Motorrad Abbiegen: Das richtige Verhalten für mehr Sicherheit

Jede Fahrt mit dem Motorrad ist von Abbiegevorgängen begleitet. Bei so viel Routine sind Fehler dennoch möglich und gerade beim Abbiegen kommt es besonders häufig zu Unfällen.

1. Bitte prüfen: Vorfahrtsregeln beachten

Zu den Hauptursachen von Unfällen gehört generell das Nichtbeachten von Vorfahrtsregeln. Deswegen ist es auch beim Abbiegen wichtig sich klarzumachen, welche Regelung gerade gilt. Befinde ich mich auf einer Vorfahrtstraße? Muss ich ein Stoppschild beachten? Befindet sich ein Radweg parallel zu meiner Fahrbahn?

2. Bitte blicken: Die Verkehrssituation erfassen

Essenziell beim Abbiegen ist der Blick in Außenspiegel, Innenspiegel und über die Schulter, um die gesamte Verkehrssituation zu erfassen und andere Teilnehmer nicht zu übersehen. Die können sich auch links oder schräg rechts hinten im toten Winkel befinden.

3. Bitte blinken: Richtungsänderung anzeigen

Die kleine Handbewegung in Richtung Blinkerhebel sollte selbstverständlich sein - ist sie aber leider nicht. Dabei ist es so wichtig, eine beabsichtigte Richtungsänderung per Blinker anzuzeigen: Wenn andere Verkehrsteilnehmer diese Absicht kennen, können sie sich rechtzeitig darauf einstellen. Und sei es nur durch erhöhte Aufmerksamkeit oder ein Reduzieren des Tempos.

In Paragraf 9 der Straßenverkehrsordnung (StVO) heißt es: Wer abbiegen will, muss dies rechtzeitig und deutlich ankündigen. Wer den Fahrtrichtungsanzeiger nicht wie vorgeschrieben benutzt, muss mit zehn Euro Verwarnungsgeld rechnen. Wird ein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet, sind 35 Euro fällig. Im Falle eines Unfalls trägt der Blinkmuffel eine Mitschuld.

4. Bitte Klarheit: Wann blinken?

In der Praxis ist bei jeder Richtungsänderung aus dem gleichgerichteten Verkehr hinaus zu blinken. Das gilt fürs Abbiegen in eine Straße, einen Parkplatz oder eine Grundstückseinfahrt. Es muss stets so lange geblinkt werden, bis der Abbiegevorgang beendet ist. Ein kurzes Antippen des Blinkerhebels genügt nicht.

5. Bitte beachten beim Linksabbiegen

Links blinken ist das eine, zusätzlich sollte sich eine Autofahrerin oder ein Autofahrer möglichst weit links in der eigenen Fahrspur einordnen. Natürlich ohne den Gegenverkehr zu gefährden. Wer sich in einer Einbahnstraße befindet, darf sich ganz links einordnen.

Selbst wenn eine Ampel das Linksabbiegen gestattet, ist es sinnvoll, einen Blick auf die Gegenfahrbahn zu werfen: Beachtet ein entgegenkommender Radfahrer sein „Rot“ nicht? Oder ist ein Motorradfahrer zu schnell, um abzubremsen? Läuft ein Fußgänger über die Fahrbahn, auf die gerade eingebogen werden soll? Passt alles, fährt der Linksabbieger einen weiten Bogen.

6. Bitte beachten beim Rechtsabbiegen

Durch frühzeitiges Einordnen auf der rechten Spur und rechtzeitiges Blinken erkennen andere Verkehrsteilnehmer die Absicht und rechnen mit einer Verlangsamung des Tempos. Oft werden Radfahrer oder Fußgänger rechts am Auto übersehen. Beide haben Vorrang gegenüber dem abbiegenden Auto.

7. Bitte vortasten: Der grüne Pfeil

Ein Sonderfall ist der grüne Pfeil. Er erlaubt das Rechtsabbiegen auch bei einer roten Ampel. Der grüne Pfeil ist prinzipiell mit einem Stoppschild gleichzusetzen. Das heißt: Stoppen an einer Haltelinie ist Pflicht. Beim Weiterfahren dürfen weder Querverkehr, Radfahrer oder Fußgänger behindert werden.

8. Bitte beachten im Kreisverkehr

Mancher blinkt zu viel beim Kreisverkehr. Bei der Einfahrt darf nicht geblinkt werden, um keine irritierenden Signale an andere Verkehrsteilnehmer zu senden. Der rechte Blinker ist erst zu setzen, wenn die gewünschte Ausfahrt erreicht wird. Idealerweise geschieht dies nach dem Passieren der vorherigen Ausfahrt. Tipp: Bis zur anvisierten Ausfahrt sollte der Fahrstreifen nicht verlassen werden.

Zwei Verkehrszeichen bestimmen, dass die Fahrzeuge im Kreisverkehr Vorfahrt haben: Das runde mit drei gebogenen, weißen Pfeilen auf blauem Grund, die gegen den Uhrzeigersinn weisen, sowie das Schild Vorfahrt achten. Wenn vor dem Kreisverkehr keine Verkehrsschilder stehen, gilt rechts vor links.

9. Bitte höflich bleiben

Es mag Situationen im Straßenverkehr geben, in denen sich nicht alle Beteiligten einig sind über die Vorfahrt. Es schont Nerven wie Blutdruck, wenn man etwas Rücksicht walten lässt und nicht nachdrücklich auf den Vorfahrtsregeln besteht. Das gilt insbesondere bei Fußgängern, die mitunter unverhofft die Fahrbahn überqueren wollen.

Fahrsicherheitstipps und Perspektivwechsel

Bringen wir es zu Beginn gleich einmal auf den Punkt: Auto- oder Motorradfahrer - wer trägt bei Unfällen häufiger die Schuld und warum?

Das ist statistisch recht eindeutig. Meistens liegt die Schuld auf der Seite des Autofahrers. Bei Zusammenstößen eines Motorrads mit einem weiteren Verkehrsteilnehmer ist in 80 Prozent der Fälle ein Pkw-Fahrer der Hauptschuldige. Betrachtet man die Kollisionen zwischen Pkw- und Motorradfahrer mit Personenschaden, so ist in zwei Drittel der Fälle der Pkw-Lenker für das Zustandekommen des Unfalls verantwortlich.

Motorisierte Zweiräder werden von anderen Verkehrsteilnehmern oft nicht oder zumindest nicht richtig wahrgenommen. Häufig wird ein Motorrad aufgrund seiner schmalen Silhouette schlicht übersehen, oder es verschwindet für kurze Zeit hinter einem Laternenmast oder der A-Säule des Autos. Das reicht für einen Crash schon aus.

Wenn man sich die beiden Verkehrsteilnehmer genauer anschaut, entdecke ich einen grundlegenden Unterschied. Ich bin fest davon überzeugt, dass die wenigsten Motorradfahrer auf ihr Zweirad steigen, weil sie es müssen. Bei Pkw-Fahrern sieht das ganz anders aus. Das hat zur Folge, dass sich Autofahrer leichter ablenken lassen, zum Beispiel durch das Smartphone. Das führt im schlimmsten Fall zu Unfällen. Hinzu kommt die Unsicherheit. Autofahrer tun sich zunehmend schwer mit der Abschätzung der Dimensionen ihres Fahrzeugs und mit der Geschwindigkeit anderer Verkehrsteilnehmer.

Wo kann es besonders schnell gefährlich werden?

Die Hauptursache für Alleinunfälle bei Motorradfahrern ist das Verlassen der Kurve. Es geht in diesen Fällen nicht um eine zu hohe Geschwindigkeit, sondern um das mangelnde Fahrvermögen des jeweiligen Fahrers. Ein Motorrad fährt man mit dem ganzen Körper, über Lenkimpuls und Blickführung. Das heißt, ein Motorradfahrer muss da hinschauen, wo er hinfahren möchte.

Die größte Gefahr bei Motorradfahrern besteht also dann, wenn der Blick am Fahrbahnrand kleben bleibt, anstatt überwiegend zum Kurvenausgang zu schauen. In Kurven sollten Biker wenn irgend möglich immer die dynamische Sicherheitslinie fahren. Die Linkskurve am rechten Fahrbahnrand anfahren und spät reinziehen. Dann kann ich weit in die Kurve reinschauen und bin mit dem Kopf ganz auf meiner Seite.

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