Watt beim Radfahren: Bedeutung und Messmethoden

Egal ob im Training oder im Wettkampf - diese Frage beschäftigt viele Radfahrer und Triathleten: Welchen Schnitt bist du gefahren? Dabei sagt die Geschwindigkeit relativ wenig über die tatsächlich erbrachte Leistung und Fitness aus.

Einflussfaktoren auf die Geschwindigkeit

Die Geschwindigkeit beim Radfahren hängt von vielen Faktoren ab:

  • Bist du alleine gefahren?
  • Steigung oder Gefälle?
  • Streckenlänge und Dauer?
  • Im Windschatten, Oberlenker oder Aero-Position?
  • Wie stand der Wind auf der Strecke?
  • Wie heiß war es an dem Tag?

Diese und andere Faktoren sind entscheidend dafür, wie schnell du eine Strecke mit dem Rad zurücklegen kannst. Fährst du bergan oder alleine im Oberlenker gegen den Wind, wird dein Schnitt auf 50 km deutlich langsamer ausfallen als wenn du dieselbe Streckenlänge bergab, im Windschatten des Pelotons oder in Aeroposition zurücklegst. Zudem hängt diese ja auch davon ab, wie lange Du diesen „Schnitt“ durchhältst. Auch dein Fitnesslevel ist entscheidend für deine Leistungsfähigkeit auf dem Rad.

Die Wattmessung

Die tatsächlich erbrachte Leistung kann man auf dem Rad übrigens mit einem Leistungsmesser (engl. Powermeter) oder auch Wattmesser ermitteln.

Die Wattmessung zeigt die Leistung in Watt, die Du beim Radfahren erbringst. Ein Wattmessgerät ermöglicht eine exakte Kontrolle der Trainingsintensität und hilft, Übertraining zu vermeiden. Wichtige Werte sind die durchschnittliche und normierte Leistung. Diese helfen Dir, die Intensität und Konstanz Deines Trainings zu bewerten.

Es gibt Kurbel-, Pedal-, Naben- und Kettenblatt-basierte Wattmessgeräte. Kurbel- und Pedal-basierte Systeme sind am genauesten. Wird das Messgerät in beiden Pedalen oder Kurbelarmen verbaut, ist die Messung natürlich genauer.

Um dir eine bessere Einschätzung deiner Werte geben zu können, kannst du diese nachstehend mit denen eines Durchschnittsradlers und den Werten von Profis vergleichen.

Durchschnittsradler Rad-/Triathlon-Profi
Durchschnittsgeschwindigkeit im Flachen 28,9 km/h 41,4 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit bei 5% Steigung 15,3 km/h 24,1 km/h
Durchschnittsgeschwindigkeit bei 8% Steigung 11,3 km/h 19,3 km/h
Spitzengeschwindigkeiten bergab 75-92 km/h 111-130 km/h
Durchschnittliche Schwellenleistung (FTP) 200 Watt 415 Watt
Durchschnittsleistung bei 180km-Zeitfahren im Ironman 150-170 Watt 250-270 Watt

Bergan spielt natürlich auch das Systemgewicht (Summe aus Fahrer und Rad) eine Rolle bei der Durchschnittsgeschwindigkeit. Größere Fahrer können in der Regel eine höhere Leistung aufbringen, während kleinere Fahrer meist vom geringeren Gewicht profitieren. Im Flachen macht der Gewichtsunterschied kaum einen Unterschied. Hier können schwerere Fahrer häufig ihre größere Leistung ausspielen.

Ein 75 kg schwerer Radfahrer kommt mit 200 Watt Leistung bei einem Anstieg von 5 Prozent auf eine Geschwindigkeit von zirka 16 km/h. Ein 100 kg schwerer Fahrer schafft bei gleicher Leistung dagegen nur ein Tempo von knapp 13 km/h.

Schauen wir uns einen weiteren Vergleich dazu an: Der Anstieg nach Alp d’Huez zählt mit seinen 21 Kehren zu bekanntesten Bergetappen der Tour de France. Insgesamt sind 1.130 hm zu erklimmen. Marco Pantani war bis heute der schnellste Radfahrer an diesem Anstieg. 37:35 Minuten brauchte die Bergziege für die 13 km mit rund 11 Prozent Steigung.

Die zweitschnellste Zeit - und nur wenige Sekunden langsamer - hält bis heute Lance Armstrong. Unabhängig davon, dass beide Fahrer erwiesenermaßen gedopt waren, als sie diese immense Leistung erbracht haben, zeigt dieses Beispiel eindrucksvoll, welche Rolle das Gewicht beim Bergauffahren spielt.

Armstrong war zu seinen aktiven Zeiten etwa 15 kg schwerer als Pantani. Um die Auffahrt nach Alp d’Huez mit annähernd der gleichen Geschwindigkeit zu fahren, musste Armstrong fast 6 Watt pro kg Gewichtsunterschied mehr Leistung aufs Pedal bringen. Pantani hat Alp d’Huez bei seiner Rekordfahrt mit kann 400 Watt Durchschnittsleistung erklommen, während Armstrongs für seine Zeit von 38:55 Minuten rund 480 Watt benötigte.

Watt-Werte im geschlossenen Feld

Bei moderatem Tempo auf den Flachetappen der Tour de France ist das Feld breit gefächert. Der Kapitän (1,80 Meter groß; 70 Kilo Gewicht) wird von seinen Helfern abgeschirmt und muss im Flachen kaum Kraft, also niedrige Wattwerte, aufwenden, da der Lufwiderstand inmitten der Gruppe stark reduziert ist.

Die Helfer treten im Schnitt härter, da sie die Position im Feld verteidigen und versuchen, den Kapitän immer aus dem Wind zu nehmen. Während der Teamkapitän in dieser Situation mit rund 140 Watt in die Pedale tritt, muss der Rennfahrer an der Spitze des Pelotons rund 245 Watt leisten.

Der Kapitän in Gelb

Trägt der Kapitän eines Teams das Gelbe Trikot der Tour de France, verlangen die ungeschriebenen Gesetze im Radsport, dass seine Mannschaft viel an der Spitze des Feldes fährt, um so das Rennen zu kontrollieren und das Führungstrikot zu verteidigen. Das bedeutet auch für den Mann in Gelb zusätzliche Arbeit, weil der Windschatteneffekt an der Spitze des Feldes geringer ist als mitten im Pulk. Oft leisten die Helfer während der Tour de France über die Gesamtdistanz mehr als die Sieger. Während der Kapitän im Windschatten beispielsweise rund 250 Watt leistet, muss sein Helfer an der Spitze des Feldes immerhin 355 Watt leisten.

Die Watt-Werte auf der Windkante

Bläst der Wind bei der Tour de France von der Seite, müssen sich die Rennfahrer seitlich staffeln, um sich Windschatten zu spenden. Wer in der Staffel wegen des Straßenrandes keinen Platz mehr findet, fährt “auf der Windkante” (Rennfahrer in Grau), wie es im Jargon der Profis heißt. Dort ist der Windschatteneffekt schwächer. Daher zerreißt das Feld dort leicht, wenn ein Rennfahrer unaufmerksam ist oder die Kraft fehlt. Auch hier tritt ein Helfer an der Spitze mit 420 Watt Höchstleistung, der Kapitän kann sich vergleichsweise schonen - ein Konkurrent am Ende des Pelotons, also auf der Windkante, muss mit 380 Watt entscheidend mehr fürs Vorwärtskommen tun.

Die Watt-Werte im Einzelzeitfahren

Im Einzelzeitfahren bei der Tour de France muss der Kapitän zeigen, was er drauf hat. Kein Teamkollege kann ihm Windschatten spenden. Dazu muss der Rennfahrer eine hohe Dauer-Wattleistung bringen - die durch gute Aerodynamik in noch mehr Fahrgeschwindigkeit mündet. Viele Rennfahrer gehen deshalb in den Windkanal, um ihre Sitzposition im Kampf gegen die Uhr zu optimieren. Als Faustformel gilt: Wer mehr als 300 Watt für Tempo 45 benötigt, verliert gegenüber den Besten Zeit. In unserem Beispiel tritt der Kapitän bei den genannten Bedingungen mit 460 Watt Leistung. Umgerechnet benötigt er für 45 km/h 288 Watt.

Die Watt-Werte im Mannschaftszeitfahren

Im Mannschaftszeitfahren werden bei der Tour de France sehr hohe Geschwindigkeiten erzielt. Hauptgegner ist der Luftwiderstand. Selbst im Windschatten muss man abhängig von der Position ziemlich hart treten. In der Führung sind 500 bis 600 Watt während jeweils rund 30 Sekunden notwendig. Der Widerstand nimmt nach hinten ab - in unserem Beispiel: Fahrer 1 leistet 520 Watt, Fahrer 2 tritt 370 Watt, der Kapitän an sechster Position 320 Watt. Leichter Rückenwind bringt im Beispiel ein Plus von 1,4 km/h.

Die Watt-Werte bei Kämpfen am Berg

Die Favoriten sind am Berg unter sich: Es dominiert der Bergwiderstand. Da die Besten auch am Berg bei der Tour de France ein hohes Tempo fahren und zusätzlich oft Wind weht, gibt es leichte Windschatteneffekte. Wer führt (unser Kapitän in Dunkelblau), muss daher etwas mehr Energie investieren und hat so am Ende möglicherweise das Nachsehen. Sobald es bergauf geht, ist die Leistungsfähigkeit abhängig vom Gewicht (Watt pro Kilogramm Körpergewicht).

Watt-Werte beim Anfahren im Schlussanstieg

Taktik für den Schlussanstieg bei einer Tour-de-France-Etappe: Der Kapitän lässt seine Helfer mit Volldampf und hoher Wattleistung in den Berg fahren. Bei geringeren Steigungen bis zu drei Prozent gibt es angesichts der bei Profis üblichen Fahrgeschwindigkeiten noch einen deutlichen Windschatteneffekt. Dennoch muss der Chef schon hart treten, da der Bergwiderstand bereits überwiegt. Das Ziel dieser Fahrweise: Das Feld der Mitfahrer schnell auszudünnen und damit die Rennsituation übersichtlich zu gestalten. Mögliche Attacken werden durch das hohe Tempo weitgehend verhindert.

Weitere Messmethoden

Die Messung der Geschwindigkeit

Dabei sagt die Geschwindigkeit relativ wenig über die tatsächlich erbrachte Leistung und Fitness aus.

Die Pulsmessung

Natürlich kannst du über einen längeren Zeitraum hinweg beobachten, ob Du fitter wirst. Du brauchst also nicht zu staunen, wenn ein Trainingsbuddy bei einer 5er-Pace auf 10 Kilometer nur einen Puls von 158 hat. Dafür bedarf es auch einer gewissen Übung. Wie schätzt Du Dein jetziges Niveau selbst ein?

Einflussfaktoren in Bezug auf den Puls:

  • Beschränkungen der Pulsmessung

Und zweitens sollten sie auch von Messung zu Messung immer wieder gleich, d.h. Nur wenn beides erfüllt ist, bzw.

Nein, Wattmessung ist auch für Hobbysportler wertvoll.

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