Wie viel kostet ein MotoGP Motorrad? Eine detaillierte Analyse

Die MotoGP, die Königsklasse des Motorradrennsports, fasziniert Motorsportfans weltweit. Doch was kostet eigentlich ein solches Hightech-Motorrad? Dieser Frage gehen wir hier auf den Grund und beleuchten die verschiedenen Aspekte, die den Preis eines MotoGP-Bikes bestimmen.

Die Kosten der MotoGP-Prototypen

Eines gleich vorweg: Die MotoGP-Prototypen der Werksteams gibt es nicht zu kaufen. Die Dienstfahrzeuge von Marc Márquez & Co werden auf einen Wert von 2 Millionen Dollar aufwärts pro Stück geschätzt. Immerhin sind es unangefochten die mächtigsten einspurigen Boliden, die derzeit auf Rennstrecken unterwegs sind.

Gebrauchte MotoGP-Motorräder: Auktionen und Sammlerstücke

Es gibt jedoch Möglichkeiten, an gebrauchte MotoGP-Motorräder zu gelangen. Diese werden gelegentlich auf Auktionen versteigert. Hier einige Beispiele:

Bonhams-Auktion: MotoGP-Bikes aus der Phil Morris-Kollektion

Im Rahmen der "Autumn Stafford Sale" versteigerte Bonhams fünf MotoGP-Bikes aus der Phil Morris-Kollektion. Die Motorräder waren beim Team des britischen Geschäftsmanns Paul Bird während der Claiming Rule Teams-Ära (CRT) zwischen 2012 und 2014 im Einsatz.

  • 2014 PBM-ART Grand Prix: Pilotiert von Broc Parkes. Schätzung: 46.980 - 70.470 Euro.
  • 2014 PBM-ART 1.000cc Grand Prix: Gefahren von Michael Laverty. Schätzung: 46.980 - 70.470 Euro.
  • 2012 Aprilia Art 1, 1.000cc Grand Prix: Das Rennmotorrad von James Ellison und Yonny Hernandez. Schätzung: 46.980 - 70.470 Euro.
  • 2012 Aprilia Art 1.000cc Grand Prix Rennmotorrad: Gefahren von James Ellison, Yonny Hernandez und Michael Laverty. Schätzung: 35.260 - 58.770 Euro.
  • PBM-ART Grand Prix Rennmotorrad 2014 PBM-ART: Ex-Bike von Broc Parkes. Schätzung: 35.260 - 58.770 Euro.

Ducati MotoGP-Auktionen

Auch Ducati versteigerte in der Vergangenheit MotoGP-Maschinen:

  • Ducati Desmosedici GP3 LC1 von Loris Capirossi (2003): Versteigert für 237.500 Euro.
  • Ducati Desmosedici GP7 von Casey Stoner (2007): Versteigert für 475.000 Euro.
  • Ducati Desmosedici GP6 LC2 von Loris Capirossi (2006): Erwarteter Preis: 400.000 bis 800.000 US-Dollar.

Straßentaugliche MotoGP-Repliken

Wer nicht gleich ein Vermögen für ein echtes MotoGP-Motorrad ausgeben möchte, kann auf straßentaugliche Repliken zurückgreifen. Honda (RC213V-S) und KTM (RC16) bieten solche Repliken an, so wie es einst Ducati mit der Desmosedici RR getan hat.

KTM bietet zwei RC16-Werksrennmaschinen aus der Saison 2019 zum Verkauf an. Als Stückpreis werden 288.000 Euro plus Steuern aufgerufen. Im Packetpreis enthalten sind jeweils noch ein Rennkombi von Pol Espargaro und ein signierter Helm des Spaniers sowie VIP-Tickets für einen MotoGP-Event in der Saison 2021 nach Wahl.

Die Kosten eines Sturzes

Ein Sturz in der MotoGP kann zwischen 15.000 und 100.000 Euro kosten. Einen 2.000-Euro-Sturz gibt es einfach nicht. Wenn man Glück hat, muss man nur ein paar Teile auswechseln, die man auf Lager hat. Aber ein großer Unfall oder selbst eine Reihe aufeinander folgender kleinerer Stürze kann einem sofort jede Menge Ärger machen. So haben wir zum Beispiel nur fünf Tanks auf Lager. Dasselbe gilt für Auspuff und Kühler.

Hier eine Übersicht einiger Kosten:

Teil Kosten
Carbon-Bremsscheiben ca. 10.000 Euro pro Satz
Felgen ca. 4.000 Euro pro Satz
Kühler ca. 10.000 Euro
Elektronikteile mit 2D-Technik ca. 2.500 Euro
Kontrolleinheit mit Sensoren ca. 10.000 bis 15.000 Euro

Was macht den Unterschied zu Straßenmotorrädern aus?

Was macht eigentlich den Unterschied zu jenen Motorrädern aus, die man um ein Hundertstel dieses Preises kaufen kann und fahren darf? Hier ein Vergleich:

Motor

Die 1000 cm³ Hubraum der MotoGP und Vierzylinder-Bauweise sind auch bei den großen Straßen-Maschinen Standard, also wo kommt die Mehrleistung her? Zunächst rauben weder Katalysator, noch Schalldämpfer Kraft. Den Rest besorgen nutzbare Drehzahlen von bis zu 19.000 U/min, ermöglicht durch pneumatische Ventilsteuerung: Druckluft schließt die Motorventile schneller und verlässlicher, als es vergleichsweise träge Metallschraubenfedern könnten. Im Rennsport ist diese Technologie essentiell, für die Straße schlicht unbrauchbar.

Getriebe

Aus der Formel 1 stammt das sogenannte Seamless Getriebe. Diese elektromechanischen Wunderwerke vollziehen den Wechsel der Gangstufen quasi verschliffen, ohne Kupplungseinsatz und Zugkraftunterbrechung. Nur so funktioniert das Hochschalten in Schräglage.

Bremsen

Die Lösung lautet Carbon-Keramik-Bremsscheiben für das Vorderrad. Bei Regen wird hingegen Stahl verwendet, denn Carbon käme nicht auf Arbeitstemperatur.

Winglets und Devices

Vor allem Ducati hat bei der Entwicklung der Bikes in den vergangenen drei Jahren Vollgas gegeben und sowohl die Winglets als auch Ride-Height-Devices erfunden. Die neuen Flügel machen die Motorräder zwar stabiler und schneller, sorgen in den Zweikämpfen aber für aerodynamische Turbulenzen und machen Überholmanöver extrem schwer. Die mögliche Absenkung des Fahrwerkes je nach Rennsituation (Ride Height) wiederum benötigt bis zu 12 Knöpfe am Lenker und setzt sogar die besten Fahrer der Welt unter Druck.

Karosserie & Packaging

Die Hüllen von MotoGP-Prototypen sind selbstverständlich aus federleichter Kohlefaser gefertigt - unvorstellbar in der Massenfertigung. Bei der Gewichtsverteilung und Aerodynamik kann ein Prototyp ebenfalls aggressivere Wege beschreiten. Ein straßenzugelassenes Bike schleppt eine voluminöse Abgasanlage, sowie Dinge wie Startermotor, Licht, Soziussitz und eine großen Batterie mit. Aktuell bringt ein MotoGP-Bike gerade einmal 158 kg auf die Waage.

Sensorik & Traktionskontrolle

40 bis 50 Sensoren trägt ein MotoGP Motorrad, vom Reifendruck über verschiedene Motorparameter, Chassisbalance, Schräglage, Position bis hin zu den Drehgeschwindigkeiten von Vorder- und Hinterrad. Einige füttern die Elektronik der Motorsteuerung, die 2016 stark vereinheitlicht und vereinfacht wurde und die Teams so vor Herausforderungen gestellt hat. Genauso wie käufliche Traktionskontrollen verhindert sie Wheelies und Highside-Crashes, ist in der Rennsportversion hinsichtlich Präzision und sanfter Arbeitsweise aber weit überlegen.

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