Für die Hersteller sind die Entwicklungskosten solcher Eisen oft kaum einspielbar. Und für die meisten Kunden sie diese exklusiven Technologieträger kaum bezahlbar. Zudem sollen Top-End Projekte die Kreativität und den Ehrgeiz junger Ingenieure in den Entwicklungsabteilungen zu innovativen Höchstleistungen anstacheln und die Grenzen des Machbaren neu definieren. Und nicht zuletzt dient die extreme Performance und Präzision solcher Technologieträger als "Visitkarte" der globalen Imagepflege der Produzenten. Die enormen Kosten kann man in einigen Fällen zu einem guten Teil als Marketingausgabe betrachten.
Denn ist die Kreation entsprechend exklusiv, lockt sie auch entsprechend zahlungskräftige Kundschaft an. Und für den erlauchten Kundenkreis bieten diese exklusiven „On the Edge“ Monumente im technischen Grenzbereich nicht nur irre Fahrdynamik und enormen Besitzerstolz, sie sind fast immer auch hochprofitable Anlageobjekte.
Auktionen von MotoGP-Ducatis: Seltene Gelegenheiten für Sammler
Während Ducati in der Saison 2024 die Königsklasse des Motorrad-Rennsports dominierte, ergaben sich im Hintergrund passende und ganz besondere Gelegenheiten: Echte MotoGP-Ducatis wurden versteigert: eine gepflegte Desmosedici GP3 und eine neu aufgebaute Desmosedici GP7, originale Veteranen aus der Werks-Rennabteilung Ducati Corse. Weiter geht's im Dezember 2024 mit Loris Capirossis GP6 aus der MotoGP-Saison 2006.
Ab 3. Dezember 2024 versteigert das renommierte Auktionshaus Sotheby's die Ducati Desmosedici GP6 LC2, mit der Loris Capirossi die MotoGP-Saison 2006 bestritt. Laut Sotheby's ist von Ducati dokumentiert und bestätigt, dass es sich hierbei um genau diese Desmosedici GP6 handelt.
Die Ducati Desmosedici GP6 ist - reglementbedingt - die letzte Version mit 990 Kubik großem V4-Motor und angeblich bis zu 250 PS Spitzenleistung sowie über 320 km/h Höchstgeschwindigkeit. Loris Capirossis LC2 befindet sich aktuell in einer privaten Sammlung in New York, und Sotheby's erwartet bei der bevorstehenden Auktion Gebote zwischen 400.000 und 800.000 US-Dollar.
Ducati Desmosedici GP3 LC1 von Loris Capirossi
Bei der bereits im August 2024 von Iconic Auctioneers versteigerten Ducati Desmosedici GP3 handelt es sich um die erste Werks-Rennmaschine von Ducati für die damals neu etablierte Viertakt-Klasse MotoGP. Werksfahrer Loris "Capirex" Capirossi gelang mit der Desmosedici GP3 der erste Sieg beim Grand Prix Barcelona-Catalunya, und die gesamte erste MotoGP-Saison 2003 schloss Capirossi auf dem respektablen 4. Rang ab.
Nachdem Ducati in der Superbike-WM sehr erfolgreich mit den markentypischen V2-Motoren unterwegs gewesen war, war das Desmosedici-Triebwerk erstmals ein V4 für den Renneinsatz. Immerhin ebenfalls mit 90 Grad Zylinderbankwinkel und desmodromischer Steuerung für die 16 Ventile. Dem damaligen MotoGP-Reglement entsprechend hatte der V4 nicht ganz 1.000, sondern 989 Kubik. Genaue Leistungsdaten verschwieg Ducati wie in der Rennszene üblich, doch kolportiert wurden 220 bis 230 PS bei schrillen 16.000/min.
Je nach Übersetzung erreicht die Ducati Desmosedici GP3 Höchstgeschwindigkeiten um 300 km/h. Damalige Top-Komponenten, von Öhlins fürs Fahrwerk und von Brembo für die Bremsen, sind selbstverständlich vorhanden. Ebenso die imposante Abgasanlage von Termignoni sowie Racing-Digital-Display und Motorsteuerung von Magneti Marelli.
Genau diese Ducati Desmosedici GP3 mit der Startnummer 65, Loris Capirossis ehemaliges Arbeitsgerät, wurde von Iconic Auctioneers versteigert. Tatsächlich steigerte der Höchstbietende für die Ducati Desmosedici GP3 sogar darüber hinaus, auf 201.250 Britische Pfund (circa 237.500 Euro).
Angeblich ist die versteigerte Ducati Desmosedici GP3 fahrbereit. Mit kleinen, feinen Abweichungen vom picobello Originalzustand: Schlupfregelung wurde nachgerüstet, und die Carbon-Bremsscheiben vorn sind lediglich für Show-Zwecke montiert - laut Iconic Auctioneers von einem erfahrenen und entsprechend spezialisierten Mechaniker. Die Desmosedici GP3 LC1 könnte auch für Aufsehen und Aufhören erregende Einsätze bei Rennsport- oder Klassik-Veranstaltungen genutzt werden. Öffentliche Straßen sind für die echte Rennmaschine tabu.
Ducati Desmosedici GP7 von Casey Stoner ebenfalls 2024 versteigert
Ebenfalls am Sonntag, 25. August 2024 ab mittags am Silverstone Circuit versteigerte Iconic Auctioneers eine Ducati Desmosedici GP7 aus dem Jahr 2007. Nachdem es bis 2020 in einer privaten Sammlung gestanden war, baute Ducati-Spezialist Dave Allenby es neu auf - mit originalen Ersatzteilen von Ducati Corse und Target Motorsport.
Dem damaligen MotoGP-Reglement entsprechend hat der V4-Motor der Ducati Desmosedici GP7 "nur" 799 Kubik. Mit seinen 16 desmodromisch gesteuerten Titanventilen kommt er trotzdem hochdrehzahlfest auf über 220 PS. Bei angeblich nur 148 Kilogramm Gesamtgewicht beschleunigt die GP7 damit heftigst auf über 300 km/h.
Hier trägt der V4-Motor im Stahl-Gitterrohrrahmen mit, und die Top-Komponenten von Öhlins und Brembo sind auf dem höchsten technischen Stand von 2007. Carbon-Bremsscheiben sowie originale 16,5-Zoll-Räder sind vorhanden, ebenso Stahl-Bremsscheiben und die derzeit montierten Räder im Standard-Format 17 Zoll.
Für die Ducati Desmosedici GP7 erwartete Iconic Auctioneers Gebote zwischen 380.000 und 400.000 Britische Pfund, aktuell entsprechend circa 450.000 bis 470.000 Euro. Und hier lag das Höchstgebot ebenfalls knapp darüber: 402.500 Britische Pfund (circa 475.000 Euro).
MotoGP-Replika Ducati Desmosedici RR
Im direkten Vergleich mit den originalen MotoGP-Veteranen erscheint die Ducati Desmosedici RR da geradezu wie ein Massenartikel. Die MotoGP-Prototypen gibt es nicht zu kaufen - aber geschätzt werden die Dienstfahrzeuge von Marc Márquez & Co auf einen Wert von 2 Millionen Dollar aufwärts. Pro Stück! Immerhin sind es unangefochten die mächtigsten einspurigen Boliden, die derzeit auf Rennstrecken unterwegs sind.
Kosten eines Sturzes in der MotoGP
In der MotoGP passierten 2019 über alle Trainingsessions, Qualifyings und Rennen hinweg insgesamt 220 Stürze. Um einen Eindruck der Dimensionen zu bekommen, hilft es zu wissen, mit wie viel eine solche Werksmaschine im Preis an und für sich zu Buche schlägt.
Christophe Bourguignon beziffert die Kosten für die beiden Motorräder von Crutchlow auf zwei Millionen Euro. "Ein Sturz in der MotoGP kann zwischen 15.000 und 100.000 Euro kosten. Einen 2.000-Euro-Sturz gibt es einfach nicht", sagt Bourguignon. "Wenn wir Glück haben, müssen wir nur ein paar Teile auswechseln, die wir auf Lager haben. Aber ein großer Unfall oder selbst eine Reihe aufeinander folgender kleinerer Stürze kann einem sofort jede Menge Ärger machen.
Da einige schon während der Trainings in Gebrauch sind, können schwere Stürze während des Wochenendes schnell zum Problem werden. Er betont, dass es in der MotoGP faktisch keine kleinen Unfälle gibt: "Die Motorräder sind schwer und sehr schnell. Wenn man über das Vorderrad stürzt, nehmen mindestens die Verkleidung, die Lenkerstummel und viele andere Carbonteile Schaden. Die meisten Dinge können repariert und wiederverwendet werden."
"Aber wenn man einen Unfall hat wie wir in Australien 2018, als der Rahmen und die Schwinge zerstört wurden, ist das etwas anderes. Solche Dinge sind praktisch unbezahlbar", fährt Bourguignon fort.
Weil die Michelin-Reifen eher klein und nicht sehr schützend seien, müssten die Felgen oft selbst bei kleineren Stürzen getauscht werden. Kostenpunkt: 4.000 Euro pro Satz. "Das hängt stark vom Hersteller und den Spezifikationen ab, aber ein Bauteil wie der Kühler kann rund 10.000 Euro kosten. In der Frontpartie sind Elektronikteile mit 2D-Technik verbaut, die allein 2.500 Euro kostet. Dann gibt es die Kontrolleinheit mit all den Sensoren. Hier liegen wir in etwa zwischen 10.000 bis 15.000 Euro."
Dazu zählt unter anderem der Motor: "Seit die Zahl der Motoren limitiert ist, kann ich mich nicht erinnern, jemals einen Motor aufgrund eines Unfall ersetzt zu haben. Das beweist, dass er gut geschützt ist", hält der LCR-Mechaniker fest.
Top 10 der High-End-Supersport-Motorräder
Hier ist eine Liste von High-End-Supersport-Motorrädern, die für ihren Preis, ihre Leistung und ihre Exklusivität bekannt sind:
- Honda RC 213 V-S: Keine Honda ist technisch näher an den HRC Werksmaschinen in der MotoGP als die in einer Kleinserie von nur 250 Stück hergestellte Honda RC 213 V-S. Der 999ccm V4 liefert inklusive der mitgelieferten Tuningteile 215PS, in der zugelassenen Version für den Straßenbetrieb werden vergleichsweise milde 160PS ans Hinterrad geschickt. Die Fahrwerksgeometrie ist kompromisslos sportlich ausgelegt. Gabel und Stoßdämpfer sind Topware von Öhlins. Die Honda RC 213 V-S konnte nur online direkt bei Honda bestellt werden, alle 250 Stück waren bereits vor der Produktion ausverkauft.
- MTT Y2K: Na dann, festhalten, denn die Y2K von MTT wird seit 20 Jahren in Kleinserie von 5-10 Stück/Jahr produziert und trägt in den USA ganz normal ein Kennzeichen. Was daran so besonders ist? Die 320PS und vor allem die 576Nm bei 52.000 (!) Revs der Gasturbine die die 2YK mit milden 402kmh bzw. 250 Meilen zum derzeit schnellsten Serienmotorrad des Planeten mit Straßenzulassung machen. So wie der Preis von 220.000 € wenn man unsere Steuern dazu addiert. Wer lieber auf Privatgrund fährt wählt besser gleich die MTT 420 RR mit 420PS und 678Nm. Ist zwar ohne Zulassung aber immer noch ein Serienmotorrad. Als Topspeed gibt der Hersteller „Schneller als sie sich je trauen werden“ an. Die Mutigsten sahen bisher 440kmh am Tacho.
- Ducati Superleggera: Um ihre unglaublichen 152,2 kg Trockengewicht (mit Racekit) zu erreichen, hat Ducati quasi den Rotstift abgeschafft und die gleichen Technologien und Materialien, die sonst nur den Prototypen in der MotoGP vorbehalten sind, verwendet. Mit gewaltigen 234PS bietet die Superleggera ein superfittes Leistungsgewicht von 1,54 PS pro kg (entspricht einem VW Golf mit 1850PS!) und bleibt dabei dank dem extrem umfangreichen Elektronikpaket gut kontrollierbar. Ihr Name ist Programm, die Superleggera ist tatsächlich superleicht. Und auf 500 Stück limitiert. Chassis, Felgen, Verkleidung, Biplane-Winglets und sogar die Einarmschwinge sind aus Carbon gefertigt und werden wie in der MotoGP thermographisch, tomographisch und mit Ultraschall geprüft bevor sie verbaut werden.
- MV Agusta F4 1000 CC: 2006, als MV Boss Claudio Castiglioni die edle F4 1000 CC auf der EICMA enthüllte, waren ihre 200PS und 125NM aus 1078ccm eine sehr ernste Ansage. Und am Edeleisen, dass seine Initialen trug, durfte nur feinste Ware verbaut werden. Die auf 100 Stück limitierte „CC“ war trotz selbstbewusst aufgerufener 118.000 Euro blitzartig vergriffen.
- Münch Mammut 2000: Schon in den 60igern hat Friedel Münch die Untermotorisierung bekämpft indem er ganz einfach einen Automotor in ein Eigenbau-Fahrwerk hängte und mit der „Mammut“ nicht weniger als das damals stärkste, schnellste und teuerste Serienmotorrad der Welt schuf. Die „Mammut 2000“ entwickelte Münch Ende der 90er und begann kurz nach der Jahrtausendwende die Produktion einer Kleinserie. Und wieder erschütterte er mit den Eckdaten der „Mammut 2000“ die Motorradwelt. 1998ccm Turbomotor, 260PS, 380Nm und 380kg voll.
- Bimota Tesi H2: Mit einer Einarmschwinge am Hinterrad fällt man heute nicht mehr auf, mit einer Achsschenkellenkung vorne allerdings schon. Und für die Tesi kommt nat. nur das derzeit PS-stärkste straßenzugelassene Serientriebwerk der Welt, der 231PS Kompressor Motor der H2 in Frage. Die Tesi wiegt damit volle 31kg weniger als die Kawasaki H2 mit gleichem Motor! Es wird nur 250 Tesi H2 geben, von der Tesi H2 Carbon Edition sogar nur 10 Exemplare!
- Horex VR6 Black Edition: Extrem Hochwertig im Detail (Red Dot Award Gewinner!), trumpft die Horex VR6 Black Edition mit einigen Alleinstellungsmerkmalen auf. Einziges Serienmotorrad der Welt mit V6 Motor. Erstes Motorrad überhaupt mit einem Lenkkopf aus Karbon. Das leichteste 6 Zylinder Motorrad das je in Serie gebaut wurde. Da gehen die 168PS und 138 Nm des Triebwerks bei nur 217kg fast schon unter. Beim Preistaferl der limitierten Black Edition wird man aber schnell wieder hellhörig: 79000!
- Ducati Desmosedici RR: 2007 überraschte Ducati die Welt mit einer MotoGP Replika für die Straße. Mit Racekit hat die Desmosedici RR über 200PS und schafft mehr als 300km/h Topspeed. Nur 1500 Stück wurden produziert, und trotz heftigen 70.000 Listenpreis war sie schnell vergriffen.
- Norton V4SV Carbon: Ein Under-seat Carbontank, eine Rückblickkamera mit Bild am großen Farbdisplay oder eine handgefertigte Einarmschwinge findet man sonst an keinem Serienmotorrad. Jede Menge Carbon (Felgen, Verkleidung), CNC Teile und Top-End Fahrwerks- und Bremskomponenten von Öhlins und Brembo machen auch ohne offizielle Preisangabe klar dass die V4SV kein Schnäppchen sein wird. Unsere Spione melden dass man von 59.000.- Listenpreis ausgehen darf. Offiziell noch ein Prototyp ist aber zu hören, dass die Serienproduktion bereits angelaufen ist. Norton ist Britischer Spezialist für handgefertigte Luxusmotorräder die durch extrem hochwertige, innovative Lösungen auffallen.
- Honda NR 750: Der V4 verfügt über ovale Kolben mit je 2 Pleuel und 8 Ventilen! Mit der NR750, von der nur 322 Exemplare produziert wurden, setzte Honda der Ovalkolbentechnologie ein Serien-Denkmal, dass bis heute den heiligen Gral der Motortechnologie repräsentiert. Die Ovalkolbentechnologie der Honda NR 750 ist bis heute das spektakulärste Motorkonzept aller Verbrennungsmotoren des Planeten!
Diese Motorräder sind nicht nur technologische Meisterleistungen, sondern auch begehrte Sammlerstücke.
Verwandte Beiträge:
- Motorrad fahren: Mindestalter & Führerschein in Deutschland
- Promillegrenze Radfahren: Was droht bei Alkohol am Steuer?
- Zu viel Luft im Fahrradreifen: Folgen & richtiger Luftdruck
- Rollerführerschein 50ccm: Kosten & Ablauf der Prüfung
- Unplattbare Fahrradreifen im Test – Die besten Modelle für sorgenfreies Fahren!
- Das lauteste Motorrad der Welt: Unglaublicher Rekord und Sound, der dich umhaut!
Kommentar schreiben