Clincher Laufräder: Eine umfassende Erklärung

Jahrzehntelang hatten Radfahrer oft zwei Laufradsätze: Trainingslaufräder und super schnelle Sätze für Rennen. Doch mit der Scheibenbremse wurden breitere Reifen möglich, und Felgen konnten aerodynamischer geformt werden, da keine Bremsflanke mehr benötigt wurde.

Verschiedene Reifentypen im Überblick

Es gibt verschiedene Reifentypen für Fahrräder, jeder mit seinen eigenen Vor- und Nachteilen:

  • Tubular (Schlauchreifen): Hierbei handelt es sich um einen in sich geschlossenen Reifen, der mit Kleber fest mit der Felge verbunden wird.
  • Clincher (Drahtreifen/Faltreifen): Der Reifen sitzt im Felgenbett und wird von einem Schlauch gefüllt.
  • Tubeless (Schlauchlosreifen): Der Reifen hält die Luft selbst, oft mit Dichtmilch zur Abdichtung.

Tubular-Reifen

Angefangen links mit dem klassischen geklebten Schlauchreifen, im Engl. als Tubulars bekannt. Hierbei handelt es sich um einen in sich geschlossenen Reifen, der mit Hilfe aufgepinseltem Kleber oder doppelseitigen Spezialklebeband fest mit der Felge verbunden wird.

In Tubular-Reifen ist der Schlauch fest verbunden. Diese Schlauchreifen werden mit einem speziellen Kleber in die Felge geklebt, was den Wechsel besonders aufwendig macht.

Clincher-Reifen

Gefolgt von Clincher Reifen. Der wohl am verbreitete Standard. Bei Clincher Reifen sitzt der Reifen im gehakten Felgenbett und wird von einem Schlauch aus Butyl, TPU oder Latex gefüllt.

Die Übersetzung von Drahtreifen ist Clincher. Der Begriff wird im deutschsprachigen Raum auch für Faltreifen verwendet. Der Clincher in den Varianten Draht-, bzw. Faltreifen ist wohl das beim Rennrad am weitesten verbreitete System. Hier wird der Reifen mit einem Wulst am Felgenhorn eingehängt. Der Reifendruck wird bei diesem System über einen zwischen Felge und Reifen sitzenden Schlauch gehalten. Ein Vorteil der Clincher liegt in deren relativ einfachen Handhabung. Hierbei wird der Reifen idealerweise mit Reifenhebern von der Felge gelupft, der defekte Schlauch entfernt und nachdem man das Felgenband auf den richtigen Sitz und den Reifen nach vorhandenen Fremdkörpern geprüft hat, ein Ersatzschlauch eingezogen und dieser anschließend aufgepumpt. Die Auswahl an Ersatzschläuchen und Reifen ist im Vergleich zu den beiden anderen Systemen groß.

Clincher ist Englisch und bedeutet frei übersetzt so viel wie "Drahtreifen". Dies ist jedoch irreführend, da in den meisten Mänteln heutzutage kein Draht mehr verbaut ist, sondern ein Hightech-Bündel aus Nylon und Keflar. Aufgrund von Eigenschaften wie Gewicht und Flexibilität wurde der Draht, welcher den Mantel auf der Felge hält, durch ein Nylon-Keflar-Geflecht ersetzt.

Clincher-Rennradreifen sind klassische Falt- oder Drahtreifen mit eingelegtem Schlauch. Diese Rennradreifen können auch auf Felgen gefahren werden, die für Tubeless-Reifen ausgelegt sind, müssen allerdings immer mit Schlauch montiert werden. Ohne Schlauch dichten sie kaum ab und können während der Fahrt abspringen.

Am weitesten verbreitet ist beim Fahrrad wohl der Drahtreifen. Der Drahtring im Reifenwulst verhindert, dass sich der Reifen unter Druck ausweiten und so von der Felge abspringen kann. Der Faltreifen ist ein Sonderfall des Drahtreifens. Hier wird der Draht durch ein Bündel aus Kevlarfäden ersetzt. Dadurch lässt sich der Reifen zusammenfalten und wird je nach Reifengröße um ca.

Tubeless-Reifen

Als drittes rechts der moderne Tubeless Reifen. Dieser funktioniert Schlauch-los. Der Reifen selber hält hierbei die Luft. Wir verwenden aktuell die Dichtmilch von Tufo. Darin liegt auch der große Vorteil des Tubeless-Systems. Durch das wegfallen des Schlauches lassen sich Platten durch Felgen-Aufsetzter (sog. Snakebite-Platten) vollständig vermeiden und reguläre Platten durch Durchstechen des Reifens in der Regel über die Tubeless-Milch abdichten. Tubeless-Reifen können so auch schneller Rollen.

Tubeless (schlauchlos) sind Reifen ohne Schlauch, wie bei Autos. Der Reifen wird nach dem Aufziehen mit Druck in die Felge gepresst. Dazu ist, bei Rennradreifen, kein Kompressor notwendig. Es reicht eine Pumpe mit Tank, in der Druck aufgebaut wird. Wichtig ist, dass im Laufrad ein Felgeband geklebt ist, damit die Öffnungen zu den Speichen abgedichtet sind. Die meisten guten Laufräder werden bereits Tubeless-Ready geliefert.

Tubeless-Reifen sind seit einigen Jahren im Mountainbikebereich die Alternative zum herkömmlichen Draht- bzw. Faltreifen. Felgen für Tubeless-Reifen sind ebenfalls mit Felgenhörnern ausgestattet, verfügen aber über eine spezielle Abdichtung des Felgenbetts und des Ventils. Auch im Rennradbereich wird das System seit einiger Zeit eingesetzt, manchmal wird es allerdings mit dem Tubular-System verwechselt. Eine weitaus größere Ähnlichkeit haben schlauchlose Reifen allerdings mit Draht- bzw. Faltreifen, denn bei beiden Systemen wird der Reifen, der über einen Wulst verfügt, am Felgenhorn eingehängt, mit dem Unterschied, dass der Tubeless-Reifen auf einen Schlauch verzichtet. Dies wird ermöglicht, indem Reifen und Felge eine luftdichte Einheit bilden. Die Felge wird dabei mit einem speziellen Felgenband abgedichtet, das Ventil zur Druckregulierung befindet sich am Felgenband oder wird an der Felge befestigt. Idealerweise greift man auf eine speziell abgedichtete „Tubeless Ready“ Felge zurück aber prinzipiell lässt sich auch jede andere Clincher-Felge in einem Tubeless System verwenden. Neben einer erhöhten Pannensicherheit aufgrund des Verzichts auf einen Schlauch und der vorhandenen Latex-Milch, die kleine Defekte abdichtet, hat das Tubeless-System den Vorteil eines geringeren Rollwiderstands. Auch dies ist Folge des Verzichts auf einen Schlauch. Die Handhabung bei der Montage eines Schlauchlosreifens ist mitunter etwas aufwändig und zur Herstellung der Dichtigkeit ist ein Kompressor zu empfehlen.

Tubeless-Rennradreifen sind Faltreifen, die ohne Schlauch gefahren werden können. Sie benötigen spezielle Felgen und gegebenenfalls luftdichtes Felgenband; das Ventil wird direkt in die Felge geschraubt. Eine milchige, gerinnungsfähige Flüssigkeit dichtet das System ab und repariert darüber hinaus kleine Durchstiche. Weitere Vorteile des Systems sind eine erhöhte Sicherheit gegen Durchschläge (der Schlauch kann nicht mehr eingeklemmt werden) und meist ein etwas geringerer Rollwiderstand. Weil sie mit weniger Druck gefahren werden können, ist das Komfortpoten­zial dieser Rennradreifen größer. Sie können (z.B. im Pannenfall) auch mit eingelegtem Schlauch gefahren werden, sind dann aber oft sehr schwer zu montieren.

Tubeless-Reifen: Im Prinzip ein Clincher, aber mit stabilerem Reifenfuß und Innenbeschichtung

Tubeless Ready (TLR)

Tubeless Ready Reifen sind keine Tubeless Reifen. Sie können aber mit Hilfe von Dichtflüssigkeit zu Tubeless Reifen umgewandelt werden. Schwalbe Tubeless Ready Reifen haben einen speziell geformten und beschichteten Reifenwulst. Tubeless Easy heißt die neueste Variante der Tubeless Ready Reifen. Ein monofiles Gewebe auf der Seitenwand (SnakeSkin) ermöglicht eine extrem leichte Tubeless Konversion. Rennfahrer praktizieren die Umwandlung von normalen Reifen zu Tubeless Reifen schon sehr lange. Mit den Schwalbe Tubeless Ready bzw. Tubeless Easy Reifen ist diese Konversion deutlich einfacher. Der spezielle Reifenwulst dichtet sofort an der Felge ab und sorgt für einen sicheren Sitz. Bei normalen Reifen ist das Abdichten an der Felge ein sehr großes Problem, das meist nur mit einem Kompressor und sehr viel Geduld funktioniert. Oft dauert es mehrere Tage bis dieser Übergangsbereich endgültig dicht wird. Beim Rennrad ist es durch den notwendigen hohen Luftdruck absolut nicht möglich, herkömmliche Reifen Tubeless zu montieren. Ein normaler Reifenwulst hält diese Kräfte nicht aus und der Reifen wird mit ziemlicher Sicherheit abspringen.

Bezeichnung von Felgen oder Reifen, die sowohl schlauchlos als auch mit eingelegtem Schlauch gefahren werden können. Tubeless-Ready-Reifen sollte man aber bevorzugt ohne Schlauch fahren, da sie entsprechend konstruiert sind.

Tubeless-Bereifung bietet eindeutige Vorteile bei Schnelligkeit, Komfort, Grip und Pannensicherheit. Unnötige Reibung zwischen Reifen und Schlauch wird vermieden. Dadurch ist der Rollwiderstand wesentlich geringer als bei Faltreifen oder Schlauchreifen. Tubeless kann man ohne Leistungseinbußen mit einem geringeren Luftdruck fahren. Das bringt Vorteile im Komfort aber auch mehr Kontrolle in kritischen Situationen und auf schlechten Strecken.

Rollwiderstand und Reifendruck

Das Rollverhalten wird durch den Rollwiderstand des Reifens und die mechanische Impedanz beeinflusst. Je feiner die Reifenwand und je höher der Reifendruck, desto geringer der Rollwiderstand. Auf rauem Asphalt kann ein zu hoher Luftdruck jedoch zu Energieverlusten führen.

Hierbei ist die grüne Messung neuer Asphalt, die gelbe Messung grober Asphalt und die Rote Messung sehr rauer Asphalt. Hier sieht man gut, dass der Kritische Punkt bei dem die Impedanz-Verluste überhand gewinnen niedriger liegt, desto schlechter der Straßenbelag ist. So verliert man schnell sehr viel Zeit auf den Streckenabschnitten mit schlechtem Asphalt durch zu hohem Luftdruck verglichen mit der gewonnen Zeit dank hohem Luftdruck auf gutem Asphalt.

Neben dem niedrigen Rollwiderstand haben breite Tubelessreifen bei einem niedrigerem Druck noch weitere Vorteile. Der wichtigste Vorteil ist allerdings der riesige Mehrgewinn im Komfort. Die breiten Tubelessreifen bei geringen Druck schlucken viel der Straßenunebenheiten die nicht von der Haltemuskulatur aufgenommen werden müssen. Außerdem kann man die Vorzüge des besten Reifensystems nicht nur an den seltenen Wettkampf- oder Schönwetter-Tagen sondern auch im Training genießen!

Felgen und ihre Auswirkungen

Die Felge beeinflusst den Reifen maßgeblich. Felgen für Schlauchreifen haben kein Felgenhorn, sondern ein teilkreisförmiges Felgenbett. Clincher- und Tubeless-Ready-Felgen ähneln sich, wobei Tubeless-Ready-Felgen einen tieferen Kanal im Felgenbett haben.

Aktuell werden viele Road Felgen mit einer Innenbreite (auch Maulweite genannt) von 21mm bis 25mm gefahren. Diese sind für 28-32mm Reifen optimiert. Breite Felgen führen zu einem höheren Luftvolumen, was positive Effekte auf den Rollwiderstand hat. Außerdem stützt eine breite Felge einen breiten Reifen besser. So wird ein größerer Teils der Lauffläche zentral von der breiten Felge gestürzt, während der breite Reifen auf der schmalen Felge zur Seite wegwälzt.

Hookless-Felgen

Von Zipp, Enve und anderen Laufrad-Herstellern werden seit einigen Jahren auch Hookless-Felgen angeboten. Hookless Felgen haben keine Haken im Felgenhorn und werden daher auch als Tubeless-Straight-Side (TSS) bezeichnet. Hierbei unbedingt zu beachten ist der Maximaldruck. Reifen sollten niemals auf mehr als 5bar (72psi) auf einer Hookless Felge aufgepumpt werden, da diese sonst drohen, von der Felge zu fliegen. Daher sind Hookless-Felgen erst ab einer Reifenbreite von 28mm oder mehr sinnvoll. Außerdem sollten alle Beschränkungen der Felgen- und Reifenherstellern beachtet werden.Großer Vorteil von Hookless Felgen ist die stabilere Carbon-Struktur. Daher haben Hookless-Felgen in der MTB-Szene schon viele Fans gefunden, da diese als deutlich stabiler Felgen mit Hook gelten.

Häufig wird bei Reifen für Hookless Felgen der Begriff TSS für Tubeless Straight Side verwendet. Wichtig ist, den angegebenen Druck des Felgenherstellers einzuhalten und nicht auf den Maximaldruck des Reifens zu füllen. Hookless Laufräder sind einige Gramm leichter.

Felgen, deren Flanken an der Innenseite keine Haken mehr besitzen, die den Reifen halten - also “glatte” Seitenwände haben. Solche Felgen sind leichter und können einfacher produziert werden, bergen aber auch ein Sicherheitsrisiko: Der Reifen kann leichter abspringen. Für solche Felgen ist daher ein niedrigerer Maximaldruck vorgeschrieben, meist weniger als 5 Bar. ­Außerdem darf man nur bestimmte, freigegebene Rennradreifen auf den Felgen fahren. In der Regel sind das Tubeless-Reifen, nur vereinzelt Clincher. Daher unbedingt die Reifenfreigaben des Felgenherstellers beachten!

Reifenbreite und Maulweite

Die Reifenbreite sollte etwa 10 bis 20 Prozent größer als die Maulweite der Felge sein. Auf einer breiten Felge wölbt sich ein Reifen breiter als auf einer schmalen. Ein 28er-Reifen kann auf älteren, schmaleren Felgen bis zu drei Millimeter schlanker ausfallen.

Fazit

Die Wahl des optimalen Reifen-Felgen-Setups und des optimalen Drucks ist immer ein Kompromiss. Für Freizeitfahrer empfiehlt es sich, den breitesten Reifen zu wählen, für den das Fahrrad ausgelegt ist. Breite Reifen bieten oft den besten Pannenschutz und Grip.

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