehr als 20 Jahren Teil des MotoGP-Paddocks, denn seit 1999 stellt die deutsche Marke das Safety-Car und weitere Sicherheitsfahrzeuge für die Königsklasse des Motorradrennsports. Im Paddock gibt es auch eine eigene BMW-Hospitality. Doch die Fans warteten vergeblich auf einen richtigen MotoGP-Einstieg mit einem in Deutschland entwickelten Prototypen.

Schon zu Beginn der Viertaktära 2002 gab es bei BMW Überlegungen, aber die Studien gingen nie über Mockup-Modelle hinaus. In jüngerer Vergangenheit entwickelte sich 2022 eine theoretische Möglichkeit, als Suzuki den Ausstieg bekannt gab. Vertreter im Paddock sollen versucht haben, BMW dazu zu überreden, die Teamstruktur von Suzuki zu kaufen. Das geschah schließlich nicht, das Team wurde zugesperrt.

Zeitplan für einen möglichen Einstieg

2027, wenn das neue technische Reglement gilt, wird das soweit bekannt nicht passieren. "2027 ist für uns definitiv kein realistischer Zeitpunkt für den Einstieg", sagte Markus Flasch bereits im Juli im Interview mit Australian Motor Cycle News.

Flasch ist seit 1. November 2023 der Leiter von BMW Motorrad und folgte auf Markus Schramm. "Wir arbeiten kontinuierlich an unserer Motorsportstrategie - die MotoGP ist eine Option", so Flasch im Juli, "Offroad ist eine andere, auch die Superbike-WM ist nicht so schlecht, sie ist eben sehr europäisch."

"Wir werden zunächst die strategische Entscheidung treffen und dann den technischen Weg definieren." Das betrifft auch das Engagement in der Superbike-WM, wo man seit 2019 wieder werksseitig am Start ist und eine Kooperation mit Shaun-Muir-Racing hat. Die Vereinbarung mit dem britischen Team gilt bis Ende 2026. Was danach passiert, ist offen.

BMW in der Superbike-WM

In den vergangenen Tagen gab es große Verwirrung, ob BMW auch in der WSBK-Saison 2025 den Rahmen verwenden darf, mit dem Toprak Razgatlioglu im Vorjahr den WM-Titel sicherstellte. Dass BMW mit einem in der Steifigkeit optimierten Rahmen die Meisterschaft gewann, stoß einigen Mitbewerbern auf. Im Lager von BMW ist man überzeugt, dass der modifizierte Rahmen dem Reglement entspricht.

Chris Gonschor stuft den Unterschied zwischen den beiden Rahmen als eher gering ein. Er präzisiert, dass BMW den Rahmen auswählte, der bei gleichem Herstellungsverfahren in seiner Steifigkeit optimiert wurde. "Die Optimierungen der Steifigkeit lagen im einstelligen Prozentbereich. Diesen Rahmen haben wir vom Start auf Phillip Island bis zum Finale in Jerez verwendet. Das war jedem bekannt", erklärt Gonschor und verdeutlicht, dass es eine große Transparenz gibt: "Für die anderen Hersteller ist immer klar, wer welche Concession-Teile verwendet. Honda, Kawasaki und BMW waren Concession-befähigt.

Die große Frage ist, ob BMW auch beim neuen 2025er-Superbike noch mit dem Concession-Bauteil antreten darf oder nicht. Gonschor hat mitbekommen, dass es hinter den Kulissen brodelt. "Es gibt Diskussionen, ob man das Regelwerk anpackt und optimiert und verändert. Dazu können wir im Moment nichts sagen. Fakt ist, dass wir für das aktuelle Reglement ein Motorrad haben.

Es stellt sich die Frage, warum BMW das optimierte Chassis beim 2025er-Modell nicht bereits integriert hat, um nicht länger auf Concessions angewiesen zu sein? "Die Antwort ist deutlich trivialer", erklärt Gonschor und begründet: "Die Entwicklung eines Serienmotorrads erfolgt in einem Zeitraum von 24 bis 36 Monaten. Die Anforderungen und Erkenntnisse vom Januar 2024 konnten nicht mehr in das neue Serienmotorrad zu implementieren.

Erfolge in der Superbike-WM

Nach einem starken Wochenende in der SuperBike-WM WorldSBK denkt BMW Motorrad Motorsport laut über einen Einstieg in der MotoGP nach. In Barcelona sicherte sich Toprak Razgatlioglu am Samstag nicht nur die Pole Position, gleich an seinem zweiten Wochenende für BMW holte er auch seinen ersten Sieg auf der M 1000 RR. Am Sonntag ließ der Türke direkt einen weiteren Sieg in der SuperPole und eine weitere Podiums-Platzierung im zweiten Hauptrennen folgen.

Noch mehr Aufmerksamkeit als die Erfolge von Toprak Razgatlioglu erregten allerdings die Äußerungen von BMW Motorrad-Chef Markus Flasch: Der ehemalige M-Chef unterstrich nicht nur, dass er sich einen Titelkampf mit BMW-Beteiligung in der WorldSBK 2024 wünscht, sondern sprach auch offen über seine große Leidenschaft für die MotoGP.

Schon nach dem Sieg am Samstag sagte Markus Flasch, seit kurzem Leiter BMW Motorrad: “Herzlichen Glückwunsch an alle zu diesem fantastischen Sieg! Es war großartig, mit dem Team in der Box mitzufiebern. Toprak hat gezeigt, dass er ein ganz besonderer Fahrer und Typ ist. Wir wussten, dass er mit der BMW M 1000 RR ein Motorrad hat, mit dem er gewinnen kann, und es ist fantastisch, dass wir dies bereits am zweiten Rennwochenende unter Beweis stellen konnten.

Aussagen von Marc Bongers und Toprak Razgatlioglu

Marc Bongers (BMW Motorrad Motorsport Direktor): “Bevor wir hierhergekommen sind, haben wir gehofft, ein weiteres Podium zu holen. Das war das Ziel nach einem guten Test vergangene Woche. Aber wir haben auch gesehen, dass die Ducatis extrem stark waren. Vier Pokale mitzunehmen, die Poleposition, zwei Siege und ein Podium, ist absolut großartig. Ich bin ehrlich gesagt sprachlos. Es ist extrem gut für das Projekt, und ich freue mich noch mehr auf den Rest der Saison, weil es uns noch mehr Selbstvertrauen gibt.

Toprak Razgatlioglu (ROKiT BMW Motorrad WorldSBK Team): “Ich bin wirklich glücklich über diesen Moment, weil das ein Traum ist. Nicht nur für mich, sondern auch für BMW und das Team. Wir haben in Barcelona zwei Siege geholt, und für mich war es ein fantastisches Wochenende. Vor allem das letzte Rennen heute war sehr hart, die Pace war wirklich stark.

Fazit

Die Hinweise auf einen möglichen Einstieg von BMW in die MotoGP verdichten sich. Pünktlich mit dem neuen Regelwerk ab der Saison 2027 könnte auch BMW in die Königsklasse des Motorrad-Motorsports wechseln - und erste Vorbereitungen werden offenbar bereits getroffen.

Doch auch wenn der Zeitpunkt durch das neue Reglement ab 2027 günstig ist, weil alle Teams neue Motorräder entwickeln müssen, bleibt der Einstieg in die Königsklasse ein extrem anspruchsvolles Projekt.

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