Carbon- und Aerolaufräder sind der Upgrade-Traum vieler Roadies, doch was bleibt nach Abzug der Marketingversprechen übrig? Kaum ein anderes Update verspricht so viel wie ein Satz begehrter Laufräder. Doch auch keine anderen Komponenten kosten so viel. Die Entscheidung zum Kauf der knapp 7.000 € teuren Lightweight Obermayer EVO treffen wohl die wenigsten von uns mal nebenbei.
Welcher Laufradsatz ist also der richtige und wie groß sind die Unterschiede? Ist teuer auch immer besser? Wir hatten die elf spannendsten und einzigartigsten Modelle im Laufrad-Test, waren auf der lokalen Feierabendrunde und fernen Anstiegen unterwegs und haben die Räder auf Herz und Nieren getestet. Doch gerade bei dem Performance-Upgrade schlechthin sind Zahlen und Fakten ebenso wichtig.
Das Testfeld
Im Laufrad-Test sind alle großen und wichtigen Hersteller vertreten. Von Carbon-Pionieren wie Lightweight, absoluten Klassikern wie Mavic und DT Swiss über etablierte Hausmarken der großen Bike-Hersteller zu den neuesten Playern in der Laufradwelt. Treu dem GRAN FONDO Motto haben wir die begehrtesten und vielversprechendsten sowie Mythen-umrankte Laufräder am Start. Bei uns messen sich Weightweenie-Träume mit Performance-Monstern, 60-mm-Aero-Felgen mit Allround-Endurance-Laufrädern und Allrounder mit Spezialisten. Das heißt, wir vereinen die begehrtesten und bekanntesten Laufräder mit Performance-Anspruch.
Testkriterien
Wir testen Laufräder im „Allround”-Segment, heißt: Räder mit Aero-Anspruch, aber ohne das Gewicht zu vernachlässigen. In diesen Bereich fallen Laufräder, die sowohl auf schnellen, flachen Strecken als auch in den Bergen die richtige Wahl sind. Also keine 80-mm-Carbon-Bomber oder extreme Kletter-Spezialisten. Weil alle getesteten Wheels für moderne Reifen, ob tubeless oder nicht, geeignet sein sollen, achten wir auf modern gewählte Felgenbreiten und Maulweiten.
Ebenfalls zur Felge gesellt sich das aktuell heiß diskutierte Hookless-Thema. In unserem Testfeld sind hakenlose sowie klassisch behakte Modelle vertreten. Und - Achtung Spoiler - einige der Hookless-Modelle sind ganz vorn mit dabei. Und so ergibt sich ein spannendes und gleichzeitig polarisierendes Testfeld. Wir haben die leichtesten und schnellsten Allrounder und die angesagtesten Modelle im Laufrad-Test. Und auch beim Preis zeigt sich die Diversität, zugegeben: Wirkliche Schnäppchen sind nicht vertreten.
Laufräder bestimmen das Fahrgefühl und Feeling des Bikes wie kein anderes Bauteil am Rad. Und daher findet unser Test nicht nur im Windkanal statt. Um die Unterschiede im Handling und Fahrgefühl bestimmen zu können, haben wir unter einer Vielzahl an Bedingungen getestet, waren in Südschweden auf der Suche nach den windigsten Crosswind-Passagen, haben in der Provence den Mont Ventoux erklommen und um unser Office herum den heimischen Schwarzwald unsicher gemacht.
Im Back-to-back-Testing haben wir innerhalb kurzer Zeit alle Laufräder mit gleicher Bereifung, auf gleicher Strecke und mit vergleichbaren Wetterbedingungen getestet. Dabei waren alle Laufräder mit Contis GP5000 S TR in 28C und tubeless ausgestattet. Die Compliance der Räder entscheidet viel über den tatsächlichen Einsatzbereich. Ja, Steifigkeit ist nicht gleich Compliance. Ein steifes Laufrad bedeutet vor allem ein reaktives und agiles Rad, das auf Lenkimpulse und Antritte flink reagiert und den Input direkt umsetzt.
Eine Kombination aus Compliance und Steifigkeit, die aber auch stark von individuellen Präferenzen abhängt. Denn je steifer ein Rad desto präziser, aber eben auch unverzeihender fährt sich das Bike. Je tiefer die Felgen werden, desto höher ist die Anfälligkeit bei Seitenwind? So zumindest die Faustformel, doch einige Laufräder haben spezielle Features, um dem entgegenzuwirken. Allround soll auch klettern können, daher wurde jedes Laufrad ausgiebig am Berg getestet.
Windkanaltests
Wir waren mit den Laufrädern in Deutschlands neuestem radsport-spezifischen Windkanal. THE AEROW aus Bad Wörishofen und die Spezialisten von HYCYS haben sich ganz dem Sport verschrieben und standen uns für den Test zur Seite. Getestet wurden dabei alle Laufräder im Bike bei 45 km/h Windgeschwindigkeit und mit angetriebenen Rädern.
Ein aktuelles Canyon Ultimate CFR dient uns als Benchmark für moderne Racebikes. Alle Laufräder wurden mit Continental GP 5000 S TR Reifen in 28 mm Breite und Schläuchen für einen schnelleren Umbau getestet. Der Reifendruck im Test lag bei 5 bar. Zugegeben, vor dem Test hätten wir nicht gedacht, so große Unterschiede zwischen den Laufrädern zu finden. Doch schon während der ersten Meter stellte sich heraus, es gibt zwar Ähnlichkeiten, doch kein Laufrad gleicht dem anderen. Und so zeigen sich auch im Fahrtest unterschiedlichste Charaktere.
So kristallisieren sich beispielsweise die sehr leichten Lightweight Obermayer EVO als absolute Kletter-Freunde heraus. Dank der extrem steifen und leichten Bauweise machen die Räder besonders am Berg absolut Spaß. Kein anderes Laufrad kann da mithalten. Oder das DT Swiss ERC 1100, ein unglaublich ausgeglichenes Laufrad ohne Zicken oder unerwartetem Verhalten. In jeder Situation machen die Räder exakt was man will und braucht.
Auch Carbonspeichen, wie sie an den Rädern der 50-mm-Gang HUNT und CADEX verbaut sind, ergeben ein einzigartiges Fahrgefühl. Durch die hohe Zugfestigkeit der Speichen lässt sich ein steifes Laufrad bauen. Doch wie steht es um die Daten aus dem Windkanal? Hier zeigt sich, wie schnell die Räder wirklich sind und ob die hochlobenden Marketing-Versprechen der Realität entsprechen.
Aerodynamische Messwerte
Erstens: Der Wert der aerodynamischen Belastung, hier angegeben mit Cx*A (aus dem Englischen als CdA-Wert bekannt), gibt an, wie viel Luftwiderstand ein Objekt hat. In unserem Fall bezieht sich dieser Wert auf das Gesamtsystem Fahrrad. Da das Canyon Ultimate CFR, in dem die Laufräder verbaut werden, jedes Mal dasselbe ist, vergleichen wir lediglich die Unterschiede zwischen den Laufrädern.
Zweitens: Die im Radsport beliebte Kennzahl Watt. Beide Werte stellen über die gemessenen Gierwinkel gemittelt eine Vergleichbarkeit zwischen den Laufrädern dar. Außerdem ist der Gierwinkel, aus dem Englischen als Yaw Angle bekannter Anströmwinkel, relevant. Dieser bezeichnet den Winkel, aus dem der Luftstrom auf das zu messende Objekt trifft, in unserem Fall das Bike mit den Testlaufrädern. Welche Winkel in der Realität tatsächlich relevant sind, hängt von vielen Faktoren ab und sorgt selbst unter Experten für viel Diskussion. Klar ist aber, je schneller ihr fahrt, desto flacher wird der Winkel.
Für unseren Test messen wir zwischen +/- 20°, mit Messpunkten alle 2,5°. Zu sehen sind die gemessenen Gierwinkel auf der y-Achse und die gemessenen Cx*A-Werte auf der x-Achse. Dadurch ergibt sich ein Verlauf der Aero-Leistung über die gemessenen Winkel hinweg. Schon mal vorweg: Alle Laufräder im Test funktionieren hinsichtlich der Aerodynamik. Zum Vergleich hatten wir ein Einsteiger-Alu-Laufrad im Windkanal, und im Schnitt lagen die Performance-Laufräder über 12 Watt weiter vorn. Doch auch unter den Laufrädern gibt es klare Unterschiede. Räder mit geringer Felgentiefe wie Mavic und Lightweight schneiden tendenziell am schlechtesten ab. Laufräder mit gemischten Tiefen liegen knapp darüber. Roval und Reserve setzen an Front und Heck auf verschieden profilierte Felgen mit unterschiedlicher Tiefe.
Dabei ist der Gedanke, die Anfälligkeit für Seitenwind an der sensiblen Front zu minimieren und mit einem tiefen Hinterrad für gesteigerte Effizienz und einen höheren Segeleffekt zu sorgen. Und der Gedanke scheint aufzugehen, denn trotz flacherem Vorderrad performen sowohl Roval als auch Reserve besser als die 60 mm tiefen Vision Metron SL. Eine weitere Überraschung ist die sehr gute Performance der Bontrager Aeolus RSL 51 TLR. Denn trotz etwas veraltet wirkender Felgengeometrie funktioniert die Aerodynamik weit besser als bei der Konkurrenz mit gleicher Felgenhöhe. Beachtet man den Verzicht auf tiefe Messerspeichen, wird das Ergebnis umso beachtlicher.
Vermutlich erkauft sich das Bontrager-Entwicklungsteam durch eine vergleichsweise schmale Felge und eine daraus resultierende kleinere Stirnfläche, also durch schmalere Felgen und Reifen, viel Performance bei niedrigen Gierwinkeln.
Die Testsieger
Der Laufrad-Testsieger Syncros Capital SL Aero kann auf ganzer Linie überzeugen. Als modernstes Laufrad mit One-Piece-Konstruktion, innovativen Aero-Reifen und 60 mm Felgen erfüllt es sämtliche Punkte auf unserer Wunschliste mit Bravour. Dazu kommen das geringe Gewicht und ein perfekt ausbalanciertes Fahrgefühl. Ja, die Laufräder sind für Racing gebaut und wollen schnell bewegt werden, und das macht eine herausragende Performance auch umso leichter.
Die Reserve 52|63-Laufräder sind die unangefochtenen Sieger der Herzen. Mit klassischer behakter Felgenkonstruktion, überraschend starker Aero-Performance und einem vielseitigen Fahrgefühl bestechen die Räder durch verlässliche und ausgewogene Leistung in fast jeder Situation. Auch das Gewicht von 1.455 g, zwar etwas schwerer als der Schnitt im Laufrad-Vergleichstest, ist für Räder mit solch hohen Felgentiefen auf einem sehr guten Niveau.
Erkenntnisse aus dem Test
Nach all dem Sichten von Daten und dem Besprechen von Testeindrücken haben sich einige Erkenntnisse besonders herauskristallisiert. Ein paar Punkte und Features haben uns dabei nachträglich überrascht oder die Augen geöffnet. Dazu gesellen sich auch einige Dinge, die wir an unseren nächsten Laufrädern nicht missen wollen.
- Carbonspeichen machen ein steifes Laufrad, was wiederum ein reaktives und agiles Rad bedeutet, meist geht das aber auf Kosten der Compliance. Für Racing und das letzte bisschen Performance zwar die richtige Wahl, doch für die entspannte Wochenendtour etwas zu hart.
- Ein ungebohrtes Felgenbett, wie es Syncros, Lightweight und Mavic bieten, macht selbst den größten Tubeless-Skeptikern richtig Spaß. Ventil rein und schon ist die Felge ready, kein Tape und keine schleichenden Platten.
- Je tiefer die Felge und je mehr Fläche durch breite Speichen, desto mehr Angriffsfläche für den Wind.
- Breitere Reifen bieten dank geringerem Druck mehr Grip und Compliance, das schont auf der großen Fahrt und macht einfach mehr Spaß.
- Im Laufrad-Test hatten wir allerdings keine Probleme, ganz im Gegenteil: Die hakenlosen Räder funktionieren problemlos und teils besser als die behakte Konkurrenz.
- In unserem Fahrtest haben wir von Keramiklager versprechen maximale Effizienz und eine bessere Haltbarkeit, allerdings nichts gemerkt.
Praktisch alle Hersteller bieten eine Garantieverlängerung sowie ein Crash Replacement über die gesetzlichen Ansprüche hinaus. Doch Augen auf bei den Details. Einige Hersteller sind hier sehr konservativ. Auch kleine Unterschiede in der Effizienz lassen sich im Back-to-back-Test herausfahren.
Auch der Preis von über 4.000 € für den Laufrad-Testsieger ist wohl außerhalb des Budgets der meisten von uns. Zwischen den Testkandidaten gab es große Unterschiede, bei einem war sich die Testcrew aber direkt einig: Die Syncros Capital SL Aero sind der verdiente Testsieger. Doch auch die restlichen Kandidaten haben es in sich.
Mit so vielen cleveren Features und eigenen Ansätzen hatten wir schon lange keinen so spannenden Vergleichstest mehr. Auch die durchweg gute Performance spricht für sich und beruhigt angesichts der teils sehr hohen Preise.
Weitere getestete Laufräder
Im Folgenden finden Sie eine Zusammenfassung weiterer getesteter Laufräder, einschließlich ihrer Vor- und Nachteile:
Hunt Sub 50 Limitless UD Carbon Spoke
- Vorteile: Leichtfüßig, schnell, fahrstabil, hohe Beschleunigung, leichtes Abrollen.
- Nachteile: Hinterrad außermittig zentriert, hakenlose Felgen begrenzen Reifenauswahl, lauter Freilauf.
Fulcrum Sharq
- Vorteile: Funktional unauffällig, optisch extravagant, sehr gute Dämpfung mit breiten Reifen, sehr leicht laufende Lager.
- Nachteile: Aufwendigere Reinigung der Felgenoberfläche, auffällige Optik passt nicht an jedes Rad.
Black Inc 28/33
- Vorteile: Leicht, steif, spritzig, agiles Handling.
- Nachteile: Bruch einer Carbon-Speiche nach kurzer Laufleistung, seltsame Herstellerkommunikation.
Scope Cycling Artech 4
- Vorteile: Begeisternd leicht, hohe Fahrstabilität bei Seitenwind.
- Nachteile: Hoher Preis, leichtes Lagerspiel erfordert festes Anziehen der Steckachsen.
DT Swiss ARC 1100 Dicut 38
- Vorteile: Aero, leicht, "segelt" gut, hohe Fahrstabilität.
- Nachteile: Keramiklager liefen rau und schwer, geringe Maulweite.
Newmen Streem Allround Vonoa
- Vorteile: Spritziger Antritt, tolle Kraftübertragung, hohe Lenkpräzision, breite Reifen dämpfen gut, ungewöhnliches Ventilsystem.
- Nachteile: Optisch wohl Geschmackssache.
Die folgende Tabelle fasst die Testergebnisse der Laufräder um 500 Euro zusammen:
| Laufrad | Preis pro Satz | Gewicht v. / h. | Seitensteifigkeit v. / h. | Gesamtnote |
|---|---|---|---|---|
| Aerycs Alutrek | 579 Euro | 761 / 893 Gramm | 51 / 46 N/mm | 2,9 |
| DT Swiss CR 1600 Spline | 559 Euro | 795 / 945 Gramm | 53 / 47 N/mm | 2,8 (Testsieger) |
| Fulcrum Racing 3 | 642 Euro | 776 / 883 Gramm | 49 / 44 N/mm | 3,1 |
| Leeze AC 25 Allroad | 599 Euro | 667 / 775 Gramm | 38 / 32 N/mm | 3,2 |
| Mavic Allroad S | 490 Euro | 836 / 981 Gramm | 56 / 42 N/mm | 3,1 |
| Ritchey Comp Zeta Disc | 426 Euro | 847 / 1000 Gramm | 55 / 48 N/mm | 2,9 |
| Shimano GRX WH-RX570 | 610 Euro | 786 / 956 Gramm | 48 / 41 N/mm | 3,1 |
Gravel Laufrad Test Ergebnisse
Die niedrigsten und damit besten Werte erzielten die 40 Millimeter hohen Leeze CC40 Allroad Evo Waso. Ihre gewichtete Leistung: 15,6 Watt. Es folgen, knapp dahinter, mit jeweils 16,3 Watt gewichteter Leistung, die Laufradsätze von DT Swiss und Swiss Side - beide sind 42 Millimeter hoch.
Shimano Ultegra C36 Carbon-Laufradsatz
- leistungsstarker Allrounder
- Gewicht: 1.488 g (Satz, VR 12x100 + HR 12x142, Herstellerangabe)
- Tubeless-kompatibel für Elf- und Zwölffach-Antriebe
- 21 mm breite (Maulweite) Carbonfelge: Empfohlene Reifendimension 25-622 bis 32-622
- 36 mm Felgenhöhe, aerodynamisches Profil
- E-Thru-Steckachse
- jeweils 24 Straightpull-Speichen, Hinterrad mit 2:1-Einspeichung für gleichmäßigere Speichenspannung
- für Scheibenbremsen mit Center-Lock-Aufnahme
Kommentar schreiben