Nicht alle Radfahrer sind gleich schnell unterwegs. Bei Radfahrern ist der Geschwindigkeitsunterschied nicht selten besonders groß. Während die einen mit ihren „normalen“ Fahrrädern vielleicht etwas gemütlicher unterwegs sind, können E-Bike-Fahrer schon eine beträchtliche Geschwindigkeit erreichen.
Überholen von Radfahrern als Autofahrer
Wer als Autofahrer überholen möchte, muss einige Verkehrsregeln kennen. Wollen Sie einen langsameren Radfahrer überholen, gelten ähnliche Regeln wie für das Überholen mit Kraftfahrzeugen. Autofahrer sollten es verinnerlicht haben: Überholen dürfen Sie bis auf wenige Ausnahmen nur links. Diese Regel des § 5 Straßenverkehrsordnung (StVO) gilt auch für Fahrradfahrer. Möchten Sie einen langsameren Radler überholen, müssen Sie links an diesem vorbeifahren.
Ebenso wie bei Kraftfahrzeugen müssen Sie beim Überholen auf einen ausreichenden Seitenabstand achten. Wer mit einem Kraftfahrzeug einen Radfahrer überholen möchte, muss einen Abstand von mindestens 1,5 Metern innerorts und 2 Metern außerorts einhalten.
Wer als Autofahrer einen Radfahrer ohne den gebotenen Seitenabstand überholt, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss dafür ein Bußgeld in Höhe von 30 Euro zahlen. Anders sieht es aus, wenn es durch den Überholvorgang zu einem Unfall kommt. Dann muss ein Bußgeld in Höhe von 35 Euro gezahlt werden. Bei Kindern ist das Gesetz noch einmal deutlich strenger. Wer ein Kind überholt und dabei gefährdet, dem droht ein Bußgeld von 80 Euro und ein Punkt in Flensburg. Kommt bei dem Überholvorgang ein Kind sogar zu Schaden, steigt das Bußgeld auf 100 Euro an. Es kann außerdem sein, dass sich der Autofahrer auch wegen fahrlässiger Körperverletzung strafbar macht. Laut Strafgesetzbuch kann es dafür eine Geldstrafe - und in Extremfällen sogar eine Freiheitsstrafe bis 3 Jahre geben.
Autofahrer müssen beim Überholen von Radfahrern innerorts einen Abstand von mindestens 1,50 Meter einhalten, außerorts müssen es sogar mindestens zwei Meter Abstand sein. Ist ein Radfahrer mit einem Kind auf dem Fahrrad unterwegs, sollten vorbeifahrende Autos womöglich auch innerorts einen Abstand von mindestens zwei Metern wahren. Das hielt zumindest das Oberlandesgericht Naumburg in einer Entscheidung aus dem Jahr 2005 für den notwendigen Seitenabstand. Im Gesetz geregelt ist das aber nicht.
Wer als Fahrradfahrer von einem Auto ohne den vorgeschriebenen Seitenabstand überholt wird, kann das bei der Polizei oder dem zuständigen Ordnungsamt anzeigen. Je mehr die Polizei oder das Ordnungsamt wissen, desto besser können sie dem Fall nachgehen.
Bußgelder und Strafen für falsches Überholen von Radfahrern in Deutschland
Das Nichteinhalten der Überholregeln für Radfahrer in Deutschland gilt als schwerwiegender Verstoß und unterliegt Sanktionen gemäß der StVO (Straßenverkehrsordnung), überwacht von der BAG (Bundesamt für Güterverkehr):
- Bußgeld von bis zu 70 Euro: Für das Nichteinhalten des Mindestabstands von 1,5 Metern innerorts und 2 Metern außerorts beim Überholen eines Radfahrers.
- Bußgeld von bis zu 100 Euro und 1 Punkt in Flensburg: Wenn das Überholen gefährlich ist oder den Radfahrer gefährdet.
- Gefährdung des Straßenverkehrs: Wenn das Leben des Radfahrers ernsthaft gefährdet wird, drohen hohe Geldstrafen, Führerscheinentzug und sogar Haftstrafen.
- Bußgeld von bis zu 150 Euro: In gefährlichen Bereichen oder bei eingeschränkter Sicht, wie in Kurven oder bei Kuppen.
Diese Strafen sollen Autofahrer sensibilisieren und die Verkehrssicherheit für alle Straßenbenutzer gewährleisten. Die Verkehrspolizei und der ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club) haben verstärkte Kontrollen und Aufklärungskampagnen gestartet, um Unfälle zu reduzieren und verantwortungsbewusstes Fahren zu fördern.
Wer mit dem Auto einen Radfahrer überholt, muss generell innerorts eineinhalb Meter und außerorts zwei Meter Sicherheitsabstand einhalten.
Überholen von Radfahrern durch Radfahrer
Für Fahrradfahrer sind die Regelungen nicht so streng. So entschied kürzlich das Oberlandesgericht Oldenburg. Denken Sie aber daran, dass der andere Radfahrer selten eine völlig gerade Linie fahren kann. Dies liegt zum einen in der Natur des Fahrrads. Zum anderen kann die Beschaffenheit des Weges einen Radler plötzlich zum Schwanken bringen. Fahren Sie durch ein Loch im Belag oder über einen Stein, kann der Lenker nach links oder rechts ausbrechen. Quetschen Sie sich also nicht an einem langsamen Fahrer einfach vorbei. Achten Sie auch gut auf den Zustand des Weges. Fahren Sie über eine unebene Schotterpiste, müssen Sie eher mit Fahrunsicherheiten rechnen. Und zwar sowohl bei sich selbst als auch bei anderen Radfahrern. Gerade bei schmaleren Wegen sollten Sie vor Ihrem Überholmanöver klingeln. Dann weiß Ihr Vordermann, dass Sie an ihm vorbei wollen. Er kann seine Fahrweise anpassen und möglichst weit rechts fahren.
Aus diesem Grund hat auch das OLG Oldenburg in seiner Entscheidung dem überholenden Fahrradfahrer trotzdem eine Teilschuld auferlegt.
Nach einem Unfall zwischen zwei Radfahrern ging es um Schadenersatz und Schmerzensgeld. Ein Radfahrer fuhr auf dem Radweg einer Straße. Ein zweiter Radfahrer bog aus einer Einfahrt ein und fuhr vor dem ersten langsam und unsicher her. Als der erste Radfahrer überholen wollte, schwenkte der zweite stark nach links. Es kam zum Zusammenstoß, bei dem der erste Radfahrer verletzt wurde. Er musste ins Krankenhaus und physiotherapeutisch behandelt werden. Später klagte er auf Schmerzensgeld und Schadenersatz.
Das Landgericht lehnte die Ansprüche in erster Instanz noch ab. Begründung: Weil er den notwendigen Sicherheitsabstand nicht habe einhalten können, hätte der Kläger gar nicht überholen dürfen. Die Sache ging in die zweite Instanz.
Das Oberlandesgericht Oldenburg sprach dem ersten Radfahrer 50 Prozent der Schadenersatzforderung und 3500 Euro Schmerzensgeld zu. Überhole ein Radfahrer den anderen, müsse dabei anders als bei überholenden Autofahrern nicht generell ein Sicherheitsabstand von eineinhalb bis zwei Metern eingehalten werden, führten die Richter aus. Sonst sei gerade in Innenstädten Überholen fast nicht möglich. Es komme vielmehr auf die Umstände des Einzelfalles an. Im konkreten Fall wies der Radweg nämlich eine ausreichende Breite zum Überholen aus.
Im vorliegenden Fall habe der beklagte Radfahrer durch seinen Linksschwenk gegen das Gebot der Rücksichtnahme verstoßen. Danach müsse sich jeder Verkehrsteilnehmer so verhalten, dass kein anderer gefährdet oder behindert werde. Weil der Kläger aber hätte erkennen können, dass der andere Radfahrer unsicher fuhr, treffe ihn hier jedoch ein Mitverschulden von 50 Prozent, so die Richter.
Die StVO sieht in § 5 vor, dass andere Verkehrsteilnehmer*innen nur links überholt werden dürfen. Dies gilt auch ausnahmslos für Fahrradfahrer*innen auf dem Radweg. Außerdem müssen Radfahrende einen gewissen Abstand zueinander halten, der das sichere aneinander vorbeifahren garantiert. Der BGH hielt einen Abstand von 1,40 m zwischen zwei Radfahrenden auf dem Radweg für „verhältnismäßig schmal“ (AZ: VI ZR 131/84). Ist der Fahrradweg zum Überholen zu schmal, darf man nicht auf den Gehweg ausweichen. Notfalls müssen schnelle Radfahrende, die überholen wollen, warten, bis der Radweg breiter wird.
Allgemeine Verkehrsregeln für Radfahrer
Eigentlich sind sogenannte Schallzeichen innerhalb geschlossener Ortschaften nur in Gefahrensituationen erlaubt. Auf der Straße dürfen Sie Kraftfahrzeuge übrigens mit dem Rad streng genommen auch nur links überholen. § 5 Absatz 8 StVO hält aber eine Ausnahme für Sie bereit: Kommt es zum Stau oder bildet sich an einer Ampel eine Schlange, dürfen Sie auf der rechten Fahrbahn ganz rechts an den wartenden Fahrzeugen vorbeifahren. Dabei müssen Sie aber besonders vorsichtig fahren, um sich und andere nicht zu gefährden.
Wer meint, ein Verstoß als Radfahrer sei nicht so schlimm, der täuscht sich: Es drohen Bußgelder und auch der Führerschein kann in Gefahr sein.
Für Radfahrer gelten an Ampeln mit Radwegen eigene Lichtzeichen bzw. Fahrradampeln. Sind keine vorhanden, sind für Radfahrer die Ampeln für den Fahrverkehr entscheidend.
Grundsätzlich dürfen auch Radfahrer die Fahrbahn benutzen. Die Benutzung des Radweges kann allerdings durch drei Verkehrszeichen angeordnet werden. Ist ein links verlaufender Radweg durch die genannten Verkehrszeichen in der Gegenrichtung freigegeben, so besteht in dieser Fahrtrichtung ebenfalls Benutzungspflicht. Für Rennradfahrer gibt es keine Ausnahmen von der Radwegbenutzungspflicht. Auch sie müssen vorhandene Radwege nutzen, wenn es vorgeschrieben ist und die Benutzung für sie zumutbar ist.
Auch für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot. Sie dürfen nicht mitten auf der Fahrbahn fahren, sondern müssen sich möglichst weit rechts halten.
Weitere wichtige Informationen für Radfahrer
- Alkohol am Steuer: Schon eine Fahrt mit ab 0,3 Promille kann strafbar sein, wenn Sie entsprechende Ausfallerscheinungen haben. Ab 1,6 Promille gilt die Alkoholfahrt auch ohne Ausfallerscheinungen als Straftat. Dafür gibt es Punkte im Fahreignungsregister in Flensburg und eine Geldstrafe von etwa 30 Tagessätzen. Zusätzlich wird ab 1,6 Promille eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) angeordnet. Wer diese nicht besteht, verliert auch seine Fahrerlaubnis.
- Überqueren von Zebrastreifen: Der Vorrang an einem Fußgängerüberweg mit Zebrastreifen (Zeichen 293) gilt zwar ausschließlich für Fußgänger und Rollstuhlfahrer. Aber ein Radfahrer darf über den Zebrastreifen fahren, muss dabei allerdings den Querverkehr durchfahren lassen. Wenn ein Radfahrer möchte, dass der Verkehr wie bei Fußgängern anhält, muss er dort absteigen und sein Rad über den Zebrastreifen schieben.
- Helmpflicht: Nein. Ein Helm ist aber jedem Fahrradfahrer zu empfehlen. Sollte Radfahren als Sport betrieben werden, trägt der Radfahrer zudem bei einem Unfall eine Mithaftung, wenn er keinen Helm trägt - auch wenn ihn sonst kein Verschulden trifft.
- Musik hören: Ja, solange sie nicht zu laut aufgedreht ist. Die Musik darf auf keinen Fall das Fahren oder die Wahrnehmung beeinträchtigen. Das gilt auch für Kopfhörer und Ohrstöpsel.
Die Bedeutung von Sicherheit und Respekt
Das korrekte Überholen von Radfahrern ist nicht nur eine gesetzliche Verpflichtung, sondern auch ein Zeichen von Respekt und Verantwortung im Straßenverkehr. Nehmen Sie rücksichtsvoll am Straßenverkehr teil und tragen Sie dazu bei, Unfälle zu vermeiden - fahren Sie vorsichtig und tragen Sie zu einer sichereren Straße bei!
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