Hey, watt geht! Solltest du jetzt noch nicht abgeschreckt sein, darfst du dich nämlich auf einen umfassenden Text zum Thema Wattmessung am Fahrrad freuen, in dem wir die wichtigsten Basics näherbringen. Du erfährst zum Beispiel, was es mit dem FTP-Wert auf sich hat, wie man diesen ermittelt, was ein Powermeter ist und wie er funktioniert. Steigen wir doch am besten gleich ein!
Warum Wattmessung im Radsport?
Die Wattmessung zeigt die Leistung in Watt, die Du beim Radfahren erbringst. Ein Wattmessgerät ermöglicht eine exakte Kontrolle der Trainingsintensität und hilft, Übertraining zu vermeiden. Es gibt Kurbel-, Pedal-, Naben- und Kettenblatt-basierte Wattmessgeräte. Kurbel- und Pedal-basierte Systeme sind am genauesten. Wichtige Werte sind die durchschnittliche und normierte Leistung. Diese helfen Dir, die Intensität und Konstanz Deines Trainings zu bewerten.
Die Vorteile der Wattmessung gegenüber anderen Methoden
Die Geschwindigkeit fällt schon alleine deswegen raus, da man wirklich selten Strecken hat, die über 20 Minuten oder länger das gleiche Profil aufweisen. So muss man die Geschwindigkeit ständig variieren und wenn dann auch noch Gegenwind ins Spiel kommt, kann man die Chose gleich ganz vergessen. Der Puls ist schon etwas besser. Aber auch er wird durch zu viele Faktoren beeinflusst: Temperatur und Luftfeuchtigkeit oder auch die Tagesform beeinflussen den Puls und er reagiert gerade bei kurzen Sprints zu träge. Die Wattmessung ist deutlich präziser.
Was ist der FTP-Wert?
FTP ist die Abkürzung für “Functional Treshold Power”. Ins Deutsche übersetzt bedeutet dies so viel wie Funktionsleistungsschwelle. Prinzipiell ist die Funktionsleistungsschwelle die höchste Leistung, die du während einer einstündigen Fahrt aufrechterhalten kannst. Überschreitest du die Schwelle, führt das zu einem früheren Leistungsabfall. Unterschreitest du sie, hältst du länger durch. Ganz easy, oder? Erstmals ins Spiel gebracht wurde er von Dr. Andy Coggan, der vom FTP ausgehend die komplette Trainingssteuerung ableitet. Natürlich ist er auch im Wettkampf wichtig um abschätzen zu können, wie man mit seinen Kräften haushalten muss.
Wie berechnet man den FTP-Wert?
Zur Ermittlung des FTP-Werts gibt es folgende Möglichkeiten:
- Durchschnittswert über 60 Minuten: Du suchst dir einen bereits aufgezeichneten Wettkampf oder eine harte Trainingseinheit und ermittelst hier deine beste durchschnittliche Watt-Zahl über eine Dauer von 60 Minuten.
- 20-Minuten-Test: Dazu spannst du dein Rad in deine Rolle ein und schwingst dich drauf. Am besten tastest du dich langsam ran und fährst dich zunächst ordentlich warm. Nach 15 Minuten erhöhst du stufenweise den Widerstand und gibst 20 Minuten lang alles. Wähle den Widerstand so, dass du die 20 Minuten durchhältst. Verlass dich drauf: Es wird richtig anstrengend. Danach kurz ausrollen und wieder runter vom Rad. Nun nimmst du die Durchschnittsleistung des 20-Minuten-Intervalls, multiplizierst sie mit 0,95 et voila: Dein FTP-Wert ist bestimmt.
- Intervall-Test: Eine dritte Variante besteht aus zwei Blöcken à 12 Minuten. Während dieser 12 Minuten versuchst du ähnlich wie bei dem 20-Minuten-Test die maximale Leistung zu fahren, machst danach 8 Minuten aktive Pause - also leichtes Pedalieren - und danach folgt das zweite Intervall. Danach nimmst du den Durchschnittswert beider Intervalle und multiplizierst diesmal mit 0,92.
Natürlich können die Tests auch draußen gefahren werden, allerdings braucht man dafür eine Strecke, die man wirklich komplett durchknallen kann - keine Ampeln, keine spitzen Kurven und eine leichte Steigung wären auch nicht schlecht. Du siehst, der Indoor-Test ist hier die deutlich bessere Variante. Außerdem ist es ein Versuchsaufbau, der sehr leicht wiederholt werden kann. Willst du das Ganze in einem professionellen Umfeld erfassen, kannst du natürlich eine Leistungsdiagnostik machen. Diese dürfte wohl die besten Ergebnisse erzielen - allerdings ist sie in der Regel auch wesentlich teurer als der Test in den eigenen vier Wänden.
Wie wende ich den FTP Wert an?
Um daraus Ableitungen für dein Training machen zu können, hat Dr. Coggan verschiedene Trainingszonen definiert, die sich wie folgt aufteilen:
- FTP < 55% = Aktive Regeneration (Rekom): Leichte Ausfahrten, die ideal sind um nach einem harten Wettkampf wieder in Schwung zu kommen.
- FTP 55% - 75% = Grundlagenausdauer (GA1): Training für lange, langsamere Distanzen.
- FTP 75% - 90% = Tempo-Zone (GA2): Meist während schnelleren Gruppenfahrten oder Radmarathons.
- FTP 90% - 105% = Laktatschwelle (Entwicklungsbereich (EB)): Im Schwellenbereich bist du in der Regel bei 30-90-minütigen Triathlon- oder Zeitfahr-Wettkämpfen unterwegs.
- FTP 105% - 120% = VO2max: Im Wettkampf vor allem bei Zwischensprints oder kurzen Anstiegen ein wichtiger Wert.
- FTP > = Laktattoleranz: Intensive Intervalle von 30 Sekunden bis 2 Minuten oder beim Zielsprint.
Solltest du nach einem Trainingsplan trainieren, wirst du immer wieder entsprechende Abkürzungen wie GA1/2, EB oder REKOM vorfinden. Hierdurch hast du schon mal eine grobe Übersicht, was genau damit gemeint ist.
Powermeter: Was ist das?
Damit du das Ganze auch praktisch umsetzen kannst, benötigt dein Rad aber noch etwas: einen Leistungsmesser, neudeutsch auch Powermeter genannt. Er wird klassischerweise anstelle der normalen Kurbel montiert und misst die Leistung, die ein Radfahrer in die Pedale tritt mittels eines Dehnmessstreifens und der Trittfrequenz. Die Leistung selbst wird natürlich nach der bekannten Formel aus Kraft, Zeit und Weg ausgerechnet. Aber keine Angst, das musst du nicht selbst tun: Der Powermeter übermittelt selbstständig den Wert an den Radcomputer. So hast du die Leistung in Echtzeit immer vor Augen und kannst sie hinterher ganz bequem am Computer auswerten und analysieren.
Welche Powermeter Typen gibt es?
Die Messtechnik ist bei den Powermetern in der Regel die Gleiche, auch die Berechnung der Leistung erfolgt natürlich nach der gleichen Formel. Lediglich die Platzierung des Sensors ist manches Mal unterschiedlich: Er kann entweder direkt an den Pedalen, am Kurbelarm, am Kurbelstern, am Kettenblatt oder sogar an der Nabe sitzen. An der Qualität der Werte ändert das, wenn überhaupt nur marginal etwas.
Für wen ist ein Powermeter geeignet?
Ob sich ein Powermeter für dich lohnt, ist freilich immer eine Frage der Ambitionen. Bist du Hobbyfahrer, der gemütliche Touren am Wochenende dem Rennstress vorzieht? Dann kannst du dir den Powermeter vermutlich sparen. Bist du allerdings ambitionierter Radsportler oder Triathlet, der regelmäßig Rennen fährt und mit Trainingsplan unterwegs ist? Dann führen nur wenige Wege an einem Powermeter vorbei. Auch wenn die Investition nicht gering ist, so kann sie sich gerade zu Beginn der Radfahrerkarriere deutlich positiver auswirken, als aerodynamische Laufräder, ein Aerohelm oder andere Anschaffungen. Preislich liegen die verschiedenen Powermeter zwischen ca. 500€ und 3000€.
Leistungsmessung auch am MTB sinnvoll?
Beim Downhill würden wir darauf verzichten, aber wenn du zu den MTB-Marathonfahrern gehörst, wo es nebst Fahrtechnik auch um eine gute Ausdauer und viel Power in den Beinen geht, dann ist ein Powermeter auch hier eine sinnvolle Anschaffung. Gerade für die Trainingssteuerung, wenn man wenig Trails aber viel auf Schotterwegen unterwegs ist. Denn: Auf Trails hat man es natürlich öfter mit Leertretezeiten zutun - d.h. es werden hier gar keine Wattzahlen aufgezeichnet, was die Auswertung schwierig macht. Dennoch kann man im Nachhinein über die durchschnittlich gefahrenen Watt eine allgemeine Aussage über die Qualität des Trainings treffen.
Watt Rechner für die Steigungsleistung
Mit dem Berechnen der Steigungsleistung auf dieser Seite kannst Du herausfinden, wie viel Watt Du bergauf mit dem Rennrad leistest. Die absoluten Watt-Zahlen sind zwar für Dich ein guter Anhaltspunkt, um die Entwicklung Deiner Leistung im Laufe der Zeit zu verfolgen. Als Vergleich mit anderen taugt die absolute Wattzahl allerdings nicht, schließlich hat jeder ein anderes Körpergewicht und auch das Radgewicht unterscheidet sich, damit muss unterschiedlich viel Leistung erbracht werden, um den eigenen Körper den Berg hochzubewegen. Schließich geht es im Rennen nicht darum, wer die meisten Watt tritt, sondern wer am schnellsten oben ist - das muss nicht zwingend der sein, der die größten absoluten Wattzahlen liefert.
Um sich mit anderen zu vergleichen, dafür bietet sich der Watt/kg Wert an. Mit dem Watt/kg Wert kann man sehr gut die Leistungen von Sportler zu Sportler vergleichen. Somit wird nämlich die absolute Wattzahl mit dem Körpergewicht ins Verhältnis gesetzt.
Warum funktioniert der Wattrechner nur für das Rennrad?
Bei der Berechnung der Leistung spielen wahnsinnig viele Faktoren hinein. Vom Einfluss des Winds über die Meereshöhe und Temperatur bis hin zum Rollwiderstand. Da beim Mountainbike oder auch Stadtrad ein ganz anderer Rollwiderstand entsteht, ist unser Rechner nur für das Rennrad gedacht. Hier fährt man üblicherweise auf Asphalt und der Reifendruck bewegt sich in einem gewissen Rahmen. Das macht den Rollwiderstand einigermaßen berechenbar.
Wir haben versucht, den Rechner für Euch so einfach und gleichzeitig so genau wie möglich zu gestalten. Vernachlässigt haben wir beispielsweise die Außentemperatur, den genauen Reifendruck, die Ausgangshöhe, die Sitzposition, die Größe des Fahrers und die Trittfrequenz. Da wir hier allerdings ausschließlich von der Leistung am Berg sprechen, spielen einige Faktoren wie die Sitzposition eine eher untergeordnete Rolle - schließlich rast man den Berg meistens nicht in Unterlenkerposition und mit 40 km/h hinauf.
Die Physik hinter der Wattmessung
Diese einfache physikalische Gleichung ist die Grundlage für jeden Powermeter um die Leistung zu berechnen.
Power (P) ist also die Leistung in Watt. F ist die Kraft (Force), die wir beim Radfahren auf das Pedal drücken und V (Velocity) ist die Geschwindigkeit in der wir dies tun, in unserem Fall also die Trittfrequenz.
Demzufolge gibt es also drei Möglichkeiten mehr Power zu erzeugen:
- Mehr Kraft auf das Pedal bringen
- Die Trittfrequenz erhöhen
- Beides gleichzeigt machen
Trittfrequenz und ihre Bedeutung
Während der letzten Jahrzehnte gab es viele wissenschaftliche Studien zum Thema Trittfrequenz. Allerdings konnte keine Studie eine optimale Trittfrequenz für das Rennradfahren oder den Triathlon aufzeigen. Vielmehr hängt die optimale Trittfrequenz mit deinen eigenen physiologischen Voraussetzungen zusammen und mit der Disziplin in der du aktiv bist. Normalerweise gilt, dass je kürzer und explosiver eine Disziplin ist, desto größer wird der Vorteil von hohen Trittfrequenzen.
Ich glaube, dass die beste Trittfrequenz selbst gewählt werden muss, also die Trittfrequenz, nach der der Körper in bestimmten Situationen selbst verlangt. Das bedeutet aber nicht, dass man nicht das Fahren mit unterschiedlichen Trittfrequenzen vernachlässigen sollte.
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