Welttag des Fahrrades: Eine Reise durch Geschichte und Bedeutung

Heute, am 3. Juni, steht das Fahrrad weltweit im Mittelpunkt. Es ist "World Bicycle Day" und der Europäische Tag des Fahrrades. Der 3. Juni steht ganz im Zeichen des Fahrrads bzw. Radfahrens.

Ins Leben gerufen wurde der „Welttag des Fahrrads“ einst von der Generalversammlung der Vereinten Nationen, um die Einzigartigkeit, Vielfalt und vor allem Nachhaltigkeit des Rades als Transportmittel anzuerkennen. Seit erst sechs Jahren wird nun weltweit an diesem Aktionstag darauf hingewiesen, welche gesellschaftlichen, ökonomischen und ökologischen Vorteile diese nützliche Erfindung hat. Viele Länder setzen bereits auf das Fahrrad als umweltfreundliches Fortbewegungsmittel, das noch dazu einen guten Einfluss auf die Gesundheit des aktiven Besitzers hat. Viele Länder haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese nachhaltige Mobilität zu fördern und die Verkehrsinfrastruktur zum Schutz der Radlerinnen und Radler zu verbessern.

Ursprünge und Geschichte des Fahrrads

Wie so viele Erfindungen ist auch die Erfindung des Rades das Ergebnis einer Katastrophe. Ein gigantischer Vulkanausbruch im fernen Indonesien schleuderte soviel Asche in die Erdatmosphäre, dass es im Jahr 1816 in Europa keinen Sommer gab. Die Folgen waren dramatisch: Ernten waren ruiniert, Hungersnöte brachen aus. Diese Not brachte den badischen Erfinder Karl Drais auf den Plan.

Die Bürger Mannheims staunten nicht schlecht an jenem 12. Juni 1817: Da sauste jemand auf einem hölzernen Gestell mit zwei Rädern durch ihre Straßen, ganz ohne Pferde! Karl Freiherr von Drais stellte ihnen hier seine neueste Erfindung vor: eine "Laufmaschine". Sie war das erste lenkbare, durch Muskelkraft betriebene Zweirad und somit der direkte Vorläufer unseres heutigen Fahrrads.

Er ersann einen Muskelkraftwagen, mit dem man sich auch ohne Pferdekraft vorwärts bewegen konnte. In den 1860er-Jahren wurden Laufräder abgelöst von den Hochrädern, die höhere Geschwindigkeiten zuließen. Das Führen eines solchen - teuren - Hochrads musste aber erst in einem dafür eigens gebauten Velodrom erlernt werden.

Zum Fortbewegungsmittel für jedermann wurde das Velo erst mit der Erfindung des Niederrades Ende des 19. Jahrhunderts. Der englische Erfinder John Starley erfand das Rover Safety Bike, das erste Niederfahrrad mit Kettenantrieb.

Die Laufmaschine von Karl Drais

Drais fuhr an diesem Sommertag mit seinem Laufrad die fast 15 Kilometer lange Strecke von Mannheim zum Schwetzinger Relaishaus und zurück in nur einer Stunde. Das war schneller als die Postkutsche und eine echte Sensation. Drais wurde schlagartig berühmt. Seine Laufmaschine nannte man dem Erfinder zu Ehren oft auch "Draisine". Am 12. Januar 1818 erhielt Drais für seine Laufmaschine vom badischen Herrscher ein zehnjähriges Großherzogliches Privileg, was heute einem Patent gleichkäme.

Mit etwa 50 Pfund Gewicht war die Draisine aus Eschenholz nicht viel schwerer als moderne Stahlrahmenräder. Sie besaß bereits Klappständer, Gepäckträger und Bremse. Dank des Großherzoglichen Privilegs musste jede Draisine in Baden eine Drais-Lizenzmarke auf der Lenkstange tragen. Außerdem erhielt Drais noch ein „Brevet“ in Frankreich. Aber trotz des „Privilegs“ musste Drais erleben, wie seine Erfindung unerlaubt nachgebaut und verkauft wurde.

Andere Bastler meldeten Drais´ Erfindung etwa in den USA oder Großbritannien für sich selbst zum Patent an. Der Freiherr verdiente an seiner Erfindung daher nur sehr wenig. Der gewerbliche Rechtsschutz steckte damals eben noch in den Kinderschuhen und endete meist an den zahlreichen Landesgrenzen der mitteleuropäischen Kleinstaaterei.

Das "Jahr ohne Sommer" und seine Auswirkungen

Drais war möglicherweise durch das „Jahr ohne Sommer“ 1816 inspiriert worden, ein Fortbewegungsmittel ohne Pferde zu erfinden: Infolge des Ausbruchs des Vulkans Tambora in Südostasien im Jahr zuvor kam es auf der Nordhalbkugel zu einer Klimaverschlechterung mit viel Regen und Kälte; Missernten und Mangel an Hafer folgten. Die Menschen konnten oft weder sich noch ihre Pferde ausreichend ernähren und aßen sie deshalb lieber auf. Es war also naheliegend, über ein Verkehrsmittel ohne Zugtiere nachzudenken.

Europäischer Tag des Fahrrades

Ursprünglich wurde 1998 ein rein europäischer Tag des Fahrrades ins Leben gerufen. Passend dazu steht der 3. Juni europaweit seit 1998 ganz im Zeichen des Europäischer Tag des Fahrrads (franz. Journéé européenne de la bicyclette - engl. European Cycling Day).

Während es als relativ gesichert gilt, dass der Europäische Tag des Fahrrads auf das Jahr 1998 zurückgeht, sind die Angaben über einen konkreten Urheber leider etwas schwammig. So findet sich in diesem Zusammenhang zwar vermehrt der Hinweis auf die globalisierungskritische Nichtregierungsorganisation Attac, weiterführende Hinweise auf die konkrete Urheberschaft lassen sich allerdings nicht finden.

Andere Quellen verweisen diesbezüglich auf die European Cyclist Federation (ECF) als Initiator des Europäischen Tag des Fahrrads. Konkret z. B. die Broschüre Cycling: the way ahead for towns and cities, die 1999 von EU-Kommission herausgegeben wurde.

Im Laufe der Zeit scheint hier aber der Bezug zu Attac verloren gegangen zu sein, und der European Cycling Day ist eher das Thema diverser Interessenverbände wie dem ADFC und regionalen Velo-Organisationen geworden. Neben Fahrradaktionen in ganz Europa finden rund um den 3. Juni - hier auch im Rahmen des internationalen Weltumwelttags (engl. World Environment Day) am 5. Juni - auch in Deutschland eine ganze Reihe von Aktionen und (Fahrrad-) Sternfahrten statt.

Die Berliner Sternfahrt

Dabei gilt die Berliner Sternfahrt weltweit als größte Fahrrad-Demo. So werden anlässlich dieses Aktionstages allein in der Spree-Metropole wieder mehr als 250.000 Radfahrer auf über 19 unterschiedlichen Routen unterwegs sein, um unter dem Motto „Auf der Radspur“ mehr Radspuren an Hauptverkehrsstraßen und auch deren Freihaltung einzufordern.

Der UNO Weltfahrradtag

Seit 2018 gibt es parallel zum Europäischen Tag des Fahrrads eine weltweite Parallelveranstaltung. Denn am 12. April 2018 erklärten die Vereinten Nationen den 3. Juni zum Weltfahrradtag (engl. World Bicycle Day), mit dem weltweit die gesellschaftlichen Vorteile der Fahrradnutzung ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden sollen.

Die treibende Kraft hinter diesem Aktionstag war der US-amerikanische Soziologie-Professor und Fahrradaktivist Leszek Sibilski, der mit seinen Studenten eine Kampagne zur Verabschiedung der UN-Resolution zum Weltfahrradtag auf den Weg gebracht hatte. Mit Erfolg.

Konkret verabschiedete die UN-Generalversammlung mit der Resolution A/RES/72/272 am 12. April dieses Jahres, dass der 3. Juni fortan als Weltfahrradtag in den Kalender aufgenommen werden sollte.

Im Zuge der Deklaration des Weltfahrradtags verkündete der UN-Generalsekretär Bernhard Ensink die Intention und konkreten Ziele dieses Aktionstages: Im Vergleich zu vielen anderen Verkehrsmitteln verfügt das Fahrradfahren über gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Vorteile.

Ziele des Weltfahrradtags

  • Förderung des Fahrradfahrens als gesunde und umweltfreundliche Fortbewegungsmethode.
  • Anerkennung des Beitrags des Fahrradfahrens zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung.
  • Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur zum Schutz der Radfahrer.

Die Vorteile des Radfahrens

Keine Frage: Fahrradfahren hat beträchtliche gesellschaftliche, ökonomische und ökologische Vorteile. Oft sind Fahrräder schließlich die gesündere und umweltschonendere Alternative zu der Anfahrt mit PKWs und zudem weltweit das häufigste Fahrzeug.

Radeln kann tatsächlich besonders in Innenstädten den Verkehr viel klimafreundlicher machen. Nach Schätzungen des Bundesverkehrsministeriums könnten pro Jahr 7,5 Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, wenn 30 Prozent aller Kurzstrecken unter sechs Kilometern per Rad statt mit dem PKW zurückgelegt werden würden. Diese Distanzen machen rund die Hälfte des städtischen PKW-Verkehrs aus.

Fahrradfahren ist Unabhängigkeit pur. Nur Tretroller-, Rollschuh- und Skateboardfahrer können sich genauso rühmen, aus eigenem Antrieb, emissionsfrei und zügig von A nach B zu kommen. Verkehrsplaner haben errechnet, was Radfahrer längst wissen: In verstopften Innenstädten läuft das Fahrrad als Verkehrsmittel dem Auto mühelos den Rang ab.

Radfahren in Dänemark

In Dänemark ist das Fahrrad schon lange nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. In Dänemark bleibt der Koch nicht unbedingt in der Küche. Der Fahrrad-Koch „Cykelkokken“ zieht mit seiner mobilen Rad-Küche durch Kopenhagen. Eine geführte Radtour mit ihm ist nicht nur Sightseeing, sondern eben auch Genuss, der durch den Magen geht.

Moderne Fahrräder und Innovationen

Heute ist es mit einer geschätzten Milliarde von Exemplaren weltweit das mit Abstand häufigste Fahrzeug: Allein in Deutschland soll es rund 70 Millionen "Drahtesel" geben.

Der E-Bike-Boom hat den Erfindergeist zusätzlich beflügelt. Zuletzt war mehr als die Hälfte aller neu verkauften Fahrräder ein E-Bike, wie der ADFC meldet. Aber auch die motorlosen Drahtesel werden bis heute ständig weiterentwickelt, wie ein kleiner Blick auf neue Anmeldungen beim DPMA zeigt. Das betrifft besonders die Bereiche Schaltung und Getriebe.

Die Geschichte eines besonderen Fahrrads

Vor zwei Jahren gelangte ein Fahrrad in die Sammlung des Deutschen Historischen Museums. Mit Rücktritt, aber ohne Gangschaltung, mit Vorder- und Rücklicht, einem guten Ledersattel mit Federung, einem Gepäckträger mit Korb und mit deutlichen Gebrauchs-, Rost- und auch Reparaturspuren. Dieses Rad gehörte dem Politaktivisten Fritz Teufel (1943-2010).

Wieder in Freiheit, entdeckte der Anarchist seine neue große Liebe: das Radfahren. Für Teufel war es nicht nur eine angenehme und zutiefst menschliche Art der Fortbewegung, sondern zeitweilig auch sein Beruf: 1992 gründete er den Fahrradkurierdienst Moskito mit und übernahm als Fahrer auch selbst viele Touren.

Das Fahrrad, das sich heute im Museum befindet, nutzte Fritz Teufel freilich nicht als Kurierfahrer. Er schien damit aber bereits Anfang der 1980er Jahre eine Radtour durch Schweden und Finnland unternommen zu haben, wie ein etwas unscharfes Foto aus dieser Zeit belegt. Gefertigt wurde das Rad vermutlich schon Jahr(zehnt)e zuvor von der Traditionsfirma Baronia, die von 1921 bis 1973 in Bielefeld, Einbeck und Rahden Zweiräder produzierte.

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