Viele Kinder empfinden Fahrradhelme längst nicht mehr als lästige Pflicht, sondern tragen sie mit Begeisterung - und oft auch Stolz. Ein gut gewählter Helm verringert das Risiko schwerer Kopfverletzungen bei Stürzen erheblich.
Warum ein Fahrradhelm für die Kleinsten wichtig ist
Auch wenn Babys selbst noch kein Rad fahren, sollten sie Mitfahrhelme tragen. Denn oftmals transportieren Eltern ihre Babys auf einem Fahrradsitz für Kinder, in einem Fahrradanhänger oder aber einem Lastenrad. Der Schutz auf dem Kopf darf hierbei nicht fehlen. Sobald man sich im Straßenverkehr bewegt, besteht schließlich ein gewisses Gefahrenpotenzial.
Selbst ein durchwachsen bewertetes Modell kann die Verletzungsgefahr verringern. Was man trotz kontroverser Studien guten Gewissens behaupten kann: Jeder Helm ist besser als »oben ohne« zu fahren.
Gesetzliche Bestimmungen und Empfehlungen
In Deutschland gibt es keine Helmpflicht für Fahrradfahrer, weder für Erwachsene noch für Kinder. Auch wenn die Polizei hierzulande empfiehlt, einen Fahrradhelm zu tragen - eine Helmpflicht gibt es in Deutschland nicht. Das soll laut Bundeskanzlerin Angela Merkel auch so bleiben.
Dennoch: Wir würden eine gesetzliche Regelung zur Helmpflicht bis einschließlich 12 Jahren mehr als begrüßen. Unser Nachbarland Österreich hat das bereits getan, da die Zahl der verletzten Kinder im Straßenverkehr in den letzten zehn Jahren stark gestiegen ist.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Bevor es mit Pack und Baby zur ersten Fahrradtour geht, sollten sich Eltern Gedanken um einen passenden Fahrradhelm machen. Denn nicht jeder Fahrradhelm passt zu jeder Kopfform. Eltern sollten beim Kauf eines Fahrradhelms daher auf besondere Sicherheitsstandards achten. Diese sind in der Regel mit einem Prüfzeichen versehen. Bei Fahrradhelmen sollte der Normhinweis EN 1078 vorhanden sein.
- Passform und Größe: Miss den Kopfumfang deines Kindes knapp über den Augenbrauen und wähle einen Helm, der zu diesen Zentimetern passt. Der Helm darf nicht wackeln, sollte aber auch nicht drücken. Rütteln Sie ruhig etwas am Kopf Ihres Kindes. Dabei darf der Helm auch mit geöffnetem Verschluss nicht verrutschen. Passiert das, kann man den Sitz des Helms mit einer Stellschraube fester stellen. Anschließend schließt man das Kinnband. Auch das sollte gut sitzen, aber nicht drücken, sonst fliegt der Helm im Fall eines Falles vom Kinderkopf.
- Sicherheitsfeatures: Achte auf Prüfsiegel wie CE EN 1080 oder EN 1078, die strenge Sicherheitsnormen bestätigen. Reflektoren und integrierte LED‑Lichter erhöhen die Sichtbarkeit, ein tief gezogener Hinterkopfbereich schützt den Nacken.
- Gewicht und Komfort: Leichte Helme werden von Kindern lieber getragen. Weiche Polster, Kinnschutz und ein gut verstellbares Riemensystem sorgen für Komfort.
- Materialien und Schadstoffe: Hochwertige Markenhelme sind schadstoffgeprüft.
- Design: Kinder tragen ihren Helm eher, wenn er ihnen gefällt.
- Preis‑Leistung: Gute Kinderhelme gibt es ab etwa 30 Euro. Teurere Modelle bieten oft mehr Komfort oder zusätzliche Features.
Wie man die richtige Größe findet
Im ersten Schritt gilt es, den Kopfumfang des Babys mit einem Maßband zu messen. Wenn kein passendes Maßband zur Verfügung steht, hilft auch eine Schnur und ein Lineal. Im zweiten Schritt werden dann die wichtigsten Einstellungen vorgenommen, sodass der Helm korrekt sitzt und weder in den Nacken noch auf die Stirn rutscht. Da die Helmgröße lediglich eine gewisse Spanne angibt, sollte die genaue Größe eigenständig angepasst werden. Die meisten Fahrradhelme für Babys verfügen hierfür über ein Drehknopfsystem hinten am Helm.
Wichtig ist hierbei, dass der Helm weder zu eng noch zu locker sitzt. Auch die Gurtbänder sowie der Kinnriemen müssen passend eingestellt werden. Die Gurtbänder sollten möglichst einen Fingerbreit unterhalb der Ohren liegen und ein Dreieck bilden. Der Kinnriemen verläuft unter dem Kiefer und sollte keinesfalls zu eng anliegen, damit er nicht stört.
Zusätzliche Tipps
- Helm korrekt einstellen: Setz den Helm waagerecht auf den Kopf. Das Drehrad bzw. das Verstellsystem sollte so eingestellt werden, dass der Helm fest sitzt, ohne zu drücken.
- Regelmäßig kontrollieren: Kinder wachsen schnell.
- Nach einem Sturz austauschen: Helme verlieren nach einem heftigen Stoß ihre Schutzwirkung, selbst wenn äußerlich keine Schäden sichtbar sind.
- Pflege und Reinigung: Entferne Innenpolster, um sie regelmäßig zu waschen. Hartnäckigen Schmutz an der Außenschale kannst du mit einem feuchten Lappen und mildem Seifenwasser entfernen.
- Keine Mützen unter dem Helm: Dicke Mützen oder Kapuzen beeinträchtigen den Sitz.
- Helm nicht im Auto lassen: Hitzeeinwirkung - beispielsweise wenn der Helm im Sommer im Auto liegt - kann das Material beschädigen.
Empfohlene Modelle und Testergebnisse
Die Stiftung Warentest hat im April 2022 insgesamt 18 Fahrradhelme für Kinder getestet. Die große Mehrheit schnitt gut ab - so gut, dass wir zahlreiche Modelle uneingeschränkt empfehlen können.
Hier sind einige empfohlene Modelle:
Alpina Pico Flash
Der Pico Flash von Alpina hat einiges zu bieten: eine ausgezeichnete Beleuchtung, viele Lüftungsschlitze, eine hochwertige Verarbeitung sowie ein einwandfreies Verstellsystem im Helm, mit dem man die Passform optimal an die Kopfgröße anpassen kann. Zusätzliche Plastikstreben umschließen den Kopf und sorgen für mehr Sicherheit, Stabilität und Tragekomfort.
Die Stiftung Warentest hat im April 2022 den Pico Flash mit der Gesamtnote 2,4 (»gut«) bewertet. Besonders gut (1,0) wurden die niedrigen Schadstoffwerte bewertet. Wir haben dies wegen der hervorragenden Beleuchtung nicht negativ in unser Testergebnis einfließen lassen.
Micro Rocket
Wenn es nicht nur ein Helm zum Fahrradfahren sein soll, sondern auch Inlineskaten, Rollerfahren oder Skateboarden auf dem Programm steht, ist der Micro Rocket die beste Wahl. Er hat die klassische Form eines Skateboard-Helms, der am Hinterkopf recht weit runtergeht, das gibt noch mehr Schutz bei Stürzen. Dazu ein roter Knopf, mit dem man die Passform hervorragend einstellen kann. Außerdem dient der Knopf auch als Beleuchtung - er kann in drei Variationen blinken und leuchten.
Casco Mini 2
Der Casco Mini 2 ist nicht nur im Sommer als Fahrradhelm einsetzbar, sondern auch im Winter beim Skifahren oder Snowboarden. So sind nur wenige Helme konzipiert. Und es geht noch weiter: Auch im Fahrradsitz macht er auf dem Kopf eines Kindes eine gute Figur, da er eng und bequem anliegt, keinen unbequemen Abstand zwischen Rückenlehne und dem kleinen Beifahrer erzeugt.
Uvex Finale Junior
Der Uvex Finale Junior sieht nicht nur aus wie ein Mountainbike-Helm, er erfüllt auch die gleichen hohen Standards, was Sicherheit, Tragekomfort und Verarbeitung betrifft. Er liefert rundherum eine optimale Performance ab.
Weitere Empfehlungen aus Tests
IMTEST hat im Jahre 2022 Fahrradhelme für Kinder im Test untersucht. Darunter Kinderhelme von Abus, Alpina, Giro, Specialized und Uvex, die sowohl in der Praxis als auch im Prüflabor des TÜV Süd getestet wurden und noch immer verkauft werden. Dabei konnte vor allem der Specialized Shuffle Child LED als Test- und Preisleistungssieger überzeugen.
Weitere empfehlenswerte Fahrradhelme für Kinder:
- Abus Youn_I 2.0
- Alpina Pico Flash
- Uvex Hlmt 4
- Giro Tremor Child Mips
Zusammenfassung der Testergebnisse
Hier ist eine Zusammenfassung der Testergebnisse einiger empfohlener Modelle:
| Modell | IMTEST Ergebnis | Besondere Merkmale |
|---|---|---|
| Specialized Shuffle Child LED | gut (2,1) | Bestes Testergebnis, bester Preis, entnehmbares Licht |
| Abus Youn_I 2.0 | gut (2,2) | LED-Licht mit 180-Grad-Sichtbarkeit, vertikale Größenverstellung |
| Alpina Pico Flash | gut (2,2) | Leichtester Helm, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis |
| Uvex Hlmt 4 | gut (2,5) | Runde Form für sicheren Sitz, geeignet für Skateboarder |
| Giro Tremor Child Mips | gut (2,5) | Abnehmbarer Helmschirm, tiefe Rückseite für Hinterkopfschutz |
Wichtige Überlegungen nach einem Sturz
Sie wollen auf Nummer sicher gehen? Dann muss sich Ihr Kind nach einem Sturz sofort von seinem Helm verabschieden - auch dann, wenn die Kopfbedeckung äußerlich noch top aussieht. Im Inneren kann sie nämlich durchaus beschädigt sein. Deshalb sollte man besser auch keine gebrauchten Produkte kaufen. Werfen Sie beim Kauf auch einen Blick auf das Produktionsdatum in der Helmschale: je neuer, umso besser, denn Material verschleißt. Wie lange Helme generell einsatzbereit sind, hängt vom Gebrauch ab. Spätestens nach fünf Jahren würden ihn viele Experten aber aus Sicherheitsgründen austauschen.
Bauarten von Kinderhelmen
Bei Kinderhelmen unterscheidet man verschiedene Bauarten:
- Softshell‑Helme: Sie bestehen nur aus einer dicken Schicht Hartschaum. Sie sind extrem leicht, bieten aber kaum Aufprallschutz und werden heute kaum noch empfohlen.
- Hardshell‑Helme: Sie haben eine Innenlage aus Schaumstoff und eine dicke Außenschale aus Kunststoff. Sie sind robust, aber relativ schwer und kommen eher im Downhill‑Bereich zum Einsatz.
- Microshell‑Helme (auch In‑Mould‑Helme): Hier verschmelzen Schaumkern und dünne Kunststoffschale. Das Ergebnis ist ein leichter Helm mit guter Stoßdämpfung und hoher Stabilität.
Kommentar schreiben