Wie lange hält ein Elektroroller Akku: Lebensdauer, Wartung und Tipps

E-Roller erfreuen sich wachsender Beliebtheit als umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen benzinbetriebenen Rollern, insbesondere im städtischen Verkehr. Ein wesentlicher Aspekt bei der Nutzung von E-Rollern ist die Leistung und Lebensdauer ihrer Akkus. In diesem Artikel werden wir uns ausführlich mit der Lebensdauer von E-Roller-Akkus befassen und wie man diese verlängern kann.

Akkutypen und ihre Lebensdauer

E-Roller Akkus sind in verschiedenen Technologien erhältlich:

  • Blei-Säure-Akkus
  • Nickel-Metallhydrid (NiMH)-Akkus
  • Lithium-Ionen (Li-Ion)-Akkus

Li-Ion-Akkus sind die leichtesten, effizientesten und langlebigsten Akkus auf dem Markt, haben jedoch den höchsten Preis. In den meisten modernen E-Rollern werden Lithium-Ionen-Akkus verwendet, da sie die beste Leistung und Lebensdauer bieten.

Was bedeutet die Angabe der Ladezyklen?

Die Lebensdauer eines E-Roller Akkus wird oft in Ladezyklen angegeben. Ein Ladezyklus entspricht einer vollständigen Entladung und anschließender Aufladung des Akkus.

NIU gibt zum Beispiel bei der N-Serie an, dass die Akkus eine "Lebensdauer" von 600 Ladezyklen haben. Heißt das, dass der Akku nach dem 600. Aufladen kaputt ist? Nein, keineswegs! Ein Ladezyklus ist eine Vollladung! Der erste häufige Irrtum ist, dass jeder Ladevorgang - also zum Beispiel auch das Nachladen eines zu 80% aufgeladenen Akkus - einen Ladezyklus darstellt. Das ist aber falsch. 1 Ladezyklus entspricht einer 100% Vollladung. Lädt man einen Akku zweimal von 50% auf 100% Ladestand auf, so entspricht das einem einzigen Ladezyklus. Oder wenn man zum Beispiel einen Akku fünfmal von 60% auf 80% auflädt. Dann ist das auch ein Ladezyklus.

Hat dein Roller die Höchstanzahl der Ladezyklen erreicht, bedeutet das jedoch nicht, dass der Akku kaputt ist oder er sofort ausgetauscht werden muss, sondern einfach nur, dass er seine ursprüngliche Kapazität eventuell nicht mehr erreicht, was sich in seiner Reichweite bemerkbar machen kann.

Faktoren, die die Lebensdauer beeinflussen

Die Lebensdauer eines E-Roller Akkus hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Akkutechnologie
  • Nutzung
  • Wartung
  • Umgebungsbedingungen

Auch die Anzahl der Ladezyklen des E-Rollers wird von der Akku-Art, der Nutzung, den Umgebungsbedingungen und der Wartung beeinflusst.

Wie viele Kilometer sind mit einem Akku möglich?

Hier stellen wir einfache Rechnungen an, die natürlich nicht ganz exakt sind. Erstens gehen wir bei unserer Berechnung davon aus, dass die Kapazität linear abfällt, was sie aber in der Praxis nicht macht und zweitens gehen wir davon aus, dass die 51 km Reichweite laut Homologation der tatsächlichen Reichweite entsprechen. Dafür vernachlässigen wir aber die Tatsache, dass die Kapazität bei niedrigen Temperaturen sinkt und gehen von einer optimalen Behandlung des Akkus (kein Tiefentladen, keine Lagerung bei niedrigen Temperaturen etc.) aus.

Die ersten 600 Ladezyklen liegt die Kapazität zwischen 90% und 100% der ursprünglichen Kapazität. Also rechnen wir vereinfacht mit durchschnittlich 95%. 95% von 51 Kilometern sind 48,45 Kilometer. Das multiplizieren wir mit 600, daraus ergeben sich dann 29.070 Kilometern. Nach dieser Laufleistung liegt die Kapazität also bei 90% von 51 Kilometern, das wären dann 45,9 Kilometer.

Ergebnis 1: Nach 29.070 Kilometern liegt die Reichweite nur noch bei 45,9 Kilometern.

Zwischen 600 und 1.000 Ladezyklen liegt die Kapazität dann zwischen 80% und 90%, also rechnen wir vereinfacht mit durchschnittlich 85%. 85% von 51 Kilometern sind 43,35 Kilometer. Das multiplizieren wir mit 400 (1.000 minus 600) und kommen auf 17.340 Kilometer. Zu diesen zählen wir jetzt die 29.070 Kilometer von Ergebnis 1 dazu und kommen auf 46.410 Kilometer. Nach dieser Laufleistung liegt die Kapazität dann nur noch bei 80% von 51 Kilometern, somit bei 40,8 Kilometer.

Ergebnis 2: Nach 46.410 Kilometern liegt die Reichweite nur noch bei 40,8 Kilometern.

Zwischen 1.000 und 2.000 Ladezyklen liegt die Kapazität dann nur noch zwischen 70% und 80%, wir rechnen wieder vereinfacht und zwar mit durchschnittlich 75%. 75% von 51 Kilometern sind 38,25 Kilometer. Diese werden mit 1.000 (2.000 minus 1.000) multipliziert und wir erhalten 38.250 Kilometer Diese zählen wir jetzt zu den 46.410 Kilometern von Ergebnis 2 dazu und bekommen 84.660 Kilometer. Nach dieser Laufleistung liegt die Kapazität dann nur noch bei 70% von 51 Kilometern, das sind 35,7 Kilometer.

Ergebnis 3: Nach 84.660 Kilometern liegt die Reichweite nur noch bei 35,7 Kilometern.

Wenn Sie jetzt Fernfahrer sind klingt das vielleicht etwas wenig, aber für den Großteil der Rollerfahrer ist das sehr viel. Die meisten Rollerfahrer in unseren Breiten legen nämlich pro Tag nur etwa 10 - 15 Kilometer zurück. Gehen wir einmal davon aus, dass ein Rollerfahrer tatsächlich das ganze Jahr über an absolut jedem Tag genau 15 Kilometer fährt, auch an Sonn- und Feiertagen und auch bei Regen, Schnee und Eis. Dann kommen wir gerade einmal auf 365,25 × 15 = 5.478,75 Kilometer. Das bedeutet dann für diesen Fahrer, dass er nach 29.070 / 5.478,75 = 5,31 Jahren noch immer bloß jeden dritten Tag (45,9 / 15 = 3,06) laden muss. Nach 84.660 / 5.478,75 = 15,45 Jahren reicht es immer noch, jeden zweiten Tag (35,7 / 15 = 2,38) zu laden. Wie schön wäre es, wenn wir unsere Smartphones auch nur jeden 2.

Tipps zur Verlängerung der Lebensdauer

Hier sind einige Tipps, wie Sie die Lebensdauer Ihres E-Roller Akkus verlängern können:

  • Vermeiden Sie vollständige Entladungen: Das vollständige Entladen des Akkus kann seine Lebensdauer verkürzen.
  • Verwenden Sie ein hochwertiges Ladegerät: Ein hochwertiges Ladegerät, das speziell für deinen E-Roller Akku entwickelt wurde, stellt sicher, dass der Akku richtig geladen wird und dadurch mehr Ladezyklen schafft.
  • Vermeiden Sie hohe Temperaturen: Hohe Temperaturen können die Lebensdauer eines Akkus verringern.
  • Pflegen Sie den Akku: Lasse den Akku nicht für längere Zeit in einem entladenen Zustand, da dies seine Lebensdauer verkürzen kann.
  • Akku aus Roller nehmen! Wird die Batterie länger als eine Woche gelagert, muss sie aus dem Roller genommen werden. Bewahren Sie die Batterie bei einer Temperatur von 10° C bis 20° C mit einer Kapazität von 30 % -70 % auf. Achtung! Versagt der Akku aufgrund falscher oder fehlender Wartung, verfällt die Garantie.
  • Akku nachladen: NIU schreibt zum Beispiel für den MPro vor, den Akku mindestens alle 2 Monate zu laden und zu entladen. Achtung! Versagt der Akku aufgrund falscher oder fehlender Wartung, verfällt die Garantie.

Wintertipps für E-Roller Akkus

Egal, ob Sie vorhaben, Ihren Elektroroller im Winter zu nutzen oder nicht: Im Winter gibt es einiges zu beachten!

  • Niedrigere Reichweite: Bei niedrigen Temperaturen verliert der Akku schneller an Leistung.
  • Lagerung: Wenn Sie Ihren Elektroroller im Winter nicht benutzen werden, empfiehlt es sich, ihn auch vor dem Winter ordentlich zu reinigen. Achten Sie darauf, dass der Reifen den richtigen Luftdruck aufweist. Bewahren Sie den Roller in einem flachen, geraden, gut gelüfteten und trockenen Bereich auf. Vermeiden Sie Sonnenlicht und Regen, um Schäden und Alterung vorzubeugen. Sollten Ihr Roller im Freien überwintern müssen, so verwenden Sie eine wasserabweisende Abdeckplane (die übrigens auch bei einer Lagerung in Gebäuden einen sinnvollen Schutz gegen Staub darstellt). Allerdings sollte Ihr Fahrzeug beim Abdecken trocken sein! Da sich unter einer Abdeckplane Kondenswasser sammeln kann, empfiehlt es sich, diese immer wieder einmal an einem trockenen Tag abzuziehen, um Roller und Plane trocknen zu lassen.

Achtung! Versagt der Akku aufgrund falscher oder fehlender Wartung, verfällt die Garantie.

Kosten einer Vollladung und Stromkosten pro 100 Kilometer

Wer einen Elektroroller kauft, möchte nicht nur die Umwelt schonen und Spaß an der unglaublichen Leistungs- und Drehmomententfaltung haben, sondern auch Geld im laufenden Betrieb sparen. Nur: wie viel kostet es, einen Elektroroller zu laden? Und wie hoch sind die Stromkosten für 100 Kilometer? Wird eine Kaffeehausbesitzer arm, wenn er seine Gäste die Akkus aufladen lässt? Oder der Chef, wenn er es seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erlaubt?

Wie viel kostet eine Vollladung?

Dazu müssen wir einmal wissen, wie groß die Kapazität des Akkus ist. Bei der N-Serie ist diese 29 Ah × 60 V = 1.740 Wh. Allgemein geht man von maximal 10% Verlusten (die zum Beispiel in Form von Entstehung von Wärme im Ladegerät auftreten) aus. Wir dividieren also die 1.740 Wh durch 90% (also 100% - 10%) und erhalten 1.933,33 Wh. Das ist also die Energie, die tatsächlich benötigt wird, um den Akku vollzuladen. Jetzt müssen Sie noch Ihren Strompreis wissen. Der ist natürlich je nach Anbieter verschieden. In Deutschland kann man mit ungefähr 0,3 EUR pro kWh rechnen, in Österreich mit ungefähr 0,2 EUR pro kWh, in Belgien ca. 0,28 EUR pro kWh und in der Schweiz mit ungefähr 0,2 CHF pro kWh. Wir rechnen jetzt einmal mit dem teuersten Strompreis, also dem deutschen Strompreis. 1.933,33 Wh sind 1,93333 kWh. Diese multiplizieren wir mit 0,3 EUR und erhalten 0,58 EUR - das ist jetzt der Preis einer Vollladung.

Ergo: Man wird nicht arm, wenn man jemanden erlaubt, den Akku eines E-Rollers zu laden.

Wie hoch sind die Stromkosten pro 100 Kilometer?

Dazu verwenden wir den Energieverbrauch pro Kilometer, der in den Zulassungspapieren angegeben ist. Bei der N-Serie liegt dieser bei 31 Wh/km. Auf 100 km liegt der Energieverbrauch somit bei 3.100 Wh bzw. 3,1 kWh. Auch hier rechnen wir wieder 10% Verluste ein, dividieren die 3,1 kWh also durch 90% und erhalten 3,4444 kWh. Diese multiplizieren wir für unser Rechenbeispiel wieder mit dem teuersten, also dem deutschen Strompreis.

Gesetzliche Bestimmungen und Gewährleistung

Ferner gelten auch für E-Scooter die üblichen gesetzlichen Gewährleistungspflichten: So können, im Fall von Mängeln, die Käuferinnen und Käufer von Elektro-Geräten grundsätzlich zwei Jahre nach Erhalt des Produkts die Ersatzlieferung oder Reparatur verlangen.

Alle Angaben ohne Gewähr. Tippfehler und Irrtümer vorbehalten.

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