Horst Krause, bekannt für seine Rolle als Polizeihauptmeister im Brandenburg-"Polizeiruf", ist eine Institution im deutschen Fernsehen.
Die Ära Krause im "Polizeiruf 110"
Horst Krause ermittelte bereits seit 1996 als Dorfpolizist im Polizeiruf 110 aus Brandenburg. Nun quittierte der 72-Jährige, der auch im wahren Leben so heißt, den Dienst. Am Ende reitet der Held in den Sonnenuntergang. Oder vielmehr: fährt Horst Krause mit seinem Motorrad und Hund Haduck im Beiwagen - wie es im Brandenburg-„Polizeiruf“ gute Tradition geworden war - eine von diesen herrlichen stillen Alleen entlang.
Seit 1998 mimte der Schauspieler den beleibten wie beliebten Dorfpolizisten. Authentisch und überzeugend. Er war der Fels in der brandenburgischen Landschaft, die Kontinuität in jedem Krimi. Ganoven und Kollegen kamen und gingen: Krause blieb. Dass er jetzt im Alter von 73 Jahren die Polizistenrolle an den Nagel hängt, ist genauso realistisch wie der Filmcharakter Krause es stets war.
Seine Markenzeichen: eine zu kleine Uniform, die sich über den dicken Bauch spannt, sein Motorrad mit Beiwagen und Schäferhundmischling Haduck. Krause selbst sieht das wohl ähnlich, auch wenn es der bescheidene Mime so nie sagen würde.
„Mit Polizeihauptmeister Horst Krause habe ich meine Lebensrolle gefunden. Was auch kommen mag, da wird wohl nichts drüber gehen“, beschrieb er seine Rolle in einem Interview mit der "B.Z.".
Der Abschied und seine Nachfolger
„Wird Zeit, dass Schluss ist“, hat er vorher noch gebrummelt. „Ich glaub’, ich werd’ ihn vermissen“, hat aber die Kollegin beim Blick aus dem Fenster gemurmelt und für ihre Verhältnisse ganz schön melancholisch geschaut.
Horst Krause, der als Hauptwachtmeister seinen Klarnamen behalten durfte, hört also auf als gewichtiger Anker an der Seite Olga Lenskis (Klarname: Maria Simon). Er startete ja auch schon 1998 und brachte es auf 26 Fälle; sie wurde erst 2010 seine Chefin.
Beim nächsten Fall ist Olga Lenski nach Frankfurt/Oder versetzt und arbeitet grenzübergreifend mit einem polnischen Kollegen zusammen. Die „erste deutsch-polnische Mordkommission“ (so der rbb) ist allemal das Zeichen einer neuen, ganz un-krausigen Zeit.
Es ist ein leises und unspektakuläres Ende nach 17 Dienstjahren, 26 Fällen und fünf Chefinnen. Doch Horst Krause wäre nicht Horst Krause, hätte er einen Knall als Ausstand gewählt.
Die Frauen an Krauses Seite
Er hat die Frauen kommen und gehen sehen, könnte man sagen. Nun geht er selbst. Uwe Wilhelm, Buch, gibt Krause den Grund für seinen „Wird Zeit, dass Schluss ist“-Seufzer.
- Davor war es Imogen Kogge als Johanna Herz gewesen.
- Noch davor Jutta Hoffmann als Wanda Rosenbaum.
- Und einmal, 2012 in „Die Gurkenkönigin“, war Sophie Rois eine großartige, zart überkandidelte Schwangerschaftsvertretung für Maria Simon.
Für sie war die Folge "Das Wunder von Wustermark" aber der letzte Fall. Vier weitere Chefinnen, inklusive einer Schwangerschaftsvertretung, sollten folgen. Ein Unikum im deutschen TV-Krimi.
Auf Katrin Sass folgte 1999 Jutta Hoffmann als Kommissarin Wanda Rosenbaum. Viermal ermittelte Krause an ihrer Seite, bis die Kommissarin im Jahr 2002 erschossen wurde und er mit Imogen Kogge als Johanna Herz seine dritte Chefin bekam. Diese Zusammenarbeit währte acht Jahre und zwölf Krimis.
Mit Maria Simon als Kommissarin Olga Lenski trat 2011 dann eine deutlich jüngere Vorgesetzte ihren Dienst in Krauses Revier an.
Krauses Motorrad: Ein Kultobjekt
Das Motorrad mit Seitenwagen ist sein Markenzeichen. Genauso wie seine brummige Art, hinter der er ein großes Herz versteckt.
Immer unterwegs mit einem Uralt-Motorrad mit Beiwagen.
Nach Lenker, Scheinwerfer und Tank zu urteilen, würde ich auf eine CX500C tippen. Okay, bisken umgebaut. Wie sagte die Frau Kommissarin "Der Meister hatte wenigstens einen Beiwagen dran.
Die "Krause"-Filme: Mehr als nur Krimi
Dann wurde Horst Krause 2007 selbst zum Hauptdarsteller - Drehbuchautor und Regisseur Bernd Böhlich erdachte für ihn die Reihe mit dem Dorfpolizisten, der sich um alles und jeden sorgt.
Zum fünften Mal stand der in Berlin lebende Darsteller bereits für die Spin-off-Filmreihe um seinen Namensvetter, den pensionierten Polizeihauptmeister Horst Krause, vor der Kamera. Titel der jüngsten Folge: „Krauses Glück“ (16.12./ARD).
Die "Krause"-Filme sind so etwas wie ein Heimatgenre. „Der und die Krauses sind ein Stück Brandenburg, ein Teil Heimat, bodenständige, einfache und herzliche Menschen“, sagt die 73-Jährige. „Die Zuschauer finden etwas von ihrem Leben wieder, können sich mit den Krauses und ihren Problemen identifizieren.“
Und warum ist nun Schluss mit der heimeligen Dorf-Saga um den inzwischen pensionierten Polizisten, der nicht anders kann, als sich zu kümmern? Ich fragte nach beim RBB. „Die Reihe endet, weil wir in den insgesamt neun 'Krause'-Filmen schon viele große und kleine Fragen des Alltags und des Lebens in unserer Region erzählen konnten, sodass mit 'Krauses Weihnacht' für uns die Geschichte im besten Sinne komplettiert ist“, sagte mir eine Sender-Sprecherin.
Und als ich mich besorgt erkundigte, ob der Hauptdarsteller denn darüber traurig sei, schickte sie mir noch einen Satz von Krause selbst: „Dank Bernd Böhlich durfte ich Horst Krause sein. Weder mit einem lachenden noch mit einem weinenden Auge verabschiede ich mich von dieser mir ans Herz gewachsenen Figur. Es war eine wunderbare kollektive Arbeit.
Die Themen der "Krause"-Filme
Jede Menge Probleme hatte Krause in den Filmen am Hals, aber kurz vor Schluss der Episoden war meist so gut wie alles geregelt. Ende gut, alles gut, bis zum nächsten Film blieben nur die Nickeligkeiten mit den etwas widerborstigen Schwestern.
Außerdem bediente die Reihe Träume vom Landleben - mit Kopfsteinpflaster auf dem Hof, Pferden im Stall und einem Gasthof, der lange wie aus der Zeit gefallen wirkte.
Horst Krauses Karriere abseits des "Polizeiruf"
Krause tritt wahlweise auch mal als „Krüger aus Almanya“ auf und reist in „Schultze gets the blues“ bis in die amerikanischen Südstaaten. Immer aber bleibt er sich treu: Krause spielt verschrobene Charaktere - die mit ihrer brüsken Art ihre Mitmenschen manchmal vor den Kopf stoßen, aber unter der rauen Schale einen weichen, sensiblen Kern verbergen.
Der Durchbruch als Filmschauspieler gelang Krause nach der Wende in Detlev Bucks Komödie „Wir können auch anders“.
Krauses Blick auf sein Leben und Glück
Um seinen runden Geburtstag macht Krause nicht viel Aufhebens. Er feiere „mit Bescheidenheit und Zurückhaltung“, sagt er im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Oder anders gesagt: „Ich haue ab. Ich fahre weg. Ich will meine Ruhe haben.“
Und Glück, was bedeutet für ihn Glück? „Ein guter Filmdreh zum Beispiel bedeutet mir Glück. Oder eine neue freundliche Bekanntschaft“, so Krause. „Man muss die Bereitschaft haben, sich vom Tag nicht erschlagen zu lassen, sondern den Tag freudig entgegenzunehmen.“
Frühes Leben und Werdegang
Krause wurde am 18. Dezember 1941 in Bönhof in Westpreußen, im heutigen Polen, geboren. Seine Eltern hatten eine kleine Landwirtschaft.
Von 1964 bis 1967 war er an der Staatlichen Schauspielschule der DDR in Berlin. Es folgten Engagements am Landestheater Parchim, am Städtischen Theater Karl-Marx-Stadt und am Dresdner Staatstheater.
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