MIPS Fahrradhelm: Erklärung und Funktionsweise

MIPS steht für Multi-Directional Impact Protection System und bedeutet, dass Ihr Gehirn bei einem Schrägaufprall besser geschützt ist. Es handelt sich um eine innovative Technologie, die Helme verschiedener Einsatzzwecke sicherer macht.

Was ist MIPS?

MIPS ist eine Abkürzung für Multi-Directional Impact Protection System. Es wurde entwickelt, um Helme sowohl im Freizeit- und Outdoor-Sport (beim Klettern, Mountainbiking oder Motorradfahren) aber natürlich auch im Arbeitsschutz sicherer bei schrägen Aufprallsituationen zu machen.

Ganz konkret ist MIPS eine im Schutzhelm integrierte gleitende Schale, die sich auf der Innenseite - nah am Kopf - befindet. Die Gleitschale ist nicht starr befestigt, sondern kann sich um 10 bis 15 Millimeter hin- und her bewegen. Durch diesen Bewegungsspielraum ist die Helmkonstruktion dazu in der Lage, einwirkende Rotationskräfte bei einem seitlichen Aufprall durch eine Gleitbewegung vom Kopf und dem Gehirn des Trägers abzulenken.

Schutzhelme, die mit MIPS ausgestattet sind, bieten dadurch einen höheren Schutz für den Helmträger als herkömmliche Schutzhelme.

Warum ist MIPS wichtig?

Es ist selten, dass Sie bei einem Sturz mit dem Fahrrad senkrecht auf den Boden fallen. Die Realität ist eher, dass es Sie auf die Seite schlägt und Sie dabei am Ende mit dem Kopf auf den Boden knallen. Dabei entsteht eine Rotationsbewegung, die Ihr Gehirn praktisch „dreht“. Und das ist sehr gefährlich. Starke Rotationsbewegungen mag Ihr Gehirn überhaupt nicht.

Deshalb kommt hier das MIPS ins Spiel. Es bewirkt, dass die Polster im Helm sich 10 bis 15 mm in alle Richtungen bewegen können.

Wie funktioniert MIPS?

Das Mips-System besteht aus einer reibungsarmen Schale, die im Inneren des Helms befestigt ist. Die reibungsarme Schale ist so konstruiert, dass sie bei einem Unfall im Helm geringfügig gleitet, damit Kräfte vom Kopf weggeleitet werden können. So soll sie helfen, das Risiko von Hirnverletzungen zu reduzieren.

Die Cerebrospinalflüssigkeit ist unser natürliches Schutzsystem, durch das sich das Gehirn versetzt zum Schädel bewegen kann. Das Gehirn reagiert typischerweise empfindlicher auf Rotationsbewegung als auf lineare Bewegungen, weil es eine ähnliche Scherfestigkeit aufweist wie Wasser oder Gel. Wenn sich durch Rotationsbewegung verschiedene Bereiche des Gehirns versetzt zueinander bewegen, kann das Gewebe gedehnt werden, was Gehirnerschütterungen oder andere Hirnverletzungen verursacht.

Rotationsbewegung ist eine häufige Ursache für Gehirnerschütterungen und schwerere Hirnverletzungen bei einem schrägen Aufprall auf den Kopf.

MIPS im Vergleich zu herkömmlichen Helmen

Herkömmliche Helme werden für einen geraden und relativ mittigen Aufprall entwickelt und getestet - was der Norm DIN EN 397 ganz klar genügt. Die Realität lehrt uns jedoch, dass der Aufprall in den meisten Fällen seitlich oder mit schräg wirkender Kraft stattfindet, was in einem Rotationsimpuls resultiert, der dann natürlich auch auf den Kopf übertragen wird.

Herkömmliche Helme können hervorragend den Stoß aufnehmen, die Rotationskraft geben sie dagegen zu großen Teilen weiter.

Das Mips®-System ergänzt die Stoßabsorption eines herkömmlichen Helmes um die Fähigkeit, auch Rotationskräfte vom Kopf ablenken zu können. Kommt es zu einem schrägen Aufprall auf den Helm oder zu einem vertikalen Aufprall, der den Helm aber an der Seite trifft, dann sorgt die reibungsarme, bewegliche Schale dafür, dass lediglich die äußere Helmschale einen Rotationsimpuls abbekommt, während die innere die Drehbewegung nur mit deutlich weniger Energie abbekommt, was wiederum den Impact auf den Träger reduzieren kann.

Verschiedene MIPS-Systeme

Inzwischen gibt es verschiedene Ausführungen des MIPS-Systems, die eine relative Rotation zwischen Helm und Kopf von 10 bis 15 Millimetern zulassen und damit die Gefahr einer Gehirnerschütterung deutlich reduzieren sollen. Hier ein kurzer Überblick über die MIPS-Varianten:

  • MIPS Essential Core: Das klassische MIPS mit gelber Schale, dem sogenannten LFL (Low Friction Layer), kommt besonders bei Volumenmodellen (Massenprodukte) oder günstigen Helmen zum Einsatz.
  • MIPS Evolve Core: MIPS Evolve Core sitzt wie Essential Core zwischen Helmschale und Polster. Eine exakte auf den jeweiligen Helm abgestimmte Passform des LFL soll die Belüftung verbessern und das Gewicht reduzieren.
  • MIPS Air/Air Node: Hier ist der Rotationsschutz nahezu unsichtbar in die Helmpolsterung integriert. Das spart Gewicht und beeinträchtigt die Belüftung nicht durch eine zusätzliche Schicht. Die Gleitschicht sitzt hier an der Innenseite der Polster.
  • MIPS Spherical/Integra Split: Die Helme bestehen aus zwei separaten Schalen, die gegeneinander verdrehbar sind. Die Konstruktion ist aufwändig und teuer, schützt aber auf gutem Niveau.
  • MIPS Integra Fuse: MIPS Integra Fuse verschmilzt das ehemals Poc-eigene SPIN-System mit MIPS. Hier befindet sich in den Polstern eine Art Silicon, das sich in alle Richtungen bewegen kann.

MIPS in der Praxis

MIPS wird vor allem in Fahrradhelmen und Skihelmen verwendet. Die Technologie ist nicht nur ein Standard bei dynamischen Sportarten, sondern wird auch in immer mehr Produkten in sicherheitskritischen Bereichen eingesetzt. Auch Mountainbiker oder Rennradfahrer sind bei Stürzen Rotationskräften ausgesetzt.

Generell sind MIPS-Fahrradhelme für alle Radsport-Disziplinen und Einsatzzwecke geeignet. Besonders allen Radfahrern, denen ein umfangreicher Schutz wichtig ist, können mit der MIPS-Technologie für ein Plus an Sicherheit sorgen.

Für die folgenden Fahrrad-Disziplinen sind MIPS-Helme besonders geeignet:

  • Mountainbike
  • Rennrad
  • Gravelbike
  • Cyclocross
  • Fitness Bikes
  • Trekking
  • E-Bikes

Testergebnisse und Studien

In unserem aktuellen Test (BIKE 10/2023) lag die Wahrscheinlichkeit, mit einem mit MIPS ausgestatteten Helm eine Gehirnerschütterung zu erleiden (nach AIS-Code) im Schnitt bei ca. 16 Prozent. Die Wirksamkeit der einzelnen Systeme hängt stark von der Integration in den Helm ab. Generell lässt sich nicht sagen, dass eine bestimmte Ausführung besser schützt als andere. Im Test haben wir bei den unterschiedlichen MIPS-Systemen Risiken für eine Gehirnerschütterung zwischen 6 und 26 Prozent gemessen.

Im Vergleich beträgt das Risiko bei Modellen ohne MIPS im aktuellen Test 35,5 Prozent. MIPS senkt das Risiko eine Gehirnerschütterung zu erleiden deutlich, allerdings abhängig vom verbauten System.

Vergleich von Helmen mit und ohne MIPS (BIKE Test 2020)

Um die Wirkung des MIPS-Systems zu verdeutlichen, wurden im Test in BIKE 2020 neben dem Lazer Impala MIPS auch das identische Modell ohne MIPS getestet.

Lazer Impala ohne MIPS:

  • Wahrscheinlichkeit einer mittleren Gehirnerschütterung: 39 Prozent
  • Beschleunigungskraft beim Aufprall: 109,8 g

Lazer Impala MIPS:

  • Wahrscheinlichkeit, eine mittlere Gehirnerschütterung zu erleiden: 26 Prozent
  • Beschleunigungskräfte: 98,5 g

Alternativen zu MIPS

Auch andere Hersteller haben in der Zwischenzeit eigene Rotationssysteme entwickelt:

  • Smartshock/100%: Zwischen Helmschale und Polster sind kleine, bewegliche Elastomere integriert.
  • 360˚ Turbine/Leatt: Kleine, um 360 Grad bewegliche Scheiben aus flexiblem Kunststoff an der Innenseite der Helmschale.
  • WaveCel/Bontrager: WaveCel ist eine komprimierbare Zellstruktur an der Innenseite der Helmschale.
  • LDL (Low Density Layer)/Kali: Ähnlich wie Leatt verbaut Kali an der Innenseite des Helms visco-elastische Einsätze.

Eine positive Wirkung anderer Rotationssysteme konnten wir im Test übrigens nicht bestätigen.

Häufig gestellte Fragen zu MIPS

  • In welchen Helmtypen wird das MIPS-System verwendet? MIPS wird in Helmen für alle Sportarten verwendet, bei denen Rotationskräfte auftreten können. Dies umfasst Reit-, Rad-, Ski- und Kletterhelme.
  • Beeinflusst MIPS das Gewicht des Helms? Sporthelme mit MIPS-Schutz wiegen nur etwa 30 Gramm mehr als Helme mit herkömmlichen Sicherheitssystemen.
  • Wie unterscheidet sich ein herkömmlicher Helm von einem Helm mit MIPS? Die meisten uvex-Helme verwenden untrennbare, verbundene Schalen, um den Kopf zu schützen (Außen- und Innenschale). Das MIPS bietet eine zusätzliche schwimmende Schale zum Helm, die beweglich ist und direkt am Kopf anliegt. Das schwimmende System absorbiert Flieh- und Rotationskräfte, was das Verletzungsrisiko für Kopf und Gehirn deutlich reduziert.

Wer hat MIPS entwickelt?

Im Jahr 1996 begann der Universitätsprofessor emeritus und schwedische Neurochirurg Hans von Holst, die Frage zu untersuchen, warum Sportler bei Stürzen trotz des Tragens von Helmen häufig Verletzungen an Schädel, Gehirn oder Nacken erlitten. Seine Forschung konzentrierte sich auf das Design der Helme, die damals üblicherweise von Unfallopfern getragen wurden. Er wurde bei seiner Forschung von dem Ingenieur Peter Halldin unterstützt, einem jungen Wissenschaftler am schwedischen Royal Institute of Technology (KTH).

MIPS: Ein zusätzlicher Schutz für Ihren Kopf

MIPS ist kein Wundermittel, das magisch Verletzungen vorbeugt. Aber es schadet nicht und kann im Falle eines Sturzes einen Unterschied machen. Für Sportler, die häufig Aktivitäten mit hohem Risiko von Stürzen ausüben - wie etwa Mountainbiking, Skifahren oder Klettern - kann ein Helm mit MIPS-Technologie einen entscheidenden Unterschied in Sachen Sicherheit ausmachen.

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