Der Luftreifen war ein wichtiger Wegbereiter für die Fahrradmobilität, wie wir sie heute kennen. Ohne Luft im Reifen kein komfortables, schnelles Vorankommen beim Radfahren. Doch was tun, damit der Reifen lange Luft behält?
Häufige Ursachen für Luftverlust
Wenn der Reifen platt ist, kann das verschiedene Ursachen haben. Hier sind einige der häufigsten Gründe, warum Fahrradreifen Luft verlieren:
- Natürlicher Luftverlust: Eine der häufigsten Ursachen ist, dass der Reifen nur über die Zeit langsam an Luft verloren hat. In diesem Fall reicht es aus, den Reifen einfach wieder aufzupumpen.
- Defektes Ventil: Wenn der Reifen auch nach dem Aufpumpen an Luft verliert, könnte das Ventil offen stehen. Sollte das Ventil nicht nur offen stehen, sondern beschädigt sein, dann kann ein Tausch des Ventils notwendig sein.
- Beschädigter Schlauch: Sollte das Ventil in Ordnung sein, dann ist der Schlauch wahrscheinlich beschädigt. In diesem Fall muss der Schlauch gewechselt werden bzw. kann geflickt werden.
- Minilöcher: Es kann sich um ein Miniloch handeln, vielleicht ist da noch ein Nagel oder ähnliches drin.
Detaillierte Ursachen und Lösungen
1. Das Ventil
Dass das Ventil nicht ganz dicht ist, klingt sehr wahrscheinlich. Evtl könnten ein paar Tropfen Öl helfen. Eine regelmäßige Kontrolle des Ventils, z. B. beim Aufpumpen, ist deshalb sinnvoll. Auch beim Tubeless-System kann es zu Luftaustritt am Ventil kommen, das direkt in der Felge verschraubt wird. Eine lockere Ventilmutter kann, anders als beim Schlauch, Luftverlust verursachen.
Testen des Ventils: Wenn Du mit etwas Spucke am Zeigefinger auf das Ventil tippst, kannst Du an einer Schaumbildung erkennen, ob Luft entweicht.
2. Der Schlauch
Bei meinem Fahrradreifen am Hinterrad geht immer wieder die Luft raus, obwohl ich den Schlauch mehrmals kontrolliert habe. Das kann mehrere Ursachen habe. Entweder du hast das Loch übersehen, da es sich nach deiner Schilderung eher nach einem Schleicher anhört als einem richtigen Platten mit sichtbarem Loch im Schlauch.
Finden des Lochs: Du solltest den Schlauch ausbauen und leicht aufpumpen und dann in Wasser - am besten in einem Spülbecken - tauchen. Dort wo Luftblasen herauskommen, ist auch das Loch.
Sollte dieser Test negativ verlaufen, ist der nächste Verdächtige das Ventil. Einfach mal das Ventil ins Wasser tauchen und sehen ob dort die Luft entweicht.
Alternative zum Wasserbad: Fehlau bringt daher den sogenannten Lochschnüffler ins Spiel. Das ist ein kleiner Behälter, in dem sich Styroporkügelchen befinden. "Im Normalzustand bewegen sich diese Kügelchen nicht, wird der Behälter aber über die defekte Stelle geführt, an der Luft austritt, bewegen sich die Kügelchen."
Habe man das Loch erst einmal identifiziert - es sollte nicht größer als drei Millimeter sein - so sei die eigentliche Reparatur alles andere als Hexenwerk. Fehlau rät zu fertigen Sets, die alles enthalten, was man für das eigentliche Flicken benötigt.
3. Das Felgenband
Darüber hinaus empfiehlt er, dem meist wenig beachteten Felgenband, das den Schlauch vor dem direkten Kontakt mit der Felge schützt, etwas mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Es verhindert mechanische Beschädigungen des Schlauchs „von innen“, also durch Speichenköpfe, Metallgrate und Bohrungen in der Felge.
Je nach Beschaffenheit sei dieses Band eine häufige Ursache für Pannen. Die in den Felgenring eingebrachten Speichen können an der Felgeninnenseite einen kleinen Grat aufweisen. "Der hat die Wirkung einer Stecknadel und würde den gerade erst reparierten Schlauch gleich wieder beschädigen, ist das Felgenband minderwertig oder gar nicht vorhanden", weiß der Experte.
Gerade an der Qualität des Felgenbandes aber würden die Hersteller gerne sparen, zudem werde der Kunststoff, wenn sich die Weichmacher über die Jahre verflüchtigt hätten, spröde und brüchig. "Hier sollte man also ruhig vier, fünf Euro in eine vernünftige Materialqualität investieren."
4. Der Reifendruck
Zu hoher oder zu geringer Reifendruck erhöht das Pannenrisiko deutlich. Die passenden Druckangaben finden sich auf der Reifenflanke. Rund einmal im Monat gilt es, den Reifendruck zu prüfen.
Es ist nicht möglich, eine generelle Luftdruckempfehlung für ein bestimmtes Fahrrad oder einen bestimmten Reifen zu geben. Der „richtige“ Luftdruck hängt maßgeblich von der Gewichtsbelastung auf den Reifen ab. Diese wird hauptsächlich vom Gewicht des Fahrers und des Gepäcks bestimmt.
Der zulässige Druckbereich ist auf der Reifenflanke angegeben. Je höher Du den Luftdruck wählst, desto geringer sind Rollwiderstand, Verschleiß, und Pannenanfälligkeit. Auf keinen Fall solltest Du die auf dem Reifen angegebenen Grenzwerte für minimalen und maximalen Druck unter- bzw.
5. Pannensichere Reifen
In der Regel befindet sich die Luft in einem Schlauch. Damit sie darin auch bleibt, kann ein pannensicherer Reifen den Schlauch vor Einstichen schützen. Der „Marathon Plus“ von Schwalbe darf sich beispielsweise „unplattbar“ nennen. Unter der Lauffläche des Reifens verhindert eine hochelastische Pannenschutzeinlage aus Spezialkautschuk den Durchstich von Gegenständen in den Schlauch. Derartige Schutzgürtel gibt es auch aus reißfesten Fasern aus Aramid oder Vectran.
6. Tubeless-System
Wie der Name bereits sagt, kommt hier kein Schlauch zum Einsatz. Stattdessen dichtet der Reifen direkt mit der Felge ab. Damit das System luftdicht ist, muss der Reifen, nachdem er auf die Felge gezogen ist, mit einem kräftigen Luftstoß aufgepumpt werden - so setzt er sich, oft mit deutlichem Knackgeräusch, beidseitig ins Felgenhorn. Dafür braucht es entweder einen Kompressor oder eine Tubeless-Pumpe mit zusätzlicher Druckkammer.
Das Tubeless-System gilt als äußerst pannensicher, da eine spezielle Dichtmilch kleine Einstiche eigenständig von innen verschließt.
Zusätzliche Tipps
- Regelmäßige Reifenkontrolle: Ein Blick auf die Reifen lohnt sich immer, um eingefahrene Fremdkörper wie Steine u. Ä. zu entfernen, damit sie sich nicht weiter in den Reifen „einarbeiten“ können.
- Reifenlagerung: Montierte Reifen sollten an einem kühlen, trocknen und möglichst dunklen Ort gelagert werden und immer aufgepumpt sein. Bei längeren Standzeiten lohnt sich eine regelmäßige Kontrolle des Luftdrucks. Im Idealfall sollte das Fahrrad oder E‑Bike hängend gelagert werden. Denn sonst können die Seitenwände des Reifens beschädigt werden.
Werkzeuge und Materialien
Flickzeug, Schläuche sowie komplette Reifen finden Sie in unseren Filialen. Bei weiteren Fragen freuen wir uns über Ihre Nachricht oder Ihren Anruf.
In einem Fahrradhaushalt sollte eine entsprechende Standpumpe mit Manometer (z. B. „Air-X-Plorer“ von SKS Germany) zur Grundausstattung zählen. Damit lässt sich der Luftdruck direkt ablesen und nach den Vorgaben richtig einstellen.
Fehlaus Empfehlung ist im Idealfall ein modernes Multitool, dazu zwei Reifenheber sowie eine kompakte Pumpe. "Zudem für den Fall, dass die Räder nicht mit einem Schnellspanner ausgerüstet, sondern klassisch verschraubt sein sollten, ein Maulschlüssel".
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