Wer kein Auto oder Motorrad hat oder einfach gerne sportlich an der frischen Luft unterwegs ist, ist dankbar für die Erfindung des Fahrrades. Fahrradfahren ist praktisch, hält fit und macht Spaß - vor allem bei schönem Wetter natürlich. Jedoch kann der Fahrspaß schnell minimiert werden, wenn z.B. die Shimano Bremsen schleifen.
Schleifende Shimano Bremsen beheben
Wer viel mit seinem geliebten „Drahtesel“ on tour ist, kennt das Problem, dass auf einmal die Bremsen am Bike schleifen. Entweder haben sie sich beim Fahren gelockert oder sie müssen getauscht werden aufgrund von Abnutzung. Viele Fahrräder besitzen mittlerweile moderne Shimano Scheibenbremsen.
Die Scheibenbremsen sind nicht ganz einfach einzustellen, diese Arbeit ist durchaus aber auch von Laien durchführbar. Gerne erklären wir nachfolgend, wie Sie dieses Problem selber an ihrem Fahrrad beheben können. Es ist nicht extra ein Termin in der Fahrradwerkstatt nötig.
Identifizierung des Bremstyps
Schauen Sie zuerst, welche Scheibenbremse von Shimano an Ihrem Bike verbaut ist: Typ IS 2000 oder Postmount?
Shimano IS 2000
Bei der Typ IS 2000 Scheibenbremse von Shimano steht die Bremsscheibe meist nach rechts. Wenn das auch an Ihrem Fahrrad so ist, kann es mit speziellen Unterlegscheiben (Syntace Disc Shims) eingestellt werden. Platzieren Sie diese ganz einfach zwischen Bremsscheibe und Nabe, damit sich die Bremsscheiben wieder mittig ziehen.
Steht die Shimano Bremsscheibe aber doch eher links, versuchen Sie, die Schrauben einfach wieder festzuziehen.
Shimano Postmount
Wenn an Ihrem Fahrrad die Postmount Variante vorhanden ist, ist es noch einfacher: Schrauben Sie lediglich die Bremssattelschrauben etwas heraus. Gerade soweit herausschrauben, dass der Bremssattel sich leicht von der rechten zur linken Seite bewegen lässt. Anschließend drücken Sie den Bremshebel für jedes Laufrad, da sich auf diese Art der Bremssattel ganz genau und automatisch mittig justiert.
Danach bitten Sie eine zweite Person die Bremsen gedrückt zu halten, damit Sie parallel dazu die Schrauben direkt wieder festziehen können. Achten Sie unbedingt darauf, den vorgegebenen Anzugsmoment für Shimano (6-8 Nm) einzuhalten.
Einstellen von Shimano Felgenbremsen
Wie bereits im oberen Text beschrieben, gibt es speziell bei älteren und vor allem auch günstigeren Fahrrädern meist noch herkömmliche Shimano Felgenbremsen. Damit Sie die optimale Stellung der Shimano Felgenbremsbeläge bzw. Bremsklötze von Shimano finden, ist es meist lediglich nötig, die Schrauben für die Bremsarme zu drehen.
Schrauben bzw. drehen Sie also einfach an beiden Seiten einfach die Schraube im Uhrzeigersinn. Dabei dreht sich der Bremsklotz von der Felge weg. Im Gegenzug bewegt sich beim Schrauben bzw. Stellen Sie beide Seiten so ein, dass nicht mehr schleift: Die Bremsbeläge müssen ca. 1,5 bis 2 mm Abstand von der Felge haben, damit kein Schleifen entsteht.
Probleme mit verglasten Bremsbelägen
Vielleicht haben Sie schon einmal davon gehört, dass bei Bremsbelägen für Shimano Scheibenbremsen das Phänomen des sogenannten „Verglasens“ entstehen kann. Wir erläutern Ihnen nachfolgend, wie es zum „Verglasen“ kommen kann und wie Sie diesen Vorgang verhindern können. Noch dazu erhalten Sie Informationen, wie Sie vorgehen können, wenn die Shimano Bremsbeläge bzw.
Erkennen von verglasten Bremsbelägen
An sich sind verglaste Bremsbeläge von Shimano recht gut und einfach zu erkennen. Einmal spüren Sie eine deutlich verminderte Bremswirkung, noch dazu hören Sie es, wenn die Bremsen quietschen. Ein Quietschen der Shimano Bremsen beim Betätigen ist immer ein Warnsignal. Gehen Sie dann umgehend auf Fehlersuche, denn eine optimal eingestellte und passend funktionierende Scheibenbremse von Shimano sollte keine Geräusche von sich geben.
Bauen Sie dazu die Shimano Bremsbeläge aus und schauen diese genau an. Bei einem verglasten Bremsbelag fühlt sich die Oberfläche um einiges glatter an und schimmert ein wenig, wenn das Licht darauf fällt.
Ursachen für verglaste Bremsbeläge
Wie entsteht das Verglasen von Shimano Scheibenbremsen? Es kann durch zwei Möglichkeiten zum Verglasen der Scheibenbremsen-Oberflächen kommen:
- Die Bremsbeläge der Scheibenbremsen wurden zumeist nicht korrekt eingebremst. Dies ist zwingend nötig, denn sonst verhärten sich Bindemittelreste und Harze aus der Produktion auf den Bremsbelagoberflächen und bilden dann eine glatte Oberfläche. Diese für dann zu den beschriebenen Problemen.
- Als zweite Möglichkeit für das Verglasen von Shimano Bremsbelägen kann es sein, dass dies daherkommt, dass über einen längeren Zeitraum selten und mit nur sehr wenig Druck gebremst wurde und das dauerhaft. Es wurde also eher oft „schleifend“ gebremst, anstatt „stotternd“ bzw. kraftvoll.
Das Einbremsen neuer Bremsbeläge muss unbedingt durchgeführt werden: Wenn die Bremsbeläge beim Einbremsen heiß gebremst werden, verdampfen die Lösungsmittelreste und Harze; diese werden somit auf diesem Wege entfernt.
Dabei wird der Bremsbelag quasi von der Bremsscheibe in diesem Zustand poliert. Da die Bremsbeläge von Shimano nicht ausreichend erhitzt werden, verhärtet die Oberfläche und wird glatt.
Verglaste Scheiben-Bremsbeläge von Shimano richten
Am besten ist es eigentlich verglaste Disc-Beläge auszutauschen und die neuen dann auch wie vorgegeben gut einzubremsen. Nur dann gehen Sie wirklich auf Nummer sicher, dass die Bremsen immer optimal und sicher greifen. Wenn Sie die Bremsbeläge jedoch - aus Zeit- und / oder Kostengründen - nicht wechseln möchten, dann können Sie mit etwas handwerklichem Geschick die Bremsbeläge wieder richten und voll funktionsfähig bekommen.
Versuchen Sie als erstes die verglaste Schicht von den Bremsbelägen „abzubremsen“. Dies ist jedoch nur möglich, wenn die Bremsbeläge von Shimano nur leicht verglast sind. Wir empfehlen, 20 bis 30-mal mit einer (moderaten!) Vollbremsung die Bremsbacken etwas „abzuschleifen“. Achten Sie darauf, dass dabei die Laufräder nicht blockieren.
Wenn das „Abbremsen“ nicht hilft, dann ist es nötig, die verglaste Schicht manuell zu entfernen. Sie können also die verglaste Oberfläche entfernen bzw. wieder aufrauen. Meist ist nur die oberste Schicht verhärtet; jedoch kann es in manchen Fällen auch sein, dass der komplette Bremsbelag bis hin zur Trägerplatte komplett verglast ist.
Wenn es sich bei der Verglasung nur um die oberste Schicht handelt, bauen Sie die Bremsbeläge aus den Shimano Bremssätteln aus. Legen Sie dann Schleifpapier (mit Körnung 100 bis 150) auf eine glatte Oberfläche, wie z.B. Tisch, Werkbank etc., und gehen mit den Bremsbelägen dann vorsichtig einige Male kreuzweise drüber.
Achten Sie darauf, dass die Bremsbeläge beim Abschleifen unbedingt plan aufliegen, da sonst die Oberfläche ungleichmäßig abgetragen wird. Dies würde dann zu einer schlechteren Bremswirkung und ggf. sogar zum Quietschen führen. Seien Sie vorsichtig beim Schleifen und üben nur mäßig Druck aus, damit Sie keine tiefen Rillen oder Riefen in den Bremsbelag ziehen.
Es muss so viel Oberfläche abgetragen werden, bis diese nicht mehr schimmert bzw. glänzend ausschaut. Die Bremsschuhe von Shimano werden dann wieder eingebaut und Sie können sich aufs Fahrrad setzen, um gut 20 bis 30 Vollbremsungen (moderat!) mit der Bremse durchzuführen. So können sich die Bremsbeläge wieder an die Shimano Bremsscheibe anpassen bzw. sich einschleifen.
Sie sehen: Der Aufwand dieser „Reparatur“ ist schon recht aufwändig und Sie benötigen einiges an Fingerspitzengefühl. Daher raten wir bei verglasten Bremsklötzen eher zu einem Neukauf, da der Zeitaufwand für die Arbeiten doch sonst recht hoch ist. Günstige Shimano-Bremsbacken bzw.
Probleme mit sich lösenden Bremsbelägen
Update (07.03.2016): Die Probleme mit Bremsbelägen von Shimano sind noch nicht ausgestanden. Noch immer erreichen uns Leserzuschriften, die Fälle von plötzlichem Verlust der Bremswirkung schildern. Der Auslöser für den Bremskraftverlust war in den geschilderten Fällen stets derselbe: Der Reibbelag löste sich während der Fahrt von der Trägerplatte und fiel komplett aus der Scheibenbremse.
Ohne den Belag entsteht ein größerer Spalt zur Scheibe. Beim nächsten Bremsvorgang lässt sich der Bremsgriff bis zum Lenker durchziehen ohne Bremswirkung. Der plötzliche Ausfall der Bremse kommt ohne Vorankündigung und kann gravierende Folgen haben.
Laut Shimano sind nur Beläge des Typs F03C Metal betroffen. Bei den uns bekannten Fällen waren immer Sinter- (Metall-) Beläge von Shimano betroffen. Für die aktuellen Scheibenbremsen folgender Modellbaureihen: XTR, XT, SLX, Deore gibt es drei Ausführungen von Sinter-Belägen:
- F03C Metal
- G03S Metal
- G03Ti Metal
Beim Shimano F03C Belag mit Kühlrippen ist die Trägerplatte zweigeteilt. Eine Aluplatte mit Kühlrippen wird durch eine Stahlplatte auf der Rückseite verstärkt.
Von Shimano heißt es dazu bislang nur:„Das Problem betrifft nur Sinterbeläge mit Kühlrippen, Model F03C. Es sind keine anderen Modelle betroffen. Bislang ist nur eine sehr geringe Stückzahl an Bremsbelägen auf Grund dieses Problems zurückgekommen.
Shimano hat den Aufbau, das Material und die Produktionsprozesse dieses Bremsbelages neu untersucht und festgestellt, dass nur eine sehr geringe Menge betroffen ist. Neben der sehr geringen Fehlerquote besitzen diese Bremsen zusätzlich einen sogenannten ,selbstzentrierenden‘ Mechanismus: die automatische Belagnachstellung der Beläge bei Verschleiß.
Selbst wenn sich der F03C-Belag von der Trägerplatte löst, ist eine gewisse Verzögerung nach einem zweiten Zug am Bremshebel möglich. Auf Grund des Selbstzentrierungsmechanismus’ in unseren Bremsen und der sehr geringen Anzahl an fehlerhaften Bremsbelägen sieht Shimano keinen weiteren Handlungsbedarf, die die Produkte im Handel betreffen.
Dennoch empfiehlt Shimano Kunden mit diesen Problemen, den entsprechenden Händler aufzusuchen und die Beläge innerhalb der Shimano-Garantie umzutauschen. Das hilft uns, das Problem weiterhin zu beobachten und zu bewerten, ob weitere Maßnahmen nötig sind.“
Rudy Bouwmeester von Shimano im Interview:
BIKE: In den der BIKE bekannten Fällen löste sich der Belag ohne Vorwarnung von der Trägerplatte und fiel aus der Bremse heraus. Eine Notbremsung war erst nach mehrmaligem Pumpen am Hebel möglich. Wäre aus Sicherheitsgründen nicht ein Rückruf angebracht?
Rudy Bouwmeester: Wie oft man in einem solchen Fall pumpen muss, hängt von der Hebeleinstellung ab. Auf Grundlage der Risikobewertung und der Informationen, die uns vorliegen, sind keine weiteren vorbeugenden Maßnahmen nötig. Wir beobachten das Problem aber sehr genau.
Ist nur eine bestimmte Charge der Sinterbeläge F03C betroffen, und kann man diese irgendwie vorab identifizieren? Die Anzahl an beanstandeten Belägen ist so gering (vier von 100 000 verkauften), dass wir es nicht auf eine Charge eingrenzen können. In den bekannten Fällen gibt es keine Merkmale, an denen man betroffene Beläge vorab identifizieren könnte. Sind die Beläge bereits umfangreich genutzt, kann man ziemlich sicher sein, dass nichts passiert.
Macht es Sinn, von Sinter- auf organische Beläge zu wechseln? Wir sehen keinen Grund dazu. Wir raten Kunden, defekte Beläge innerhalb der Shimano-Garantie gegen einen neuen Satz Shimano-Beläge zu tauschen.
Dürfen Kunden offiziell auch markenfremde Beläge benutzen? Wir berufen uns auf die entsprechenden Bedienungsanleitungen und Garantiebestimmungen.
Verwandte Beiträge:
- Welche Kleidung zum Radfahren? Der ultimative Guide
- Beste Apps für Radtouren: Navigation, Planung & Tracking
- Welche Protektoren für Motorradfahrer? Ratgeber & Kaufempfehlungen
- Welche Muskeln beim Radfahren beansprucht werden
- Bandana am Motorrad: Bedeutung, Stil & praktische Tipps
- Beanspruchte Muskeln beim Radfahren: So trainierst du effektiv deine Kraft!
Kommentar schreiben