Welches Fahrrad für Kinder kaufen: Worauf Sie achten sollten

Das richtige Fahrrad zu finden, kann eine Herausforderung sein, besonders wenn man online bestellt oder gebraucht kauft und auf entsprechende Beratung und Probefahrt verzichten muss. Damit du einfach das richtige Fahrrad für dein Kind findest, erklären wir dir im Folgenden, worauf du beim Kauf achten solltest und geben dir weitere hilfreiche Tipps zum Thema Kinderfahrräder.

Die richtige Größe finden

Wichtiger als alles andere ist bei Kinderfahrrädern die Größe. Sie wird in Zoll angegeben. Im Gegensatz zu Erwachsenenfahrrädern wo die Größe des Rahmens angegeben wird, beziehen sich bei Kinderfahrrädern die Größen auf den Durchmesser der Räder. Laufräder bekommst du in 8“ oder 10“. Ab 12“ haben die Räder dann häufig schon Pedale und sind „richtige, echte“ Fahrräder.

Wundere dich übrigens nicht, wenn dein Kind die eine oder andere Fahrradgröße überspringen kann. Zum einen wachsen Kinder in Schüben und es kann sein, dass sie während eines Winters eine komplette Größe verwachsen. Außerdem sind Sattel und Lenker höhenverstellbar, so kann das Fahrrad immer wieder an den Fahrer angepasst werden. Dadurch kann häufig eine Größe überbrückt werden und du sparst eine Menge Geld.

Welche Größe aktuell zu deinem Kind passt, richtet sich eher nach der Körpergröße als nach dem Alter des Kindes, die Altersangaben sind daher nur als grobe Richtlinie gedacht. Einige Hersteller geben auch die Schrittlänge an um die Größe zu ermitteln. Das ist nicht ganz abwegig, schließlich sind bei jedem Menschen die Körperproportionen etwas anders und ein Fahrrad, vor allem ein Kinderfahrrad, muss zur Länge der Beine passen.

Schrittlänge ermitteln

Du brauchst nichts weiter als ein Bilderbuch und einen Meterstab. Das Kind muss gerade stehen und das Buch zwischen die Beine klemmen. Schiebe das Buch so weit es bequem möglich ist nach oben. Nun musst du nur noch vom Boden bis zur Oberkante des Buches messen. Schon kennst du die Schrittlänge.

Allgemeine Tipps zur Größe

Generell fährt ein Kind leichter auf einem Fahrrad das etwas zu klein ist. Ein zu großes Fahrrad kann deinem Kind für alle Zeiten die Freude am Fahrradfahren verderben! Kleine Fahrräder sind leichter, mit weniger Gewicht kommt ein Kind besser zurecht. Je größer das Fahrrad ist, desto höher liegt auch der Schwerpunkt, damit wird es schwieriger das Fahrrad auszubalancieren. Nicht zuletzt ist der Fallweg von einem kleinen Fahrrad bis zum Boden geringer, Stürze haben seltener schwere Folgen.

Ob das Fahrrad passt, siehst du den Beinen deines Kindes an. Bei Laufrädern müssen die Kinder mit beiden Füßen bequem auf den Boden reichen während sie im Sattel sitzen, denn nur so können die Kinder sich kraftvoll abstoßen. Bei Fahrrädern müssen die Kinder mit den Fußballen den Boden erreichen wenn sie im Sattel sitzen. Die Oberschenkel sollen aber beim Treten höchstens in eine waagerechte Position hochgezogen werden. Bewegen sich die Beine in der höchsten Position höher, dann ist das Fahrrad zu klein.

Der sicherste Weg zu einem passenden Kinderfahrrad führt eigentlich in den Laden einer unserer Fachhändler. Du wirst dort bestens beraten und dein Kind kann Fahrräder testen. Du solltest den richtigen „Sitz“ des Fahrrads regelmäßig überprüfen und anpassen.

Erste Fahrversuche auf dem Laufrad

Sie sehen ja wirklich allerliebst aus -winzige Kerlchen auf einem Laufrad. Allerdings haben sie nach wenigen Übungsrunden gehörig Geschwindigkeit drauf und erfordern ein wachsames Auge seitens der Eltern.

Damit Anschiebebewegung und das Lenken in sicherer Umgebung geübt werden können, gibt es schon für die ganz Kleinen Rutschfahrzeuge wie das PukyLino von Puky. Es eignet sich für Kinder ab ungefähr einem Jahr, sicheres Stehen ist Voraussetzung, das ist schon alles. Die vier kippsicheren Räder sind extra-leise, denn das PukyLino ist zum Gebrauch in der Wohnung gedacht. Dort können die Zwerge ihre allerersten Runden drehen, fernab von allem Verkehr und sich daran gewöhnen, wie es sich anfühlt zu fahren, statt gefahren zu werden.

Das Puky Wutsch ist für etwas größere Kinder, es hat ebenfalls vier Räder und eignet sich für drinnen und draußen, sollte aber nur auf Flächen gefahren werden, wo die Kinder nicht in die Nähe von Autos geraten. Wenn du außerhalb der Wohnung mit Kind und Fahrzeug unterwegs bist, sorgt ein Helm für zusätzliche Sicherheit. Mit ungefähr zwei Jahren wird das Rutschfahrzeug dann uninteressant, es wird Zeit für das erste Zweirad. Ohne Pedale schieben die Kinder sich mit den Füßen vorwärts, daher sollte das Rad so klein sein, dass sie mit beiden Füßen den Boden gut erreichen.

Ein Laufrad sollte möglichst leicht sein, die Kinder kommen besser damit zurecht, außerdem kannst du das Rad so problemlos nach Hause tragen wenn dein Kind keine Lust mehr hat - das kommt vor! Ein Laufrad schult den Gleichgewichtssinn und die Motorik, die Stützräder am ersten Fahrrad werden dadurch überflüssig. Die Kurzen sollten nie ohne Schuhe Laufrad fahren, denn da auch mit den Füßchen gebremst wird, wären Verletzungen vorprogrammiert. Es gibt Laufräder mit und ohne Handbremse. Wir würden auf jeden Fall zu einem Laufrad mit Handbremse raten. Wenn dein Kind anfangs lieber mit den Füßen bremst - bitte! Aber wenn es größer wird, kann es das Bremsen per Hand üben.

Die Sättel sehen an Laufrädern meist seltsam schmal aus, das ist aber nicht unbequem, sondern voll beabsichtigt. Denn nur so können die Kinder ohne scheuernde Reibung die Laufbewegung ausführen. Mit dem Laufrad legst du einen wichtigen Grundstein für das spätere Verhalten deines Kindes im Straßenverkehr.

Sinnvolles Zubehör

  • Helm- niemals ohne!
  • Trageriemen- damit kannst du dir das Rad wie eine Tasche umhängen, wenn der Nachwuchs nicht länger fahren will.

Kinderfahrräder nach Größe

Wir fokussieren uns hier hauptsächlich auf Kinder- und Jugendfahrräder und gehen die verschiedenen Größen von 12-Zoll-Kinderfahrrädern bis zu 26-Zoll-Fahrrädern Schritt für Schritt durch. Die Größenangabe bezieht sich bei Kinderfahrrädern auf den Durchmesser der Räder in Zoll. Vorweg: Die Größenzuordnungen sind fließend und können individuell auch mal etwas abweichen. Besonders im jungen Alter ist viel Bewegung wichtig.

12“-Kinderfahrräder

Mit einem 12“-Fahrrad fängt der Fahrspaß richtig an, für alle Kids von ungefähr 85-100cm Körpergröße kann es mit dem Fahrradfahren so richtig losgehen. Wenn dein Kind schon an das Fahren auf dem Laufrad gewöhnt ist, muss es eigentlich nur noch das Pedalieren üben. Dafür reicht es meist die Stützräder die bei vielen Mini-Fahrrädern mitgeliefert werden für ein Stündchen am Fahrrad zu lassen, bis die Zwerge sich an das Treten und die neue Radgröße gewöhnt haben. Danach brettern viele Kids auch ohne Stützräder los, denn die Balance halten und lenken können sie ja längst.

12“-Fahrräder verzichten auf unnötigen Schnickschnack, eine Gangschaltung würde die Kurzen nur überfordern, eine Beleuchtungsanlage zusätzliches Gewicht bedeuten.

Sinnvolles Zubehör:

  • Lenkerkörbe- was mit muss, muss mit!

16“-Kinderfahrräder

Für Radler von ca 110-120 cm Körpergröße eignen sich am besten 16“-Fahrräder (14" ist eine Zwischengröße, die nur selten von Herstellern angeboten wird). An der Ausstattung ändert sich im Vergleich zum 12“-Fahrrädern nicht viel, sie werden allerdings selten mit Stützrädern geliefert. Falls du den Eindruck hast, dein Kind würde von einigen Übungseinheiten mit Stützrädchen profitieren, ist es kein Problem einzeln welche zu bekommen. Einige Fahrräder haben bereits in dieser Größe einen Gepäckträger, das ist natürlich ausgesprochen praktisch für den Transport von allerlei wichtigem Krimskrams. Nun wird es auch langsam Zeit, Kinder an sicheres Verhalten im öffentlichen Verkehr zu gewöhnen.

Sinnvolles Zubehör:

  • Helm
  • Fahrradkorb
  • Sitze für Puppen oder Stofftiere
  • Trinkflasche

20“ Kinderfahrräder

In 20“ bekommst du neutrale Kinderfahrräder ebenso wie erste Mountainbikes. Wir raten eher zu einem neutralen Rahmen - also einem Fahrrad, das die Form eines Damenrades hat (du musst deinen Jungs ja nicht verraten, dass das so heißt!), warum kannst du in dem Abschnitt über Rahmenformen nachlesen. Auch wenn die Kinder finden, sie sind jetzt mit 120-135 cm schon groß - sie fahren auf einem solchen Kinderfahrrad sicherer, und wir finden: Sicherheit hat Vorrang vor cooler Optik!

Kinderleichtes Fahrvergnügen bieten Einsteiger-Gangschaltungen. 20“-Kinderfahrräder haben oft noch eine Handbremse und eine Rücktrittbremse, es gibt aber auch schon Modelle mit zwei Handbremsen. Die Bremswirkung ist die gleiche, wichtig ist, dass dein Kind gut mit den Bremsen zurechtkommt.

Sinnvolles Zubehör:

  • bunte Hupen oder Speichenclips
  • Trinkflasche

24“ Kinderfahrräder

Jugendfahrräder in 24“ eignen sich für Menschen mit 135 bis 145cm Körpergröße und stehen Erwachsenenfahrrädern in nichts nach. Du bekommst sie mit einfacher und preisgünstiger Ausstattung oder mit sämtlichen Raffinessen - ganz nach Geschmack. Scheibenbremsen, Federgabeln, viele Gänge - gibt es alles, es ist aber wichtig, die Kinder nicht mit technischer Ausstattung zu überfordern, die sie noch nicht bedienen können.

Spätestens mit einem 24“-Jugendbike muss dein Kind sich entscheiden, ob es bei einem neutralen Rahmen bleiben möchte oder ein spezialisiertes Rad bevorzugt. Es gibt Jugend-Rennräder, Jugend-Mountainbikes, Trekkingfahrräder für Jugendliche - für jedes Vorhaben das optimale Bike!

Viele Fahrräder haben nun keine Rücktrittbremse mehr, stattdessen gibt es zwei Handbremsen. Außerdem haben fast alle Fahrräder eine Gangschaltung. Es gibt völlig unkomplizierte 3-Gang-Nabenschaltungen, 7-, oder 8-Gangschaltungen mit Drehgriff oder vielgängige Kettenschaltungen.

Sinnvolles Zubehör:

  • Fahrradcomputer- Kinder finden es äußerst spannend die Geschwindigkeit und die gefahrenen Kilometer zu dokumentieren.

26“ Jugendfahrräder

Im Grunde ändert sich bei einem 26“-Fahrrad nichts außer der Größe. Ein 26“-Bike ist die letzte Vorstufe zu einem Erwachsenenrad. Es eignet sich ab ca. 145 cm Körpergröße, auch manche Erwachsene fahren 26“-Fahrräder.

Sinnvolles Zubehör:

  • Fahrradrucksack

Das restliche Zubehör - von Vollausstattung bis eigentlich gar nichts -hängt von der Nutzung ab.

Alles im richtigen Rahmen

Ein gutes Kinderfahrrad braucht eine kindgerechte Rahmengeometrie. Unsere Top- Hersteller wissen das und verkleinern nicht einfach ihre Erwachsenenfahrräder, sondern achten auf die Bedürfnisse der Kinder. Besonders wichtig ist ein möglichst tiefer Einstieg, ein Oberrohr würde die Kinder nur daran hindern bequem auf-, und absteigen zu können. Der tiefe Einstig verhindert außerdem so manchen schweren Unfall, denn die Kids können schnell abspringen wenn sie die Balance verlieren und sie fallen nicht auf das Oberrohr. Auch wenn die Nachwuchspiloten gerne ein ultracooles Mountainbike hätten - mit einem Bike mit Citybikerahmen sind sie sicherer unterwegs.

Die Sitzposition wird natürlich auch vom Rahmen bestimmt. Auch hier bietet ein solcher Rahmen Vorteile. Die Kinder sitzen nämlich aufrecht, das vergrößert ihr Gesichtsfeld, sie bekommen mehr mit vom Straßenverkehr. Aufrechtes Sitzen schont zudem den Rücken, auch Schultern, Nacken und Arme werden entlastet.

Die meisten kleinen Fahrräder haben die guten, alten Stahlrahmen. Dagegen ist nichts einzuwenden, sie sind stabil und stecken sämtliche Stürze klaglos weg. Da die Bikes klein sind, sind auch die Rahmen klein, allzu viel Gewicht bringen die Kinderfahrräder so nicht auf die Waage, zumal auf Gangschaltung und Beleuchtung in der Regel verzichtet wird.

Natürlich bekommst du auch Fahrräder für kleinere Kinder mit Alurahmen, sogar Laufräder mit Alurahmen haben einige Hersteller im Programm. Sie schlagen allerdings mit deutlich höheren Preisen zu Buche, ob sich das lohnt hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wenn dein Kind viel Zeit auf dem Fahrrad verbringt und schon mit Vergnügen größere Strecken zurücklegt, ist die Investition in ein Alurad sicher eine Überlegung wert. Auch wenn du mehrere Kinder hast und bereits feststeht, dass das Kinderfahrrad oder Jugendfahrrad von mehreren Kindern genutzt werden wird, lohnt es sich besonders auf gute Qualität zu achten.

Für jedes Kind das passende Fahrrad

Welche Art Fahrrad dein Nachwuchs sich aussucht ist eine spannende Frage. Die Fahrräder für kleine Kinder sind von der Rahmenform her neutral gehalten, es gibt auch kaum einen Unterschied zwischen Mädchen-Fahrrad und Jungen-Fahrrad. Warum es sinnvoll ist, dass ein Kind möglichst lange auf einem Fahrrad mit tiefem Einstieg fährt, haben wir ja bereits erläutert.

Allerdings wird spätestens wenn es an die Anschaffung des ersten Jugendrades geht, die Bandbreite an Fahrrädern auf dem Markt größer. Dann muss dein Kind entscheiden, ob es bei einem neutralen Jugendfahrrad bleiben soll, oder ob ein Rennrad, ein Mountainbike oder ein Trekkingfahrrad hermuss. Es gibt auch eher exotische Jugendfahrräder wie Fatbikes in 20“ oder E-Bikes in 24“. Entscheidend sind der Geschmack und der Fahrstil.

In der Preisfrage können wir nur bedingt Hilfestellung leisten, denn es kommt jetzt darauf an, was die Kids wollen, welches Fahrrad ihnen gefällt und wie sie es nutzen. Oft wollen sie ein Fahrrad wie es die Eltern haben, aber es kommt auch vor, dass es auf gar keinen Fall ein Fahrrad wie die Eltern es haben sein darf...

Um hier zu einer Entscheidung zu kommen, mit der alle zufrieden sind, hat sich folgendes Vorgehen bewährt: lege zuerst ein Budget fest. Dann stöberst du mit deinem Kind zusammen auf BikeExchange nach dem richtigen Fahrrad, da du in den Sucheinstellungen die Preisklasse festlegen kannst, bleiben dir unliebsame Diskussionen erspart. Wenn ihr ein Fahrrad gefunden habt, das euren Vorstellungen entspricht, könnt ihr heraussuchen bei welchem Händler in der Nähe das Fahrrad für eine Probefahrt bereitsteht.

Wie viel Geld du investieren solltest hängt davon ab, wie viel das Fahrrad genutzt wird. Je mehr Zeit deine Familie auf dem Fahrrad verbringt, desto mehr wird sich gute Qualität bezahlt machen. Ob das Fahrrad nur gelegentlich gefahren wird, dem täglichen Transport dient oder als Sport-, oder Reisegerät herhält, sollte sich im Preis niederschlagen. Ein wichtiger Aspekt, der bei der Anschaffung bedacht werden muss ist gerade bei einem Kinder-, oder Jugendfahrrad der Wiederverkaufswert. Ein gut erhaltenes Fahrrad, das nach ein oder zwei Jahren zu klein war, kannst du prima weiterverkaufen, zum Beispiel über BikeExchange.

Wenige oder viele Gänge?

Fahrräder bis 20“ haben meist einen universellen Gang, mit dem Kinder wunderbar fahren können, Gänge auszuwählen würde sie nur überfordern. Einfache Fahrräder ab 24“ haben eine 3 Gang-Nabenschaltung oder eine Kettenschaltung mit Drehgriff. Sie bietet sieben oder acht Gänge, das hängt von der Anzahl der Zahnräder am hinteren Laufrad ab. Diese Schaltungen haben einen Drehschalter der am Lenker an einen Griff anschließt. Diese Schaltungen sind perfekt um den Einsatz verschiedener Gänge zu üben. Dann fällt später der Umstieg auf ein Fahrrad mit einer Kettenschaltung die über zwei Hebel bedient wird und viele Gänge bietet nicht schwer.

Auch Bremsen will gelernt sein!

Laufräder gibt es noch völlig ohne Bremsen, die Füße werden gegen den Boden gestemmt, das muss reichen. Das zieht oft die Schuhe in Mitleidenschaft, daher sollten kleine Laufradfahrer keine allzu guten, aber geschlossenen Schuhe tragen. Barfuß oder in Sandalen wäre die Verletzungsgefahr zu groß. Spätestens am 12“ Fahrrad gibt es dann eine Handbremse, mit der die Kids das richtige Bremsen üben können. Wenn du ein Kinderfahrrad auswählst, solltest du die Bremse genauer unter die Lupe nehmen. Der Hebelweg darf nicht zu groß sein, schließlich sind die Hände klein und die Finger kurz. Der Bremshebel muss leicht zu ziehen sein, denn allzu viel Kraft haben die Kinder noch nicht. Allerdings dürfen die Bremsen nicht zu stramm eingestellt werden, denn die Kinder müssen erst lernen, di...

ADAC Test von Kinderfahrrädern

Der ADAC hat insgesamt 14 Kinderfahrräder mit 16-Zoll-Reifen auf Handhabung, Fahreigenschaften, Eignung für das Kind, Sicherheit und Schadstoffe geprüft. Viele der getesteten Fahrräder haben einen stolzen Preis. Doch muss das sein? Die Ergebnisse im Überblick.

Mit acht der getesteten Kinderfahrräder für den Einstieg ins Radfahren erhält über die Hälfte das ADAC Urteil "gut". Vier Räder bekommen das Urteil "befriedigend", eines das Urteil "ausreichend" und eines fällt mit "mangelhaft" durch. Mit dem Testsieger Woom und dem zweitplatzierten Puky erzielen zwei namhafte Hersteller das beste Ergebnis. Wer ein qualitativ hochwertiges Kinderfahrrad sucht, muss mit einem Preis von 300 bis über 400 Euro rechnen. Doch Qualität zahlt sich in dem Fall aus: Die Eigenschaften eines guten Fahrrads erleichtern es den Kindern extrem, das Radfahren zu lernen.

Positiv fiel auf, dass der Bremshebel und die Sattelhöhe ohne Werkzeug einstellbar sind. Die leichtgängigen Bremsen funktionieren fast zu gut, denn sie mussten mit etwas Vorsicht eingebremst werden. Hilfreich in der Bedienung der Bremsen ist in jedem Fall, dass der hintere Bremshebel farblich markiert ist. So können Kinder beim Fahrradfahren den vorderen und hinteren Bremshebel nicht verwechseln.

Der positive Effekt eines möglichst geringen Gewichts hatte sich auch bereits im ADAC Test von Kinderfahrrädern mit 20 Zoll gezeigt. Die Anforderung der geltenden Norm DIN 8089 schreibt eine Pedal-Neigung von mindestens 23 Grad vor, die beim Kurvenfahren mit diesem Modell aber nicht möglich war. Das Pyro Sixteen lässt nicht einmal 18 Grad zu, dann berührt das Pedal den Boden. Beim Kurvenfahren wird das gefährlich, wie der Praxistest eindeutig gezeigt hat.

Denn die Kinder berührten mit den Pedalen teilweise die Fahrbahn und wurden dadurch regelrecht mit dem Fahrrad zur Seite versetzt. Das hatte das ADAC Urteil "mangelhaft" zur Folge.

Ergebnisse im Überblick

Die 14 Kinderfahrräder mit 16-Zoll-Reifen für Kinder ab drei Jahren wurden mit unterschiedlicher Gewichtung in den fünf Kategorien Fahreigenschaften, Eignung für das Kind, Handhabung, Sicherheit und Haltbarkeit sowie Schadstoffe getestet.

Technische Schwächen zeigte besonders das Fahrrad Royal Baby Freestyle mit den schlechtesten Bremsen im ADAC Test, die sich negativ sowohl auf das Bremsverhalten als auch die Einstellung der Bremsen auswirkten. Das führte letztendlich zum vorletzten Platz im Test mit dem ADAC Urteil der Note "ausreichend".

Überraschend ist, dass nur die zwei preisgünstigsten Modelle im Test (Royal Baby Freestyle und B'Twin 500 Robot) frei von Schadstoffen sind. Bei allen anderen Kinderfahrrädern wurden Schadstoffe in den Griffen und auch im Sattel gefunden. Das Kinderrad MX 16 2023 von Orbea, das immerhin rund 360 Euro kostet, hatte mit dem Weichmacher DPHP Schadstoffe in den Griffen und musste dadurch auch abgewertet werden.

Auf zulässiges Gesamtgewicht achten

Generell ist es von Vorteil, wenn das erste Kinderfahrrad ein geringes Eigengewicht hat. Denn: Je leichter ein Kinderfahrrad ist, desto leichter ist das Üben für das Kind und desto besser auch das Fahrverhalten. Auch das zulässige Gesamtgewicht (Eigengewicht Fahrrad und Gewicht des Kindes) für ein Kinderfahrrad ist wichtig und muss altersgerecht sein. Ein 16-Zoll-Kinderfahrrad sollte deshalb mindestes 30 Kilo Gesamtgewicht oder mehr zulassen.

Positiv fallen dagegen die Hersteller Woom (Testgewinner) und Puky auf. Denn sie geben ein zulässiges Gesamtgewicht von 60 Kilo an, was sehr gut ist. Das Kinderfahrrad von Woom ist mit 5,9 Kilo Eigengewicht zudem das leichteste Fahrrad im ADAC Test.

Praxis-Tipps für Eltern

Vor dem Kauf eines Kinderfahrrads ist es immer von Vorteil, die Kleinen beim Fachhändler Probe sitzen zu lassen und das Rad zuvor richtig einzustellen. Dabei sollten Sattelhöhe, Lenkerposition und die Erreichbarkeit der Bremshebel so eingestellt sein, dass diese vom Kind einfach bedient werden können. Radfahren bedeutet auch, den ein oder anderen Sturz zu erleben. Deshalb ist das Tragen eines gut sitzenden Fahrradhelms immer unerlässlich.

Sollten Bedenken wegen möglicher Schadstoffe in den Lenkergriffen bestehen, können diese immer im Fachhandel getauscht werden.

Größentabelle für Kinderfahrräder

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht, welche Fahrradgröße für welche Körpergröße geeignet ist:

Fahrradgröße (Zoll) Körpergröße (cm)
12 85-100
16 110-120
20 120-135
24 135-145
26 ab 145

Weitere Tipps und Überlegungen

  • Alter, Größe, Innenbeinlänge: Werte zur Orientierung. Von Tabellen, die ausschließlich nach dem Alter des Kindes gehen, sollte man Abstand nehmen - jeder wächst unterschiedlich schnell.
  • Kein Fahrrad zum „Reinwachsen“: Es ist sehr wichtig, immer genau die richtige Größe zu haben, denn das Kind muss sein Rad richtig bedienen können.
  • Kurbellänge: Ideal wäre eine kurze Kurbel, sodass die Kinder beim Fahren das Knie nicht so stark beugen müssen.
  • Rücktritt oder Handbremse?: Ein endgültiges Urteil, welcher Bremsentyp nun besser sei, wolle René Filippek aber nicht fällen.
  • Keine Stützräder: Keine Stützräder, davon rät mittlerweile eigentlich jeder ab.

Mit diesen Tipps gerüstet, sollte nun der erfolgreichen Suche nach einem guten und passenden Kinderrad - z.B im Fahrrad-Finder des Kinderfahrradfinders - nichts mehr im Wege stehen.

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