Weibliche Motorradrennfahrerinnen: Geschichte und Pionierleistungen

Lange Zeit herrschte in der Geschichte des Motorsports eine klare Dominanz von Männern. Doch einige herausragende Fahrerinnen haben maßgeblich dazu beigetragen, dieses Bild zu verändern. Mit Mut, Können und einer ordentlichen Portion Durchsetzungsvermögen haben sie die Welt des Motorsports für sich erobert: zehn Frauen aus aller Welt, die mit halsbrecherischen Manövern auf Punktejagd gingen.

Es gab sehr erfolgreiche Motorradrennfahrerinnen, die heute leider niemand mehr kennt, die aber Rennsportgeschichte geschrieben haben. Viele Rennfahrerinnen blieben nur kurz bei diesem harten Sport, aber einige widmeten mit Leidenschaft dem Motorrad ihr Leben und arbeiten weiter in dieser schwierigen Branche. Um jedoch dauerhaft bestehen zu können, war die Unterstützung des persönlichen Umfelds notwendig, gerade in Zeiten starker Reglementierungen und gesellschaftlichen Einschränkungen für Frauen.

Pionierinnen des frühen 20. Jahrhunderts

Mit Frauen begann die Mobilität: Bertha Benz steuerte 1888 den dreirädrigen Benz-Patent-Motorwagen 106 Kilometer von Pforzheim nach Mannheim und verhalf so der Erfindung ihres Mannes Carl zum Durchbruch. Wer als erste Frau ein Zweirad pilotierte, ist nicht bekannt. Dass die Herren den Frauen auf zwei Rädern keineswegs vorurteilsfrei begegneten, hingegen schon.

Für sie war selbstverständlich, dass Frauen zügig Motorrad fahren. Für die Zuschauer bildeten die Renngespanne und Aktionen, die dazu gehören, immer die Höhepunkte jeder Veranstaltung. Ein Gespann erfolgreich zu fahren, erforderte ein intensives und gekonntes Zusammenspiel zwischen dem Fahrer und Beifahrer.

Gertrude Eisenmann: "Die Meisterin des Motorrads"

Gertrude Eisenmann war bereits infiziert. „Die vielen Lobspenden, mit denen ich überschüttet werde, sind nicht berechtigt“, schreibt Gertrude Eisenmann 1905 in „Das MOTORRAD“. „Es wundert sich doch niemand darüber, wenn eine Ente schwimmt“, setzt die gebürtige Engländerin bescheiden hinzu. „Die Meisterin des Motorrads“, wie sie „Das MOTORRAD“ nennt, gewinnt erste Preise für Fernfahrten.

Schon ihre erste Fahrt Stuttgart - Kiel beendete Gertrude Eisenmann mit der zweitbesten Durchschnittsgeschwindigkeit aller Teilnehmer. „Obwohl ich wegen Nichtfunktionierens der Pumpe dreimal während der Fahrt das Öl aus dem Ölbehälter heraussaugen und in den Motor hineinpusten musste“, gibt sie zu Bedenken. Belegte bereits 1905 erste Plätze bei Fernfahrten: die „Meisterin des Motorrads“ Gertrude Eisenmann.Leider verliert sich die Spur der schnellen Frau Eisenmann vor dem Ersten Weltkrieg.

Hanni Köhler: Rekordfahrerin der 1920er

Furore als Sportlerin machte in Deutschland in den 1920er-Jahren Hanni Köhler, die vor allem Tourenfahrten absolvierte. Diese Wettbewerbe würden immer von demjenigen gewonnen, der „mit dem Kopfe fahre“, kommentierte Hanni Köhler. Die damalige Rennsportorganisation F. I. C. M. erkannte 1928 zehn Weltrekorde der Klasse bis 125 cm³ an, die Hanni Köhler auf einer Stock mit 119 cm³ erreichte.

„Mit diesem schönen Erfolge hat nicht nur die deutsche Sport treibende Damenwelt, sondern Deutschlands Motorradsport überhaupt einen seiner größten Erfolge zu verbuchen, denn er erscheint zum ers­ten Male nach dem Kriege wieder auf der Liste der Welt­rekorde“, verkündet die Zeitschrift „Das MOTORRAD“ 1928 stolz.

Ilse Thouret: Deutschlands beste Motorradrennfahrerin der 1930er

Leidensfähig war auch Ilse Thouret, die in den 1930er-Jahren zu Deutschlands bester Motorradrennfahrerin avancierte. Über 100 Pokale, Medaillen und Auszeichnungen sammelte sie in ihrer Laufbahn. Ab 1934 pilotierte Ilse Thouret eine DKW 250. Allerdings bewährte sie sich nur bei Geländefahrten und Langstreckenrennen, denn sie durfte nicht an Straßenrennen auf Rundstrecken teilnehmen.

Weitere bemerkenswerte Fahrerinnen

  • May Ruffell: Eine sehr talentierte Rennfahrerin Ende der 20er Jahre, was sich vor allem in den Brooklands Damenrennen zeigt.
  • Nina Susow-Michejewa: Eine der erfolgreichsten russischen Motorradrennfahrerin. Insgesamt wurde sie 11 Mal Meisterin der ehemaligen UdSSR in Straßen- und Geländerennen.
  • Dot S. Cowley: Gehört zu den erfolgreichen Speedwayfahrerinnen wie Fay Taylor oder Eva Askwith. Auf Grund ihrer Größe, sie ist sehr klein, entwickelte sie ihre eigene sehr erfolgreiche Technik für diese speziellen Rennen.
  • Milada Bayerova: Fuhr bereits ab 1931 Gespannrennen. Sie war eine sehr temperamentvolle und leidenschaftliche Fahrerin von Renngespannen, die während ihrer Karriere nie auf einer Solomaschine oder im Beiwagen einer Maschine sitzt.
  • Fay Taylor: War eine der größten englischen Rennsportfahrerinnen, die die ganze Welt bereiste und dem Motorrad immer verbunden blieb. Sie war schon Ende der 20er Jahre die erfolgreichste Speedwayfahrerin, die „Queen of Speedway“, bevor diese Rennen für Frauen verboten wurden. Die gebürtige Irin konnte bereits 1927 vom Rennsport leben.

Tragödien und Rückschläge

Inge Stoll

Bereits Inges Eltern fuhren erfolgreich in der Vorkriegszeit Renngespanne. Inge Stoll hatte also „Benzin“ im Blut und die Leidenschaft für diesen teuren Sport, den sie erfolgreich in den 50er Jahren praktiziert. Da sie sehr klein und leicht war, musste sie mit Gewichten im Beiwagen fahren, um die internationalen Bestimmungen zu erfüllen. Sie starb bei einem der letzten geplanten Rennen ihrer Karriere. Am Sonntag, den 24.8.1958, fuhren Jacques Drion und Inge Stoll mit ihrem Gespann in Brünn in den Tod.

Annie Bousquet

Eine dieser mutigen Frauen war Annie Bousquet. Obwohl ihr Name heute kaum noch bekannt ist, ist sie eine der beeindruckendsten Figuren der Zeitgeschichte und eine Pionierin des Frauenrennsports. Nach einem Unfall beim 12-Stunden-Rennen in Reims starb sie 1956 auf tragische Weise, nur vier Jahre nach ihrem Renndebüt. Daraufhin wurden Fahrerinnen komplett aus dem Motorsport verbannt - Wasser auf die Mühlen derer, die bezweifelten, dass Frauen überhaupt Rennen fahren können.

Frauen in der Motorrad-Weltmeisterschaft

In den Starterfeldern der drei WM-Klassen der Motorrad-Weltmeisterschaft findet sich für die Saison 2022 eine Frau. Carrasco schickt sich an, eine Liste fortzusetzen, zu der sie selber schon gehört. Den Anfang machte Taru Rinne in der Saison 1988 der 125er-Klasse. Damit schrieb Rinne Geschichte, war sie doch die erste Frau, die es in der seit 1949 bestehenden Motorrad-WM in die Punkteränge geschafft hat.

Die nächste in der Liste war Tomoko Igata. Die Japanerin fuhr in den Jahren 1994 und 1995 in der 125er-Klasse dreimal in die Punkteränge. Auch Katja Poensgen gehört zur Liste der weiblichen WM-Punktegewinner in der Motorrad-WM. Der Deutschen gelang dies in der 250er-Klasse, und zwar mit P14 beim Grand Prix von Italien 2001 in Mugello.

Für die Spanierin wird die Saison 2022 in der Moto3-WM das Comeback im Grand-Prix-Sport. 2013 absolvierte sie ihre erste Saison in der Moto3-WM und fuhr damals zweimal in die Punkteränge. Carrascos bisher bestes Ergebnis ist P8 beim damaligen Saisonfinale in Valencia. Die bislang letzte Frau, die es in der Motorrad-WM zu WM-Punkten gebracht hat, ist Maria Herrera. Sie schaffte das in der Moto3-WM im Zeitraum 2015 bis 2017 gleich achtmal.

Hier ist eine Tabelle, die die ersten Frauen zusammenfasst, die in der Motorrad-WM Punkte erzielt haben:

Fahrerin Saison Klasse Bemerkenswerte Leistung
Taru Rinne 1988 125cc Erste Frau, die in der Motorrad-WM Punkte erzielte
Tomoko Igata 1994-1995 125cc Dreimal in die Punkteränge gefahren
Katja Poensgen 2001 250cc P14 beim Grand Prix von Italien
Ana Carrasco 2013 Moto3 P8 beim Saisonfinale in Valencia
Maria Herrera 2015-2017 Moto3 Achtmal WM-Punkte erzielt

Seit 2019 fährt Herrera im MotoE-Weltcup, der im Rahmenprogramm der Motorrad-WM ausgetragen wird.

Hindernisse und Herausforderungen

Anfang des 20. Jahrhunderts galt das Motorrad als reine Männersache.

„Du gehörst an den Kochtopf“ - wie oft musste sich Helga Steudel (1939 geboren) diesen Satz von ihren männlichen Konkurrenten anhören… Die Motorradpilotin aus dem sächsischen Vogtland bestritt 1959 mit einer 350er Jawa ihr erstes Rennen. 1965 siegte sie sogar auf dem berühmten Sachsenring. Eine Lizenz des Motorradweltverbandes FIM, um an DDR-Meisterschaften oder WM-Läufen teilzunehmen, wurde ihr aber verwehrt.

Carrasco fährt in diesem Jahr im niederländischen Team RW-Racing. Kein großer spanischer Sponsor und kein spanisches Team wollte Carrasco eine Chance geben, obwohl sie aus Marketingsicht im Vergleich zu ihren zahlreichen männlichen Altersgenossen ein Anreiz wäre.

Ljubimowa glaubt die Gründe dafür zu kennen: "Ich glaube, dass eine Frau aus natürlicher Sicht eine Mutter ist. Wenn sie eine Rennkarriere anstrebt, dann muss sie diese Instinkte abschalten."

Aktuelle Entwicklungen und Ausblick

Die Zeit dafür war reif: „Das MOTORRAD“ stellte 1928 die Frage aller Fragen: „Ist Motorradfahren den Frauen schädlich?“ Ein Arzt antwortete: „Die Medizin kennt keine Krankheit, die nur vom Motorradfahren verursacht wäre. Für eine organisch gesunde Frau ist Soziusfahren nicht schädlich.“

Im Mittelpunkt des Films „Ride Your Dream“ steht die Motorsportpionierin Ana Carrasco, die als erste Frau jemals eine Motorradweltmeisterschaft gewann. Die 23-jährige Spanierin schrieb Geschichte, als sie sich im Jahr 2018 in der Supersport-300-Weltmeisterschaft in der Kategorie Superbikes WorldSPP300 gegen ihre männliche Konkurrenz durchsetzte und damit als erste Frau den Titel holte.

Ihre Bemühungen öffnen die Türen zu einer neuen Ära der Gleichberechtigung. Und wie sieht die Situation der Rennfahrerinnen heute aus?

Trotz ihrer herausragenden Leistungen will sich Christina nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen und ist mit ihrer Leistung noch nicht zufrieden. Neben dem professionellen Rennsport absolviert sie ein Studium der Betriebswirtschafts- und Marketingkommunikation. Jetzt hat sie sich ein neues Ziel gesetzt: Sie will die Technik eines Porsche (noch) besser verstehen. Obwohl ihr schon so viel gelungen ist, hat sie noch lange nicht alles erreicht, was sie sich vorgenommen hat. Das ist ein wesentlicher Bestandteil ihrer bemerkenswerten Persönlichkeit und macht sie zu einem großen weiblichen Vorbild.

Für mich sind Annie und Christina echte Vorbilder. Wie sie möchte auch ich alle Frauen motivieren, ihrer Leidenschaft zu folgen, egal welche es ist. Indem wir unseren eigenen Weg gehen, werden wir Vorbilder für zukünftige Generationen und zeigen Mädchen, dass alles möglich ist.

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