Die Vorstellung vom Weihnachtsmann, der mit seinem Rentierschlitten vom Himmel herabfährt, ist tief in unserer Kultur verwurzelt. Doch die Realität kann überraschen. Immer öfter sieht man den Weihnachtsmann nicht im Schlitten, sondern auf einem Moped oder Motorrad - eine moderne und ungewöhnliche Interpretation der traditionellen Figur.
Der Bocholter Weihnachtsmann auf drei Rädern
Ein Beispiel ist Martin Hünting aus Bocholt. Er hat sich mit dem Kauf eines Trike einen großen Wunsch erfüllt. Und weil es für ihn nichts Schöneres gibt, als Weihnachten mit weißem Bart und roter Bömmelmütze zu feiern, ist er auch auf drei Rädern entsprechend kostümiert. In der Dämmerung ist das Weihnachts-Trike des Bocholters ein ganz besonderer Hingucker. Viele Jahre sind die beiden mit der Clique immer unterwegs gewesen. Alle mit ihren Motorrädern.
Anfang Dezember zeigte sich auf einem Firmengelände in Grevenbroich, dass es noch viel, viel mehr motorisierte Weihnachtsmänner gibt. Rund 250 Biker trafen sich dort mit Kostüm statt Kutte, mit Nikolausmütze über ihren Helmen gestülpt und mit ganz viel Freude in den Gesichtern. Gemeinsam mit weiteren Bikern von Robin Hood Biker & Triker und Niederrhein Heart Biker Germany hatte auch er sich mit seinem weihnachtlich geschmückten Trike auf den Weg gemacht.
Seit Mai ist Martin Hünting stolzer Besitzer eines schwarzen Trike mit 110PS-starkem Mitsubishi-Motor. Bis Heiligabend hatte er bereits 8.000 km „auf der Uhr“. „Es ist einfach nur schön, mit dem Trike unterwegs zu sein“, berichtet der Bocholter. „Es lenkt mich ab. Und es macht mich glücklich, wenn wir von Robin Hood aus Benefiz-Touren machen. Wenn Kinder uns fragen, ob sie mal für ein Foto draufsitzen dürfen, das ist immer ganz wunderbar. Oder wenn wir ein Hochzeitspaar überraschen dürfen.“
Er freue sich schon jetzt auf viele Events im nächsten Jahr. Ein Ziel, das er für eine Trike-Tour hat, ist allerdings für ihn ein Herzenswunsch. Er möchte nach Irland fahren. Denn dort gibt es viele Freunde, die er mit Silvia immer gerne besucht hat. „Ich möchte sie alle gerne wiedersehen“, sagt der Familienvater, der in seinem Leben nicht nur seine Frau, sondern auch ein Kind hat gehen lassen müssen.
Beim Weihnachtsmann-Treffen in Gelsenkirchen musste Martin Hünting feststellen: Es gibt mehr von seiner Sorte. Und das ist gut so. Denn die motorisierten Weihnachtsmänner sind nicht nur ein Hingucker. Wenn sie anrollen, hat dies meist auch einen sozialen Hintergrund.
Der Weihnachtsmann mit Herz aus Beyernaumburg
Thomas Fulczyk aus Beyernaumburg ist ein weiteres Beispiel. Er schwingt sich im Weihnachtsmannkostüm auf sein Motorrad, um einem todkranken kleinen Jungen in Thüringen eine Freude zu machen. Der neunjährige Louis aus Eisenach wünschte sich keine Geschenke, sondern Weihnachtspost. Also hat er sich auf sein Motorrad geschwungen und ist in den vergangenen Tagen in verschiedene Schulen und Kindereinrichtungen gefahren, um für die Aktion Werbung zu machen.
In den Grundschulen in Holdenstedt und Allstedt, in den Kindergärten in Emseloh und Holdenstedt und auch im „Tausendfühler“ in Sangerhausen - überall haben die Kinder für Louis Bilder gemalt und ihm fröhliche Weihnachtswünsche aufgeschrieben - und Thomas Fulczyk hat die Post bei ihnen abgeholt, um sie an das Kinderhospiz zu schicken.
Die Tour als Weihnachtsmann auf dem Motorrad hatte er in diesem Jahr ohne hingeplant - einfach, um Kindern damit eine Freude zu machen. Extra dafür hatte er sein Motorrad nicht nur für die klassische Zweiradsaison, sondern fürs ganze Jahr angemeldet und versichert.
„Ich helfe gern“, sagt der Beyernaumburger, der sich auch gar nicht selbst bei der MZ gemeldet hatte. Sein Motorrad-Kumpel Thomas Thiele war es, der den bikenden Weihnachtsmann geoutet und auf seine Tour in der Vorweihnachtszeit hingewiesen hat.
Wenn der Weihnachtsmann ins Visier der Polizei gerät
Allerdings gibt es auch weniger erfreuliche Geschichten. In Sachsen wurde ein betrunkener Mann im Weihnachtsmannkostüm auf einem Moped ohne Kennzeichen von der Polizei gestoppt. Der 46-Jährige hatte 1,56 Promille im Blut und keine Versicherung für sein Moped. Er musste sich wegen Trunkenheit im Straßenverkehr und eines Verstoßes gegen das Pflichtversicherungsgesetz verantworten.
Auch in Paris gab es eine ungewöhnliche Begebenheit: Der Youtuber Chris RS, als Weihnachtsmann verkleidet, verfolgte auf seinem Motorrad eine Autofahrerin, die einen Passanten angefahren hatte. Er machte die Beamten auf die Frau aufmerksam und bat sie um Hilfe.
Der Geist der Weihnacht auf zwei Rädern
Es gibt auch mysteriösere Geschichten, wie die von dem "Weihnachtsmoped" in der Nähe von Bernburg/Saale. Ein Beobachter spürte eine besondere weihnachtliche Atmosphäre und entdeckte ein altes Simson Moped vom Typ SR2. Er vermutete, dass jemand auf diese Weise Kindern und Bedürftigen Gaben bringt. Die Geschichte erinnert an Knecht Ruprecht, der in dieser Region seinen Ursprung haben soll.
Fazit
Die Geschichten vom Weihnachtsmann auf Moped zeigen, dass die Figur des Weihnachtsmanns vielfältig interpretiert werden kann. Ob als Wohltäter, Helfer in Not oder einfach als jemand, der Freude verbreiten möchte - der Geist der Weihnacht lebt in vielen Menschen, die bereit sind, sich auf ungewöhnliche Weise zu engagieren.
| Name | Ort | Fahrzeug | Motivation |
|---|---|---|---|
| Martin Hünting | Bocholt | Trike | Freude verbreiten, Benefiz-Touren |
| Thomas Fulczyk | Beyernaumburg | Motorrad | Kranken Kindern helfen |
| Chris RS | Paris | Motorrad | Unfallflüchtige verfolgen |
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