Es sieht witzig aus, oder? Im MotoGP-Zirkus hat sich vor Jahren ein Phänomen entwickelt, das inzwischen von nahezu allen Fahrern praktiziert wird: Das Heraushalten des kurveninneren Beins in der Anbremsphase. Dieses Manöver ist inzwischen als "Leg Wave" - also das "Winken mit dem Bein" - bekannt.
Bevor jetzt alle auf der Straße dies nachahmen, hier kurz was Rossi dazu mal im Interview gesagt hatte: "Es fühlt sich einfach natürlich an".
Für das inzwischen als "Leg Wave" bekannte Phänomen, gibt es auch nach Jahren keine schlüssige Erklärung.
Theorien und Meinungen
Es gibt verschiedene Theorien, warum MotoGP-Fahrer das Bein beim Anbremsen ausstrecken:
- Psychologischer Aspekt: Eine Meinung ist, dass es ein Bluff ist und eher psychologischen Charakter hat. Es geht darum, dem Gegner zu zeigen: Pass auf Junge, ich gehe bis ans Limit.
- Aerodynamik: Eine weitere Theorie ist der Luftwiderstand, also größere Aerodynamik. Wer beim Bremsen möglichst groß ist, erzeugt den höchsten Luftwiderstand und bremst somit als humaner Bremsfallschirm mit.
- Schwerpunktabsenkung: Eine dritte Theorie ist die Senkung des Schwerpunkts. Senkt man den Schwerpunkt des Motorrads, nimmt die Überschlagsneigung ab.
- Stabilität: Was andere sagen dass es mehr Stabilität bringen soll, glaube ich nicht, da er das Bein nur zu einer Seite raus hält und dadurch eher Unruhe reinbringt.
Tech-3-Yamaha-Crewchief Guy Coulon versucht sich in einer möglichen Theorie: "Wir glauben, dass der Schwerpunkt nach innen verlagert wird, wenn der Fahrer das Bein in diese Position bringt. Das Bike bleibt dadurch beim Bremsen länger stabil", so der Franzose gegenüber 'MotoMatters.com'.
Da der Fahrer in der Anbremsphase "in einer geraden Position auf dem Motorrad sitzen muss und beispielsweise die Schultern nicht bewegen kann", hat sich im Laufe der Jahre das "Waving" mit dem Bein eingebürgert, um die Maschine zu stabilisieren.
Wilco Zeelenberg, im Yamaha-Werksteam als Teammanager für den amtierenden Champion Lorenzo tätig, bestätigt die Eindrücke Coulons: "Sobald du den Fuß von der Raste nimmst, beginnt das Bike zu 'wandern' und du musst nach Stabilität suchen."
Zeelenberg glaubt an Entspannung für den Körper: "Wenn du spät bremst - und damit meine ich so richtig spät - dann geht dein Puls nach oben. Dann verkrampfst du auf dem Bike. Durch das Heraushalten des Beins wird der Körper wieder entspannt und du kannst das Motorrad in die Kurve zwingen."
Valentino Rossi und die Nachahmer
Valentino Rossi war vor Jahren der erste Fahrer, bei dem das "Waving" mit dem Bein zu sehen war. Bis heute ist der "Doktor" diesem Stil treu geblieben. Erst dann folgten Dani und Co. Macht er übrigens seit 4 Jahren und war der Erste.
In der Anfangszeit des Phänomens machten Spekulationen die Runde, dass Rossi allein aus der Tatsache, dass andere Fahrer seinen Stil kopierten, einen psychologischen Vorteil zog.
Messwerte und Ergebnisse
PS begab sich bei MotoGP-Insidern und mit eigenen Messfahrten auf die Suche nach Antworten. Getestet wurde mit einer Aprilia RSV4R, dabei kamen interessante Werte raus.
Interessant dabei ist z.B. das bei 280km/h eine maximale Bremsverzögerung von 18m/s² gessen wurde. Das würde bei 4 Bremsvorgängen je Runde und 25 zu fahrenden Runden insgesamt 1,25s Vorsprung bringen.
Allerdings ist das bei 280km/h kaum zu machen und wird auch eher um die 130km/h gemacht was immerhin 1,6m/s² gegenüber 1,4m/s² ausmacht.
Der Schwerpunkt beim Bremsen wird im übrigen um fast 10mm abgesenkt, was die Kurvenfahrt ohne Fuß auf der Raste neutraler gestallten soll.
Betrachtet man die gewonnenen Messwerte, wird klar, dass die "Bein-Raus"-Nummer nur im ganz hohen Geschwindigkeitsbereich, sagen wir ab 200 km/h, wirklich Sinn macht. Der Ausrollversuch von 230 bis 180 km/h zeigt, dass der Luftwiderstand mit einem Bein draußen die Verzögerung von 3,8 m/s² auf 4,7 m/s² erhöht.
In diesem mittleren Geschwindigkeitsbereich bis 130 km/h verringert sich zwar der aerodynamische Effekt, doch der tiefere Schwerpunkt beim "Bein-Raus" macht sich jetzt tatsächlich positiv bemerkbar. Durch das hängende Bein sinkt der Schwerpunkt an der für die Tests benutzten Aprilia um fast zehn Millimeter.
Legt man jetzt bei einer Vollbremsung von 230 auf 130 km/h eine mechanische Verzögerung von 9,8 m/s² zugrunde, ergibt das für die "Bein-Raus"-Variante einen Vorsprung von 1,33 Metern am Einlenkpunkt.
Messwerte im Überblick
| Messung | Fahrer in Bremsposition | Fahrer in Bremspos. + Fuß raus |
|---|---|---|
| Maximale Verzögerung bei 230 km/h | 3,8 m/s² | 4,7 m/s² |
| Verzögerung von 230 auf 130 km/h | 2,4 m/s² | 2,8 m/s² |
| Maximale Verzögerung bei 130 km/h | 1,4 m/s² | 1,6 m/s² |
| CG Höhe | - | 661,7 mm |
Anmerkung: Alle Ausrollversuche sind gemittelt aus je 3 Versuchen in beide Richtungen, **eingefedert vom statischen Nullpunkt, Erfassung und Auswertung der Messungen, Werner Koch MTC
Fazit
Letztendlich ist das für uns Hobbyfahrer und viele viele Rennfahrer völliger quatsch, denn da gibt es mehr Dinge an die wir arbeiten können um schneller zu fahren und besser zu bremsen.
Also lassen wir das mit dem Beinchen mal hübsch brav auf der Rennstrecke und üben uns beim normalen fahren auf der Landstraße in wichtigeren Techniken, um ohne große Vorfälle in die Kurve rein und auch heile wieder raus zu kommen.
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