Praktisch jeder Radfahrer hat schon einmal einen platten Reifen gehabt. Oft lässt sich der Schlauch noch flicken, aber ist er zu alt oder der Schaden zu groß, dann hilft alles nichts - es muss ein neuer her. Wenn du wenig Erfahrung im Fahrradreifen-Wechsel hast, dann kann die Auswahl an verfügbaren Schläuchen etwas verwirrend sein. Aber auch mit einer Handvoll Fahrradschläuche als Auswahl ist es lange nicht mehr getan. Fahrradschlauch ist nicht gleich Fahrradschlauch - das dürfte nahezu jedem Fahrradfahrer klar sein.
Die Bedeutung des richtigen Fahrradschlauchs
Ein Fahrradschlauch ist ein aufblasbarer Schlauch, der innerhalb des Fahrradreifens platziert wird und spielt eine entscheidende Rolle in den Fahreigenschaften eines Fahrrads. Es ist wichtig, die richtige Fahrradschlauchgröße für Ihr Fahrrad zu wählen, um eine optimale Leistung und Sicherheit zu gewährleisten. Die Schlauchgröße muss zur Größe Ihrer Fahrradreifen passen.
Wie finde ich die richtige Schlauchgröße?
Um die richtige Fahrradschlauch-Größe zu ermitteln, solltest du zwei Dinge berücksichtigen: die Art des Ventils und die Größe des Fahrradreifens. Außerdem ist es wichtig, dass der Schlauch nicht nur zu deiner Laufradgröße und Reifenbreite passt, sondern auch zum Fahrradtyp und Einsatzzweck passt. Wer also viel im Gelände unterwegs ist, braucht einen anderen Schlauch als jemand, der mit seinem Fahrrad die Straßen unsicher macht.
Du brauchst im Prinzip zwei Größenangaben, um die korrekte Schlauchgröße zu finden. Die Größe deines Fahrradreifens bestimmt sich durch die Laufradgröße (meist in Zoll angegeben) und die Reifenbreite in Millimetern. Zusätzlich solltest du auch dein Einsatzgebiet berücksichtigen. Bei einem City Bike ist die Pannensicherheit deutlich wichtiger, als das Gewicht des Schlauches oder der Rollwiderstand. Bei einem Rennrad, wo es wegen der größtmöglichen Geschwindigkeit um jedes Gramm geht, sieht die Sache anders aus.
Zurück zur Größe: Du findest die korrekte Größe deines Rades, beziehungsweise des Reifens auf der Seitenwand des Reifens, dort sind Reifenbreite und Innendurchmesser gemäß des ETRTO-Standards in Millimeter auf dem Fahrradmantel aufgedruckt - zum Beispiel 57-622.
Größenangaben auf dem Reifen
In der Regel findet man die Größenangabe auf der Seite des Reifens. Doch schon hier kommen viele Radfahrer ins Straucheln, denn oft finden sich mehrere Angaben auf einem Fahrradreifen. Inzwischen hat sich die sogenannte ETRTO-Norm (European Tire and Rim Technical Organization) für eine einheitliche Ordnung durchgesetzt. Diese Größenbezeichnung (z.B. 55-406) ermöglicht eine eindeutige Zuordnung zur Felgengröße, da sie sowohl die Breite (55 mm) als auch den Innendurchmesser (406 mm) des Fahrradreifens berücksichtigt.
Die Größe: Seitlich des Mantels sind Ziffern eingeprägt. Diese geben die Reifengröße und die benötigte Schlauchgröße an. 65-622Die 65 steht für die Reifenbreite (mm).
Es gibt drei Größenangaben, die sich auf so gut wie allen Fahrradreifen finden lassen. Anhand der oben erklärten ETRTO-Maße kannst du ganz einfach den richtigen Schlauch für dein Bike finden. Du musst lediglich darauf achten auch das richtige Ventil zu wählen.
Auf den Packungen der Fahrradschläuche selbst ist meist die Felgengröße sowie die kleinste und größte Reifenbreite zu finden, für die der Schlauch passt. Diese Angaben hängen mit den Eigenschaften von Schläuchen zusammen: Je nachdem wie stark du sie aufpumpst, passen sie auf unterschiedliche Reifen-Durchmesser.
Da ein Fahrradschlauch flexibel ist passt er häufig für mehrere Reifengrößen. Auf der Verpackung stehen daher sowohl die kleinsten als auch die größtmöglichen Reifen, für die der Schlauch passt. Der oben gezeigte Schlauch passt also in Reifen mit einer Breite von 40 bis 62 Millimeter und auf Felgen mit einem Durchmesser von 584 bis 635.
Zusätzliche Größenangaben
Darüber hinaus können auf der Seitenwand des Reifens weitere Größenangaben stehen:
- Zoll (27,5 Zoll= ungefährer Außendurchmesser)
- Französisch (700 x 38C = ungefährer Außendurchmesser x Reifenbreite x Reifenhöhe)
- Englisch (28 x 1 5⁄8 x 1 3⁄8 = ungefährer Außendurchmesser x Reifenhöhe x Reifenbreite oder 28 x 1.40 = ungefährer Außendurchmesser x Reifenbreite in Zoll)
Die Angabe in Zoll ist zwar weit verbreitet, aber relativ ungenau, da der tatsächliche Außendurchmesser je nach Reifendruck variiert. Außerdem berücksichtigt sie nicht den Innendurchmesser und die Breite des Reifens, wie es bei der französischen Größenangabe der Fall ist, die jedoch nicht für alle Reifengrößen existiert - und daher z. B. nicht für Mountainbike-Reifengrößen verwendet wird.
Beispiel zur Verdeutlichung
Ein Fahrradreifen mit der der Größenbezeichnung 27,5", 35-584, 27.5 x 1.35, 650B besitzt folgende Abmessungen:
- Außendurchmesser: 27,5 Zoll bzw. 650 mm
- Innendurchmesser: 584 mm
- Breite: 1.35 Zoll bzw. 35 mm
- Reifenhöhe: B = 33 mm
Die verschiedenen Ventiltypen
Es ist wichtig, dass in deinem Schlauch ein passendes Fahrradventil verbaut ist, denn es gibt unterschiedlich große Ventile, die unter Umständen nicht durch die Felgenbohrung passen.
Um die richtige Reifengröße zu finden, muss zunächst der Ventiltyp bestimmt werden. Wenn der neue Schlauch nicht das richtige Ventil hat, kann es sein, dass er nicht durch das Felgenloch passt. Achte deshalb darauf, dass der neue Schlauch das gleiche Ventil hat wie der alte.
Die folgenden drei Typen sind erhältlich:
- Dunlop (DV), auch Fahrrad- oder Blitzventil genannt. Diese Variante findet sich vor allem an älteren Rädern, oder an Kinder-, Trekking- und City Bikes. In den letzten Jahren hat sich das Sclaverandventil bei fast allen Bikes gegenüber dem Dunlopventil durchgesetzt.
- Sclaverand (SV), auch als französisches- oder Presta-Ventil bekannt. Dies ist der Standard, ein im Durchmesser kompaktes und sehr benutzerfreundliches Ventil, das die Luft gut im Reifen hält und dennoch leicht zu befüllen ist. Alle AERON/TPU Airtubes sind mit dem Sclaverandventil zu haben, unsere City/Touren-Schläuche sind alternativ auch mit Schrader-Ventil erhältlich (siehe unten). Diese Ventilart (SV) passt durch jede Felgenbohrung.
- Schrader (AV), auch als Autoventil bekannt. Das Schraderventil findet sich vor allem an City Bikes und älteren Mountainbikes. Dieses aus der Autoindustrie stammende Ventilsystem hat den Vorteil, dass du es an jeder Tankstelle an den Luftdruck-Geräten für Autos aufpumpen kannst und es überdies sehr stabil ist. Liebäugelst du mit Schraderventilen, solltest du aber dringend darauf achten, dass deine Bohrung in der Felge groß genug ist, denn diese Ventile haben einen größeren Durchmesser als Sclaverand-Ventile.
Im Allgemeinen gibt es drei gängige Ventiltypen:
- SV: Sclaverand-Ventil (französisches Ventil, Presta-Ventil): E-Bike, Rennrad, Mountainbike
- DV: Dunlop-Ventil (Blitzventil): Citybike, Trekkingbike
- AV: Schrader-Ventil (Autoventil): Tourenrad, Mountainbike
Das Schrader-Ventil ist sehr robust und besonders benutzerfreundlich. So kannst du einen Reifen mit Schrader-Ventil an jeder Tankstelle aufpumpen. Das französische Ventil ist vor allem bei Rennrädern verbreitet und hat einen Ventilkopf, den du vor dem Aufpumpen abschrauben musst. Auch beim Dunlop-Ventil muss vor dem Aufpumpen eine Ventilkappe entfernt werden. Dieser Ventiltyp ist vor allem bei Citybikes verbreitet.
Auch solltest du, vor allem bei Carbonfelgen am Rennrad, darauf achten, dass du die richtige Ventillänge wählst. Diese hängt von der Felgentiefe ab.
Materialien von Fahrradschläuchen
Zu guter Letzt bleibt die Wahl des Materials, denn die richtige Größe nützt dir nur etwas, wenn der Schlauch auch deinen Anforderungen entspricht. Hier gibt es drei Varianten:
- Butylkautschuk: Die klassischen schwarzen Fahrradschläuche bestehen aus Butyl und sind seit vielen Jahren auf dem Markt. Luftdurchlässigkeit und Pannensicherheit sind okay, aber Butylschläuche sind sehr schwer und haben nicht zuletzt darum den höchsten Rollwiderstand von allen Materialien.
- Latex: Latexschläuche waren lange Zeit vor allem bei ambitionierten Rennradfahrern sehr beliebt. Sie verfügen über einen geringen Rollwiderstand. Diesen Vorteil erkaufst du dir allerdings mit einer ganzen Reihe an Nachteilen: Latexschläuche sind empfindlich, was den Einbau recht umständlich gestaltet und selbst bei kleinen Schäden im Felgenband schnell zu Pannen führen kann. Sie halten zudem die Luft deutlich schlechter als jeder andere Schlauch, was häufiges Nachpumpen erfordert.
- Thermoplastisches Polyurethan (TPU): TPU-Schläuche verbinden das Beste aus allen Materialien. Sie sind leichter als Latex und bieten ein kleineres Packmaß, besseren Rollwiderstand und höhere Pannensicherheit als Butyl. Durch unterschiedliches Layering sind TPU-Schläuche variabel in ihrem Einsatzgebiet. Für extreme Road Performance gibt es ebenso ein passendes Produkt, wie für raue MTB- oder Gravel-Fahrten. Thermoplast ist nicht nur leicht, sondern auch leicht zu flicken und zu 100 Prozent recyclebar, was diese Schläuche zum perfekten Fahrradzubehör machen.
Reifentypen
Welche Reifentypen bzw. Drahtreifen werden standardmäßig auf den meisten Felgen eingesetzt. Durch den Reifendruck wird der Draht ins Felgenbett gedrückt und hält Felge und Reifen zusammen. Es gibt sie mit Stollenprofil für Mountainbikes und Trekkingräder um auf Waldböden und Pfaden den perfekten Halt zu haben.
Hier wird anstelle von Draht und zur Stabilisation, Kevlar- oder Aramidfasern verwendet. Das spart Gewicht (zwischen 50 - 100 g) und der Mantel ist leicht Zusammenrollbar.
Ein Schlauchreifen besteht aus einer geschlossenen/vernähten Hülle, in der im inneren der Schlauch liegt. Er muss direkt auf die Felge geklebt werden und durch die leichte Bauweise kann einiges an Gewicht gespart werden. Rennräder verwenden häufig diese Art von Reifen, da der Rollwiderstand ähnlich dem des Faltreifens gering ist. Bei einem Platten könnte man im Notfall noch auf dem Mantel fahren. Die Montage ist ein wenig komplizierter als bei anderen Reifen und der benötigte Kleber muss ca. 24 Stunden trocknen.
Wie der Name schon sagt, befindet sich in diesem Reifen kein Butyl-Schlauch. Wie in einem Auto- oder Motorrad-Reifen (Faltreifen oder Drahtreifen) wird die Luft zwischen Felge und Mantel gepumpt. Der maximale Luftdruck beträgt 4 bar. Einen optimalen Druck erreicht man mit ca. 1,9 bar. Tubeless-Reifen benötigen Dichtmilch (Pannenschutzflüssigkeit)Dichtmilch besteht aus einer Emulsion aus Latex und dichtet kleine Löcher und Risse im Fahrradmantel automatisch ab.
Ein konventioneller Mantel ist meist nicht vollkommen luftdicht, deshalb solltest du regelmäßig überprüfen, ob genügend Dichtmilch im Tubeless-Reifen vorhanden ist. Man kann mit einer Nadel in den Reifen stechen und beim Drehen feststellen, ob sich das Loch selbstständig wieder verschließt, ist das nicht der Fall, muss nachgefüllt werden.
Wichtige Hinweise zur Montage und zum Aufpumpen
Bei der Montage und vorallem beim Aufpumpen, sollten Sie sich unbedingt an die jeweiligen Herstellerangaben halten. Achten Sie darauf, dass Sie den maximalen Luftdruck nicht überschreiten.
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