Fahrradreifen im Winter: Mehr Sicherheit auf Eis und Schnee

Spezielle Winterreifen für Fahrräder versprechen den Bikern mehr Sicherheit bei Eis und Schnee. Doch lohnt sich der Wechsel wirklich? Die Zeiten, als Fahrräder nur dafür genutzt wurden, um mal bei schönem Wetter in den Biergarten zu radeln, sind längst vorbei.

Inzwischen sind Fahrräder mit und ohne Motor echte Alltagsgeräte, die von vielen Bikern und Bikerinnen z.B. komfortabel unterwegs sein wollen. Der Winter stellt mit lockerem und festgefahrenem Schnee, Schneematsch, Eis und Reifglätte die größten Herausforderungen an die Ganzjahresfahrenden dar. Denn die generellen Stabilitätsgrenzen des einspurigen Fahrrads machen auf allen Untergründen ein Minimum an Grip erforderlich.

Spezielle Winterreifen für Bikes - ohne oder mit für Fahrräder erlaubten Spikes - versprechen, die Grenze für diesen minimalen Grip zumindest geringfügig zu verschieben. Im Test mit dabei war auch ein modulares Reifenmodell, das erlaubte, über den Standardmantel mit Sommereignung einen zweiten Winterreifenmantel mit Spikes aufzuziehen. Dieser zusätzliche "Überzug" wird seitlich mit umlaufenden Reißverschlüssen in der Nähe der Felgenhörner fixiert.

Winterreifen im Test: TCS und ADAC prüfen Fahrradreifen

Der Touring Club Schweiz (TCS) hat gemein­sam mit dem ADAC vier Winterreifen mit und fünf ohne Spikes geprüft. Viele der getesteten Modelle sind auch in Deutsch­land erhältlich. Die Tester wollten wissen: Wie gut eignen sich die Fahr­rad-Winterreifen für Fahrten auf Eis, Schnee und Asphalt? Alle fünf Reifen aus dem Test von TCS und ADAC bieten auf Schnee und Schnee­matsch deutlicher mehr Grip als die Referenz-Reifen fürs Fahr­rad.

Testergebnisse und Empfehlungen

Continental Top Contact Winter (rund 53 Euro) ist der Testsieger von TCS und ADAC und sehr empfehlens­wert für Schnee. Etwas mehr Halt bieten nur Modelle mit Spikes. Auf vereisten Flächen kommen aber auch herkömm­liche Fahr­rad-Winterreifen an ihre Grenzen. Im Test von TCS und ADAC zeigte sich klar: Reifen mit Spikes bieten auf Eis noch einen deutlich besseren „Grip“ als die Winterreifen ohne Spikes. Auf Schnee waren sie ähnlich gut.

Ganz vorn liegen Continental Contact Spike 240 (Preis pro Reifen: rund 40 Euro) und Kenda Klondike Skinny (rund 35 Euro). Sie eignen sich laut TCS und ADAC hervorragend für die Fahrt auf Schnee, haben aber deutliche Nachteile auf Asphalt. Dasselbe gilt für den Schwalbe Marathon Winter Plus (rund 40 Euro), der auf Eis etwas schlechter abschneidet und auf Asphalt ebenfalls laut und wenig komfortabel rollt.

Ganz anders der Retyre Winter Traveler Skin (56 Euro pro Über­zug) - der Testsieger von TCS und ADAC. Der grobs­tollige Über­zug mit Spikes lässt sich per Reiß­verschluss bei Bedarf über den Stan­dard-Straßenreifen ziehen.

Details zu den getesteten Reifenmodellen

Hier eine Übersicht über einige der im Test erwähnten Reifenmodelle:

Reifenmodell Preis (ca.) Eignung
Continental Top Contact Winter 53 Euro Schnee
Continental Contact Spike 240 40 Euro Eis und Schnee
Kenda Klondike Skinny 35 Euro Eis und Schnee
Schwalbe Marathon Winter Plus 40 Euro Eis und Schnee (Nachteile auf Asphalt)
Retyre Winter Traveler Skin 56 Euro (Überzug) Flexibel, je nach Bedarf

Vor- und Nachteile von Winterreifen mit Spikes

Vorteile:
  • Hervorragender Grip auf Eis und Schnee
  • Erhöhte Sicherheit bei winterlichen Bedingungen
Nachteile:
  • Höherer Rollwiderstand auf trockenen Straßen
  • Lautere Geräuschentwicklung auf Asphalt
  • Höherer Preis

Tipps für sicheres Radfahren im Winter

Die einfachste Maßnahme, das Rad fit für winterliche Straßen zu machen: den Reifen­druck des Stan­dard-Reifens auf ein Minimum zu reduzieren. Dadurch erhält der Reifen eine breitere Auflagefläche und wird spür­bar griffiger. Auf blankem Eis ist es besser, aufs Lenken und Bremsen zu verzichten. Ausrollen lassen.

Radeln in der dunklen Jahres­zeit ist nicht ohne Gefahren. Wenn Sie sich auch bei guten Sicht- und Witterungs­verhält­nissen auf dem Fahr­rad nicht sicher fühlen, sollten Sie es bei Glätte und Schnee lieber stehen lassen. Kein Risiko eingehen. Stellen Sie den Sattel so ein, dass Sie die Füße problemlos auf den Boden stellen können. Sattelhöhe anpassen.

Bei Schnee und Glätte ist es empfehlens­wert, erst einmal auszutesten, wie sich das Rad verhält und wie gut die Reifen am Boden haften, sprich: wie viel „Grip“ sie haben. Mit Bedacht bremsen. Während der Fahrt sollten Sie vor allem die Hinterradbremse verwenden. In glatten Kurven am besten gar nicht bremsen, da das Rad sonst wegrutschen könnte.

Groß­flächig blankes Eis macht eine sichere und kontrollierte Fahrt nahezu unmöglich. Eis meiden. Eigentlich müssen inner­orts „verkehrs­wichtige“ Radwege geräumt werden. Passiert das nicht, ist die Benut­zung gefähr­lich für Radlerinnen und Radler. Sie dürfen daher auf die Straße ausweichen. Abstand halten.

Weitere sicherheitsrelevante Aspekte

  • Fahrradbeleuchtung: Bei schlechten Sicht­verhält­nissen ist eine funk­tions­üchtige Fahr­radbeleuchtung ganz­jährig ein Muss.
  • Akku: Denken Sie daran, dass Akku-Leuchten bei Kälte oft eine verkürzte Leucht­dauer haben.
  • Kleidung: Es lohnt sich, nicht nur das Rad, sondern auch sich selbst gut sicht­bar zu machen: durch reflektierende Elemente an Taschen, Jacken oder am Hosen­bein.

Je nach Modell können Elektromotoren zeit­verzögert reagieren. Bei Glätte kann das gefähr­lich werden. Deshalb mit einem E-Bike generell vorsichtig fahren und die Motor­unterstüt­zung behut­sam einsetzen - besser eine kleine Unterstüt­zungs­stufe wählen. Zusätzliches Risiko birgt auch das recht hohe Gewicht der Elektroräder. Damit ist die Gefahr größer, in der Kurve wegzurutschen. Außerdem verlängern sich Brems­wege.

Pflege von E-Bike Akkus im Winter

  • Drinnen aufbewahren: Die Akkus sind in einer frost­freien Umge­bung am besten aufgehoben.
  • Unterwegs warm halten: Hat der Akku bei Abfahrt Zimmertemperatur, machen ihm Fahrten bei Frost nichts aus.
  • Nie kalt laden: Sind die E-Bike-Akkus kalt, können sie beim Laden Schaden nehmen.

Wartung und Pflege des Fahrrads im Winter

Wer im Winter öfter mit dem Fahr­rad unterwegs ist, sollte sich auch Zeit für dessen Wartung und Pflege nehmen. Am besten steht das Fahr­rad trocken, vor Regen und Schnee geschützt. Noch besser: Nach der winterlichen Ausfahrt das Rad mit warmem Wasser, etwas Hand­geschirr­spül­mittel und einem groben Schwamm reinigen und anschließend mit einem Lappen trocknen.

  • Bremsen prüfen: War das Rad im Freien geparkt, sollten Sie vor der nächsten Fahrt unbe­dingt die Bremsen testen.
  • Brems­beläge checken: Bei der Fahr­radwartung regel­mäßig kontrollieren, ob noch genügend Belag vorhanden ist.
  • Bewegliche Teile fetten: Die Fahr­radkette kann schnell Rost ansetzen. Deshalb nach der Fahrt mit einem alten Lappen Dreck und Feuchtig­keit von der Kette entfernen und ihr anschließend mit Kettenöl einen neuen Schutz­film verpassen.

Die richtige Wahl für unterschiedliche Fahrertypen

Die richtige Wahl für: Radelnde, die ab und an auf verschneiten Wegen fahren. Der Ganz­jahres­reifen Schwalbe Marathon GT 365 (Preis pro Reifen: rund 30 Euro) machte insgesamt einen guten Eindruck, vor allem auf Schnee, hat aber ein hohes Gewicht.

Auf lockerem oder festgefahrenem Schnee sowie Schneematsch bieten Winterreifen im Vergleich zu reinen Sommerreifen deutliche Vorteile bei Grip und Traktion. Dies wird vorrangig beim Bremsen deutlich. Auf festen Untergründen ohne winterliche Beläge unterscheiden sich die Sommer- und Winterreifen nur wenig.

Wer überwiegend oder mehrheitlich auf lockerem oder festgefahrenem Schnee und kleinen Eisflächen oder einer Mischung aus diesen Elementen unterwegs ist, wird mit Spike-Winterreifen am besten zurechtkommen. Fahrten auf großflächig blankem Eis (z.B. Blitzeis, Regen auf durchgefrorenem festen Belag) sollten mit allen Bereifungsarten im öffentlichen Straßenverkehr vermieden werden. Fast alle Fahrmanöver bergen das Risiko von Stürzen mit unkalkulierbaren Folgen.

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