Das System der VINs (Vehicle Identification Number) hat sich in der Geschichte von Harley-Davidson ein paar Mal deutlich verändert. VINs zu verstehen hilft z.B. beim Erwerb einer gebrauchten Harley. So kann man recht einfach überprüfen, ob das, was im Fahrzeugbrief steht, mit der Harley zusammenpasst, die man kaufen will. Auch beim Kauf von Originalersatzteilen und bei der Teile-Recherche in alten Teile-Katalogen spart es viel Ärger, das eigene Harleymodell genau einsortieren zu können.
Entschlüsselung der VIN
Frühe Modelle
Die VIN (Vehicle Identification number) ist in den Motor eingeschlagen - Fahrgestellnummern am Rahmen gab es noch keine. Die Entschlüsselung ist einfach: die ersten beiden Ziffern zeigen das Baujahr, dann folgen 1, 2 oder 3 Buchstaben für das Modell, danach die laufende Produktionsnummer. Bei der gab es in den Baujahren 1960-69 eine Besonderheit: war das Baujahr eine ungerade Zahl, so war auch die erste Ziffer bei vierstelligen bzw. die ersten beiden Ziffern bei fünfstelligen Seriennummern ungerade.
Neuere Modelle
Mit zunehmender Zahl der Harley Modelle wurde es auch bei der Identnummer etwas vielschichtiger: Jetzt steht die Typen/Modellbezeichnung ganz vorne, als Kombination aus einer Zahl und einem Buchstaben. Dann folgt die Seriennummer und zum Schluss das Baujahr bzw. die letzte Ziffer des Baujahrs mit einem vorangestellten H - ausser bei 1980, da heisst es J0. Logisch oder? Damit teilen sich die drei VIN Blöcke so auf:
- Typ/Modell
- Seriennummer
- Modelljahr
Hier fing Harley an, die Rahmen zu nummerieren, d.h. in den Rahmen wurde oben am Lenkkopf die Zahl eingeschlagen, die sich auch an der rechten Seite des Motorgehäuse findet. So kann man schnell erkennen, ob man eine werksoriginale Kombination aus Motor und Rahmen vor sich hat - oder schon ein „Custombike“, was ja der Fall ist, wenn Rahmen und Motor frei kombiniert werden.
Moderne VIN
Harley kann froh sein, dass so ein Fahrgestell genug Platz hat für die neue Form der VIN, die mehr Info-Kürzel enthält als Benzin in einen Peanuttank passt: Herstellungsort, Motorkategorie, geplante Verkaufsregion (wegen abweichender Vorschriften in verschiedenen US-Staaten und weltweit); die Modellreihen nehmen auch zu und werden mit einer Zweier-Buchstabenkombi codiert.
1HD und 5HD: Was bedeuten diese Codes?
Oft wissen Besitzer einer Harley nicht, dass Sie einen reparierten US-Import fahren. Wichtig! : Die Fahrgestellnummern der Harleys beginnen in Europa mit 5HD und in den USA mit 1HD.
Die 1HD sagt nur, dass das Moped bei der Produktion ursprünglich für den amerikanischen Markt gedacht war. Na ja, vor gut 10 Jahren war es für die Company sicher noch recht einfach, ein paar überzählige US-Modelle nach Europa umzuwidmen, wenn die Vertriebsorganisation das aufgrund der Marktsituation verlangte.
Es gibt jedoch auch Ausnahmen: Meine Dyna Bj.2000 hat 1HD1 und ist als deutsches Modell neu mit Unterlagen des deutschen Importeurs bei einem deutschen HD Händler gekauft worden. Same here: Meine 2001 FLSTCI mit Cerificate aus Mörfelden ist eine 1HD1.
Wenn ich mich richtig erinnere, wurde die "5" als erste Stelle der VIN, für Maschinen welche für den Export produziert werden, im Jahr 2003 eingeführt.
Import von Harley-Davidson Motorrädern aus den USA
Motorräder aus den USA sind nach wie vor ein großer Genuss für Motorradfans. Trotz der vergehenden Jahre wächst ihre Beliebtheit kontinuierlich, und die Legende des Mannes, der von einer brummenden Harley begleitet wird, ist in der Popkultur lebendig. Amerikanische Motorräder verkörpern grenzenlose Freiheit und Unnachgiebigkeit. Diese Attribute verbindet man am stärksten mit den kraftvollen Maschinen, die auch in unserem Land immer größeres Interesse finden.
Jährlich gelangen Tausende von Autos und Motorrädern aus den Vereinigten Staaten nach Europa, wo sie auf Auktionen mit einem "salvage“ Titel angeboten werden. Fast immer handelt es sich um Fahrzeuge mit Schäden. Während im Jahr 2015 etwa jedes zweite exportierte Fahrzeug betroffen war, stieg diese Zahl im Jahr 2019 auf neun von zehn Fahrzeugen an. Etwa 80 % der Motorräder, die aus den USA importiert werden, haben den Titel "salvage".
Was bedeutet "Salvage Title"?
Ein "salvage“ Titel wird ausgestellt, wenn ein Fahrzeug aufgrund von Schäden infolge eines Unfalls, Wasserschadens, Feuers oder eines anderen Vorfalls nicht mehr für den Straßenverkehr geeignet ist. Wenn der Besitzer des Motorrads einen Unfall meldet, schickt die Versicherung einen Gutachter, um die Reparaturkosten im Verhältnis zum Wert des Motorrads zu bewerten. Wenn die Reparaturkosten den akzeptablen Prozentsatz des Motorradwerts übersteigen, wird es als „salvage“ eingestuft. Im Allgemeinen wird ein Totalschaden angenommen, wenn die Reparaturkosten mehr als 70 oder 80% des Wertes des Motorrads betragen.
Hierbei ist es wichtig zu beachten, dass ein Fahrzeug mit dem Titel "salvage" nicht zwangsläufig als Schrott betrachtet werden muss, obwohl dies manchmal der Fall ist.
Risiken und Chancen beim Import
Solche Informationen können beim Kauf eines Motorrads aus den USA abschreckend wirken. Importeure behaupten einstimmig, dass sie fast ausschließlich beschädigte Motorräder importieren, da dies sowohl für sie als auch für die Kunden die besten Gelegenheiten sind, hochwertige Maschinen günstiger zu erwerben. Doch hier ist Vorsicht angesagt. Man sollte sich bewusst sein, dass Importeure oft schnelles Geld verdienen wollen und die Qualität der Reparaturen zweifelhaft sein kann. Es ist jedoch äußerst schwierig, die Unfallschäden und die tatsächliche Qualität der Reparaturen beim Kauf zu überprüfen, da Importeure oft darauf aus sind, Kosten zu sparen und schnellstmöglich Gewinn zu erzielen.
Kostenstruktur in den USA
Im Vergleich zu Europa gibt es dafür mehrere Gründe. Zweitens sind die Kosten für Motorradreparaturen in den USA stark gestiegen, und selbst kleinere Reparaturen sind sehr teuer. Während Ersatzteile wirklich günstig sein können, gestaltet sich die Suche nach einer kostengünstigen und qualitativ hochwertigen Reparatur schwierig. Einige Motorräder gelangen nicht einmal aufgrund von Schäden auf Auktionen, sondern aufgrund zu hoher Reparaturkosten. Drittens sind Versicherungsgesellschaften nur ungern bereit, Motorräder mit einem "rebuilt" Titel nach einem "salvage" Schaden zu versichern. Die Kosten für die Versicherung eines solchen Fahrzeugs können zu hoch sein, und im Falle eines erneuten Schadens kann man nicht mit angemessener Entschädigung rechnen.
Im Gegensatz dazu haben Motorräder mit leichten Schäden in Europa praktisch den gleichen Wert wie unfallfreie Fahrzeuge. Diese Unterschiede verdeutlichen, wo der eigentliche Preis eines Fahrzeugs aus den USA liegt - in seiner Historie. Ein Motorrad mit sauberer Historie ist nicht dasjenige, das sich lohnt zu importieren. Zusätzlich kommen dann noch Zoll und MwSt. auf den Kaufpreis.
Überprüfung der Historie
Um zu überprüfen, ob die importierte Harley einen Unfall hatte, können Sie diverse Anbieter wie z.B. Carfax in Anspruch nehmen, die einen Zugang zu den Datenbanken der Versicherungen ermöglichen. In der Regel reicht es aber einfach die Fahrgestellnummer der Harley zu googeln.
Zusammenfassung
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Motorräder in den USA im Vergleich zu Europa oft günstiger sind. Dies liegt zum einen daran, dass sie dort generell preiswerter verkauft werden und somit auch als Gebrauchtmotorräder zu niedrigeren Preisen angeboten werden. Ein weiterer Faktor ist die höhere Kostenstruktur für Motorradreparaturen in den USA, wodurch beschädigte Motorräder oft zu einem "salvage" Titel führen und günstig verkauft werden.
Es ist von größter Bedeutung, sich bewusst zu sein, dass der Kauf solcher Motorräder ein hohes Risiko birgt. Die bereits reparierten Motorräder werden oft als vermeintlich hochwertige Umbauten angeboten, die äußerlich in gutem Zustand erscheinen. Doch die Käufer wissen nicht, ob strukturelle Schäden vorhanden sind oder wichtige Komponenten ordnungsgemäß repariert wurden. Die vermeintlichen Schnäppchenpreise, die Motorräder aus den USA oft bieten, sollten keinesfalls den Blick auf die potenziellen Risiken verstellen. Die Importeure möchten möglicherweise schnelles Geld verdienen, und die korrekte Reparatur solcher Unfallmaschinen ist fraglich. Es ist daher äußerst wichtig, vorsichtig zu sein und gründliche Recherchen anzustellen, bevor man sich für den Kauf eines Motorrads aus den USA entscheidet.
Produktionsstandorte von Harley-Davidson
Derzeit gibt es 5 große Standorte an denen Harley-Davidson seine legendären Bikes produziert:
- York, Pennsylvania, USA
- Kansas City, Missouri, USA
- H-D Brasilien-Manaus, Brasilien
- Haryana, Indien (lediglich die Street 500 & 750)
- Tasit, Pluagdang, Rayong, Thailand
Wo Deine Harley-Davidson produziert wurde kannst Du an der jeweiligen Fahrgestellnummer / VIN feststellen.
| Merkmal | USA | Europa |
|---|---|---|
| Beginn der Fahrgestellnummer | 1HD | 5HD |
| Anteil der Motorräder mit "Salvage" Titel (2019) | 90% | N/A |
Verwandte Beiträge:
- MIPS Fahrradhelm: Was bedeutet das & warum ist es wichtig?
- Fahrradreifenbezeichnungen: Erklärung & Bedeutung
- Fahrradreifen 42: Bedeutung, Größen & Auswahltipps
- 9-fach Fahrradkette: Alles, was du wissen musst – Ultimativer Guide für perfekte Schaltperformance!
- Harley-Davidson Kettenanhänger: Entdecke die ultimativen Modelle für Freiheit & Abenteuer!
- Motorrad Abmelden leicht gemacht: Alle Kosten, Schritte & Tricks entdecken!
Kommentar schreiben