Welche E-Bike Motoren sind die Besten?

Das Herzstück eines jeden E-Bikes ist natürlich der Elektromotor. Doch welcher E-Bike Motor ist aktuell der beste für das E-MTB? In den letzten Jahren hat sich vieles im Bereich der Antriebe und Antriebstechnologien für E-Bikes getan.

Für unsere Motoren-Challenge schicken wir acht E-MTB-Motoren auf die Rennstrecke. Mit Messtechnik bewaffnet und einheitlich bereiften Bikes geht es aufs Ganze. Dabei wollen wir keinen stupiden Berg-Sprint abbilden - denn hier würde rein die Maximalkraft der Motoren zum Tragen kommen. Und die ermitteln wir regelmäßig in unseren ausführlichen Motorentests im Labor. Vielmehr wollen wir eine reale Uphill-Challenge abbilden, den idealen Einsatzbereich sportlicher E-Mountainbikes.

Als Kaufberatung ist dieses Scharmützel der Kraftpakete übrigens nicht gedacht. Schließlich müssen E-Motoren im Trail- und Touren-Alltag mehr bieten als die Bestzeit im Uphill. Es sei denn, das neue E-Mountainbike soll als Rennbolide dienen, um Konkurrenten oder Bike-Kumpels gnadenlos zu versägen.

Die getesteten E-Bike Motoren

  • Rocky Mountain Dyname 4.0
  • Bosch Performance Line CX Race
  • Bosch Performance Line CX
  • Panasonic GX Ultimate
  • Brose Drive SMag
  • Shimano EP801
  • Shimano EP8
  • Yamaha PW-X3

Der Favorit: Bosch Performance CX Race

Als logischer Favorit geht der einzige explizit auf Rennsport ausgerichtete Motor in die Challenge: Boschs Performance CX Race. Schaut man auf die Ergebnislisten des E-Mountainbike-Worldcups, scheint dieser Antrieb aktuell kaum zu schlagen zu sein. Kaum schaltet man den Race-Modus ein - so heißt die exklusive Unterstützungsstufe des Schwaben-Renners - fühlt man sich wie auf einem übermotivierten Rennpferd. Im Unterschied zum klassischen Bosch Performance Line CX im E-MTB- oder auch Turbo-Modus gibt die Race-Stufe schon bei geringer Tretkraft Vollgas. Perfekt für einen Speed-Rekord.

Ebenso hilfreich: Die Ingenieure haben dem Super-Modus einen besonders langen Nachlauf verpasst. Heißt: Tritt man vor schwierigen Passagen kräftig an und hält dann die Beine still, schiebt der Motor betont kräftig noch etwas weiter. Gerade an Stufen und Wurzelfeldern, wo Pedalaufsetzer drohen, ist das eine enorme Erleichterung. Schwierige Uphill-Sektionen werden so zur Spielwiese. Diese Charakteristik erlaubt eine ganz neue Fahrweise.

In Sachen Maximalkraft ist die Race-Variante allerdings nicht stärker als der bekannte Performance Line CX. Außerdem haben sich die Schlüsselstellen auf unserer Test-Hausstrecke mir dermaßen ins Hirn gebrannt, dass ich sie bald mit verbundenen Augen fahren kann. Und für das Endergebnis zählen wir ohnehin nur Runs, die flüssig und fehlerfrei durchgezogen werden. Sonst würden Fahrfehler und Unkonzentriertheiten das Ergebnis verfälschen.

Trotzdem kann sich der Bosch CX Race einen Vorteil gegenüber seinem gediegeneren Bruder verschaffen. Denn er gibt in den Momenten, in denen der Fahrer aufgrund der Geländesituation nicht voll durchzieht, trotzdem weiter Gas. Zur Ehrenrettung des Race-Modells muss man sagen: je anspruchsvoller der Track, desto größer wird die Chance, dass man mit dem Bosch CX Race fehlerfrei durchfährt, wo man mit anderen Motoren hängen bleibt. Außerdem spart der stoische Schub auf Dauer Kraft, die man an anderer Stelle in mehr Vortrieb ummünzen kann.

Leichtgewicht: Shimano EP8

Für unser Test-Team wenig überraschend fällt ein Antrieb recht deutlich ab: der Shimano EP8. Er ist der leichteste Motor im Test - in Sachen Maximalkraft aber nicht vorne mit dabei. Wer mit diesem Antrieb in einem Uphill-Rennen antreten muss, hat nur mäßige Chancen. Das bestätigt auch ein Blick in den E-MTB-Worldcup. Doch zum Glück haben die Japaner gerade einen Nachfolger auf den Markt gebracht. Der Shimano EP801 kann seinen Vorgänger um zwölf Sekunden distanzieren - bei gleichem Gewicht. Um den Sieg fährt aber auch der neue Shimano nicht mit.

And the winner is...

Den Sieg schnappt sich ein Underdog - für Kenner nicht ganz unerwartet. Denn Rocky Mountains Dyname 4.0 ist ein absolutes Kraftpaket, und allein die Herstellerangabe von 108 Newtonmetern lässt schon einigen Wumms vermuten. Sofort nach dem Start spürt man, dass man gerade deutlich schneller den Berg hochfliegt. Allerdings muss der Fahrer im Vergleich zum CX Race deutlich mehr am Ball bleiben. Denn der Nachlauf des Dyname-Motors fällt sehr kurz aus und die Leistungsentfaltung progressiv.

Wenn die Beine also für einen Moment etwas lockerlassen, lässt auch der brachiale Schub des Motors direkt nach. Heißt: Je länger und anspruchsvoller der Uphill wird, desto mehr dürfte Boschs CX Race aufschließen. Bei wirklich langen Vollgasbelastungen gilt das noch mehr. Denn hier reagiert der Rocky-Motor schon früh mit einer Leistungsreduktion, weil ihm schlicht zu heiß ums Herz wird.

Die Teststrecke

Der Bikepark in Oberammergau ist für das EMTB-Magazin eine der allerersten Test-Locations. Für die Motoren-Challenge haben wir uns einen Wurzel-Trail im Uphill vorgenommen.

Die Mischung aus steilen Passagen, Wurzeln, Kurven und Absätzen fordert ein komplettes E-MTB und einen ebenso guten Motor. Power, Dosierbarkeit und Traktion stellt der Trail ebenso auf die Probe wie das Fahrwerk, die Steigfähigkeit und Kontrolle des Bikes. Die Daten klingen mit gut 600 Metern Länge und 96 Höhenmetern eher mickrig - doch jeder einzelne Meter ist mit Action gespickt.

Das Speed-Ranking

Hier ist das Ergebnis der Motoren im Speed-Ranking:

Rang Motor Zeit
1 Rocky Mountain Dyname 4.0 3:01 min
2 Bosch CX Race 3:11 min
3 Bosch CX 3:14 min
4 Panasonic 3:17 min
5 Brose 3:18 min
6 Shimano EP801 3:26 min
7 Yamaha 3:27 min
8 Shimano EP8 3:38 min

Kurzporträt der Motoren

  • Rocky Mountain Dyname 4.0: Wow, was für ein Kraftpaket! Der Power-Unterschied zur Konkurrenz ist sofort spürbar. Die Kraftentfaltung ist spritzig, der Motor kann beim Antritt immer noch einen drauflegen. Das macht Spaß. Allerdings muss man richtig dranbleiben, um den Dyname in Schwung zu halten. Lässt die Pedalkraft nach, tut das auch der Motorschub sofort. Der fehlende Nachlauf erschwert technische Passagen.
  • Bosch Performance Line CX Race: Das Pedal antippen und kraftvoll Richtung Gipfel schießen - das ist das Motto bei Boschs Race-Modus. Schon bei geringer Pedalkraft jagt er los, der Nachlauf ist extrem lang. Das erleichtert stufige Passagen enorm. Außerdem spart die Abstimmung Kraft. In Flachpassagen kann man auch mal bummeln, der Bosch Performance Line CX Race schießt trotzdem weiter. Exzellentes Tool für die Jagd nach Uphill-Rekorden.
  • Bosch Performance Line CX: Die Maximalkraft ist identisch mit dem aggressiven Bruder CX Race. Der Zeitunterschied entsteht dadurch, dass man beim Bosch Performance Line CX deutlich mehr am Ball bleiben muss, um die volle Leistung abzurufen. Bei identischer Durchschnittsleistung des Fahrers bringt der CX in Summe weniger Vortrieb. Dennoch einer der schnellsten E-Motoren. Im Alltagseinsatz geschmeidiger als das ungestüme Rennpferd CX Race.
  • Panasonic GX Ultimate: Wäre es die Aufgabe in dieser Challenge, mit wenig Pedalkraft möglichst schnell zu fahren, hätte der Panasonic gewonnen. Schon bei mäßigem Tritt haut der GX Ultimate seine volle Power raus. Gibt der Fahrer mehr Gas, kann er nicht mehr zulegen. Das macht sein Fahrgefühl eher bärig als spritzig. Trotzdem einer der schnellsten Antriebe im Test. Mit enormem Drehmoment hilft er über Schlüsselstellen hinweg.
  • Brose Drive SMag: Der Brose Drive SMag ist der älteste Motor im Test. Trotzdem muss er sich mit seiner Maximalleistung nicht verstecken. Er hält in unserer Challenge den Anschluss an die Spitzengruppe. In technischem Gelände hilft sein gleichförmiger, bäriger Schub mit ordentlich Nachlauf. Auch oben raus geht dem Brose nicht die Luft aus. Neben der Rennstrecke begeistert das leise Antriebsgeräusch und das Fahrgefühl.
  • Shimano EP801: Der neue Shimano EP801 läuft beim Hersteller noch immer unter dem Namen EP8. Wir verstehen nicht ganz, warum. Denn der Nachfolger ist deutlich kräftiger geworden - und bleibt trotzdem der leichteste Antrieb im Test. Dank gutem Drehmoment braucht man sich vor Uphill-Schlüsselstellen nicht fürchten, doch auch mit dem EP801 ist man im Vergleich zu den Schnellsten etwas gemütlicher unterwegs.
  • Yamaha PW-X3: Nach den beiden Shimano-Antrieben und dem Bosch Race ist der Yamaha PW-X3 bzw. Giant Syncdrive der leichteste Motor. Leistungsmäßig liegt er auf ähnlichem Niveau wie der EP801. Angenehm ist seine sehr reaktive Kraftentfaltung, die ein sportliches Fahrgefühl vermittelt. Das erinnert an die beliebte Bosch-Charakteristik. Bleibt man an einer Steilstufe hängen, macht es kein Antrieb leichter, wieder anzufahren.
  • Shimano EP8: Die Uphill-Challenge macht sichtbar, was unsere unzählige Praxistests zuvor angedeutet haben: In Sachen Maximal-Power landet Shimanos EP8 deutlich hinter den Klassenbesten. Seine Stärken: Er ist der leichteste und kompakteste Motor im Test. So findet man unter den Shimano-Bikes die leichtesten E-MTBs am Markt. Diese Vorteile gelten genauso für den EP801 - von daher freuen wir uns auf die Wachablösung.

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