Tödliche Motorradunfälle in Deutschland: Eine Analyse der Statistik und Präventionsmaßnahmen

Motorrad- und Autofahrende sind auf der Straße häufig auf Kollisionskurs. Eine Analyse der Verkehrsunfälle im Jahr 2021 durch ADAC Experten ergab: 16.435 Mal krachte es in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Pkw und Motorrädern. Dabei verletzten sich fast 10.000 Motorradfahrende schwer und 529 verunglückten infolge von Verkehrsunfällen tödlich.

Die Bilanz der Polizei Baden-Württemberg zur Motorradsaison 2024 zeigt, dass die Unfall- und Opferzahlen auf Vorjahresniveau liegen. In der von März bis Oktober 2024 laufenden Motorradsaison ereigneten sich insgesamt 4.115 Motorradunfälle (2023: 4.192), davon 3.351 mit Personenschaden (2023: 3.394). Hierbei wurden 2.458 Bikerinnen und Biker leicht (2023: 2.520), 982 schwer verletzt (2023: 959). 63 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer verunglückten in der Saison 2024 tödlich (2023: 66), in der Motorradsaison 2017 waren es noch über 100.

Innenminister Herbert Reul hat am Montag, den 17. März 2025, die Verkehrsunfallbilanz für das Jahr 2024 vorgestellt. Insgesamt hat die Polizei rund 643.000 Verkehrsunfälle erfasst und damit rund 2.000 mehr als im Vorjahr. 2024 sind 485 Menschen im Straßenverkehr in Nordrhein-Westfalen ums Leben gekommen. Das sind 35 mehr Verkehrstote als noch 2023. Die Zahl der Motorradunfälle hingegen ist gestiegen. 3.160 Menschen sind im vergangenen Jahr bei 3.063 Motorradunfällen verletzt worden (2023: 2.827).

Ursachen und Risikofaktoren

93 % der Unfallopfer waren Kraftradfahrende oder -mitfahrende, aber 66,4 % dieser Unfälle wurden von Pkw-Fahrenden verursacht. Weil Auto und Motorrad ungleiche Partner im Straßenverkehr sind. Basierend auf der Fahrleistung ist das Risiko eines Motorradfahrenden, an einem Unfall beteiligt zu sein, vier Mal höher als bei anderen Verkehrsbeteiligten. Auch das Verletzungsrisiko ist bei Motorradfahrenden erhöht.

Ein möglicher Grund liegt darin, dass Krad-Fahrende so gut wie keine passiven Schutzvorrichtungen wie Airbags, Gurte oder Knautschzonen der Karosserie haben. Neben Alleinunfällen, bei denen Motorradfahrende von der Fahrbahn abkommen, kommt es häufig zu Kollisionen mit Pkw.

Geschwindigkeit war erneut die Hauptunfallursache Nummer eins bei schweren Verkehrsunfällen: 41,9 Prozent (896) der Motorradunfälle mit Personenschaden waren auf überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen, bei tödlichen Motorradunfällen war der Anteil mit 48,6 Prozent (18) noch höher. In Summe wurden mehr als die Hälfte der tödlichen Motorradunfälle (54,4 Prozent, 37) durch die Bikerinnen und Biker selbst verursacht.

Ein zu geringer Abstand und Fehler beim Überholen waren bei 21,8 Prozent (465) der Motorradunfälle mit Personenschaden unfallursächlich.

Die Hauptunfallursachen bei diesen Verkehrsunfällen, wo Personen zu Schaden kamen, waren ungenügender Sicherheitsabstand, Nichtbeachten der Vorfahrt, Fehler beim Abbiegen nach links und Geschwindigkeit.

Auf Basis der durchschnittlichen Fahrleistungen - die Deutschen fahren ca. 13.000 Kilometer pro Jahr mit ihrem Pkw und lediglich 2200 Kilometer mit einem Kraftrad - haben motorisierte Zweiräder gegenüber allen Verkehrsteilnehmern ein vierfach höheres Risiko, an einem Unfall beteiligt zu sein. Die Verunglücktenrate, also die Anzahl der Verunglückten je eine Mrd. gefahrene Kilometer, ist sogar siebenmal so hoch.

Ein erhöhtes Unfallrisiko haben - gemessen an ihrem Anteil in der deutschen Bevölkerung - junge Motorradfahrerinnen und -fahrer im Alter von 15 bis 24 Jahren. Die Verletzungsschwere steigt dagegen mit dem Alter. Am häufigsten erleiden die Motorradfahrerinnen und -fahrer Schädel-Hirn-Traumata, Thorax-Traumata und Traumata an den Extremitäten. Verletzungen am Kopf, Thorax, Abdomen, Becken und Beinen führen am häufigsten zu schweren bis tödlichen Traumata.

Risiko Alleinunfall

Bei Alleinunfällen, also rund einem Drittel aller Motorradunglücke, verlieren die Motorradfahrenden oftmals auf kurvigen Streckenabschnitten die Kontrolle über ihr Fahrzeug. Sie verbremsen sich, sind unaufmerksam, stürzen und/oder kommen von der Straße ab. Mit 47 Prozent sind solche Fahrfehler die häufigste Unfallursache. Die zweithäufigste Ursache von Alleinunfällen ist mit 39 Prozent eine überhöhte Geschwindigkeit. Diese führt oft in einer Kurve zum Unfall.

Risiko Kollisionen

Bei knapp zwei Dritteln der Unfälle prallen die Motorradfahrenden mit anderen Fahrzeugen zusammen. Von Kradfahrerinnen und -fahrern verursachte Kollisionen treten am häufigsten aufgrund von Fehlern beim Überholen, einer unangepassten Geschwindigkeit und einem ungenügenden Abstand auf. Bei fast der Hälfte der Fälle waren die Kradfahrenden nicht die Unfallverursachenden.

Präventionsmaßnahmen und Tipps zur Unfallvermeidung

Um die Sicherheit von Motorradfahrern zu erhöhen, sind sowohl technische Innovationen als auch Verhaltensänderungen notwendig. Hier sind einige praktische Tipps für Motorrad- und Autofahrer:

  • Für Motorradfahrer:
    • Schütze dich bei jeder Fahrt mit einem ECE-Helm, Motorradhandschuhen, -stiefeln, -jacke, -hose, Rückenprotektor und Nierengurt.
    • Achte bei deiner Jacke und Hose auf Protektoren im Bereich der Schultern, Ellenbogen, Rücken, Hüfte, Knie.
    • Für eine bessere Sichtbarkeit im Straßenverkehr sind kontrastreiche Kleidung und Fahrzeuglackierungen hilfreich.
    • Checke die Bremsen, Reifen, Feder-Dämpfer-Elemente, Fahrwerklager, Beleuchtungsanlage, Antrieb (z.B. Kette), Motor vor jeder Fahrt.
    • Übe Bewegungs- und Bedienungsabläufe in Ruhe ein.
    • Auch die Reifen brauchen Zeit, bis sie eine Mindesttemperatur erreicht haben.
    • Halte dich selbst körperlich fit, damit du auch bei langen Fahrten unter ungünstigen Bedingungen noch Reserven hast.
    • Wähle in Linkskurven eine Fahrlinie, die möglichst weit rechts ist. Dadurch hältst du den Abstand zum Gegenverkehr am größten. Außerdem brauchst du in Schräglage mehr Platz.
    • Trainiere die spezielle Blickführung für die Kurvenfahrt: Einlenkpunkt, Scheitelpunkt, Kurvenausgang, weiterer Straßenverlauf. Die Blickführung gehört zur den wichtigsten Lenkungsinstrumenten.
    • Fahren Sie immer so, dass Sie an Kreuzungen für wartende Autofahrende gut sichtbar sind. Halten Sie also Abstand zu größeren Autos vor Ihnen, fahren Sie gegebenenfalls "auffällig", indem Sie durch eine kurze Lenkbewegung geringfügig Ihre Fahrspur ändern.
    • Meiden Sie bei mehrspurigem Kolonnenverkehr den Bereich seitlich hinter anderen Fahrzeugen. Sie befinden sich dort im toten Winkel.
  • Für Autofahrer:
    • Schauen Sie in Einmündungsbereichen und an Kreuzungen lieber zweimal zu viel als einmal zu wenig.
    • Beachten Sie vor allem: Die vordere Dachsäule ("A-Säule") Ihres Autos verdeckt nur allzu gern den Blick auf seitlich herannahende Motorräder.
    • Schauen Sie vor einem Spurwechsel, vor einem Überholmanöver oder beim Wenden lieber zweimal in den Spiegel und über die Schulter. Ein Motorrad wird leicht übersehen.
    • Bleiben Sie gelassen, wenn ein Motorradfahrender überholt. Er braucht dafür weniger Strecke, als Sie annehmen.
    • Überholen Sie Kolonnen nur dann, wenn Sie ein Wende- oder Überholmanöver eines vor Ihnen fahrenden Autos ausschließen können.

Für Auto- und Motorradfahrende gilt: Fahren Sie defensiv, respektieren Sie die Verkehrsregeln. Und machen Sie sich fit für Gefahrensituationen.

Technische Lösungen zur Unfallvermeidung

Auch die Technik kann einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Motorradunfällen leisten. Hierzu gehören:

  • Kurven-ABS und Traktionskontrolle: Diese Systeme können einen großen Teil der Fahrunfälle verhindern.
  • Abstandsregeltempomat (ACC) und Totwinkelassistent: Diese Assistenzsysteme erhöhen die Sicherheit der Motorradfahrerinnen und -fahrer.
  • eCall-System: Dieses System verbessert die Hilfeleistung nach einem Unfall.
  • Linksabbiegeassistenten und Kreuzungsassistenten: Diese Systeme könnten das Sicherheitsniveau deutlich erhöhen und Zusammenstöße verhüten.

Unfallschwerpunkte entschärfen

Als große Probleme werden dort eingeschränkte Einsehbarkeit des Streckenverlaufs, ein mangelnder Grip auf der Fahrbahn oder fehlende Linksabbiegestreifen beschrieben. Schon durch kostengünstige Maßnahmen wie das Zurückschneiden der Bepflanzung, das Entfernen von Hindernissen neben der Fahrbahn, das Herabsetzen der Höchstgeschwindigkeit oder das Aufstellen von Richtungstafeln in Kurven können Unfallschwerpunkte entschärft werden.

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