Nach einer spaßigen Saison hat sich das Motorrad eine anständige Grundreinigung verdient. Obwohl das Waschen des Zweirads auf den ersten Blick banal und simpel wirkt, gibt es auch hier ein paar Dinge zu beachten. Regelmäßige Motorradwäsche dient Ihrer Sicherheit und beugt dem Wertverlust der Maschine vor. Eine anständige Grundsäuberung des Motorrads kann Wunder wirken.
Grundlagen der Motorradreinigung
Leichte Service-Arbeiten am Motorrad selber machen - spart Geld, stärkt die Bindung zum Motorrad und bildet weiter. Aber gerade am Anfang der Schrauber-Karriere gibt es viele offene Fragen und unbekannte Tipps, die selbst die einfachen Schraubertätigkeiten erheblich erleichtern können.
Bevor Sie eine bestimmte Reinigungs-Variante wählen, sollten Sie entscheiden, ob Sie Ihr Motorrad zu Hause waschen oder in einer Waschbox reinigen. Falls Sie die Wäsche vor der Haustür vorziehen, gibt es einige Grundregeln, die es zu beachten gilt. Allgemein ist es nur erlaubt, zu Hause zu waschen, wenn Sie über Ölabscheider sowie Auffangvorrichtungen für Grobschmutz verfügen und eine besondere Abwasserentsorgung nutzen können. Sind diese Punkte nicht gegeben, begehen Sie eine Ordnungswidrigkeit, wenn Sie Ihr Motorrad sauber machen. Wir empfehlen daher, das Motorrad in einer offiziellen Waschbox zu waschen.
Aus Umweltgründen sollten Sie Ihr Motorrad auf jeden Fall in einer offiziellen Waschbox reinigen. Diese besitzen neben Ölabscheidern auch Auffangvorrichtungen für Grobschmutz und eine besondere Abwasserentsorgung. Putzaktionen ohne diese Schutzmaßnahmen, etwa auf Privatgrund oder öffentlichen Straßen, sind verboten.
Die richtige Ausrüstung
Eimer und Lappen, Gartenschlauch, oder Hochdruckreiniger? Wir raten zu Letzterem. Es gibt zwar auch viele spezielle Reinigungsprodukte und Mittel, um das Motorrad mit dem Tuch zu reinigen, aber diese sind eher für schnelle Säuberungen zwischen Touren geeignet. Wir gehen heute vom Szenario der großen Reinigung zum Saison-Abschluss aus und da braucht es für eine anständige Grundreinigung schon reichlich Wasser.
Für die schwer erreichbaren Stellen des Aggregats können Sie eine Zahnbürste oder einen Pinsel mit langen Borsten verwenden. Ist alles sauber, braucht man das Bike nur noch mit einem weichen Tuch trockenwischen. Unbedingt die Hinweise zu Reinigung und Pflege in der Bedienungsanleitung beachten.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Motorradreinigung
- Vorbereitung: Bevor es an die Reinigung geht, sollte man den Motor des Zweirades immer abkühlen lassen. Bevor Sie mit der Motorradaufbereitung beginnen, sollten Sie sichergehen, dass das Bike abgekühlt ist und nicht in der gleißenden Sonne steht.
- Grobwäsche: Vor dem Abwaschen trägt man normalerweise einen Kaltreiniger auf. Das Reinigungsmittel löst die ersten Schmutzrückstände und weicht den Dreck auf, damit dieser leichter abrinnt. Ist das Motorrad aber stärker verschmutzt, dann ist der erste Griff doch zum Hochdruckreiniger.
- Hochdruckreiniger richtig einsetzen: Immer schön Abstand halten mit dem Hochdruckreiniger, sonst sind die Aufkleber weg. Um Beschädigungen der Oberflächenmaterialien zu vermeiden, am besten aus ca. 30 - 50 Zentimetern von oben nach unten das Motorrad abduschen.
- Besondere Vorsicht bei bestimmten Bauteilen: Bei einigen Bauteilen und Bereichen des Motorrads ist mit dem Hochdruckreiniger besondere Vorsicht geboten. Überall wo Lager verbaut sind - Lenkkopflager, Schwingenlager, Radlager, etc. - lieber nicht zu knapp hingehen, damit hier kein Wasser unter Druck eindringen und zu Beschädigungen führen kann. Auch das Lenkschloss und der Ausgang des Auspuffs sollten eher ausgespart werden, denn weder die Elektronik noch der Brennraum freuen sich über eine Dusche.
- Reinigung mit Kaltreiniger: Nach der Grobwäsche verbleibt noch immer sehr viel Schmutz, ölige Stellen und feiner Staub an schwerer erreichbaren Stellen und in den Ecken. Spätestens jetzt kommt der Kaltreiniger zum Einsatz. Hier werden am besten speziell für Motorräder entwickelte Waschmittel verwendet. Motorräder weisen sehr viele unterschiedliche Materialien - harter Kunststoff, transparentes Plastik, verschiedene Metalle, Gummi-Dichtungen und mehr - die zum Teil von Universalreinigungsmitteln angegriffen werden können. Bei Reinigern für das Motorrad ist man auf der sicheren Seite. Der Kaltreiniger wird großzügig auf dem Motorrad aufgetragen. Der Kaltreiniger muss nach dem Aufsprühen noch ein paar Minuten einwirken.
- Reinigung der Kette: Die Pause des einwirkenden Kaltreinigers eignet sich perfekt, um sich der Kette anzunehmen. Zuerst wird sie ausgiebig mit dem Kettenfettentferner eingesprüht. Dieser löst das zähe Fett des Kettenöls, damit dieses später abgebürstet werden kann. Nach einer kurzen Einwirk-Phase lässt sich die Kette mit einer speziell geformten Kettenbürste abbürsten. Man dreht das Hinterrad in beide Richtungen und nutzt die dreiseitige Bürste, um den Schmutz und das alte Kettenfett rundum wegzubürsten. Hält sich der Dreck hartnäckig, dann kann ruhig noch einmal der Entfetter verwendet werden. Der spezielle Kettenreiniger löst das alte Kettenöl und den Dreck auf.
- Abspülen: In den engsten Ecken und Kanten kann nach dem Abspülen des Motorrad-Reinigers noch immer etwas Schmutz kleben. Bekannte hartnäckige Stellen sind z.B. rund um den Tankdeckel, die Schwinge nahe der Kette, oder verwinkelte Bereiche im Cockpit. Hier kann man noch einmal zum Kaltreiniger greifen und gezielt mit einer Bürste oder Schwamm nacharbeiten. Wichtig ist, dass Bürste oder Schwamm möglichst weich sind, um keine feinen Kratzer im Lack zu hinterlassen.
- Trocknen: Das Trocknen in der Sonne ist nicht empfehlenswert, da sich dann die Kalkrückstände im Wasser noch deutlicher abzeichnen. Das Motorrad ist jetzt sauber, aber auch angreifbar. Jede Oberfläche ist blank geputzt und entfettet, neuer Schmutz und Staub warten geradezu nur darauf sich aufs Bike zu stürzen.
- Polieren und Wachsen: Als Schutz gegen zukünftigen Dreck kann man das Motorrad noch mit einem Wachs-basierten Mittel aufpolieren. Hier gibt es wieder verschiedenste Produkte, aber die Funktionsweise bleibt bei allen gleich. Das Wachsmittel wird per Tuch aufgetragen und bildet dort eine schützende Schicht, an der Wasser und Schmutz abperlen. Als Nebeneffekt werden ausgeblichene Plastikteile farblich wiederbelebt und erstrahlen im alten Glanz.
Spezielle Reinigungsbereiche
Nachdem die empfindlichen Komponenten der Maschine gereinigt wurden, kann es nun an die oberflächliche Reinigung von Karosserie und Verkleidung gehen. Nicht nur bei Geländemotorrädern wie Motocross- oder Enduromaschinen, die oftmals über sehr staubige oder schlammige Böden bewegt werden, ist eine gründliche Reinigung notwendig. Auch bei Straßenmotorrädern trägt die regelmäßige Reinigung und Pflege der Bauteile zum Werterhalt des Fahrzeugs bei. Stark verschmutzte Partien sollten mit einem Gelreiniger gesäubert werden, denn das Gel setzt sich auch an senkrechten Stellen fest und kann nicht abtropfen. So lassen sich selbst schwer erreichbare Bereiche effektiv reinigen.
Wer sein Motorrad wäscht, sollte auch Scheinwerfer, Außenspiegel, Blinker und die Windschutzscheibe nicht vernachlässigen. An diesen Stellen kleben nach einer ausgiebigen Fahrt und vor allem in den Sommermonaten oftmals Insekten. Damit etwaige Flecken und Rückstände nicht die Sicht beeinträchtigen, sollten diese Flächen gesondert behandelt werden. Ein Insektenentferner löst Insektenrückstände effektiv, ohne Kunststoff, Lack, Zierleisten oder Aluminiumteile zu beschädigen. Auch hier gilt beim Gebrauch: Kurz einwirken lassen und dann gründlich mit klarem Wasser abspülen. Alternativ kann ein feuchtes Küchenpapier auf die Stellen gelegt werden.
Felgenreinigung
Die Felgen vieler Motorräder sind eine echte Augenweide. Besonders Chromfelgen bestechen durch ihre strahlende Optik. Je nach Fahrbahnuntergrund sind sie jedoch ausgesprochen stark von Verschmutzungen wie Schlamm oder Bremsabrieb betroffen. Damit die Felgen wieder in neuem Glanz erstrahlen, sollten sie eine entsprechende Pflege bekommen. Hierfür eignet sich ein spezieller Felgenreiniger, der sämtliche Straßenverschmutzungen sowie Bremsstaub und Reifenabrieb auf allen gängigen Felgentypen entfernt. Den Felgenreiniger auf die trockene Felge aufsprühen und einwirken lassen.
Mit einer Felgenwaschbürste gelingt eine 360-Grad-Reinigung - selbst an schwer zugänglichen Stellen und in kleinsten Zwischenräumen. Dafür wird das Zubehör einfach an die Pistole des Hochdruckreinigers angeschlossen.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Bei Haus-Bewohnern kommt hier der verständliche Wunsch auf, die Arbeit schnell vor der eigenen Haustüre oder am eigenen Grund durchzuführen. Der Nachteil davon ist, dass beim Waschen des Zweirads viele Chemikalien im Einsatz sind und diese nicht in den herkömmlichen Abfluss oder gar ins Erdreich gelangen sollten. Deswegen empfehlen wir die Verwendung von den vielerorts verfügbaren Waschboxen. Da kann man in jede Richtung sprühen und spritzen wie man möchte, belästigt weder Nachbarn noch Mitbewohner und auch die Abwassersysteme sind auf chemische Rückstände und Straßendreck ausgelegt.
Moderne Hochdruckreiniger sind fürs Zweirad nicht unbedingt ein Segen. Durch den extremen Druck kann Wasser selbst in kleinste Ritzen und in Lager eintreten und Fett ausspülen. Daher sollten Sie beim Säubern der Maschine mit einem Hochdruckreiniger genügend Abstand halten und Problemzonen meiden. Dazu zählen Radnaben, Schwinge, Lenkkopflager, Hebelgelenke, Öl- und Wasserkühler oder auch O-Ring-Ketten. Hier empfiehlt sich die gute alte Handwäsche mit Schwamm oder weicher Bürste und sanftes Abspülen.
Vorsicht auch bei Reifen: Werden Pneus aus kurzer Distanz und zu lange an einer Stelle mit dem Dampfstrahler bearbeitet, können unsichtbare Vorschädigungen entstehen. Bei hoher Geschwindigkeit oder bei längeren Autobahnetappen können solche Stellen fatale Folgen haben. Dosierter Einsatz des Dampfstrahlers, vorheriges Einweichen von starkem Schmutz mit Schaum oder entsprechenden Kaltreinigern sowie die Nutzung einer Schaumbürste mit fließendem Wasser sind allemal besser.
Wer an der Waschanlage mit mitgebrachtem Schwamm und verschiedenen Bürsten arbeitet, bekommt nicht nur schwer zugängliche Stellen sauber, er bemerkt auch lose Schrauben oder Speichen und hat andere Verschleißteile im Blick.
Tipps zur Verwendung von Reinigungsmitteln
Wer den Motor seiner Maschine mit speziellem Motorreiniger und Bürste säubert, der sollte - wie beim Einsatz aller anderen Reinigungsmittel fürs Bike - drei Dinge beachten:
- Reiniger nie in der prallen Sonne oder auf erhitzter Oberfläche anwenden.
- Immer die Anwendungshinweise der Hersteller und ganz besonders die Einwirkzeiten der Produkte beachten.
- Alle Reinigungsprodukte gründlich abspülen, bis keine Schaumbildung mehr zu sehen ist, und bei partieller Reinigung auch benachbarte Teile abspülen.
Einweichen von hartnäckigem Schmutz
Hartnäckige Insekten-Friedhöfe auf Kunststoff-Verkleidungsteilen und -scheiben sollten Sie vor der großen Wäsche über Nacht mit nassen Tüchern und sanften Spülmitteln einweichen. So lassen sie sich hinterher besser entfernen. Zum leichteren Lösen von Insekten gibt es spezielle Reinigungssprays, sogenannte Insektenentferner. Wer sie mit einem Scheuerschwamm bekämpft, riskiert hässliche Kratzer im Kunststoff.
Wer bei schönem Wetter im Winter seine Maschine bewegt, sollte sie unbedingt nach jeder Tour abduschen: Metall und Lack reagieren auf Streusalz, das auch bei vermeintlich trockener Straße aufgewirbelt wird.
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