Hydraulische Bremsen sind bei E-Bikes und hochwertigen Tourenrädern weit verbreitet und bieten eine sehr gute Dosierbarkeit und hohe Bremskräfte. Obwohl sie technisch aufwendiger erscheinen, sind sie weitgehend wartungsfrei, da das enthaltene Öl dauerhaft ist und kaum Feuchtigkeit anzieht.
Die Wahl des richtigen Bremsmediums
Es gibt im Wesentlichen zwei Arten von Bremsflüssigkeiten für hydraulische Fahrradbremsen: Mineralöl und DOT.
Mineralöl
Die spezifischen Eigenschaften von Mineralöl können zwischen den Herstellern variieren, da sie nicht genormt sind. Generell sind Mineralöle sehr haltbar und können oft jahrelang in einer Bremse ihren Dienst verrichten. Sie greifen Kunststoffe und Lacke in der Regel nicht an, und auch Hautkontakt ist weniger kritisch als mit DOT. Dennoch sollte Hautkontakt vermieden und das Mineralöl direkt abgewischt oder abgewaschen werden, wenn etwas gekleckert wurde.
Mineralöl ist nicht hygroskopisch, das heißt, es vermischt sich nicht mit Wasser. Das sorgt sowohl für eine lange Haltbarkeit in der Bremse als auch in einer angefangenen Mineralöl-Flasche in der Werkstatt. Sollte doch etwas Feuchtigkeit den Weg ins System finden, mischt es sich nicht mit dem Mineralöl und hat daher keine Auswirkungen auf dessen Siedepunkt. Erst wenn sich Wasser im Bremssattel ansammelt (da es schwerer als Öl ist, findet es mit der Zeit den Weg nach unten), kann es bei Hitzeentwicklung zu kochen beginnen und Probleme verursachen.
DOT
Unter DOT werden Bremsflüssigkeiten auf Glykolbasis zusammengefasst - genauer DOT 3, DOT 4 und DOT 5.1. Sie stammen aus der Automobil- und Motorradwelt, wo dafür Minimalanforderungen standardisiert sind. Die jeweiligen Ausführungen unterscheiden sich im Siedepunkt und der Viskosität. Am Fahrrad wird meist DOT 4 oder 5.1 verwendet, da sie temperaturstabiler sind als DOT 3.
DOT sollte in Fahrradbremsen regelmäßig erneuert werden, da es hygroskopisch ist und Wasser zieht - auch durch mikroskopisch kleine Ritzen und Poren im System. DOT vermischt sich mit Wasser, und dadurch sinkt der Siedepunkt des Gesamtsystems. Die Hygroskopie hat aber auch einen Vorteil: Es kann sich nirgends pures Wasser mit seinem deutlich niedrigeren Siedepunkt sammeln.
Beim Arbeiten mit DOT sollte darauf geachtet werden, dass es aggressiv gegenüber Lacken, manchen Kunststoffen und der Haut ist. Beachte, dass DOT auch in einer angefangenen Flasche Feuchtigkeit aus der Umgebung zieht. Es ist also auch in der Werkstatt stehend nur begrenzt haltbar.
Wichtiger Hinweis: Mineralöl und DOT dürfen auf keinen Fall gemischt werden. Zudem muss die Bremse immer mit dem spezifischen Bremsmedium befüllen, also DOT-Bremsen immer mit DOT und Mineralöl-Bremsen immer mit Mineralöl. Die Dichtungen in Bremshebeln und -sätteln bestehen aus Gummi, das speziell für das jeweilige Bremsmedium ausgewählt wurde. Sie könnten sonst versagen und die ganze Bremse unbrauchbar machen.
Auch bei Mineralölen verschiedener Hersteller ist Vorsicht geboten, da sie unterschiedliche Zusätze (Additive) beimischen. DOT 3, 4 und 5.1 können grundsätzlich gemischt werden, die Eigenschaften verändern sich dabei aber. Das silikonbasierte DOT 5 sollte nicht beigemischt werden.
Wartung und Ölwechsel
Ein regelmäßiger Ölwechsel ist bei hydraulischen Fahrradbremsen in der Regel nicht erforderlich, da das Öl sehr alterungsbeständig ist. Bei Undichtigkeit oder nachlassender Bremswirkung ist ein Wechsel oder eine Ergänzung der Flüssigkeit jedoch nötig.
Vorgehensweise beim Entlüften und Befüllen:
- Zunächst die Nachstellschraube für den Belagverschleiß ganz zurückdrehen.
- Die Füllspritze vorbereiten, indem der mitgelieferte Schlauch und der Adapter mit der Tülle verbunden werden.
- Nach Zurückschieben der Schutztülle am Bremszylinder wird die Füllschraube sichtbar.
- Mit einem passenden Schlüssel die Schraube vorsichtig lösen und dann komplett herausdrehen.
- Die Füllspritze mit dem Hydrauliköl aufziehen und den Adapter in das Gewinde der Füllschraube eindrehen.
- Den Bremsgriff am Lenker lösen und so drehen, dass die Entlüftungsöffnung nach oben zeigt.
- Eine leere Spritze mit dem Stempel über das Entlüftungsloch hinaus aufziehen und in das Entlüftungsloch stecken.
- Das Öl blasenfrei in die Bremsleitung hineindrücken.
- Während des Füllvorgangs mehrfach den Bremshebel betätigen, bis das Öl ohne Luftbläschen austritt.
- Die Fülladapter abschrauben und die Verschluss-Schraube eindrehen.
Hanseline Hydrauliköl
Das Hanseline Hydrauliköl HLP10 ist ein Mineralöl/Bremsflüssigkeit, welches beim Befüllen und Entlüften von Fahrradbremsen auf Mineralölbasis Verwendung findet. Es ist geeignet für Bremsen wie z.B. Shimano, Magura, Tektro, TRP, Formula, Sram usw. Das Öl hat eine ausgezeichnete Alterungsbeständigkeit und verhält sich neutral gegenüber Dichtungen, es ist nicht hygroskopisch (bindet keine Feuchtigkeit). Der hohe Viskositätsindex garantiert auch bei unterschiedlichsten Temperaturen ein sicheres und schnelles Ansprechverhalten der Bremsanlage.
Alternative: Mechanische Scheibenbremsen
Mechanische Scheibenbremsen funktionieren mit einem Bowdenzug statt mit Bremsflüssigkeit. Während hydraulische Bremsen bei Bremsleistung und Dosierbarkeit klar vorn liegen, haben mechanische Bremsen andere Vorteile: Sie müssen nie entlüftet werden und sind mit einfachem Werkzeug auch unterwegs zu warten. Das kann auf Reisen in abgelegenen Gegenden sehr praktisch sein.
Druck und Hitze
Eine Bremsflüssigkeit (auch: Bremsmedium) hat die Aufgabe, Kraft zu übertragen. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist, dass sich das Bremsmedium nicht komprimieren lässt. Mineralöl und DOT unterscheiden sich darin nicht nennenswert. Entscheidend ist, dass sich keine Luft im System befindet, denn sie ist komprimierbar. Durch sorgfältiges Entlüften stellst du einen stabilen Druckpunkt sicher.
Da zwischen den Bremsbelägen und der Bremsscheibe große Hitze entstehen kann, die zu einem Teil auch die Flüssigkeit im Bremssattel erreicht, sollte das Bremsmedium temperaturstabil sein - also einen hohen Siedepunkt haben. Im Normalbetrieb werden Sie hier kaum Unterschiede feststellen. Sowohl Mineralöl- als auch DOT-Bremsen können ziemlich viel ab, wenn sie gut gewartet sind. Erst wenn sich Wasser ins System schleicht, kann es zu Problemen kommen.
| Eigenschaft | Mineralöl | DOT |
|---|---|---|
| Hygroskopisch | Nein | Ja |
| Mischbarkeit mit Wasser | Bleiben getrennt | Entsteht homogene Flüssigkeit |
| Aggressivität | Gering | Hoch (gegenüber Lacken, Kunststoffen, Haut) |
| Haltbarkeit (ungeöffnet) | Sehr lang | Begrenzt (zieht Feuchtigkeit) |
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