Höhenmeter beim Radfahren: Eine Definition

Gerade wenn man mit dem Radfahren in größerem Stil beginnt, fragt man sich, wie viele Höhenmeter man schaffen kann. Denn nicht nur die reine Anzahl der Kilometer zählt für die Intensität einer Radtour.

Was sind eigentlich Höhenmeter?

Höhenmeter meint schlicht den Unterschied zwischen zwei Punkten in der Höhe. Fürs Radfahren ist das wichtig, weil es ja energetisch vollkommen unterschiedlich ist, ob man auf der Ebene, bergauf oder bergab fährt. Wenn der Ulmer Münster ca. 161 Meter hoch ist, würde man 161 Höhenmeter absolvieren, wenn man ihn senkrecht mit dem Rad hochfährt. Das geht natürlich nicht.

Wie viele Höhenmeter sind möglich?

„Wie viel“ ist natürlich immer relativ. Je nachdem, ob man beim Bergauf-Fahren ein paar harte Rampen drin hat oder nicht, kann der Anstieg leichter oder schwieriger sein. Wenn man noch nicht allzu trainiert ist, startet man am besten eher in der Ebene. Das ist aber oft leichter gesagt als getan. In bergigen Regionen, z.B. Beispiel: Der Kandel im Südschwarzwald. Demgegenüber kann man im Norden und an der Küste oft keine Berge hinaufeilen.

Bei einer Alpenüberquerung mit dem Fahrrad muss man in der Regel mit mindestens 1.500 Höhenmetern pro Tag rechnen. Beispielsweise umfasst die Route des Grandes Alpes auf 650 Kilometern unfassbare 15.500 Höhenmeter. Man fährt dabei viele der traditionellen Tour-de-France-Berge ab. Das ist schon heftig und hier würde ich auf jeden Fall ein Rennrad oder geeignetes Mountainbike oder Gravelrad empfehlen. Außerdem sollte man hier schon trainiert sein. Zum Vergleich: Die Etappe mit den meisten Höhenmetern 2023 bei der Tour de France bestand aus 5.000 Höhenmetern.

Also der Weltrekord in Höhenmetern pro 24 h liegt bei über 22.000 m. Robert Petzold, der Fahrer, ist übrigens ein Deutscher. Bei den Hobby-Ausdauer-Cracks unter den Mountainbikern erfreut sich das "Everesting" einer gewissen Beliebtheit. Da fährst du quasi einen Tag lang dieselbe Steigung immer wieder rauf, bis du mindestens 8848 Höhenmeter zusammen hast. Es muss definitiv ein Mountainbike verwendet werden und die Strecke darf bestenfalls geschottert sein.

Faktoren, die die empfundene Schwierigkeit beeinflussen

Die Sache ist, dass sich Höhenmeter sehr unterschiedlich anfühlen können. 1000 Höhenmeter in den Alpen sind vergleichsweise entspannt; du suchst dir einen leichten Gang, kurbelst gemütlich von Kurve zu Kurve, schaust zu wie die Vegetation allmählich verschwindet und irgendwann bist halt oben. In leicht hügeligem Gelände mit max. 30 Höhenmetern pro Anstieg sind 1000 Höhenmeter dagegen schon eine echte Aufgabe.

Die Beschaffenheit des Weges, das mitgeführte Gepäck und die Kopfarbeit (Selbstmotivation, Zurückhaltung am Anfang) können auch echte Gamechanger sein. Wichtig ist, zu wissen was man sich zutrauen kann. Ein Gefühl dafür zu haben, wie man sich fühlen wird wenn man das gewählte Tempo noch ein paar Stunden lang fährt. Wo der eigene Wohlfühlbereich ist.

Auf Touren fährt man lange Anstiege nicht als geschlossene Gruppe, sondern jeder in seinem Wohlfühltempo. Plant mit einer Zeitreserve. Wenn ihr feststellt, dass sich die Höhenmeter viel fieser anfühlen als erwartet, nehmt ihr eben das Tempo 'raus, sucht euch einmal öfter ein Café und einen Apfelstrudel und kommt am Ende des Tages eben zwei Stunden später an.

Bergauf fahren ist wie auf einer langweiligen flachen Straße zu fahren, es dauert halt. Blick nach unten, und die kleinen Kiesel werden zu großen Brocken, damit es aussieht, als wäre man schneller. Als Highlight gibts dann aber eine Höhe mit viel Aussicht und eine wesentlich kürzere, aber schöne Abfahrt.

Das hängt u.a. davon ab, wie viele Höhenmeter pro Tag mit dem Rad möglich sind. 4000 sollten gehen.

Faustformel zur Berechnung der Fahrzeit

Generell lässt sich die beim Bergwandern bewährte Faustformel auch beim Mountainbiken anwenden. Dafür müsst ihr die Streckenlänge und die absoluten Höhenmeter der Tour ermitteln, entweder per Karte oder im Tourenportal. Als Orientierungspunkte für die Dauer dienen verschiedene Durchschnittswerte: die Fahrstrecke pro Stunde wird zum Beispiel mit 12 Kilometern angegeben, bergauf fahrend auf Teer- oder Forststraßen sind 500-600 Höhenmeter machbar, schiebend oder tragend 200-300 Höhenmeter. In der Formel wird dann der jeweils kleinere Wert (Strecke oder Höhenmeter) halbiert und anschließend zum Rest addiert. Wenn ihr ein bisschen Erfahrung gesammelt habt, könnt ihr diese Werte natürlich auf eure individuelle Fitness anpassen.

Eine Beispielrechnung sieht wie folgt aus:

  • Streckenlänge von 48 Kilometern entspricht 4 Stunden
  • Höhenunterschied in fahrbarem Gelände 1200 Höhenmeter entspricht 2 Stunden; dieser Wert wird halbiert
  • Höhenunterschied schiebend/tragend 100 Höhenmeter entspricht 20 Minuten; auch diese werden halbiert

Daraus errechnet sich eine Gesamtfahrzeit von 5.10 Stunden

Wie eingangs erwähnt, können sich beim Mountainbiken Wegverhältnisse, Wetter und andere äußere Umstände noch massiver auf die Tourendauer auswirken als beim Wandern. Zusätzlich müsst ihr Zeit für Pausen, Orientierung oder eventuell auch mal eine Panne einkalkulieren.

Fahrzeit mit E-MTB

Wenn ihr mit eurem E-MTB unterwegs seid, ist eure Durchschnittsgeschwindigkeit wahrscheinlich etwas höher als mit einem klassischen Mountainbike. Auch die zurückgelegten Höhenmeter können mehr sein. Das solltet ihr genauso in die Berechnung einfließen lassen, wie Schätzungen zur Reichweite des Akkus. Im Netz gibt es von einigen Herstellern auch spezielle Reichweitenrechner für E-MTBs. Wie oben gilt auch hier: Äußere Umstände können sich auf die Dauer auswirken, Pausen etc. kommen obendrauf.

Ein einfacherer Weg, eine grobe Einschätzung der Tourendauer zu bekommen, sind Tourenportale wie alpenvereinaktiv.

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