Die Optimale Trittfrequenz beim Rennradfahren

Kaum eine Sportart scheint auf den ersten Blick so simpel zu sein wie das Radfahren, da die Bewegungsabläufe von außen zunächst so einfach aussehen. Das betrifft hauptsächlich die Trittfrequenz; denn es gibt viele Untersuchungen, die meist zu dem Schluss kommen, dass vor allem hohe Trittfrequenzen energetisch günstig sind. Immer wieder gibt es erfolgreiche Sportler, die mit niedrigen Trittfrequenzen auffallen.

Der Begriff Trittfrequenz beschreibt die Geschwindigkeit, mit der das Pedal und die Kurbel bewegt werden. Die Trittfrequenz definiert also, wie oft sich die Tretkurbel in einer Minute um 360° dreht. Die Zahl der Umdrehungen pro Minute wird mit dem Kürzel rpm (revs per minute = Drehungen pro Minute) angegeben. Je schneller ein Fahrer in die Pedale tritt, desto höher ist die Trittfrequenz.

Allerdings gibt es verschiedene Aspekte, die bei der optimalen Trittfrequenz berücksichtigt werden müssen, etwa die Länge der Strecke, Steigungen, Ebenen oder Abhänge. Um eine Strecke möglichst schnell zu bewältigen, sind demnach das optimale Verhältnis von Kraftaufwand und Ausdauer wichtig, welches die Trittfrequenz anzeigt. Um Abhilfe zu schaffen, hat owayo dem Trainingsexperten Professor Louis Passfield die wichtigsten Fragen zum Thema der optimalen Trittfrequenz gestellt. Die überraschenden Antworten finden Sie hier.

Die Physik und Physiologie der Trittfrequenz

Es braucht nur einfache Schul-Physik, um zu verdeutlichen: Fahrer, die mit weniger Umdrehungen pro Minute unterwegs sind, leisten dabei „mehr“. Mehr Watt - als solche, die höhere Frequenzen treten. Eine Konsequenz solch niedriger Frequenzen ist: Die „kräftigeren“ Typ-2-Muskelfasern müssen verstärkt „arbeiten“. Niedrige Frequenzen bedeuten umgekehrt längere Kontraktionsphasen und somit eine geringere Blutzirkulation.

Auf der anderen Seite hat auch eine hohe Frequenz „Nachteile“: Aufgrund des höheren internen Energieverbrauchs benötigt der Organismus deutlich mehr Sauerstoff und somit Energie. Man könnte den Eindruck gewinnen, dass bei niedrigen Frequenzen „unnötig“ viele Typ-2-Fasern aktiviert werden - und somit Energie verschwendet wird. Doch dies trifft nur bedingt zu. Denn: Es kommt letztlich auf die Leistung an, die im Wettkampf erbracht werden muss.

Brennan et al. stellten in ihrer Studie aus 2019 fest, dass bei einer konstanten Leistung von 2,5 Watt pro Kilogramm Körpergewicht und einer Trittfrequenz von 60 - verglichen mit Frequenzen von 40 bis 100 - der metabolische Aufwand am geringsten ist. Zum selben Schluss kamen Graham et al. 2018 bei Untersuchungen mit Radsportlerinnen: In ihrer Untersuchung resultierten höhere Umdrehungszahlen in Zeitfahren in höheren Energieverbräuchen - verglichen mit niedrigen Trittfrequenzen.

So suggerieren mehrere Studien, etwa von Lucia und Ferrer sowie Foss und Hallen, 2004: Je höher die erbrachte Dauerleistung, desto effektiver ist eine eher hohe Trittfrequenz. Diese hohen Frequenzen zu leisten, ist jedoch nur unter einer Voraussetzung dauerhaft möglich. Diese Voraussetzung lautet: eine hohe maximale Sauerstoffaufnahme, VO2max.

Fährt man vornehmlich lange Strecken in Leistungsbereichen von unter 200 Watt - beziehungsweise deutlich unterhalb seiner Schwelle - so kann man sich die energetischen Effizienz-Vorteile niedriger Frequenzen von 65 bis 85 Umdrehungen pro Minute zu Nutze machen.

Sie fanden heraus, dass sich mit einer zunehmenden Kurbel-Umdrehungszahl die Belastung von einer hüftgelenkdominanten zu einer kniedominanten verlagert. Was für Ultra-Ausdauer-Athleten, die sehr lange im Sattel sitzen oder nach dem Rad-Split noch einen Marathon bewältigen müssen, ein klarer Nachteil ist. Die ideale Trittfrequenz erhöht sich demnach mit der zu erbringenden Leistung. Ist man ein ambitionierter Rennfahrer, empfehlen sich somit tendenziell höhere Kadenzen von 90 oder mehr Umdrehungen pro Minute.

Die Individuelle Optimierung der Trittfrequenz

Für alle Radsportler, unabhängig von der Trainingserfahrung und dem Leistungsniveau gilt: Im Trainingsprozess regelmäßig einen möglichst breiten Trittfrequenz-Bereich abzudecken, hat viele Vorteile.

Wenn Sie sich an den großen Zweikampf bei der Tour de France zwischen Lance Armstrong und Jan Ullrich erinnern, werden Ihnen sicher auch die unterschiedlichen Fahrstile der Athleten noch gegenwärtig sein. Während der eine mit sehr langsamen Umdrehungen unterwegs war, bevorzugte der andere hohe Trittfrequenzen mit flüssigen Bewegungen - und gewann. Wer schneller tritt, gewinnt, könnte also die einfache Erklärung dafür sein.

Betrachtet man nur eine einzige Kurbelumdrehung, wären eigentlich die langsamen Umdrehungen zu bevorzugen. Dann wäre eine Trittfrequenz von nur 60 Umdrehungen pro Minute die wohl effizienteste Trittgeschwindigkeit, da hierbei der Wirkungsgrad der Muskulatur am größten ist. Das spiegelt sich auch häufig in den kleineren Umdrehungszahlen der Sportanfänger wider, die meist niedrige Trittfrequenzen bevorzugen.

Allerdings besteht das Radfahren zu einem größeren Teil aus einer höheren Kadenz als der eben angedachten einen Umdrehung. Das liegt daran, dass auf dem Rad erst eine Aneinanderreihung unzähliger Tretzyklen das Vorankommen ermöglicht.

Die Leistung, die sich bei Deinen Tretbewegungen ergibt, errechnet sich aus der physikalischen Formel von Arbeit pro Zeit. Dabei bestimmt also nicht allein die Kraft, die auf das Pedal gebracht wird, wie schnell ein Radler ist. Erst die Kombination mit der Geschwindigkeit des Pedals gibt die ursächliche Erklärung. Bei einer höheren Umdrehungszahl legst Du mit dem Fuß auch einen längeren Weg zurück.

Bei hohen Trittfrequenzen sind die Phasen der Anspannung kürzer, so dass der Blutfluss innerhalb eines Muskels nur kurz gestört ist. Während einer Kontraktion werden die Blutgefäße komprimiert und die Zirkulation des Blutes behindert. Die ist aber für den Sauerstoff- und Nährstofftransport wichtig.

Dabei deutete es sich an, dass die optimale Trittfrequenz - bezogen auf die Leistung - bei 100-110 Umdrehungen pro Minute liegt. Vor allem wird in diesem Zusammenhang auf den optimalen biologischen und physikalischen Wirkungsgrad verwiesen. Die Durchblutung und die Sauerstoffaufnahme sollen in diesem Bereich ebenso gut sein wie das Verhältnis von Kraft zu Weg.

Allerdings bestanden die Teilnehmer dieser Studie aus Radfahrern, Triathleten und Läufern.(2) Da Läufer das Radfahren nicht gewohnt sind, ist davon auszugehen, dass sie eher niedrige Frequenzen bevorzugen. Gerade Radfahreinsteiger wählen eher die unteren Drehzahlbereiche. Dass jeweils unterschiedliche Trittfrequenzen aufgrund der gewohnten Belastungsfrequenzen auftreten, kann also mit Lerneffekten erklärt werden und nicht mit der effektivsten Frequenz. Diese Vermutung wird gestützt durch die ermittelte beste Frequenz, die bei rund 65 Umdrehungen pro Minute lag und sich mit dem eingangs erwähnten optimalen Wirkungsgrad deckt.

Auch wenn Du davon ausgehen kannst, dass Umdrehungen um die 100/min ein guter Wert sind, spielt neben der Streckenlänge auch das Profil eine wichtige Rolle.

Entsprechende Trainingsabschnitte mit Variationen lassen sich unkompliziert in Dein normales Training integrieren. Das kannst Du an einer Steigung ebenso einbauen wie in der Ebene. Auch für Berganfahrten gilt, dass Du von höheren Trittfrequenzen profitierst. Je steiler der Berg jedoch ist, desto langsamer kannst Du pedalieren. Fahre bergauf nicht durchgängig im Sitzen, sondern fahre auch mal im Wiegetritt.

Auch wenn das Gefühl Dir mal vorgaukelt, dass niedrigere Umdrehungszahlen angenehmer seien, solltest Du Dich davon nicht täuschen lassen. Mit hohen Trittfrequenzen zu fahren will gelernt sein. Du musst Dir die motorischen Grundlagen erarbeiten, um die Empfehlungen umsetzen zu können. Wenn Du es gewohnt bist, mit niedrigen Trittfrequenzen zu fahren, fällt Dir ein Umstieg erst einmal etwas schwerer. Das liegt daran, dass sich die motorische Steuerung an die Bewegungsfrequenzen gewöhnen muss.

Mit dem Spinningtraining kannst Du vorrangig im Winter das Fahren mit hohen Trittfrequenzen üben. Über die Schwungscheiben und den einstellbaren Widerstand lässt sich eine hohe Kadenz wählen. Versuche, hohe Frequenzen über Minutenintervalle einzuhalten. Baue Dir in Deine Grundlageneinheiten Trittfrequenzpyramiden ein.

Auf einem Ergometer, einer Rolle oder auch während einer Ausfahrt kannst Du 1-3 Serien mit 4-6 Wiederholungen à 30 Sekunden einbeinigen Fahrens einbauen.

Grundsätzlich sind aber höhere Trittfrequenzen eher mit kürzeren Kurbelarmen erreichbar. Für die Kraftentfaltung spielt die Länge der Arme eine wichtige Rolle, da aufgrund der Hebelgesetze die eingesetzte Kraft abnimmt, wenn die Kurbeln lang sind.

Dabei gilt, dass die Radstrecke als Zubringerleistung für das Laufen zu sehen ist und es umso bedeutsamer für Dich ist, mit möglichst geringer Ermüdung vom Rad abzusteigen. Nur so kannst Du auf der Laufstrecke Deine bestmögliche Leistung abrufen.

In der Studie wurden 13 Triathleten in 2 Gruppen eingeteilt, wobei die eine mit niedrigen und die andere mit hohen Trittfrequenzen über 30 Minuten auf einem Ergometer fuhr. Im Anschluss daran wurde ein 3.200-m-Lauf absolviert, bei dem die Athleten, die vorher schnell gekurbelt hatten, auch schneller liefen.

Die Optimale Trittfrequenz am Berg

Am Berg zieht die Schwerkraft Rad und Fahrer nach hinten. Das hat zunächst Auswirkungen auf den Tritt. Mit jedem Tritt beschleunigt man das Rad, in den Totpunkten der Kurbelstellung wird das Rad langsamer, das Tempo pulsiert um einen Mittelwert. Das spüren die Muskeln. Als Folge liegt die optimale Trittfrequenz 10 bis 15 Umdrehungen pro Minute niedriger als im Flachen. Positiv: Anders als im Flachen gibt es eine gute Rückmeldung zum Muskeleinsatz beim Treten, das heißt, den Bergtritt effizient zu gestalten, ist einfacher als in der Ebene.

Außerdem wird der Sattel zur schiefen Ebene, insgesamt ist dadurch mehr Haltearbeit zu leisten, was auch trainiert werden muss.

Diese 5 Punkte sollten immer beim Bergfahren beherzigt werden:

  1. Vorspannung: Arme, Schultern und Rückenmuskeln bilden eine Kraftschlinge. Der Oberkörper ist das Widerlager für die kräftige Beinmuskulatur. Halten Sie die Arme leicht gebeugt und ziehen Sie die Ellenbogen leicht nach innen Richtung Bauchnabel. Der auf diese Weise leicht vorgespannte Oberkörper ist steifer und lässt weniger Tretpower verpuffen. Halten Sie den Rücken gerade und öffnen Sie etwas den Hüftwinkel, um besser atmen zu können. Hände an den Bremsgriffen oder am Oberlenker.
  2. Trettechnik: Die Beine flüssig strecken und heben, Kraftspitzen vermeiden. Ziel ist es, geschmeidig und mit gutem Wirkungsgrad zu fahren, nicht mit roher Kraft. Beine gerade führen, Oberkörper und Hüfte ruhig halten.
  3. Trittfrequenz: Die optimale Trittfrequenz liegt 10 bis 15 Umdrehungen pro Minute niedriger als in der Ebene. 80-85 U/min anzustreben, ist ein gutes Ziel. Ein besonders kraftvoller (langsamer) Tritt senkt zwar den Puls, ist auf lange Sicht aber schlechter durchzuhalten und kostet mehr Energie. Deshalb auch im Training den flüssigen Bergtritt üben.
  4. Übersetzung: Reserven sind immer gut, es gibt keine zu leichten Gänge! Mindestens eine 1 : 1-Übersetzung realisieren. Dass die Gänge bergab nicht reichen, ist nur für Spitzenfahrer ein Thema.
  5. Sattelwahl: Ein Sattel mit leicht erhöhtem Heck und nicht zu rutschiger Oberfläche stützt den Bergtritt und reduziert die Haltearbeit für den Oberkörper am Berg.

Beim Bergfahren im Stehen zu pedalieren, dient vor allem dazu, die Muskeln zu lockern und das Gesäß kurzzeitig zu entlasten. Auf Dauer ist der Wiegetritt aber nicht effizient, weil zusätzliche Haltearbeit zu leisten ist - ablesbar am ansteigenden Puls. Am besten nutzt man die Technik des Wiegetritts daher am Anstieg zwar regelmäßig, aber immer nur kurz zum Auflockern. So lassen sich auch kurze, steilere Stücke überwinden, ohne zu schalten, weil im Stehen eine niedrigere Trittfrequenz angenehmer zu fahren ist. Der Wiegetritt eignet sich außerdem für starke Beschleunigungen wie Sprints, weil man insgesamt mehr Muskeln einsetzen kann.

Die richtige Wiegtritt-Technik:

  • Das Rad unter dem Körper leicht hin- und herschwenken, um den Körperschwerpunkt in der Druckphase übers Pedal zu bekommen.
  • Die Arme üben wechselseitig Zug und Druck auf den Lenker aus. Das Rad aber nicht zu hektisch schwenken, das kostet Energie und bringt nichts.

Lange Berge erzwingen vor allem eines: angepasste Geschwindigkeit. Zu schnell mit dem Rennrad in den ersten Berg zu fahren, ist der meistgemachte Fehler. Es gibt keine Wunder: Wer überzieht, wird später nach hinten durchgereicht.

Das richtige Tempo ist individuell verschieden, es richtet sich nach der persönlichen Dauerleistungsgrenze, die im Training oder einer Leistungsdiagnostik vorab ermittelt wird (FTP, Schwellenleistung). An dieser sollte man sich stets orientieren und einige Prozentpunkte darunter bleiben. Am besten gelingt es mit einem Powermeter, das Tempo von Beginn an richtig einzustellen. Der Puls reagiert mit Verzögerung, ist an langen Steigungen aber auch ein guter Ratgeber. Oberhalb der Schwelle zu fahren, ist bei langen Marathons absolut zu vermeiden.

Optimal ist eine gleichmäßige Tretleistung, sie ergibt die kürzeste Gesamtfahrzeit. Das erfordert viel Schalten. Wenn man Serpentinen außen fährt, sollte man in einen schwereren Gang schalten und Druck auf dem Pedal lassen. Lässt die Steigung nach, sind gleichmäßig Fahrende mit Powermeter im Vorteil: Sie geben weniger schnell dem natürlichen Reflex nach, sofort weniger hart zu treten. Wird es zu steil und Ihnen gehen die Gänge aus, legen Sie zusätzliche Serpentinen auf die Straße. “Schlangenlinien fahren” ist besser als schieben.

Die Rolle der Kurbellänge

Auch die Länge der Kurbeln hat einen Einfluss auf die Trittfrequenz und die Leistung. Dabei ist die optimale Länge auch von der jeweiligen Körpergröße abhängig. Vor allem von den Profis werden längere Kurbeln eingesetzt, da diese als Hebel die Kraftentfaltung unterstützen. Je nach Körpergröße sind also die Standardlängen zwischen 170 und 175 mm für die meisten Sportler ausreichend.

Trainingstipps zur Verbesserung der Trittfrequenz

Auch Deine Rumpfmuskulatur muss erst entsprechend vorbereitet werden, um sich gegen die hohe Trittfrequenz stabil halten zu können.

Trittfrequenz-Pyramide: Bei dieser Übung steigern Sie kontinuierlich die Trittfrequenz bis zu einem Höhepunkt, um dann in gleichen Zeitintervallen wieder langsamer zu pedalieren.

Einbeiniges Pedalieren: Klicken Sie mit einem Bein aus dem Pedal aus und treten Sie bei mittlerer Intensität eine Minute einbeinig mit 90 bis 110 Umdrehungen. Wechseln Sie anschließend das Bein. Gönnen Sie sich fünf Minuten aktive Erholung, bevor Sie erneut nacheinander einbeinig pedalieren. Insgesamt drei bis fünf Wiederholungen je Seite.

Die richtige Sitzposition

Wichtig: Deine Sitzposition hat einen Einfluss auf die Tritttechnik, eine nicht optimal auf den/ die Radfahrer/in eingestellte Sitzposition kann sich negativ auf die Tritttechnik auswirken. Daher ist ein gut eingestelltes Fahrrad entscheidend für die Verbesserung der persönlichen Trittfrequenz und somit auch zu deiner Leistung.

Neben der Vermeidung von Verletzungen kann eine korrekte Sitzposition dazu beitragen, die Kraft, die beim Radfahren auf die Pedale aufgewendet werden muss, zu reduzieren und so den Tritt ökonimischer und effizienter zu gestalten.

Die Bedeutung der Trittfrequenz für Triathleten

In Bezug auf den Triathlon existieren unterschiedliche Meinungen und Studienergebnisse zum optimalen Treten. Gerade die schwierige Tatsache, dass im Anschluss an den Radpart auch noch ein Lauf absolviert werden muss, wirft Fragen auf.

In erster Linie scheint Deine Laufleistung für das Endergebnis entscheidend zu sein, so dass die Kernfrage lautet: Unter welchen Bedingungen kann Deine Laufleistung am besten gefördert werden?

Die optimale Trittfrequenz finden: Ein Interview mit Prof. Dr. Louis Passfield

Prof. Dr. Louis Passfield ist einer der führenden Radsport-Experten weltweit. Er betreute die Vorbereitungen für das britische Radsportteam, unter anderem während mehrerer Weltmeisterschaften, der Commonwealth Games und auch der Olympischen Spiele 1992 (Barcelona), 1996 (Atlanta) und 2008 (Beijing). Heute lehrt Passfield an der University of Kent; seine Forschungsschwerpunkte sind Training, Mentoring und Hochleistung im Radsport, sowie insbesondere das Thema Trittfrequenz.

Gibt es die optimale Trittfrequenz?

Prof. Dr. Louis Passfield: „Ich denke, das Thema Trittfrequenz ist ein Beispiel, bei dem die Ergebnisse der Radsportler seit langem tatsächlich maßgeblich sind. Die Forschung hat bis in die 1970er Jahre die Meinung vertreten, dass Radfahrer viel schneller in die Pedale traten, als aus einer physiologischen oder wissenschaftlichen Perspektive als effizient gegolten hätte. Dennoch sahen Forscher sogar damals bereits ein, dass sie das Thema zu vereinfachend betrachteten.

Ist es denn sinnvoll, die Trittfrequenz zu trainieren?

„Ja, ich bin mir ziemlich sicher, dass die meisten Profiradfahrer ihre Trittfrequenz trainieren, typischerweise um sich bei einer höheren Trittfrequenz wohler zu fühlen. Grob gesagt, je fitter man ist, desto mehr Kraft kann man erzeugen und desto höher sollte die Trittfrequenz ausfallen. Zudem kann man mit zunehmender Fitness länger fahren und profitiert hierbei wiederum von einer höheren Trittfrequenz. Diese höhere Trittfrequenz auszuhalten, erfolgt nicht zwingend auf natürliche Art und Weise.

Zusammenfassende Tipps zur optimalen Trittfrequenz

  1. Die individuell optimale Trittfrequenz kann nur durch Ausprobieren gefunden werden. Daher sollten Sie unbedingt auf Ihre eigene Wahrnehmung achten, was sich für Sie individuell gut anfühlt! Finden Sie heraus, wie schnell Sie mit welchem Kraftaufwand vorankommen und wofür Ihre Kraft ausreicht. Anschließend können Sie ausgehend von diesen Ergebnissen an Ihren Werten feilen.
  2. Mit niedrigeren Gängen zu fahren erfordert einen höheren Kraftaufwand. Bei größerem Widerstand in die Pedale zu treten, ist anstrengend und trainiert bei ausdauerndem Fahren eigene Fitness. Dabei spielt es erst in einem zweiten Schritt eine Rolle, wie schnell Ihnen das gelingt, wichtig ist zunächst das fordernde Training mit Widerstand.
  3. Wenn es Ihnen gelungen ist, möglichst flüssige Bewegungen in niedrigen Gängen zu erzeugen, können Sie dazu übergehen, an ihrer Trittfrequenz zu feilen, indem Sie versuchen, schneller zu werden. Auch hier sollten Sie jedoch auf den eigenen Körper achten und keine Frequenzen erzeugen, die sich schlecht anfühlen oder jenseits von 80-105 rpm liegen.

[Anm. d. Red.: Um Ihre Trittfrequenz messen zu können, gibt es Geräte, die gezielt für diesen Zweck hergestellt werden. Andrés Díaz ist ein Spezialist für Leistungs- und Materialanalyse beim Radfahren, er ist Ingenieur und hat schon für einige Testlabors und Windtunnel im Zusammenhang mit dem Radfahren gearbeitet. Außerdem ist Andrés ein begnadeter Triathlet, der danach strebt sich selbst und die von ihm betreuten Athleten ständig zu neuen Höchstleistungen zu bringen.

Formel zur Berechnung der Leistung

Diese einfache physikalische Gleichung ist die Grundlage für jeden Powermeter um die Leistung zu berechnen. Power (P) ist also die Leistung in Watt. F ist die Kraft (Force), die wir beim Radfahren auf das Pedal drücken und V (Velocity) ist die Geschwindigkeit in der wir dies tun, in unserem Fall also die Trittfrequenz.

Demzufolge gibt es also drei Möglichkeiten mehr Power zu erzeugen:

  1. Mehr Kraft auf das Pedal bringen
  2. Die Trittfrequenz erhöhen
  3. Beides gleichzeigt machen

Trittfrequenz und Aerodynamik

Betrachtet man das Thema aus dem Blickwinkel der Aerodynamik, ist eine geringere Trittfrequenz sogar von Vorteil. Bekanntermaßen ist der Körper der größte Wiederstand auf dem Rad. Um möglichst aerodynamisch zu sein sollte die Luft möglichst lange am Körper angelegt sein, um möglichst wenig Verwirbelung entstehen zu lassen. Durch die Tretbewegung beim Pedalieren kommt es genau zu diesen Verwirbelungen, je niedriger die Frequenz desto weniger wird die Luft verwirbelt. Meist überwiegen jedoch die physiologischen Vorteile den aerodynamischen Vorteilen.

Rennrad-Übersetzung: Die richtige Trittfrequenz

Mit der richtigen Übersetzung und Trittfrequenz kommen Sie besser oben an: würdevoll - und mit mehr Spaß.

Eine Trittfrequenz zwischen 90 und 110 Umdrehungen pro Minute ist aus biomechanischer und physiologischer Sicht beim Rennradfahren ideal. "Wenn die Frequenz am Berg auf 80 absinkt, ist das völlig normal", sagt Uli Plaumann, "weniger als 70 Umdrehungen pro Minute sollten es aber auf Dauer nicht sein."

Ein weiteres Argument für kleinere Gänge und hohe Trittfrequenzen: Die schnellen, dafür aber weniger kraftintensiven Bewegungsabläufe schonen die Gelenke. Dies ist besonders wichtig für Menschen, die zum Beispiel unter Knieproblemen leiden. Aber auch Rennradneulinge oder -wiedereinsteiger, deren radsportspezifische Muskulatur sich noch im Aufbau befindet, profitieren von leichten Gängen.

Tabelle: Geschwindigkeiten und Leistungen bei verschiedenen Übersetzungen (kleines Kettenblatt und größtes Ritzel) bei 10% Steigung und 80 U/min Kadenz.

Übersetzung Geschwindigkeit (km/h) Leistung (Watt)
34/32 7,5 250
34/28 8,6 250
34/25 9,6 250

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