Die Frage, welches Benzin für eine Harley-Davidson am besten geeignet ist, beschäftigt viele Fahrer. Im Wesentlichen geht es darum, ob normales Super, Super Plus oder sogar Premium-Kraftstoffe wie V-Power oder Ultimate die beste Wahl darstellen. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle, darunter das Modelljahr des Motorrads, eventuelle Modifikationen am Motor und persönliche Präferenzen.
Empfehlungen von Harley-Davidson
Harley-Davidson empfiehlt für Modelle, die vor 1980 gefertigt wurden, auf "Super Plus" (ROZ 98) umzusteigen, das weiterhin mit maximal fünfprozentigem Ethanolanteil angeboten wird. Auch für modifizierte, beziehungsweise leistungsgesteigerte Harley- Motoren, sowie für alle Buell-Modelle, empfiehlt die Motor Company, „Super Plus“ (ROZ 98) zu tanken. Allerdings vertragen alle serienmäßigen Harley-Motoren ab dem Modelljahr 1980 zehn Prozent Ethanol im Kraftstoff und können daher problemlos mit E10 „Super“-Kraftstoff (ROZ 95) betrieben werden.
Oktanzahl und ihre Bedeutung
Die Oktanzahl ist ein Maß für die Klopffestigkeit des Benzins. In Deutschland wird die Research-Oktanzahl (ROZ) verwendet. In den USA hingegen wird das arithmetische Mittel aus ROZ und MOZ (Motor-Oktanzahl) verwendet, was als AON (Anti-Knock Index) bezeichnet wird. Es ist wichtig zu beachten, dass amerikanische Angaben zur Oktanzahl von den deutschen abweichen können. So werden höher siedende Fraktionen in den heißen Regionen "ausgeschenkt", während in kalten Benzine mit höheren Anteilen an leichtflüchtigen Komponenten zum Einsatz kommen, damit die Motore auch bei tiefen Temperaturen noch zuverlässig anspringen.
Einige Fahrer berichten von einem ruhigeren Motorlauf und besserem Ansprechverhalten bei Verwendung von Super Plus (98 Oktan) im Vergleich zu Super (95 Oktan). Im Vergleich zwischen 102 Oktan und 95 Oktan kann man seine Street Bob mit rund 300 U/min weniger durchs Dorf tuckern lassen, ohne das der Motor irgendwie angestrengt klingt oder wirkt. Auch unsere Zephyr (alter 2-Ventiler, normal verdichtend) läuft mit 98 Oktan im unteren Drehzahlbereich definitiv ruhiger, als mit 95 Oktan, obwohl sie sogar ein Vierzylinder ist.
Es gibt aber auch Stimmen, die besagen, dass Super Plus und höheroktanige Kraftstoffe nur bei hochverdichteten Motoren einen Vorteil bringen und für normale Harley-Motoren nicht notwendig sind. Totaler Quatsch das in unsere Mühlen rein zu schütten, macht überhaupt keinen Sinn. Super Plus und höher oktanig bringt nur was bei Hochverdichteten Motoren.
Ethanol im Benzin (E10)
Gemäß Biokraftstoffquotengesetz haben die Mineralölgesellschaften seit dem Jahresende 2010 den Anteil an Bioethanol im Superbenzin sukzessive von fünf (E5) auf bis zu zehn Prozent angehoben (E10). Der neue E10 Superkraftstoff ist an entsprechend gekennzeichneten Zapfsäulen erhältlich. Viele Besitzer einer Harley-Davidson, vor allem älterer Modelle, fragen sich, ob ihre Motoren den erhöhten Ethanol-Anteil vertragen.
Der Alkohol im Benzin wirkt hygroskopisch, er bindet Wasser aus der Umgebungsluft. Dieses Wasser kann sich in Blasen im Benzin sammeln und sinkt durch die höhere Dichte nach unten. Motorradtanks aus Metall oder alte Vergaser können so schneller Korrosionsschäden erleiden. Teilweise bedingt durch gelegentliche chemische Reaktionen mit dem Alkohol, die den Rost begünstigen.
Bei der Verwendung von ethanolhaltigem Kraftstoff, sollte bedacht werden, dass Benzin leichter als Ethanol ist. Steht dein Bike dann lange auf einer Stelle, setzt sich das Ethanol im Benzin nach unten ab. Dies führt dann gerade nach der Winterpause bei vielen Motorrädern zu Startschwierigkeiten. Sorge also dafür, dass du bei der Einwinterung des Motorrads einen bestmöglich leeren Tank hast.
Premium-Kraftstoffe (V-Power, Ultimate)
Einige Fahrer schwören auf Premium-Kraftstoffe wie V-Power oder Ultimate, die eine höhere Oktanzahl (100 Oktan und mehr) aufweisen und spezielle Zusätze enthalten sollen. Ich tanke ebenfalls nur Aral 102 Oktan oder Shell V-Power 100 Oktan. Es gibt Motorradbesitzer die aus Liebe zu ihrem Bike, besonders hochwertige Kraftstoffe, wie beispielsweise Super 100, V-Power und Ultimate 100 tanken. Diese sind nochmals um einiges teurer als Superplus und führen zu einem sauberen Verbrennungsablauf im Motor.
Obwohl diese Kraftstoffe teurer sind, versprechen sie eine bessere Verbrennung und möglicherweise eine höhere Motorleistung. Bei Autos konnten 4-5 % PS mehr gemessen werden (V-Powerlohnt sich jedoch nicht). Allerdings ist der tatsächliche Nutzen für Harley-Davidson-Motoren umstritten. V-Power/Ultimate hingegen brachte bei mir weder eine Leistungsverbesserung noch einen ruhigeren Motorlauf.
Kraftstoffverbrauch und Kosten
Die Wahl des Benzins kann auch Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch haben. Einige Fahrer berichten von einem geringfügig niedrigeren Verbrauch bei Verwendung von Super Plus im Vergleich zu Super. Dat kostet zwar ein wenig mehr, dafür sinkt der Verbrauch etwas (um ca 0,15 L/100). Dennoch ist es wichtig zu beachten, dass der Energieinhalt im Sprit ein wenig mit der Oktanzahl sinkt. Z.B. hat Super ca. 1-2 % weniger Energieinhalt als Normalbenzin, daher wird bei einem für Normalbenzin konstruierten Motor der Verbrauch mit Super eher geringfügig höher werden, wenn auch nur ein klitze bißchen.
Bei angenommenen 7000 km pro Jahr, einem Durchschnittsverbrauch von 7Litern und einer Kostendifferenz von Super E10 zu Super Plus von 0,10 EUR jeLiter, kommt man auf Mehrkosten in Höhe von 50 EUR pro Jahr. Im Vergleich dazu was mich dieses Hobby eh schon kostet, istdas echt ein Klacks.
E20-Kraftstoff
E20 bezeichnet einen Ottokraftstoff mit erwarteten 98 Oktan und einem Anteil von 20 Prozent an Bio-Ethanol. Dieser stammt aus Pflanzen und ist somit CO₂-neutral, da er kein fossil gebundenes Kohlendioxid emittiert.
Harley-Davidson hat seine aktuellen Modelle technisch bereits für einen Ethanol-Anteil von 22 Prozent ausgelegt. Lediglich die Software der europäischen Modelle müsste angepasst werden. Das Einführen von E20 in Europa - wohl ab 2028 - stellt Harley-Davidson also vor keine nennenswerten Hürden.
Zusammenfassung
Die Wahl des richtigen Benzins für eine Harley-Davidson hängt von verschiedenen Faktoren ab. Während Harley-Davidson für ältere Modelle Super Plus empfiehlt, können neuere Modelle problemlos mit E10 betrieben werden. Ob Premium-Kraftstoffe einen Mehrwert bieten, ist umstritten und hängt von den individuellen Bedürfnissen und Präferenzen ab. Es ist ratsam, die Empfehlungen des Herstellers zu beachten und gegebenenfalls verschiedene Benzinsorten auszuprobieren, um die beste Lösung für das eigene Motorrad zu finden.
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