Als Teil des Kettengetriebes übernimmt die Fahrradkette die Aufgabe der Kraftübertragung auf das Antriebsrad. Jeder Biketyp hat unterschiedliche Ansprüche an die Eigenschaften seiner Fahrradkette. Diese hängen von der Art der Schaltung sowie den gewünschten individuellen Eigenschaften der Kette ab. Im Gegensatz zu Fahrrädern mit Single-Speed Antrieb oder Nabenschaltung ist bei Kettenschaltungen die Breite der Kette durch den Abstand der Ritzel begrenzt.
Arten von Fahrradketten
Man unterscheidet zwei Schaltungsvarianten: Kettenschaltungen und Nabenschaltungen. Kettenschaltungen sind am meisten verbreitet, und man erkennt sie am nach unten hängenden Schaltwerk und dem Ritzelpaket am Hinterrad. Nabenschaltungen besitzen hingegen ein Getriebe im Inneren der Nabe, und die Kette läuft hinten über ein einzelnes Ritzel.
An Fahrrädern mit Nabenschaltung und an so genannten Singlespeed-Bikes (ganz ohne Gangschaltung) muss die Kette hingegen nur sehr selten getauscht werden. Bei diesen Antrieben verlaufen die Ketten stets in gerader Linie zwischen Kurbel und Hinterrad, deshalb können sie breit und stabil gebaut werden.
Im Gegensatz dazu strapazieren Kettenschaltungen die Kette sehr stark. Zum Beispiel wird sie bei Schaltvorgängen seitlich verwunden, weil sie von Ritzel zu Ritzel klettern muss. Außerdem läuft die Kette, je nach genutztem Ritzel, nur selten in gerader Linie nach vorne zum Kettenblatt. Hinzu kommen Verschmutzung und Wettereinflüsse, besonders bei Mountainbikes.
Eigenschaften von Fahrradketten
Fahrradketten haben eine aus zwei Maßen bestehende Kennzeichnung, welche in Zoll angegeben werden. Das erste Maß bezeichnet die die Läge des einzelnen Kettenglieds, also den Abstand von Gelenk zu Gelenk. Dieses auch Kettenteilung genannte Maß beträgt bei den heute üblichen Ketten meist 1/2". Im Folgenden werden die wichtigsten Größen einer Fahrradkette erläutert:
- Teilung (Pin-zu-Pin): Der Abstand von einem Pin zum nächsten Pin, üblicherweise 1/2 Zoll (ca. 12,7 mm).
- Innenbreite: Der Abstand zwischen den inneren Laschen der Kette.
- Außenbreite (Pin-Breite): Die Gesamtbreite der Kette, gemessen von Außenlasche zu Außenlasche.
- Gesamtlänge (Anzahl Kettenglieder): Die Gesamtlänge der Kette, die je nach Fahrradmodell variieren kann.
Messung der Fahrradkette
Es kann schon sinnvoll sein, darüber Bescheid zu wissen, welche Größen an der Fahrradkette relevant sind. Wie stelle ich etwa fest, ob ich es mit einer richtig normierten Fahrradkette zu tun habe? Durch das Messen der Fahrradkette lässt sich außerdem mit eindeutiger Klarheit feststellen, zu welchem Fahrrad sie passt.
Innenbreite
Klassischerweise gibt man bei Fahrradketten immer die Innenbreite (in Zoll) mit an. Diese misst man, indem man die Pinlänge misst, dabei aber sowohl die Außenlasche als auch die Innenlasche nicht mitmisst. Also quasi nur der Teil des Pins, der unbedeckt ist. Desto höher die Kettenschaltung, desto kleiner die Innenbreite, da die Kette schmaler und flexibler sein muss.
Außenbreite (Pin-Breite)
Wenn es um die Frage geht, ob man eine 9-, 10-, 11- oder 12-fach-Kette hat, muss man auch die Außenbreite (bzw. die vollständige Pin-Breite) ausmessen. Die Außenbreite wird bei Fahrradketten klassischerweise nicht mit angegeben - denn sie ist eben nur relevant geworden, weil man für 10-, 11- und 12-fach Kettenschaltungen noch schmalere und flexiblere Ketten entwickeln musste. Die Außenbreite misst man, indem man von Außenlasche zu Außenlasche misst.
Fahrradkette Größen Tabelle
Hier ist eine Tabelle mit den typischen Maßen für verschiedene Fahrradschaltungen:
| Bezeichnung | Teilung | Innenbreite | Außenbreite | Fahrradschaltung |
|---|---|---|---|---|
| 1/2″ x 11/128″ | 1/2″ (~12,7mm) | 11/128″ (~2,2mm) | <5,6mm | Kettenschaltung mit 12 Ritzel |
| 1/2″ x 11/128″ | 1/2″ (~12,7mm) | 11/128″ (~2,2mm) | ~5,6mm | Kettenschaltung mit 11 Ritzel |
| 1/2″ x 11/128″ | 1/2″ (~12,7mm) | 11/128″ (~2,2mm) | ~6mm | Kettenschaltung mit 10 Ritzel |
| 1/2″ x 11/128″ | 1/2″ (~12,7mm) | 11/128″ (~2,2mm) | ~6,5mm - 7mm | Kettenschaltung mit 9 Ritzel |
| 1/2” x 3/32” | 1/2″ (~12,7mm) | 3/32” (~2,4mm) | ~7mm - 8mm | Kettenschaltung mit 5, 6, 7 oder 8 Ritzel |
| 1/2” x 1/8” | 1/2″ (~12,7mm) | 1/8” (~3,2mm) | ~9mm | Singlespeed, Fixie, Nabenschaltung |
Wann sollte ich die Fahrradkette wechseln?
Allein anhand der gefahrenen Kilometer lässt sich das nicht beantworten. Hier spielen viele Faktoren eine Rolle, etwa der Einsatzbereich des Bikes und die Witterung. Bei hochwertigen Fahrrädern lohnt sich der Kauf einer sogenannten Kettenmesslehre oder Verschleißlehre. Mit ihr lässt sich exakt prüfen, ob die Kette schon zu stark geweitet ist.
Für den Hausgebrauch gibt es noch eine andere Methode. Schalte dazu auf das größte Kettenblatt. Kannst du die Kette an der Vorderseite, an der sie voll aufliegt, um drei Millimeter oder mehr abheben? Dann wird es Zeit für einen Austausch. Höchste Zeit ist es, falls die Kette schon rutscht. Solange solltest du jedoch nicht warten, da eine rutschende Kette weitere Teile verschleißt oder beschädigt.
Die richtige Kette auswählen
Für die Wahl der richtigen Kette ist die Anzahl der Ritzel am Hinterrad der entscheidende Faktor. Unabhängig davon, wie viele Kettenblätter vorne an der Kurbel rotieren. Grund: Je mehr Ritzel dort sitzen, desto enger müssen sie zusammenrücken. Mit zunehmender Anzahl der Ritzel muss die Kette also schmaler gefertigt sein, damit ihre Laschen reibungslos durch die Zwischenräume laufen.
Wenn dein Bike eine Schaltung eines dieser beiden Hersteller besitzt, solltest du beim Tausch auch eine Kette des entsprechenden Brands wählen. Dann harmoniert der Antrieb perfekt. Wir empfehlen, eine (neue) Kette grundsätzlich mit einem Kettenschloss zu verschließen. Das ist eine saubere, stabile und einfache Methode, im Gegensatz zum Vernieten.
Kettenpflege und Wartung
Ständige Optimierung und moderne High-Tech Materialien ermöglichen Wirkungsgrade von 99%, allerdings nur unter idealen Bedingungen. Durch schlechte Schmierung, Schräglauf oder hohen Verschleiß, kann der Wirkungsgrad der Kette schnell auf einen Wert von unter 95% sinken, was die Gesamtperformance des Bikes merklich beeinflusst.
Die richtige Pflege der Kette ist nach wie vor reine Handarbeit. Eine Reinigung mit dem Hochdruckreiniger würde den Schmierfilm zwischen den Kettengliedern zerstören und sich somit negativ auf den Leichtlauf wie auch die Haltbarkeit der Kette auswirken.
Reinigungsschritte
- Kette und Kassette mit einem Tuch reinigen: Erst den gröbsten Dreck abwischen und dann die Kette von allen Seiten mit dem Tuch gründlich reinigen. Bei Verwendung von Rost und Schmutzlösemittel, sollten diese nur auf das Tuch aufgetragen werden, um den inneren Schmierfilm der Kette nicht zu beeinträchtigen. Die Kassette und das Kettenblatt ebenfalls gründlich reinigen.
- Kettenglieder und Ritzel mit der Zahnbürste reinigen: Da sich Schmutz vorwiegend in den Kettengliedern ansammelt, sollte hier mit einer alten Zahnbürste gründlich geschrubbt werden.
- Kette schmieren: Nach der intensiven Reinigung muss die Kette wieder neu geschmiert werden. Das Schmiermittel in kleinen Mengen auf die Kette auftragen, da zu viel oder zu dünnflüssiges Schmiermittel die Kettengelenke auswaschen kann, was zu einer unzureichenden Schmierung führt. Die Kette danach mit einem sauberen Tuch von außen anhaftenden Schmiermittelrückständen befreien.
Schmiermittel
Bei den Schmiermitteln unterscheidet man zwischen Ölhaltigen und Ölfreien:
- Ölhaltige Schmiermittel: Ölhaltige Schmiermittel gibt es in verschiedensten Viskositäten von Dünn- bis Zähflüssig. Je dünnflüssiger ein Öl ist, desto besser gelangt es in die Ritzen zwischen den Kettengliedern und desto weniger Schmutz bleibt an der Kette haften. Allerdings werden Dünnflüssige Öle schnell von Regen ausgewaschen, was ein Nachschmieren nach jeder Regenfahrt erfordert. Zudem sind alle Öle sehr klebrig, wodurch Schmutz sehr leicht anhaftet.
- Ölfreie Schmiermittel: Hierbei werden hauptsächlich Silikone oder Teflon zur Schmierung verwendet. Diese Schmierstoffe sind nicht klebrig, werden aber von Regen sehr schnell ausgewaschen.
Kettenverschleiß messen
Wenn man über das Messen von Fahrradketten spricht, meint man aber auch oft eigentlich das Messen von Kettenverschleiß. Dabei geht es meistens um die Frage, ob es bei einer Kette einen erheblichen Verschleiß gibt. Dies würde bedeuten, dass man sich schleunigst eine neue Kette besorgen sollte - sonst überträgt sich der Verschleiß nach und nach auf die Zähne von Ritzel und Kettenblatt (da sich Ritzel und Kettenblatt an die verschlissene Kette anpassen).
Der Kettenverschleiß sollte regelmäßig mittels eines Messschiebers oder einer geeigneten Kettenlehre überprüft werden. Die Hauptursache des Kettenverschleiß sind mechanische Belastungen durch Reibung und der Schräglauf bei Kettenschaltungen. Die Nutzung von kleinen Ritzeln sowie die Abrasionswirkung von anhaftendem Schmutz fördern den Verschleiß ebenso wie der bei Kettenschaltungen unvermeidliche Schräglauf.
Kettenreaktion - Unsere Montage Tipps
Vorbereitung zur Montage: Prüfe, ob bei der neuen Kette eine bestimmte Laufrichtung vorgegeben ist. Das ist zum Beispiel bei vielen Shimano Ketten der Fall. Lege dein Werkzeug parat: Flach- oder Spitzzange, Kettennieter, je nach Typ Kettenschloss (Shimano, Sram) oder Nietstift (Shimano teilweise), und Kettenschloss-Zange (falls vorhanden). Hilfreich ist noch eine Speiche, die man sich als Haken zurecht biegt.
Das Kürzen der Kette braucht man nicht komplizierter zu machen, als es ist. Wichtigster Punkt: Die Kette muss lang genug sein, um (gleichzeitig) das große Kettenblatt vorne und das größte Ritzel hinten problemlos zu umschlingen. Dazu legt man die neue Kette von oben her über diese Ritzel-Konstellation, fädelt sie durch den Schaltkäfig, und zieht sie unten so straff zusammen, dass der Schaltkäfig etwa einen 45-Grad-Winkel beschreibt. Die genannte Haken-Speiche erleichtert diesen Vorgang enorm.
Achtung! Vor dem Abtrennen des Glieder-Überhangs musst du dich vergewissern, dass die beiden verbleibenden Enden zur gewählten Verschließmethode passen. Bei Verwendung eines Kettenschlosses müssen zwei Innenlaschen stehen bleiben. Bei Verwendung eines Nietstiftes (nur Shimano!) muss es eine Innen- und eine Außenlasche sein. Im Zweifel lieber ein Glied als Längenreserve dazugeben, dann bist du auf der sicheren Seite.
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