Wer führt in der MotoGP-Weltmeisterschaft?

Vor ausverkauften Tribünen am Circuit de Barcelona-Catalunya im Norden Spaniens hat sich Jorge Martin (Pramac-Ducati) mit einem dritten Platz beim MotoGP-Saisonfinale 2024 erstmals zum Weltmeister der Königsklasse gekrönt. In der Geschichte der Königsklasse der Motorrad-WM ist der 26-jährige Spanier nun der erste Fahrer seit Valentino Rossi in der 500er-Saison 2001, der Weltmeister ist, obwohl er nicht für ein Werksteam angetreten ist. Die Startnummer 1 nimmt er somit mit ins Aprilia-Werksteam, für das er 2025 und 2026 antreten wird.

"Es hört sich unglaublich an!", so die ersten Worte des neuen MotoGP-Weltmeisters Jorge Martin. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll, ich bin komplett schockiert! Das ist für meine Leute, für meine Familie und für alle, die mich unterstützen. In den letzten Runden konnte ich kaum noch fahren und hätte fast zu weinen begonnen."

"Es war ein sehr emotionales Rennen. Es war eine lange Reise, viele Stürze und schwere Verletzungen. Jetzt habe ich es geschafft. Danke an alle Fans. Das ist auch für Valencia! Jetzt müssen wir den Moment genießen", so der Spanier. "Er hat sich das verdient. Dieser Tag gehört ihm", richtet er Jorge Martin aus und sagt: "Danke an mein Team, sie haben unglaublich gearbeitet. Alles andere ist eine andere Geschichte. Gratulation an Jorge!"

Das Rennen in Barcelona

Wie schon im Sprint am Samstag, so war - entgegen der Prognose von Jorge Martin - auch im Grand Prix am Sonntag die Reifenwahl der beiden WM-Kandidaten voneinander abweichend. Während Polesetter Francesco Bagnaia auf die Kombination Hard-Soft setzte, wählte Martin auf P4 in der Startaufstellung die Kombination Hard-Medium. Den besten Start erwischte "Pecco" Bagnaia von der Pole, aber Jorge Martin bog direkt hinter im als Zweiter in die erste Kurve ein. Bagnaias Ducati-Teamkollege Enea Bastianini, der am Samstag von P8 direkt in Führung gegangen war, schaffte es diesmal bis zur ersten Kurve bis auf die vierte Position nach vorne. Zwischen Martin und Bastianini fuhr anfangs Marc Marquez (Gresini-Ducati). Eingangs der zweiten von 24 Runden ging Marc Marquez an Jorge Martin vorbei und übernahm die zweite Position hinter Spitzenreiter Francesco Bagnaia.

Hinter den Top 3 duellierte sich Aleix Espargaro (Aprilia) mit Enea Bastianini um die fünfte Position. Die beiden überholten sich in der Anfangsphase des Rennens mehrfach gegenseitig. Dann aber fiel Bastianini zurück. Nach Espargaro kamen auch Alex Marquez (Gresini-Ducati) und vorübergehend auch Pedro Acosta (Tech3-GasGas) und Franco Morbidelli (Pramac-Ducati) an ihm vorbei. Eine Unterstützerrolle für Bagnaia wie im Sprint konnte Bastianini im Grand Prix nicht spielen. Somit war "Pecco" Bagnaia ganz vorne auf sich allein gestellt. Zwischen sich und Jorge Martin hatte er rundenlang einzig Marc Marquez als Puffer. Das war für die Titelambitionen des Ducati-Werkspiloten bei weitem nicht genug. Pramac-Ducati-Pilot Martin musste für seine eigenen Titelambitionen einfach nur sitzenbleiben und nicht aus den Top 9 herausfallen. Das ist ihm gelungen.

Vorne waren die Positionen bezogen. Marc Marquez blieb zwar an Spitzenreiter Francesco Bagnaia dran, griff ihn aber nicht an. Jorge Martin folgte mit etwas Abstand als Dritter und hatte seinen Kumpel Aleix Espargaro direkt hinter sich. Alex Marquez blieb Espargaro auf den Fersen hielt sich klar vor Enea Bastianini. Indes ging es für Pedro Acosta mit zunehmender Renndauer rückwärts.

Ergebnisse und Platzierungen

Während Francesco Bagnaia seinen elften Sonntagssieg und insgesamt 18. Sieg in dieser Saison einfuhr, kam Marc Marquez als Zweiter ins Ziel. Mit dem dritten Platz hat Jorge Martin seinen ersten MotoGP-Titel unter Dach und Fach gebracht. Knapp das Podium verpasst haben Alex Marquez als Vierter, nachdem er Aleix Espargaro noch abgefangen hat, und auch Espargaro selber auf P5. Dahinter kam Brad Binder (KTM) in den letzten Runden noch an Enea Bastianini vorbei und holte sich den sechsten Platz. Hinter Bastianini machten Franco Morbidelli, Marco Bezzecchi (VR46-Ducati) und Pedro Acosta die Top 10 komplett. Die Punkteränge rundeten Fabio Quartararo (Yamaha), Miguel Oliveira (Trackhouse-Aprilia), Jack Miller (KTM), Johann Zarco (LCR-Honda) und Maverick Vinales (Aprilia) ab. Nicht ins Ziel kam beim Saisonfinale einzig Joan Mir (Honda) nach Sturz.

Während Jorge Martin den Kampf um den WM-Titel gegen Francesco Bagnaia mit zehn Punkten Vorsprung für sich entschieden hat, geht der dritte Platz in der abschließenden MotoGP-Gesamtwertung 2024 an Marc Marquez. Er hat sich mit sechs Punkten Vorsprung gegen Enea Bastianini durchgesetzt. Auch dahinter ging es eng zu. Das Duell um den fünften WM-Platz hat Brad Binder mit zwei Punkten Vorsprung gegen seinen nächstjährigen KTM-Teamkollegen Pedro Acosta für sich entschieden.

Fahrerwechsel und Rookies für 2025

Jorge Martin, Marc Marquez, Enea Bastianini und Pedro Acosta sind in Reihen der aktuellen MotoGP-Stammpiloten vier von neun, die zur Saison 2025 das Team wechseln. Das trifft neben den vier Genannten auch noch auf Maverick Vinales, Franco Morbidelli, Marco Bezzecchi, Jack Miller und Miguel Oliveira zu. Abgesehen davon wird es in der kommenden Saison drei Rookies im Feld geben. Das heißt, dass zwölf der 22 Stammplätze neu besetzt sein werden.

In der MotoGP-Saison 2025 nicht mehr auf Vollzeitbasis am Start sein werden Aleix Espargaro und Takaaki Nakagami. Für beide war es am Sonntag in Barcelona nach aktuellem Stand der Dinge das letzte MotoGP-Rennen. In der Saison 2025 werden beide als Testfahrer für Honda aktiv sein. In dieser Rolle ist für beide der eine oder andere Wildcard-Einsatz denkbar. Derweil war das MotoGP-Finale 2024 in Barcelona nach aktuellem Stand der Dinge für Stefan Bradl der letzte Wildcard-Einsatz.

Ausblick auf die Saison 2025

Der Rennkalender für die MotoGP-Saison 2025 umfasst derzeit 22 Stationen mit jeweils Sprint am Samstag und Grand Prix am Sonntag. Ob es aber tatsächlich genau die im September verkündeten 22 Rennwochenenden sein werden, das bleibt abzuwarten. Speziell hinter dem für Ende August angesetzten Grand Prix von Ungarn gibt es Fragezeichen.

Erst seit dem Jahr 2002 bildet die MotoGP die Königsklasse des Motorradsports, dabei gehen die Ursprünge des zweirädrigen Motorsports deutlich weiter zurück: Bereits im Jahr 1949 traten die Fahrer erstmals zu einer Weltmeisterschaft für Straßenmotorräder an.

Die erfolgreichsten MotoGP-Fahrer aller Zeiten

Und das, obwohl Bagnaia mit elf Siegen in 20 Rennen öfter ganz oben auf dem Siegertreppchen landete als alle anderen Piloten. Damit fuhr der Ducati-Pilot aber in die Top-10 der erfolgreichsten MotoGP-Piloten. Darunter Schwantz‘ Landsmann Eddie Lawson, der zwischen 1983 und 1992 in der 500-ccm-Klasse aktiv war. 31 Mal landete Lawson ganz oben auf dem Siegerpodest, nur sechs Mal mehr als Schwantz.

Zwischen 2006 und 2018 war Pedrosa für das Repsol Honda Team in der MotoGP aktiv und krönte sich ganz drei Mal zum Vize-Weltmeister (2007, 2010 und 2012). Für einen Meistertitel hat es für einen der talentiertesten Fahrer seiner Generation dabei allerdings nie gereicht. 2007 war Pedrosa jedoch nah dran - mit sieben Siegen seine erfolgreichste Saison. Zwischen 1958 und 1967 war der Engländer in der Königsklasse aktiv und krönte sich in den Jahren 1962, 1963, 1964 und 1965 ganze vier Mal in Folge zum Weltmeister der 500-ccm-Klasse. Insgesamt konnte Hailwood 37 Rennen für sich entscheiden.

Besonders beeindruckend: Stanley Michael Bailey Hailwood, so der volle Name des bereits 1981 verstorbenen Fahrers, war ein echter Tausendsassa. Neben seiner aktiven Motorrad-Karriere ging er zeitgleich auch in der Königsklasse auf vier Rädern - der Formel 1 - an den Start. Besonders beeindruckend war Stoners Triumpf auf dem unterlegenen Bike von Ducati im Jahr 2007, bevor der Australier in den Saisons 2011 und 2012 an die Seite von Dani Pedrosa zum Repsol Honda Team wechselte. Zwischen 2008 und 2019 war er in der MotoGP aktiv und brachte es in seiner aktiven Zeit auf ganze 203 Starts in der höchsten Klasse. 47 Mal stand er dann am Ende ganz oben auf dem Podium, was ihm sogar drei Titel als Fahrer-Weltmeister (2010, 2012 und 2015) einbrachte.

Eine zweifelhaften Rekord sicherte sich Lorenzo dabei ebenfalls: In der MotoGP-Saison 2013 kam der Spanier auf insgesamt acht Saisonsiege (in 17 Rennen). Kein anderer Fahrer gewann in dem Jahr mehr Grand Prix‘ - am Ende hieß der Sieger der Fahrer-WM allerdings Marc Márquez. Bis heute Rekord für die meisten Saisonsiege, ohne am Ende Weltmeister zu werden. 2022 wurde Lorenzo in die MotoGP Hall of Fame aufgenommen. Der Spanier trat auch immer wieder mit Helmdesigns an, die von Videospielen inspiriert waren.

In den Jahren 1994, 1995, 1996, 1997 und 1998 führe kein Weg an dem Piloten vorbei, der in seiner gesamten MotoGP-Karriere im Sattel einer Honda NSR500 Platz nahm - wenn auch für verschiedene Teams. Die erfolgreichste Saison für Doohan war das Jahr 1997, in dem er 12 der 15 Saisonrennen für sich entscheiden konnte. Insgesamt gilt Doohan als Nationalheld Australiens.

Darunter die meisten Siege in einer Saison und den Rekord als jüngster MotoGP-Sieger aller Zeiten. Seit 2013 ist Márquez in der MotoGP aktiv und startete seither zu 199 Rennen. Ganze 68 davon konnte der bislang gewinnen, landete 119 Mal auf dem Podium und krönte sich unglaubliche sechs Mal zum Fahrerweltmeister (2013, 2014, 2016, 2017, 2018 und 2019). Nach einem Jahr bei Gresini Racing (2024) wechselte Marquez für die Saison 2025 zu Ducati, wo er zu alter Form zurückfand: Aktuell (Stand: 01.07.2025) führt MM #93 die Fahrerwertung der MotoGP mit 307 Punkten an.

Nicht nur, dass der Italiener mit acht WM-Titeln in der höchsten Klasse Rekordweltmeister ist, er hält auch den Rekord für die meisten Siege bei demselben Grand Prix (insgesamt zehn Siege auf dem Tampere Circuit). Bei der Anzahl der Siege reicht es allerdings trotzdem nur für Platz 2. Insgesamt 68 Mal stand Agostini am Ende des Rennens als Sieger fest, zumindest in der 500-ccm-Klasse. Unglaubliche 22 Jahre lang war Rossi in der Königsklasse aktiv und krönte sich am Ende der Saison sieben Mal zum Weltmeister. Damit hält er aktuell auch den Rekord für die meisten Starts: Zu unglaublichen 374 Rennen trat Rossi im Rahmen seiner MotoGP-Karriere an. 89 davon konnte der Italiener gewinnen - und landete 199 Mal auf dem Podium. Mittlerweile hat sich Rossi aus dem aktiven Sport zurückgezogen und fungiert als Chef seines eigenen Rennstalls und versuchte sich in seiner Karriere auch als Testfahrer für Ferrari in der Formel 1 und trat mehrmals in der WRC an, sollte dann aber doch in der MotoGP bleiben.

Weitere Entwicklungen

Der Große Preis von Tschechien kehrt in die Meisterschaft zurück, nachdem er zuletzt 2020 ausgetragen wurde. Wieder mit dabei ist zudem Ungarn - zum ersten Mal seit 1992. Und das auf einer neuen Strecke, dem Balton Park Circuit.

Das Eröffnungsrennen findet diesmal in Thailand statt, während der traditionelle Auftakt in Katar zur vierten Runde wird, um Platz für den Ramadan zu machen.

Marc Márquez ist auf der Suche nach seiner 7. Im Jahr 2024 fuhr er auf einer Desmosedici des Jahres 2023 mit Gresini auf den dritten Platz im Titelrennen. Auf dem Weg dorthin gelang ihm ein brillanter Durchbruch in Aragon, wo er von der Pole-Position aus startete, das Sprintrennen gewann und auf dem Weg zur Zielflagge die schnellste Runde fuhr. Schon vorher hatte er sich auf einen Wechsel nach Bologna und eine volle Werksrolle geeinigt.

Die Teile des Puzzles fügen sich zusammen. Der Spanier fuhr eine Ducati GP24 für das Satellitenteam Pramac und kombinierte seine Dominanz in den Sprintrennen, wo er sieben Siege einfuhr, mit seiner Beständigkeit im Sonntagsrennen, wo er 16 Podiumsplätze, darunter drei Grand-Prix-Siege, einfuhr. Außerdem bewies er Nervenstärke, als er die Titelverteidigung von Pecco Bagnaia abwehrte, der die letzten drei Rennen der Saison gewann.

Mit dem Titel in der Tasche wechselt Martín zu einem Werksteam, wo er zusammen mit dem Titelanwärter von 2023, Marco Bezzecchi, bei Aprilia fahren wird. Der Südafrikaner zahlt seinen langfristigen Vertrag mit konstanten Ergebnissen zurück: Der Fahrer mit der Startnummer 33 war der bestplatzierte Fahrer in der Saison 2023, der nicht auf einer Ducati saß. Zu ihm gesellt sich Pedro Acosta, der eine beeindruckende Rookie-Saison für Red Bull GASGAS hatte, in der er in Japan die Pole-Position holte und fünf Podiumsplätze erzielte. Binder und Acosta werden eine weitere beeindruckende Partnerschaft für KTM bilden. Jack Miller wechselt zu Pramac und Yamaha, was bedeutet, dass der beliebte Australier in der aktuellen Meisterschaft für jeden Hersteller gefahren ist.

Im Jahr 2024 wurde Ai Ogura der erste japanische Fahrer, der seit 15 Jahren Weltmeister wurde. Das bedeutet, dass es einen Motorenstopp gibt, sodass die führenden Konstrukteure ihre Triebwerke nicht weiterentwickeln können. Das sollte natürlich vor allem den Ducatis entgegenkommen und auch das KTM-Aggregat ist stark. Die großen Nutznießer des Motorenstopps werden Yamaha und Honda sein. Die beiden Giganten haben in den vergangenen Jahren die Meisterschaften angeführt, sind aber von dem Motorenstopp ausgenommen.

Gerüchte sprechen von einer Verringerung der Aerodynamik und der Abschaffung der Höhenverstellung.

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