Warum rasieren sich Radfahrer die Beine?

Glatte und gestählte Beine sind bei Profi-Radfahrern gang und gäbe, und auch ambitionierte Hobbyfahrer folgen diesem Trend. Doch warum greifen so viele Radfahrer zum Rasierer?

Gründe für die Beinrasur im Radsport

1. Aerodynamische Vorteile

Mit rasierten Beinen kommen Radfahrende schneller ans Ziel. Das zeigten Tests mit Athletinnen und Athleten. Warum? Das Stichwort ist Luftverwirbelung. Haarlose Beine fördern die Aerodynamik, besonders bei hohem Tempo. Dein Club. Im Rahmen der Tests zur Beinbehaarung wurden sechs Fahrer, je einmal behaart und einmal rasiert, während eines simulierten Zeitfahrens gemessen.

Demnach haben die durch die Beinhaare hervorgerufenen Luftverwirbelungen aerodynamisch negative beziehungsweise „bremsende“ Effekte. Doch Messungen im Windkanal haben bewiesen: Die Behauptung ist wahr. Die Ergebnisse beziehen sich aufs Rennradfahren, aber 70 Sekunden Zeitgewinn auf 40 Kilometer sprechen ein klare Sprache - und das nur, weil man keinen Pelz am Bein hat.

Für Hobbysporttreibende ist das jedoch kaum relevant. Es sei denn, du liegst auf der Chewbacca-Skala bei 10 und hast einen sehr dichten Pelz. Je weiter du dich auf der Skala nach unten rasierst, desto größer ist der Zeitgewinn.

2. Massage und Pflege

Radprofis werden sehr häufig, bei Rundfahrten jeden Tag, massiert. Auf glatten Beinen ist das Massieren nicht nur weniger schmerzhaft, sondern auch effektiver - eine Wohltat für müde Radlerbeine. Haarlose Beine lassen sich effektiver massieren. Denn die Hände gleiten viel besser über glatte Gliedmaßen.

Zudem gibt es weniger Schmerzen für die massierte Person, weil keine Haare ziepen. Nebenbei lassen sich haarlose Beine natürlich auch besser massieren und sind im Falle einer Verletzung leichter zu pflegen - alles richtige und oft vorgetragene Argumente. Bei haarigen Beinen würde dies in vielen Fällen zu unerwünschten Nebeneffekten führen, vor allem zu Haarwurzelentzündungen.

3. Hygiene und Wundheilung

Bei einem Sturz sind Wunden auf rasierten Beinen leichter zu reinigen und heilen besser. Im Falle eines Sturzes sind haarlose Beine vorteilhaft. Sie lassen sich besser reinigen und desinfizieren. Schon mal ein auf Beinhaaren geklebtes Pflaster abgezogen? Autsch. Mit rasierten Beinen hat man dieses Problem weniger.

Aber das Wichtigste: bei einem Sturz fallen Hautschäden wesentlich geringer aus. Und: Haare können ein Sammelsurium für Bakterien sein - damit steigt das Infektionsrisiko von Wunden. Weniger Haare, weniger Keime und Schmutz - glattrasierte Beine sind im Ernstfall einfach hygienischer. Auch haften Pflaster, Kinesiotapes und Bandagen besser.

4. Kühlung und Komfort

Insbesondere im Sommer zahlt sich das Rasieren aus. Der Schweiß verdunstet schneller auf der Haut und die Beine werden durch den Fahrtwind besser gekühlt. Der Schweiß dient zur Abkühlung der Beinmuskeln: Fährt man mit 200 Watt, dann brennt im Körper eine 1000-Watt-Birne - diese Energie wird von den Muskeln freigesetzt.

Tropft der Schweiß von den Haaren, dann verpufft die Abkühlung. Der Schweiß muss auf der Haut verdunsten. Von der Verdunstungskälte wird der Muskelmotor heruntergekühlt. Mit rasierten Beinen spart man also Flüssigkeit/Trinkmenge und kann härter und länger belasten.

5. Ästhetik und Selbstdarstellung

Wer hart trainiert, zeigt auch gerne, was er hat - und rasierte Beine betonen die Muskeln einfach besser. Wer rasiert, bringt seine Muskeln besser zur Geltung. Erst wenn die Beine gerodet sind, modelliert das Licht die feinen Nuancen in der Muskulatur, lenkt den Blick auf die lebende Plastik. Das nackte Bein ist für viele vor allem ein Statement: Ich gehöre zur „Speed-Kaste“.

Radsportbeine sind kein Zufallsprodukt. Wer unter Schweiß und Gegenwind täglich seine Kilometer schrubbt, darf auch gerne seine muskelbepackten Beine zeigen. Die Definition kommt ohne Haare natürlich besser zur Geltung. Und das kann ein echter Motivationsschub sein.

6. Sonnencreme und Hautpflege

Obwohl dichte Beinbehaarung einen natürlichen Sonnenschutz bietet, ist die Anwendung von Sonnencreme heute unerlässlich. Auf glatten Beinen zieht sie schneller ein und hinterlässt keine Rückstände. Ohne haarige Hindernisse auf den Beinen lässt sich Sonnencreme gleichmäßiger verteilen und zieht besser ein - ohne weißen Film auf dem Pelz.

Die perfekte Beinrasur: Tipps und Tricks

Die Radsaison steht vor der Tür und das bedeutet für viele: Der Pelz muss ab! Die Beinrasur ist für zahlreiche Radsportler nicht nur ein ästhetisches Statement, sondern auch ein wichtiger Bestandteil ihrer Routine. Doch wie gelingt die perfekte Rasur ohne Hautirritationen?

  1. Spezielle Körperrasierer verwenden: "Normale" Herren-Rasierer sind für das Gesicht ausgelegt, wo die Haut dicker und weniger empfindlich als an den Beinen ist.
  2. Beim Nassrasieren Rasierschaum oder -gel verwenden: Damit die Nassrasur auch zuverlässig funktioniert, solltest du Rasierschaum oder -gel verwenden.
  3. Klingen regelmäßig wechseln: Werden die Klingen stumpf, können sie Hautirritationen hervorrufen. Außerdem lagern sich mit der Zeit Keime an den Klingen an, was Entzündungen verursachen kann. Deshalb auch Rasierer nie untereinander tauschen.
  4. Beine vorher mit warmem Wasser abduschen: Die Haut sollte vor der Rasur sauber und frei von Schmutz und Fett sein. Eingeweichte Haare lassen sich außerdem besser rasieren, und auch die Haut ist dann weicher.
  5. Gegen den Strich rasieren: Also die Klinge von unten nach oben ziehen, so werden die Härchen besser und weiter unten erwischt.
  6. Rasierer anwärmen: Leg den Rasierer vor der Rasur in warmes Wasser und spüle zwischendurch den Schaum immer wieder unter warmem Wasser ab. Die warmen Klingen schneiden besser als kalte.
  7. Wenig Druck und lockerlassen: Die Klingen müssen über das Bein gleiten. Sind sie scharf genug, erledigen Sie ihren Job auch ohne starken Anpressdruck.
  8. Gefahrenzonen beachten und Zeit lassen: Besonders an Knien und Knöcheln ist Gefahr groß, sich zu schneiden. Knie deshalb am besten anwinkeln und besonders vorsichtig und mit wenig Druck rasieren.
  9. Kalt abspülen: Nach der Rasur die Haut und übrigen Schaum mit kaltem Wasser abspülen, das schließt die Poren und verhindert, dass sich kleine Verletzungen entzünden.
  10. Feuchtigkeits-Lotion auftragen: Nach dem Rasieren benötigen die Beine etwas Feuchtigkeit, trockene Haut kann jucken.

Alternativen zur Rasur

Dauerhaft glatte Beine, ohne ständig rasieren zu müssen, das wollen viele Radsportler und Radsportlerinnen. Aber bei nahezu allen Möglichkeiten der Haarentfernung gibt es den einen oder anderen Haken - und jede Haut reagiert individuell.

  • Waxing/Sugaring: Beim Waxing/Wachsen oder beim Sugaring wird warmes Wachs oder eine Zuckerpaste auf die Beine aufgetragen. Anschließend wird die Wachsschicht ruckartig, bei der Zuckerpaste etwas weniger ruckartig, mitsamt der Behaarung von der Haut abgezogen.
  • Epiliergerät: Das Epilieren ist eine weitere Methode, die sich gut zu Hause durchführen lässt. Ein Epiliergerät ähnelt von außen einem klassischen Elektro-Rasierer. Aber statt Klingen gibt es hier eine Rolle aus Metallscheiben. Die Scheiben greifen die Haare und ziehen sie wie viele kleine Pinzetten heraus.
  • IPL-/Laser-Behandlung: "Dauerhafter, aber auch teurer, sind Behandlungen per IPL, also mit Licht, oder gar mit Laser", sagt Brill.

Einfluss der Muskelstruktur auf die Leistung

Die Dicke des Beines sagt aber noch nichts über die Maximalkraft des Radfahrers - sie gibt nur einen ersten Anhaltspunkt. Wie viel Kraft die Beine letztlich entfalten, hängt auch davon ab, wie viele Fasern für eine gewünschte Bewegung mobilisiert werden können. Ein Bodybuilder mit dicken Beinen hätte gegen einen viel schlankeren Radfahrer wohl keine Chance auf dem Rad, auch nicht in einem Sprint.

Hohe Maximalkraft geht jedoch auf jeden Fall mit einem größeren Beinumfang einher, was man an Bahn-Sprintern, den explosivsten Radsportlern auf zwei Rädern, gut beobachten kann. Straßensprinter hingegen, die lange Strecken und Berge bewältigen müssen, bevor sie sich im Sprint messen können, haben im Vergleich dazu viel schlankere Beine. Sie müssen wie alle Straßenfahrer einen Kompromiss finden aus Ausdauer und Kraft.

Die individuelle Abmischung dieser konkurrierenden Eigenschaften macht einen Radrennfahrer zu dem, was er kann und ist - jedenfalls aus muskulärer Sicht.

Die Rolle der Gene

Ob Ihre Muskulatur über mehr rote oder weiße Fasern verfügt, ist im Wesentlichen genetisch bedingt. Umfangreiches Ausdauertraining fördert den Aufbau und die Leistungsfähigkeit der roten, ausdauernden Typ-I-Fasern. Es gibt zwar Anzeichen, dass durch spezifisches Training Muskelfasern des einen Typs vollständig in den anderen Typ umgewandelt werden können, aber unter Wissenschaftlern herrscht darüber keine Einigkeit.

Fest steht jedoch, dass sich der Anteil roter Muskelfasern durch Training deutlich besser steigern lässt als jener der weißen, schnellkräftigen Fasern.

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