Die ersten warmen Tage haben viele Motorräder aus dem Winterschlaf geweckt. Scheint die Sonne und die Straßen sind trocken, mag so mancher auf zwei Rädern zu viel Gas geben. Geschwindigkeitsbeschränkungen gelten für Motorräder genauso wie für Autos. Wer zu schnell unterwegs ist, muss mit einem Bußgeld rechnen.
Grundsätzlich machen Blitzer keinen Unterschied zwischen Auto und Motorrad - was zu schnell unterwegs ist, wird erfasst. Problematisch für die Behörden ist demnach nicht die Fahrzeugart, sondern die Identifizierung der Fahrer.
Motorradfahrer sind auf Blitzerbildern oft nicht eindeutig zu erkennen. Zum einen gibt es vorn kein Kfz-Kennzeichen, zum anderen ist das Gesicht im Regelfall durch den Motorradhelm verdeckt. Es ist dennoch möglich, zu schnell fahrende Motorradfahrer zu ermitteln.
Fahrerhaftung und Identifizierung
In Deutschland gilt bei vielen Ordnungswidrigkeiten im Straßenverkehr die sogenannte Fahrerhaftung - belangt wird somit der Fahrer, nicht der Halter des Fahrzeugs. Das trifft auch auf Geschwindigkeitsüberschreitungen zu. Voraussetzung für eine Ahndung ist jedoch, dass der Fahrer eindeutig identifiziert wird.
Bei Motorradfahrern ist die Identifikation des Fahrers aber gleich aus zwei Gründen schwierig. Durch den Motorradhelm ist der Fahrer auf einem Blitzerfoto häufig nicht zu erkennen. Vielen Messverfahren ist gemein, dass die Messung tatsächlich von vorne erfolgt. Bei Motorradfahrern bedeutet dies, dass das Kennzeichen am Heck nicht erkennbar ist. Entsprechend kann der Halter bzw. der Fahrer nicht so einfach ermittelt werden.
Allerdings hat der Halter in Deutschland eine gewisse Mitwirkungspflicht. Kann er nicht als Fahrer identifiziert werden, soll er Auskunft über die Person geben, die zur Tatzeit das Fahrzeug genutzt hat. Tut er dies nicht, kann ihm bei schwereren Verstößen eine Fahrtenbuchauflage drohen.
Wie werden Motorradfahrer identifiziert?
Die Polizei hat diverse andere Techniken und Hilfsmittel entwickelt, um Motorradfahrer identifizierbar zu blitzen. Auch wenn das Gesicht durch den Helm meist nicht gut erkennbar ist, so ist eine Identifizierung teilweise aber doch möglich. Außerdem kann auf dem Motorrad die Statur des Fahrers recht genau erkannt werden. Dies ist im Auto eher selten der Fall.
Der sicherste Weg, rasende Motorradfahrer zu schnappen, ist die Messung mit anschließendem Polizeiposten. Bei Lasermessungen misst ein Polizeibeamter mit einer Laserpistole und meldet den Flitzer an seine Kollegen. Diese warten ein Stück weiter die Straße runter und fischen den betroffenen Motorradfahrer aus dem Verkehr. Gerade an beliebten Motorradstrecken sollten Biker mit dieser Möglichkeit rechnen.
Methoden zur Identifizierung
- Fahndungen nach dem Motorrad in Kombination mit der Motorradjacke
- Erkennen von Kratzern im Lack
- Hausdurchsuchungen, um das Motorrad zu finden
- Mobile Blitzer, die von vorn und von hinten blitzen
Werden Geschwindigkeitsbeschränkungen an bestimmten Stellen mehrmals missachtet, sollten sich Motorradfahrer keinesfalls in Sicherheit wiegen, nur weil ihr Helm beispielsweise ein verspiegeltes Visier aufweist und sie auf Blitzerfotos nicht identifiziert werden können oder stationäre Blitzer lediglich von vorne Aufnahmen machen und deshalb das Kennzeichen auf Fotos fehlt.
Nicht selten werden gezielt mobile Messungen an strategisch cleveren Stellen durchgeführt, um „Wiederholungstäter“ anhand von Individualmerkmalen wie Motorrad-Modell, Helm oder Schutzkleidung zu erkennen und zur Verantwortung zu ziehen. Diejenigen, die dann erwischt werden, dürfen von Behörden für vorangegangene Verstöße belangt werden, solange diese nicht verjährt sind.
Welche Blitzer erfassen Motorräder?
Es gibt aber einige Blitzer, die auch ein Motorradfahrer sofort identifizierbar machen. Dazu gehören mobile Blitzer sowie Blitzer, die von vorn und von hinten blitzen.
So gibt es Messanlagen, die neben einem Frontfoto auch ein Foto des Hecks fertigen. Über das so erkennbare Kennzeichen kann die Behörde den Halter ermitteln. Damit hat sie zwar noch nicht den Fahrer am Haken. Allerdings engt sich der Personenkreis deutlich ein. Auch dürfen Sie nicht vergessen, dass es in der Regel weniger Motorräder des gleichen Typs in einem Zulassungsbezirk gibt, als Autos.
Auch die Blitzer-Säulen „Poliscan Speed“ von Vitronic können Motorräder von hinten ablichten und die Ahndung von Geschwindigkeitsüberschreitungen erleichtern.
Fahrtenbuchauflage
Kann der Halter eines geblitzten Motorrads über das Kennzeichen ermittelt werden, der Fahrer jedoch nicht, darf Fahrzeughaltern ein Fahrtenbuch auferlegt werden. Diese sogenannte Fahrtenbuchauflage ist immer dann möglich, wenn Behörden einen Fahrer innerhalb der Verjährungsfrist von drei Monaten nicht identifizieren können.
Die Pflicht zum Führen eines Fahrtenbuchs ist mit reichlich Aufwand zum Dokumentieren von Fahrten verbunden.
Sanktionen
Hinsichtlich der Geldbußen für zu schnelles Fahren gibt es zwischen Auto- und Motorradfahrern keinen Unterschied - alle werden gleichberechtigt behandelt und müssen mit identischen Sanktionen rechnen. Außerorts werden bei einer Überschreitung des Tempolimits von 20 km/h 60 Euro fällig.
Sollten Sie dabei geblitzt und identifiziert worden sein, müssen Sie mit einem Bußgeldbescheid und - je nach Maß des Verstoßes - eventuell auch mit Punkten in Flensburg oder einem Fahrverbot rechnen. Bei Geschwindigkeitsverstößen wird generell zwischen den Kategorien „außerorts“ und „innerorts“ unterschieden. Je nachdem, wie viel zu schnell Sie gefahren sind, liegt das Bußgeld dann zwischen 10 und 680 Euro.
Gut zu wissen: Bei jeder Geschwindigkeitsmessung durch einen Blitzer erfolgt ein Toleranzabzug, um etwaige Messungenauigkeiten auszugleichen. Lag das Tempo unter 100 km/h, werden 3 km/h vom Messwert abgezogen.
Bußgelder für Geschwindigkeitsüberschreitungen (Auszug)
Die folgende Tabelle zeigt einen Auszug aus dem Bußgeldkatalog für Geschwindigkeitsüberschreitungen:
| Verstoß | Bußgeld | Punkte | Fahrverbot |
|---|---|---|---|
| Überschreitung bis 10 km/h | Ab 10 € | 0 | Nein |
| Überschreitung 11-15 km/h | Ab 20 € | 0 | Nein |
| Überschreitung 16-20 km/h | Ab 30 € | 0 | Nein |
| Überschreitung 21-25 km/h | Ab 70 € | 1 | Nein |
| Überschreitung 26-30 km/h | Ab 80 € | 1 | Nein |
Alle weiteren Änderungen nach dem neuen Bußgeldkatalog (gültig seit 9. November 2021) können Sie im Bundesgesetzblatt nachvollziehen (Bundesgesetzblatt Teil 1 Nr.
Einspruch gegen Bußgeldbescheid
Erhalten Sie einen Bußgeldbescheid, weil Sie mit dem Motorrad geblitzt wurden, können Sie gegen diesen binnen zwei Wochen nach dem Erhalt einen schriftlichen Einspruch einlegen. Allerdings kann es sich durchaus lohnen, einen Rechtsbeistand mit dem Einspruch zu betrauen. Dieser kann die Erfolgschancen verlässlich einschätzen und ggf. Akteneinsicht beantragen.
Haben Sie einen Bußgeldbescheid erhalten, weil Sie mit dem Motorrad von einem Blitzer erwischt worden sind, können Sie binnen 14 Tagen einen Einspruch gegen selbigen einlegen. Diesen müssen Sie schriftlich an die zuständige Bußgeldstelle richten.
Selbst wenn der Halter des Motorrads herauszufinden und auch der Fahrer zu identifizieren ist, heißt das noch nicht, dass auch gezahlt werden muss. Messfehler und andere Gründe können eine Strafe verhindern. Hierzu lohnt die Kontaktaufnahme mit einer Anwältin oder einem Anwalt. Verkehrsrechtsexperten in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Letztlich sollte jeder Motorradfan sich natürlich auch im Eigeninteresse an die vorgegebenen Geschwindigkeitsbeschränkungen halten.
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