Am Fahrrad den Schlauch oder Reifen zu wechseln dürfte wohl zu den häufigsten Tätigkeiten eines Fahrradfahrers zählen. So gut das Material und die Qualität eines Fahrradreifens und Fahrradschlauches heutzutage auch sein mag, spätestens wenn der Zahn der Zeit über Jahre am Material genagt hat, das Profil des Reifens abgefahren ist oder dieser durch Risse aufgrund zu niedrigen Luftdrucks porös geworden ist, wird eine Erneuerung nötig sein.
Spätestens bei einem abgefahrenen Profil sollte der Reifen getauscht werden. Auch wenn Sie oft mit zu niedrigem Luftdruck fahren, bilden sich an der Reifenflanke mit der Zeit Risse. Diese können irgendwann den Reifen unter Belastung regelrecht platzen lassen. Auch Hitze, Kälte und UV-Licht setzen einem Reifen auf Dauer zu und das Material wird, trotz moderner Technik und hochwertigem Material, dann doch irgendwann porös.
In der Regel fahren die meisten mit Ihrem Fahrrad dann in eine Fahrradwerkstatt und lassen Reifen und Schlauch vom Fachmann wechseln. Mit unserer Anleitung und nur wenig Werkzeug ist dieses aber auch für den Laien recht einfach zu bewerkstelligen.
Wer Glück hat, muss diese Arbeit nicht unterwegs auf einem Feldweg ausführen, sondern kann in der heimischen Hobby-Werkstatt (Garage oder Keller) arbeiten. Das ist auch die beste Voraussetzung für einen optimalen Reifenwechsel, wenngleich es natürlich am Wegesrand auch funktioniert. Hier ist natürlich vorausgesetzt, dass Sie das Werkzeug und einen Ersatzschlauch und/oder Faltreifen bei Ihrer Fahrradtour dabei haben.
Nachfolgend erklären wir Ihnen, anhand einer bebilderten Schritt-für Schritt-Anleitung, wie Sie beim Wechsel bzw. der Erneuerung eines Fahrradschlauchs und/oder eines Fahrradreifens vorgehen sollten. Als wichtigstes Werkzeug darf hierbei ein vernünftiger Reifenheber, am besten mit Metallkern, wie z.B. von XLC nicht fehlen.
Werkzeuge und Materialien
- Neuer Fahrradschlauch und Reifen
- Reifenheber-Set
- Fahrradluftpumpe
- Evtl. Gabel- bzw. Ringschlüssel
- Evtl. Montagefluid
Schritt-für-Schritt-Anleitung
1. Laufrad ausbauen
Wenn du keinen Montageständer hast, stellst du dein Fahrrad zum Ausbauen der Laufräder verkehrtherum auf den Boden, also mit Sattel und Lenker nach unten.
Um Schrammen am Fahrrad zu vermeiden, legen Sie alte Putzlappen unter. Stellen Sie das Fahrrad dazu am besten auf den Kopf bzw. auf den Sattel und Lenker.
Beim Vorderrad reicht es aus, den Hebel zu lösen und die Achse aufzudrehen. Bei den meisten Fahrrädern lässt sich das Laufrad nach einem leichten Lösen der Achse herausnehmen. Falls das nicht klappt, löst du die Steckachse vollständig und nimmst das Laufrad anschließend heraus.
Entweder lösen Sie das Laufrad mit einem eventuell vorhandenen Schnellspanner oder die Schraubmuttern mit einem Gabel-/Ringschlüssel (meist ein SW15).
Der Ausbau des Hinterrads erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit, da dieses mit der Fahrradkette verbunden ist. Zunächst schaltest du auf das kleinste Ritzel, da dir dies das Abziehen der Kette erleichtert. Anschließend kannst du wie beim Vorderrad die Achse lösen.
Handelt es sich um das hintere Laufrad, wo auch die Schaltung sitzt, müssen Sie beim Abnehmen des Hinterrades das Schaltwerk nach hinten wegdrücken. Schalten Sie vorher die Gänge auf das kleinste Ritzel zurück. So können Sie es leichter aushängen.
Zum Herausnehmen des Hinterrads hältst du das Schaltwerk nach vorne gedrückt, denn hierbei entspannt sich die Kette, und ziehst es aus der Befestigung, also der Kette, heraus.
Hat Ihr Fahrrad Felgenbremsen, schauen Sie, ob Sie das Laufrad durch die Bremsen hindurchgezogen bekommen. Andernfalls lösen Sie die Felgenbremsen und ziehen dann das Rad durch die Bremsbeläge.
2. Reifen und Schlauch demontieren
Nachdem du die Laufräder herausgenommen hast, kannst du dich nun um deine Reifen und Schläuche kümmern!
Haben Sie das Laufrad aus der Gabel bzw. dem Fahrradrahmen genommen, lassen Sie die Luft über das Ventil aus dem Reifen bzw. Schlauch.
Beginnen Sie auf der gegenüberliegenden Seite des Ventils damit, den Reifen mittels des Reifenhebers von der Felge zu hebeln.
Kontrollieren Sie jetzt das Felgenband auf Schäden und tauschen Sie es gegebenenfalls aus. Sollte der Mantel samt Schlauch gewechselt werden, empfiehlt es sich bei dieser Gelegenheit auch gleich das Felgenband zu wechseln. Ein günstiges Felgenband kostet ca. 2-3 Euro. Diese kleine Investition lohnt sich auf jeden Fall, da nur ein komplett heiles Felgenband den Schlauch schützen kann. Besonders wenn das Felgenband schon Risse oder Scheuerstellen hat oder verzogen ist, sollte unbedingt ein neues eingelegt werden.
3. Reifen und Schlauch montieren
Anschließend gilt es den neuen Fahrradmantel auf das Laufrad zu ziehen. Dieses gelingt am einfachsten mit einem geeigneten Schmiermittel, z.B. mit dem Schwalbe Montagefluid Easy Fit. So rutscht der Rand des Reifens sicher in seine Position. Dieser Punkt scheint auf den ersten Blick recht belanglos, hilft aber ungemein, den Reifen später in die richtige Position auf der Felge zu bringen.
Bevor Sie aber beginnen, den neuen Fahrradreifen auf die Felge aufzuziehen, müssen Sie noch die Laufrichtung des Reifens beachten. Das Reifenprofil ist entsprechend der Laufrichtung ausgerichtet. Das heißt, nur in diese Richtung wird das Profil optimal "greifen" und während der Fahrt den nötigen Grip und Stabilität gewährleisten. Auf der Reifenflanke ist ein Pfeil mit einer Bezeichnung (z.B. Rotation) aufgedruckt.
Stülpen Sie den Reifen (ohne den neuen Schlauch) mit einer (!) Seite komplett über die Felge. Setzen Sie das Fahrradventil vom Schlauch in die Ventilöffnung ein und sichern es ein wenig mit der (eventuell vorhandenen) Befestigungsschraube. Bitte die Schraube noch nicht komplett am Ventil anziehen, sondern nur locker festschrauben.
Anschließend wird der Schlauch mit einer Fahrradpumpe ein wenig (!) mit Luft gefüllt. Schieben Sie den Fahrradreifen soweit es geht per Hand über das Felgenhorn. Bei neuen Reifen wird man dann an den Punkt kommen, wo sich der Reifen per Hand nicht weiter auf die Felge aufschieben lässt. Mit einem geeigneten Hebelwerkzeug (z.B. das erwähnte Reifenheber-Set von XLC) kann man relativ einfach den "Rest" vom Reifen über das Felgenhorn auf die Felge hebeln. Oft klappt dieses ganz gut mit nur einem Reifenheber, falls nicht, nutzen Sie zwei Reifenheber dazu, die Sie je rechts und links ansetzen. Somit wird verhindert, dass der Reifen wieder von der Felge rutscht.
Abschließend sollte der neu aufgezogene Fahrradreifen auf dem Laufrad per Hand noch ein wenig bewegt/gewalkt werden, damit er sich gut auf die Felge setzt. Danach sollten Sie den Schlauch entsprechend der Angabe auf dem Mantel mit Luft befüllen.
Ganz zum Schluss sollten Sie noch einmal genau betrachten ob der Mantel auch richtig auf der Felge sitzt. Dieses erkennen Sie an der geriffelten Fläche am Übergang zur Felge.
4. Laufrad wieder einbauen
Das runderneuerte Laufrad mit Reifen und Schlauch kann nun wieder am Fahrradrahmen bzw. in der Gabel montiert werden.
Pannenschutzreifen für Fahrräder
Durch das Aufkommen der Reifen mit Pannenschutzeinlage (z.B. von Schwalbe) hat man als Fahrradfahrer zum Glück schon mal deutlich weniger mit geplatzten und gerissenen Schläuchen zu tun, aber auch der beste Pannenschutz kann bei ungünstigen Durchstichen nicht immer einen beschädigten Schlauch verhindern. Das Risiko wird aber deutlich minimiert.
Moderne Pannenschutzreifen für Fahrräder kosten zwar ein wenig mehr als Reifen ohne Schutz, aber oft hat sich dieser Mehrpreis nach der ersten verhüteten Panne schon gerechnet. Zumal wohl niemand gerne mitten im Wald mit einem Platten liegenbleiben möchte. Ein Pannenschutzreifen bietet also deutlich mehr Komfort und Sicherheit.
Reifendrucktabelle
Um Rissen im Reifen aufgrund zu niedrigen Luftdrucks vorzubeugen oder platzende Reifen wegen zu hohen Drucks zu verhindern und allgemein für möglichst hohen Fahrkomfort, solltest Du Dich eingehend mit dem richtigen Reifendruck für Dein Fahrrad auseinandersetzen und wissen, wie Du diesen überprüfen kannst.
Eine Faustregel darüber, welcher Luftdruck im Fahrradreifen optimal ist, gibt es allerdings nicht. Viel mehr hängt der richtige Druck vom Gewicht des Radfahrers und der Belastung der Reifen durch den Fahruntergrund ab. Der Druck wird dabei nicht vom Gewicht des Fahrrads beeinflusst - wie es beim Auto der Fall ist. Auch spielen für den Luftdruck im Reifen individuelle Vorlieben, wie der geringere Rollwiderstand oder auch der Federungskomfort, eine Rolle. So wird beispielsweise bei höherem Luftdruck der Rollwiderstand geringer.
Auf jedem Reifen ist angegeben welcher Druckbereich für den Reifen zulässig ist. Diese Angabe findet man auf der Mantelseite.
| PSI | ATM | kPa |
|---|---|---|
| 35 | 2.38 | 238 |
| 40 | 2.72 | 272 |
| 45 | 3.06 | 306 |
| 50 | 3.40 | 340 |
| 55 | 3.74 | 374 |
| 60 | 4.08 | 408 |
| 65 | 4.42 | 442 |
| 70 | 4.76 | 476 |
| 75 | 5.10 | 510 |
| 80 | 5.44 | 544 |
| 85 | 5.78 | 578 |
| 90 | 6.12 | 612 |
| 95 | 6.46 | 646 |
| 100 | 6.80 | 680 |
| 105 | 7.15 | 715 |
| 110 | 7.48 | 748 |
| 115 | 7.83 | 783 |
| 120 | 8.17 | 817 |
Diese Angaben sind ohne Gewähr
Verwandte Beiträge:
- Ducati Nockenwellen Werkzeug: Spezialwerkzeug & Tipps für den Profi
- Bestes MTB Werkzeug Set 2024: Vergleich & Kaufberatung
- Shimano Verschlussring Werkzeug: Kaufberatung & Reparaturtipps
- Shimano Centerlock Bremsscheiben Werkzeug: Montage & Demontage
- Laufräder ab 2 Jahren im Test: Kaufberatung & Vergleich
- Mittellandkanal Radweg Komoot: Tourenplanung & Highlights
Kommentar schreiben